Die SPRINT-Studie berichtete schon 2006, dass ca. 50% des Grundschulsportunterrichts fachfremd erteilt werden. Da besonders die Grundschulen schon seit Jahren über den Mangel an Lehrkräften klagen, ist davon auszugehen, dass diese Zahl in den letzten 16 Jahren noch gestiegen ist. Die personelle Situation birgt für den Grundschulsport damit das Risiko, dass Lehrkräfte ihren professionellen Ansprüchen im Sportunterricht nicht gerecht werden (können). Über die tatsächliche Qualität von fachfremd erteiltem Sportunterricht ist jedoch kaum etwas bekannt. Um den Lehrkräften geeignete Weiterbildungsangebote machen zu können, muss zuerst klargestellt werden, welche Besonderheiten das Fach Sport im Vergleich zu anderen Fächern mitbringt und in welchen Bereichen fachfremd unterrichtende Lehrkräfte die größten Herausforderungen erleben.
Ziel dieser Arbeit ist es, fachfremden Lehrkräften einen Kriterienbogen an die Hand zu geben, mit dessen Hilfe sie geeignete Stundenbilder für ihren Sportunterricht auswählen können. Dafür werden potenzielle Defizite, Probleme und Herausforderungen von fachfremd unterrichtenden Sportlehrkräften an Grundschulen identifiziert und die sportunterrichtsspezifischen Kompetenzen, die fachfremd unterrichtende Lehrkräfte erwerben sollten, dargelegt. Die Stundenbilder sollen also zum einen den fachlichen Ansprüchen gerecht werden und zum anderen auch für fachfremde Sportlehrkräfte gut umsetzbar sein.
Zur Suche geeigneter Literatur wurde eine systematische Datenbankrecherche auf den Datenbanken HEIDI, BISp Surf, Fachportal Pädagogik und dem Katalog der Pädagogischen Hochschule Heidelberg durchgeführt. Weitere potenzielle Literatur wurde mit Hilfe des Schneeballsystems anhand der Quellen im Literaturverzeichnis der bereits gesichteten und in die Arbeit einbezogenen Werke gefunden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Definitionen und Begriffsklärungen
2.1.1 Fachfremde, basis-qualifizierte und nicht-qualifizierte Lehrkräfte
2.1.2 Professionalität und (Re-) Professionalisierung
2.1.3 Zwischenfazit
2.2 Gegenüberstellung der Inhalte des Bildungsplans zum Bewegungsfeld Laufen, Springen, Werfen und der Sportart Leichtathletik
2.2.1 Der Bildungsplan Baden-Württemberg
2.2.2 (Kinder-)Leichtathletik
2.2.3 Zwischenfazit
3.1 Studienlage zu fachfremd unterrichtenden Sportlehrkräften
3.2 Fachliche Ansprüche an guten Sportunterricht aus Literatur und Praxisempfehlungen
3.2.1 Was ist guter Sportunterricht?
3.2.2 Erziehung zum und durch Sport
3.2.3 Besonderheiten des Fachs Sport
3.2.4 Vermittlungskonzepte
3.2.5 Aufbau und Struktur einer Sportstunde
3.2.6 Leistungsbewertung im Sportunterricht
3.3 Zwischenfazit
4 Entwicklung von Kriterien für gute Stundenbilder zum Laufen, Springen, Werfen
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, fachfremd unterrichtenden Sportlehrkräften an Grundschulen durch einen strukturierten Kriterienbogen Hilfestellung bei der Auswahl geeigneter Stundenbilder zu bieten, um die sportunterrichtliche Qualität insbesondere im Bewegungsfeld Laufen, Springen, Werfen zu sichern.
- Identifikation von Herausforderungen für fachfremde Sportlehrkräfte
- Analyse fachdidaktischer Ansprüche an einen qualitätsvollen Sportunterricht
- Gegenüberstellung von Bildungsplanvorgaben und dem Konzept der Kinderleichtathletik
- Entwicklung eines anwendungsorientierten Kriterienbogens für Stundenbilder
- Formulierung von Empfehlungen für die schulinterne Weiterbildung
Auszug aus dem Buch
Besonderheiten des Fachs Sport
Die Schule als Erziehungs- und Bildungsinstitution trägt die Fürsorgepflicht für ihre Schüler*innen. Dementsprechend sind die Kinder vor Schaden aller Art zu bewahren. Im Sportunterricht liegen die Risiken im Wesentlichen in drei Bereichen (de Gruyter, 1986):
1. Risiken, die auf das Spielende oder Sport treibende Kind zurückzuführen sind (Mitspieler, Motivation, Kompetenzen, etc.)
