Kann sich die Analyse der sprachlichen, literarischen und ästhetischen Gestaltung der Figuren und ihrer Rede als Ansatzpunkt und Schlüssel zur Erschließung des komplexen Gegenstandes des Romans "Der Vorleser" im Deutschunterricht der Sekundarstufe erweisen?
Betrachtet man ein Werk als komplexe Sprachkunst, sind es vorrangig die Protagonist*innen und ihre Figurenrede, die den Plot verlebendigen und nachhaltig Eindruck bei den Leser*innen hinterlassen. Zwischen dem Leseerlebnis von Alltags- und Schulliteratur, die im Rahmen des Deutsch- oder Literaturunterrichts gelesen wird, gibt es insbesondere im Hinblick auf die Förderung der Lese- und Bildungskompetenzen von Schüler*innen bedeutende Unterschiede. Verschiedene Facetten komplexer Sprachkunst zeigen sich vor allem auch in der Figurengestaltung und Figurenrede.
Daher sollen in der vorliegenden Arbeit die Figuren und ihre Rede in dem Roman "Der Vorleser" von Bernhard Schlink im Mittelpunkt der Betrachtung stehen und die Behandlung dieser Aspekte im Hinblick auf das ästhetische und didaktische Potential dieses Werkes für den Deutschunterricht untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1. Forschungsansätze zur Untersuchung literarischer Figuren
2.2. Forschungsansätze zum Erzählmodus und der Figurenrede
2.3. Kriterien für Gegenwartsliteratur im Deutschunterricht
3. Analytisches Design
4. Analyse der Figuren und ihrer Rede im Roman
4.1. Die Figuren Michael und Hanna
4.2. Erzählmodus und Figurenrede im Roman
4.3. Didaktische Möglichkeiten der Rezeptionsvermittlung
5. Diskussion und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das ästhetische und didaktische Potenzial des Romans "Der Vorleser" von Bernhard Schlink für den Deutschunterricht der Sekundarstufe. Ziel ist es, die Analysemöglichkeiten von Figuren und ihrer Rede nutzbar zu machen, um Schülern einen tieferen Zugang zur Figurenkonzeption und zur komplexen erzählerischen Gestaltung des Werkes zu ermöglichen.
- Analyse und Charakterisierung literarischer Figuren
- Untersuchung von Erzählmodus und Figurenrede
- didaktische Rezeptionsvermittlung im Deutschunterricht
- Diskurs über Schuld und NS-Vergangenheit
- theoretische Grundlagen der Gegenwartsliteratur
Auszug aus dem Buch
Analyse der Figuren und ihrer Rede im Roman
Es stellt sich nun die Frage, welche der genannten Aspekte zur Analyse literarischer Figuren in dem Roman Der Vorleser anwendbar sind und in welcher Form. Der Inhalt des Buches behandelt den Umgang mit der deutschen Geschichte des Nationalsozialismus und hat durch die Art der Aufbereitung dieses Themas einige öffentliche Debatten hervorgerufen, welche von Autoren als Ziel von Gegenwartsliteratur angesehen werden und angestrebt werden. Ein Roman der Gegenwartsliteratur sollte, wie Literatur überhaupt, Zabkas (2015) Ansicht nach als künstlerisches Produkt gesehen und in diesem Sinne auch vermittelt werden. Daher werden im Folgenden die beiden Hauptfiguren Michael und Hanna, sowie Erzählmodus und Figurenrede unter literaturdidaktischen und ästhetischen Aspekten analysiert und herausgearbeitet.
Es liegt ein mimetisches Figurenverständnis im Roman vor, in dem die Figuren Michael und Hanna zwar fiktiv sind, jedoch realistisch und in einer wirklichkeitsnahen Welt gezeichnet werden. Es wird eine adäquate Situation geschaffen, die maßgeblich durch das Ich-Erzählen und das Erzählte abgebildet wird. In der Geschichte selbst wird die Tatsache aufgeworfen, dass die aufgeschriebenen Erzählungen des Ich-Erzählers nur eine erinnerte Wirklichkeit abbilden.
