Im Rahmen dieser Arbeit wurde neben weiteren zeitgenössischen Quellen Tertullians Traktat mit dem Titel De Idololatria besonders betrachtet, um einerseits der Frage nach Abgrenzung oder Integration nachzugehen und um andererseits einen detaillierten Einblick in die Situation der damaligen Christen in der antiken Gesellschaft um das 3. Jahrhundert zu bekommen. Dazu wurden zunächst Tertullians Ansichten etwa zur Stellung der Christen zur Astrologie, zum Handel, zu heidnischen Opfern oder zum Soldatenstand betrachtet und in Kombination mit weiteren Quellen begutachtet.
In dieser Arbeit rückt besonders die Frage nach der Stellungnahme der Christen zum Heeres- und Kriegsdienst in den Fokus der Diskussion. Diese Frage wird anhand verschiedener tertullianischer Quellen, neben Kapitel 19 aus De Idololatria auch Kapitel 42 seines Apologeticums und Kapitel 11 aus der Schrift De Corona Militum, sowie weiterer zeitgenössischer Literatur diskutiert. Im zweiten Kapitel wird ein Kommentar zum 19. Kapitel Tertullians De Idololatria gegeben und dessen Aussageabsicht herausgestellt. Um die Kernaussagen deutlicher herauszustellen, wird zusätzlich Kapitel 11 aus Tertullians Schrift De Corona herangezogen und dessen Aussageabsicht erläutert. Anschließend werden beide Schriften, die sich explizit mit der Frage nach dem Soldatenstand beschäftigen, miteinander verglichen.
Im dritten Kapitel werden die tertullianischen Schriften in den zeitgenössischen Kontext eingegliedert und dessen Kernaussagen mit zeitgenössischem Gedankengut verglichen. Das Hauptaugenmerk wird auf die Doppelfrage gelegt, ob ein Christ Soldat werden und ob ein Soldat zum christlichen Glauben übertreten darf.
Im vierten Kapitel wird ein abschließendes Fazit zu dieser Thematik gegeben. Dabei werden zusammenfassend die unterschiedlichen Sichtweisen einzelner Parteien zu dieser Doppelfrage und deren Antwortmöglichkeiten dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kommentar zum 19. Kapitel Tertullians „De Idololatria“
3. Einordnung des 19. Kapitels Tertullians „De idololatria“ in den zeitgenössischen Kontext
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Haltung des frühchristlichen Theologen Tertullian gegenüber dem Soldatenstand. Zentral ist dabei die Frage nach der Vereinbarkeit von christlichem Glauben und militärischem Dienst, wobei insbesondere die Entwicklung von einer rigorosen Ablehnung in seiner Schrift "De Idololatria" hin zu einer nuancierteren Betrachtung in "De Corona" analysiert wird.
- Tertullians Kritik am Soldatenstand
- Vereinbarkeit von Christentum und Militärdienst
- Analyse der Schriften De Idololatria und De Corona
- Kontextualisierung des frühen Christentums in der antiken Gesellschaft
- Rolle des Soldateneids und des christlichen Gehorsams
Auszug aus dem Buch
2. Kommentar zum 19. Kapitel Tertullians „De Idololatria“
Das 19. Kapitel der De Idololatria ist im Kontext der Kapitel 17 und 18 zu sehen, die von der Frage geprägt waren, ob ein Christ irgendeine Ehrenstelle oder ein Amt bekleiden dürfe, ohne mit seinem Christendasein in Konflikt zu geraten. Nach anfänglich eingeräumten Möglichkeiten der Amtsinhabe unter Berücksichtigung der Fernhaltung von götzendienerischen Akten in Kapitel 17, nimmt Tertullian diese in Kapitel 18 wieder zurück und appelliert an die von Christus geforderte Demut. Zu Beginn des 19. Kapitels weist er auf die enge Verwandtschaft dieser drei Kapitel hin, geht dennoch auf den speziellen Fall des Heeresdienstes ein, da dieser eine „gegenwärtige“ Diskussion darstellt. In dieser geht es um die beiden Fragen, ob ein getaufter Christ Soldat und ob ein Soldat, der sich zum christlichen Glauben bekehrt, zur Taufe zugelassen werden dürfe. Dabei geht es scheinbar um diejenigen Positionen und Ämter, in denen man „nicht zu opfern“ brauchte und die „mit Urteilen über Leben und Tod nichts zu tun haben“, dem sogenannten „Dienst der Gemeinen“. Soldaten befanden sich aufgrund ihres Soldateneides hingegen in einer Situation, in der sie alles, was ihnen von Offizieren befohlen wurde, ausführen mussten. Dieser Soldateneid stand in direkter Konkurrenz zur unbedingten Verpflichtung Gott gegenüber; Krieg und Blutvergießen wurde vom Christentum prinzipiell verworfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die christliche Haltung zum Heeresdienst anhand tertullianischer Schriften und zeitgenössischer Quellen kritisch zu untersuchen.
2. Kommentar zum 19. Kapitel Tertullians „De Idololatria“: Dieses Kapitel analysiert Tertullians strikte Ablehnung des Soldatenstandes, welche er mit der Unvereinbarkeit des Soldateneids und christlicher Gebote begründet.
3. Einordnung des 19. Kapitels Tertullians „De idololatria“ in den zeitgenössischen Kontext: Es wird dargelegt, dass Tertullians rigorose Haltung eine Reaktion auf die wachsende Zahl christlicher Soldaten war und im Spannungsfeld zwischen kaiserlicher Treue und göttlichem Gesetz stand.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Tertullian durch seine Schriften maßgeblich dazu beitrug, die Problematik der Vereinbarkeit von Soldaten- und Christenstand in den öffentlichen Diskurs zu rücken.
Schlüsselwörter
Tertullian, De Idololatria, De Corona, Soldatenstand, Christentum, Antike, Militärdienst, Heeresdienst, Soldateneid, Glauben, Abgrenzung, Integration, Blutvergießen, Militia Christi, Kriegsdienst
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theologischen und ethischen Positionierung des frühen Christentums gegenüber dem Soldatenstand, fokussiert auf die Schriften von Tertullian.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Frage nach Abgrenzung oder Integration der Christen in der antiken Gesellschaft, der Rolle des Soldateneids und der Auslegung biblischer Texte bezüglich militärischer Dienste.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse der tertullianischen Argumentation hinsichtlich der Doppelfrage, ob ein Christ den Soldatenberuf ergreifen darf und ob ein Soldat Christ werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, bei der die Schriften Tertullians (De Idololatria, De Corona, Apologeticum) kommentiert und in den historischen Kontext des 3. Jahrhunderts eingeordnet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Kommentierung von Tertullians Ausführungen und deren Abgleich mit der damals gängigen kirchlichen Praxis, etwa der Traditio Apostolica.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Tertullian, Soldatenstand, Christentum, militärische Ethik und antike Gesellschaft charakterisieren.
Warum unterscheidet sich Tertullians Meinung in "De Corona" von "De Idololatria"?
Tertullian passt seine Argumentation in der späteren Schrift "De Corona" der allgemeinkirchlichen Meinung an, indem er differenzierter zwischen dem Neueintritt in den Dienst und der Situation bereits bestehender christlicher Soldaten unterscheidet.
Welche Rolle spielte der "Kranz" in der Argumentation des Autors?
Der militärische Kranz dient Tertullian als Symbol für die Unvereinbarkeit mit dem Christentum, da er ihn als eine Form der Götzenanbetung interpretiert.
- Citation du texte
- Tim Mey (Auteur), 2007, Tertullian und seine Stellung zum Soldatenstand, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138163