Gestalttherapie und Gestaltpädagogik sind verschiedene Ausprägungen des Gestaltansatzes. Ausgehend von der Gestalttheorie (Christian von Ehrenfels; Max Wertheimer) bemüht sich der Gestaltansatz um die ganzheitliche Wahrnehmung von „Gestalten“. "Gestalt" ist die stabile Beziehung unterschiedlicher Teile, deren Summe ein "mehr" ergibt. Diese Ganzheit ergibt sich nicht durch ein mehr oder weniger zufälliges Zusammentreffen der einzelnen Dimensionen, sondern entwickelt sich und verhält sich gemäß den Gestaltgesetzen. Das gilt nicht nur für die Phänomene der dinglichen Welt, sondern auch und ganz besonders für den Menschen: Der Mensch ist ein grundsätzlich Ganzes.
Inhaltsverzeichnis
1. Was ist Gestalt-Pädagogik?
1.1 Wie wurde „Gestaltpädagogik“?
1.2 Der theoretische Hintergrund: Der Gestaltansatz. Oder: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile
1.3 Menschenbildannahmen des Gestaltansatzes
1.3.1 Der Mensch hat drängt nach Selbst-Verwirklichung
1.3.2 Der Mensch ist eine Einheit von Geist, Seele und Leib
1.3.3 Der Mensch sucht die Beziehung, den Kontakt
1.4 „Was ist Gestaltpädagogik“? Neuere Klärungsversuche Oder: Wo der Mensch dem Menschen begegnet
2. Ziele und Prinzipien der Gestaltpädagogik: Stärken stärken
2.1 Persönlichkeitsentwicklung
2.2 Ganzheitliche Konzeption des Lernprozesses
2.3 Handlungsleitende Ziele und Prinzipien der Gestaltpädagogik
2.3.1 Wie kann sich Persönlichkeit entwickeln?
2.3.2 Mit welchen Arbeitsprinzipien ist das Ziel anzubahnen?
2.3.3 Wie muss Schulleben gestaltet sein?
2.3.4 Welche Aufgabe hat der Lehrer?
3. Lernen im Verständnis von Gestaltpädagogik
3.1 Lehren und Lernen ist ein Kontaktprozess
3.2 Lernen ist die kreative Erschaffung von Wissen
3.3 Lernen ist immer „persönlich bedeutsames Lernen“
3.3.1 Lernen findet im subjektiven Erleben statt
3.3.2 Lernen findet durch „intersubjektive Verständigung" statt
3.3.3. Lernen findet auf der Sinnebene statt
3.3.4 Persönlich bedeutsames Lernen ist ganzheitliches Lernen
3.4 Zusammenfassung: Was bedeutet Lernen im Konzept der Gestaltpädagogik?
4. Was ist das Spezifische an der Gestaltpädagogik?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spezifische des gestaltpädagogischen Ansatzes für den Unterricht und beleuchtet, wie Lernen in diesem Konzept verstanden wird. Zentral ist dabei die Frage, wie durch die Förderung persönlich bedeutsamer Lernprozesse und einer dialogischen Lehrer-Schüler-Beziehung eine humanere Pädagogik gestaltet werden kann, die den ganzen Menschen in den Mittelpunkt stellt.
- Menschenbild und anthropologische Grundlagen des Gestaltansatzes
- Persönlichkeitsentwicklung durch Selbst-Aktualisierung und Kontakt
- Gestaltpädagogische Prinzipien für die Unterrichtsgestaltung
- Die Rolle der Lehrperson als wacher Begleiter
- Das Konzept des persönlich bedeutsamen und ganzheitlichen Lernens
Auszug aus dem Buch
1.1 Wie wurde „Gestaltpädagogik“?
Das auf „das Zusammenfließen“ emotionaler und rationaler Lernprozesse abzielende Konzept der "Confluent Education" von George. I. Brown, entwickelt auf dem Hintergrund der gestalttherapeutischen Arbeit Browns bei Fritz Perls, deren Prinzipien in den pädagogischen Raum übertragen werden sollten (vgl. Bürmann 1992, 9) und das Konzept der „Integrativen Agogik“ von Hilarion Petzold, das zunächst auf die Erwachsenenbildung gerichtet war, ebenfalls auf die Gestalttherapie, jedoch zusätzlich auf das Psychodrama nach Moreno zurückgreift und so der „Dimension Leib“ eine zusätzliche und stärkere Beachtung gibt, können als „Urväter“ der Gestaltpädagogik verstanden werden. Ihr gemeinsames Buch „The live classroom“(1975) ist 1978 in Deutschland unter dem Titel „Gefühl und Aktion“ erschienen.