„Ich denke an damals zurück und sehe mich vor mir [...] Ich mochte nicht, wie ich aussah. [...] was ich zustande brachte und was ich galt. Aber wieviel Energie in mir war, wie viel Vertrauen, [...] Ist es das, was mich traurig macht? [...] Ist diese Traurigkeit die Traurigkeit schlechthin? [...] Ich fragte Sie nach ihrer Vergangenheit, und es war, als krame sie, was sie mir antwortete, aus einer verstaubten Truhe hervor.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung benennt das Ziel der Arbeit, die Figuren und deren Rede in Schlinks Roman als Schlüssel zur Erschließung des Werkes im Deutschunterricht zu untersuchen.
2. Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel erläutert aktuelle forschungsmethodische Ansätze zur Figuren- und Erzählanalyse sowie Kriterien für die Einordnung von Literatur in den Deutschunterricht.
3. Analytisches Design: Hier wird die methodische Vorgehensweise begründet, wie Figurenkonzepte für die konkrete Textarbeit operationalisiert werden sollen.
4. Analyse der Figuren und ihrer Rede im Roman: Das Hauptkapitel wendet die zuvor erarbeiteten theoretischen Werkzeuge auf die Figuren Michael und Hanna an und reflektiert deren didaktische Vermittlung.
5. Diskussion und Ausblick: Der abschließende Teil fasst das Potenzial der literaturdidaktischen Arbeit mit dem Roman zusammen und zieht ein Fazit bezüglich der didaktischen Anwendbarkeit.
Schlüsselwörter
Gegenwartsliteratur, Der Vorleser, Bernhard Schlink, Figurenrede, Erzählmodus, Literaturdidaktik, Sekundarstufe II, Rezeptionsvermittlung, literarische Figuren, NS-Vergangenheit, Schuldfrage, mimetisches Figurenverständnis, Analyse, Deutschunterricht, Erzählperspektive.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Roman Der Vorleser von Bernhard Schlink unter besonderer Berücksichtigung der Figurenkonzeption (Michael und Hanna) sowie der erzähltechnischen Gestaltung, um deren didaktisches Potenzial für den Deutschunterricht zu bestimmen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Themenfelder sind die literaturwissenschaftliche Analyse von Figuren und ihres Sprechens sowie die Vermittlung dieser komplexen Inhalte an Schüler im Kontext der Gegenwartsliteratur.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwiefern die Analyse sprachlicher und literarischer Figurenrede als Schlüssel für die Erschließung des Romans im Deutschunterricht der Sekundarstufe dienen kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es werden aktuelle literaturwissenschaftliche Ansätze zur Figurenanalyse (nach Bachorz, Pfister u.a.) sowie Konzepte zum Erzählmodus (nach Genette, Quinkertz u.a.) theoretisch aufgearbeitet und auf den Roman angewendet.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine methodische Gestaltung der Analyse und die konkrete Auswertung der Figurenbeziehung von Michael und Hanna sowie der Erzählstruktur.
Welche Schlüsselwörter kennzeichnen diese Arbeit?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Gegenwartsliteratur, Literaturdidaktik, Figurenrede, Erzählmodus und Rezeptionsvermittlung.
Warum ist die Analyse der Figurenrede für Michael und Hanna entscheidend?
Weil die Figurenrede ein wesentliches Instrument für den Leser ist, um die Innenwelt und das Handeln der komplexen Protagonisten angesichts ihrer Verstrickung in die NS-Vergangenheit zu verstehen.
Welche Rolle spielt die Perspektive des Ich-Erzählers bei der Analyse?
Die Perspektive des erwachsenen Michael, der sein jüngeres Ich reflektiert, erzeugt eine spezifische Distanz und Spannung, die für das Verständnis der erzählten Erinnerungen und die Bewertung des Geschehens zentral ist.
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- Anonym (Autor:in), 2022, Gestaltung der Figuren und ihrer Rede als Ansatzpunkt zur Erschließung des Romans "Der Vorleser" von Bernhard Schlink im Deutschunterricht der Sekundarstufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1381678