Wenn es große Unsicherheiten und Spannungsfelder in der Wirtschaft gibt oder ein sicher geglaubter Aktienmarkt zusammenbricht, dann werden stets die Rufe nach Kontrolle der Unternehmen lauter. Vor allem, wenn deren Jahresabschluss von einem Wirtschaftsprüfer mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehen wurde.
Stets waren in solch großen Bilanzskandalen Mitglieder des Managements verstrickt und die Unternehmungen bzw. deren Jahresabschluss wurde von Wirtschaftsprüfungsunternehmen geprüft.
In dieser Arbeit wird dargestellt, welche Möglichkeiten sich für den Wirtschaftsprüfer ergeben, die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen und dolose Handlungen aufzudecken.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist Fraud?
2.1 Abgrenzung und Definition von Unrichtigkeiten und Verstößen
2.2 Besonderheiten des Top Management Fraud
3 Träger der deutschen Unternehmensüberwachung
3.1 Interne Überwachungsorgane
3.1.1 Aufsichtsrat
3.1.2 Anteilseigner
3.2 Externe Unternehmensüberwachung
3.2.1 Wirtschaftsprüfer
4 Ansätze zur Aufdeckung von Top Management Fraud
5 Überwachung und Qualitätssicherung des Berufstandes der Wirtschaftsprüfer
5.1 Das Bilanzrechtsreformgesetz (BILReg)
5.2 Das Abschlussprüferaufsichtsgesetz (APAG)
5.3 Das Enforcement
6 Abschlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle des Abschlussprüfers bei der Identifizierung von dolosen Handlungen (Fraud) durch das Management und analysiert die hierfür zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Qualitätssicherung.
- Definition und Abgrenzung von Unregelmäßigkeiten (Error vs. Fraud)
- Die Funktion der internen und externen Unternehmensüberwachung
- Ansätze und Indikatoren zur Aufdeckung von Management-Fraud
- Bedeutung gesetzlicher Reformen (BILReg, APAG) für die Qualitätssicherung
- Die Grenzen der Abschlussprüfung bei zielgerichteter Manipulation
Auszug aus dem Buch
2.2 Besonderheiten des Top Management Fraud
Neben den Definitionen aus den Standards, kann man die Unregelmäßigkeiten auch durch Ihre Verursacher unterscheiden. Daher spricht man von externen und internen Tätern, wobei bei letzteren noch differenziert wird, aus welcher Unternehmensebene diese stammen. Dementsprechend wird in (Top-) Management-Fraud bzw. Employee-Fraud unterschieden.
Im Rahmen dieser Arbeit soll der Management Fraud besonders hervorgehoben werden, „[…] denn die Position des Täters steht erfahrungsgemäß in direkter Relation zur verursachten Schadenshöhe”. So kann in der Ausführungsebene die quantitativ größere Anzahl an Delikten erkannt werden, aber mit steigendem Führungslevel im Unternehmen erhöht sich die Schadenshöhe pro Einzelfall enorm.
Obwohl in verschiedenen Studien unterschiedlich hohe prozentuale Angaben über die Beteiligung der Unternehmensleitung existieren, ist deren Bedeutung und die Qualität des verursachten Schadens in den Unternehmungen unstrittig. Des Weiteren sollte auch der nichtfinanzielle Schaden, gerade der Image- bzw. Vertrauensverlust, Beachtung finden.
Somit muss auch die Aufdeckung von Pflichtverletzungen des Managements stets im Fokus des Prüfers stehen.
Eine Besonderheit und zugleich eine Gefahr, ist das optionale Auftreten des Management Override. „Darunter versteht man die Möglichkeit von Vertretern des (Top-) Managements, im Unternehmen eingerichtete Kontrollmechanismen unter Ausnutzung ihrer Führungs- und Machtposition zielgerichtet und relativ mühelos aushebeln zu können.“ Somit besteht die latente Gefahr, dass das Interne Kontrollsystem (IKS) übergangen werden kann und es zu dolosen Handlungen durch die Unternehmensleitung kommt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Diskrepanz zwischen der Erwartungshaltung der Öffentlichkeit an die Abschlussprüfung und den Möglichkeiten des Prüfers bei Bilanzskandalen.
2 Was ist Fraud?: In diesem Kapitel erfolgt die theoretische Abgrenzung zwischen unbeabsichtigten Unrichtigkeiten (Error) und vorsätzlichen Verstößen (Fraud) sowie die spezifische Betrachtung des Top-Management-Fraud.
3 Träger der deutschen Unternehmensüberwachung: Es werden die internen Organe wie Aufsichtsrat und Anteilseigner sowie die externe Instanz des Wirtschaftsprüfers als wesentliche Säulen der Überwachung dargestellt.
4 Ansätze zur Aufdeckung von Top Management Fraud: Dieses Kapitel erläutert praktische Vorgehensweisen und Indikatoren (wie das Fraud-Triangel oder Red Flags) für Prüfer, um dolose Handlungen des Managements zu identifizieren.
5 Überwachung und Qualitätssicherung des Berufstandes der Wirtschaftsprüfer: Hier werden die gesetzlichen Maßnahmen wie das Bilanzrechtsreformgesetz und das Abschlussprüferaufsichtsgesetz zur Stärkung der Prüfungsqualität und Unabhängigkeit diskutiert.
6 Abschlussbemerkung: Das Fazit stellt fest, dass eine absolute Sicherheit trotz verbesserter regulatorischer Rahmenbedingungen bei krimineller Energie nicht gewährleistet werden kann.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsprüfung, Abschlussprüfung, Top-Management-Fraud, dolose Handlungen, Unregelmäßigkeiten, Fraud-Triangel, Red Flags, Bilanzrechtsreformgesetz, APAG, Unternehmensüberwachung, interner Kontrollmechanismus, Qualitätssicherung, Erwartungslücke, Wirtschaftskriminalität, Enforcement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Rolle des Abschlussprüfers bei der Aufdeckung von Pflichtverletzungen durch das Management, dem sogenannten Top-Management-Fraud.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Definition von Fraud, die Struktur der deutschen Unternehmensüberwachung, Instrumente zur Risikoerkennung sowie die regulatorischen Anforderungen an den Berufsstand.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen des Wirtschaftsprüfers bei der Aufdeckung von dolosen Handlungen aufzuzeigen und den Einfluss gesetzlicher Reformen auf die Prüfungsqualität zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse unter Einbeziehung relevanter Standards (IDW PS 210, ISA 240) und gesetzlicher Grundlagen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition von Fraud, die Vorstellung der Überwachungsorgane, die Methoden zur Identifikation von Risikofaktoren und die Darstellung der Qualitätssicherungsgesetze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wirtschaftsprüfung, Fraud-Triangel, Management Override, Red Flags, BILReg, APAG und Enforcement.
Was versteht die Arbeit unter "Management Override"?
Es handelt sich um die Fähigkeit von Führungskräften, aufgrund ihrer Machtposition bestehende Kontrollmechanismen im Unternehmen gezielt zu umgehen, um dolose Handlungen zu verschleiern.
Welche Rolle spielt das "Enforcement" für die Aufdeckung von Fraud?
Das Enforcement dient als präventive Maßnahme, da die stichprobenartige Überprüfung durch Stellen wie die DPR das Entdeckungsrisiko für Prüfungsfehler erhöht und damit disziplinierend wirkt.
- Quote paper
- Swen Knoechelmann (Author), 2009, Aufdeckung von Pflichtverletzungen des Managements einer Gesellschaft (Top-Management-Fraud) durch den Abschlussprüfer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138173