2. Risiken, die auf Geräte zurückzuführen sind (Konstruktionsmerkmale, Einbau, Umgebungsgestaltung, Zustand und Nutzung der Geräte)
3. Risiken, die auf Organisation und Betreuung zurückzuführen sind (Organisation des Unterrichts, Aufsicht durch die Lehrkraft)
In einer Analyse zum schulsportlichen Unfallgeschehen kommt Scharffe (1999) zum Ergebnis welche Situationen eher unfallbegünstigend bzw. -verhütend sind. Demnach finden sich überdurchschnittliche Risiken bei Ballsportspielen (sowie generell dem Gerät „Ball“ auch in anderen Kontexten) und kleinen Spielen. Außerdem sind Gruppenarbeiten mit mehr als fünf Personen und viele äußere Variablen (zusätzliche Sportgeräte, soziale Gegebenheiten) ebenso risikoreich. Einzel- und Partnerübungen und ortsfeste Geräte hingegen mindern das Unfallrisiko.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Problematik des fachfremd erteilten Sportunterrichts an Grundschulen und definiert das Ziel, Lehrkräfte durch einen Kriterienbogen bei der Auswahl geeigneter Stundenbilder zu unterstützen.
2 Theoretischer Hintergrund: Es werden grundlegende Begrifflichkeiten wie "fachfremd" und "Professionalisierung" geklärt sowie der Bildungsplan Baden-Württemberg in das Konzept der Kinderleichtathletik eingeordnet.
3.1 Studienlage zu fachfremd unterrichtenden Sportlehrkräften: Dieser Abschnitt beleuchtet aktuelle Erkenntnisse zur Belastung, Motivation und fachlichen Kompetenz von fachfremden Lehrkräften sowie deren Umgangsstrategien mit fachlichen Anforderungen.
3.2 Fachliche Ansprüche an guten Sportunterricht aus Literatur und Praxisempfehlungen: Hier wird der Qualitätsbegriff im Sportunterricht definiert und Aspekte wie Erziehung, Sicherheit, Vermittlungskonzepte, Stundenaufbau und Leistungsbewertung diskutiert.
3.3 Zwischenfazit: Die bisherigen Erkenntnisse werden zusammengefasst, wobei die Notwendigkeit von Unterstützung durch Ressourcen und eine zielgerichtete Auswahl von Stundenbildern betont wird.
4 Entwicklung von Kriterien für gute Stundenbilder zum Laufen, Springen, Werfen: Basierend auf der Theorie wird ein Kriterienkatalog entwickelt, der fachfremden Lehrkräften als Orientierungshilfe dient.
6 Fazit und Ausblick: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse und gibt einen Ausblick auf die notwendige Erprobung des Kriterienbogens sowie die Bedeutung organisierter schulinterner Fortbildungsangebote.
Schlüsselwörter
Sportunterricht, Grundschule, fachfremde Lehrkräfte, Laufen, Springen, Werfen, Leichtathletik, Unterrichtsqualität, Kriterienbogen, Sportdidaktik, Professionalisierung, Kompetenzorientierung, Lehrerfortbildung, Bildungsplan, Bewegungsfeld
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit fokussiert auf die Herausforderungen von Grundschullehrkräften, die das Fach Sport fachfremd unterrichten, und bietet praktische Unterstützung zur Qualitätsverbesserung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Studienlage zu fachfremdem Sportunterricht, Anforderungen an guten Unterricht, die Auseinandersetzung mit dem Bildungsplan sowie die didaktische Aufbereitung des Bewegungsfeldes Laufen, Springen, Werfen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Entwicklung eines Kriterienbogens, mit dem fachfremde Sportlehrkräfte hochwertige Stundenbilder für ihren Unterricht auswählen und anpassen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die durch eine systematische Datenbankrecherche und die Auswertung von Fachliteratur sowie Praxisratgebern zu einer konzeptionellen Entwicklung (dem Kriterienbogen) führt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen, die aktuelle Studienlage zu fachfremden Lehrkräften, fachliche Qualitätsansprüche an den Sportunterricht sowie konkrete Empfehlungen zur Unterrichtsgestaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie fachfremder Sportunterricht, Grundschule, Unterrichtsqualität, Bewegungsfeld Laufen, Springen, Werfen und Professionalisierung charakterisiert.
Warum ist das Konzept der Kinderleichtathletik relevant?
Es wird als konkrete und planungsfreundliche Orientierungshilfe für Lehrkräfte empfohlen, da es die unkonkreten Vorgaben des Bildungsplans durch altersgemäße Übungsformen und Strukturen ergänzt.
Welchen Einfluss haben soziale Ressourcen für Lehrkräfte?
Soziale Ressourcen, wie die Unterstützung durch Fachkollegen oder Team-Teaching, sind entscheidend, um Belastungen bei unfreiwillig unterrichtenden Lehrkräften abzubauen und die Unterrichtsqualität zu sichern.
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- Anonym (Author), 2022, Konzept zur Weiterbildung fachfremd unterrichtender Sportlehrkräfte an Grundschulen. Kriterien guter Stundenbilder zum Laufen, Springen und Werfen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1381613