Weitere „verwandtschaftliche Beziehungen“ der Gestaltpädagogik finden sich zu den Ansätzen des Personenzentrierten Lernens (Carl Rogers; Tausch/Tausch), der europäischen Reformpädagogik und der Themenzentrierten Interaktion nach Ruth Cohn.
Burow/Scherpp definierten 1981 die Gestaltpädagogik als einen „Sammelbegriff für pädagogische Konzepte, die sich weitgehend an den theoretischen und praktischen Vorstellungen der Gestalt-Therapie und der Gestaltpsychologie orientieren." (Burow/Scherpp 1981, 119). Die Konzepte der Gestaltpädagogik waren 1981 noch sehr unscharf und in einem experimentellen Stadium. In den 1980er und 1990er Jahren hat sich die Gestaltpädagogik durch eine intensive Workshoparbeit gestalttherapeutisch interessierter Pädagogen entwickelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Was ist Gestalt-Pädagogik?: Dieses Kapitel definiert die Gestaltpädagogik als humanistische Richtung, die auf der Gestalttherapie aufbaut und die Wachstumsfaktoren des Individuums betont.
2. Ziele und Prinzipien der Gestaltpädagogik: Stärken stärken: Hier werden die zentralen Ziele wie Persönlichkeitsentwicklung und eine ganzheitliche Lernkonzeption erläutert, die durch spezifische Arbeitsprinzipien in den Schulalltag überführt werden sollen.
3. Lernen im Verständnis von Gestaltpädagogik: Dieses Kapitel beschreibt Lehren und Lernen als Kontaktprozess und definiert das Konzept des persönlich bedeutsamen, ganzheitlichen Lernens, das die subjektive Erfahrung des Schülers in den Fokus rückt.
4. Was ist das Spezifische an der Gestaltpädagogik?: Der abschließende Teil identifiziert die personenzentrierte Prozessorientierung und den besonderen Umgangsstil der horizontalen Partnerschaft als wesentliche Unterscheidungsmerkmale zu anderen pädagogischen Ansätzen.
Schlüsselwörter
Gestaltpädagogik, Gestalttherapie, Humanistische Pädagogik, Persönlichkeitsentwicklung, Kontakt, Selbst-Aktualisierung, Ganzheitliches Lernen, Awareness, Lehrerbildung, Persönlich bedeutsames Lernen, Intersubjektive Begegnung, Unterrichtsentwicklung, Selbststeuerung, Dialog, Prozessorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Gestaltpädagogik als einer humanistischen Pädagogik, die auf den Erkenntnissen der Gestalttherapie aufbaut und diese für das schulische Lernen und den Erziehungsalltag fruchtbar macht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören das Menschenbild der Gestaltpädagogik, die Prinzipien der Persönlichkeitsentwicklung, die Gestaltung eines dialogischen Unterrichts und das Verständnis von Lernen als persönlich bedeutsamen Kontaktprozess.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, das Spezifische der gestaltpädagogischen Unterrichtskonzeption herauszuarbeiten und zu klären, wie Lehrkräfte Lernprozesse so gestalten können, dass sie dem Schüler als Ganzheit gerecht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die theoretische Aufarbeitung und Reflexion bestehender gestaltpädagogischer Konzepte sowie die Integration unterschiedlicher pädagogischer und therapeutischer Ansätze.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Operationalisierung von Gestaltpädagogik: Wie entwickeln sich Persönlichkeit und Lernkompetenz, welche Rolle nimmt die Lehrkraft ein und wie lassen sich Lerninhalte mit der Lebenswelt der Schüler verknüpfen?
Was zeichnet die Schlüsselwörter der Arbeit aus?
Die Begriffe wie "Kontakt", "Awareness" und "persönlich bedeutsames Lernen" bilden das theoretische Rückgrat und beschreiben die spezifische Ausrichtung auf den Prozess der Persönlichkeitsbildung.
Warum ist das "Hier und Jetzt" für die Gestaltpädagogik so bedeutend?
Das "Hier und Jetzt" dient dazu, Lerngegenstände in die unmittelbare geistige, seelische und körperliche Gegenwart der Lernenden zu bringen, um so echtes Interesse und eine tiefere Auseinandersetzung zu ermöglichen.
Welche Bedeutung hat die Lehrerrolle im gestaltpädagogischen Konzept?
Der Lehrer ist nicht bloßer Wissensvermittler, sondern fungiert als erfahrener Begleiter, der durch seine eigene Kongruenz und Kontaktfähigkeit eine lernförderliche Atmosphäre schafft, in der Schüler ihre Potenziale entfalten können.
- Quote paper
- Heike Kellner-Rauch (Author), 2006, Gestaltpädagogisch orientierter Unterricht , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138152