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Schwester-Freund und Faserliebe

Rahel Levin Varnhagens Beziehung zu ihrem Bruder Ludwig Robert – deutlich gemacht anhand ausgewählter Briefe

Title: Schwester-Freund und Faserliebe

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Malte Gärtner (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„Such alle meine Briefe ...“; Dieser Aufforderung Rahels musste zweimal nachgekommen werden. Zunächst von ihrem Mann, Karl August Varnhagen von Ense, der ihrer Bitte, wie allgemein bekannt ist, gerne und sehr akribisch nachkam und die gesammelten und geordneten Briefe schließlich der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin vermachte. Im zweiten Weltkrieg aber wurden, nach schweren Luftangriffen auf Berlin, Teile der Bibliothek, darunter die Sammlung Varnhagens mit den Briefen Rahels, in ein Benediktinerkloster im damaligen Grüssau in Niederschlesien ausgelagert. Aus Grüssau, nach dem Krieg an Polen gefallen und Kreszow genannt, wurden die ausgelagerten Bestände nach Warschau transportiert und von den polnischen Behörden, als Ersatz für eigene schwere Verluste, zum Staatseigentum erklärt. Erst 1977 aber wird diese Tatsache von der polnischen Regierung öffentlich gemacht und noch einige Jahre vergehen, bis sie die freie Nutzung zulässt. Die gesammelten Briefe Rahel Varnhagens sind also erst seit gut 20 Jahren wieder zugänglich und damit auch neuere Forschung, die über die im „Buch des Andenkens“ abgedruckten Briefe hinausgeht, möglich.
Dies gilt auch und insbesondere für den Briefwechsel mit Rahels Bruder Liepmann alias Ludwig Robert. Die frühere Forschung hat sich ihm kaum gewidmet, im Buch des Andenkens sind nur 27 Briefen Rahels an ihren Bruder vertreten, und auch in aktuellen Biographien Rahel Varnhagens wird Ludwig kaum Raum zugestanden. Näheres hierzu unter Punkt 2.1.
Erst 2001 kam der gesamte auffindbare Briefwechsel, editiert und herausgegeben von Consolina Vigliero, auf den Buchmarkt. Zum ersten Mal liegt seitdem ein annähernd vollständiger Briefwechsel des Geschwisterpaares dem interessierten Leser vor und erlaubt eingehende Untersuchungen ohne dafür nach Krakau, wo die Briefe lagern, reisen und sich durch Zettelkästen mit den handschriftlichen Briefen arbeiten zu müssen. Obwohl immer noch unvollständig, macht er eine andere, sehr viel differenziertere, wahrscheinlich auch viel positivere Sicht auf das Verhältnis der Geschwister möglich, als sie bisher in der Forschung besteht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Verhältnis des Geschwisterpaares

2.1 Das Bild in der Literatur

2.1.1 Hannah Arendt: Rahel Varnhagen – eine Lebensgeschichte

2.1.2 Carola Stern: Der Text meines Herzens – Das Leben der Rahel Varnhagen

2.1.3 Heidi Thomann Tewarson: Rahel Varnhagen

2.1.4 Consolina Vigliero: „Mein lieber Schwester-Freund“. Rahel und Ludwig in ihren Briefen/ Nachwort zu: Briefwechsel mit Ludwig Robert

2.2 Neubeurteilung des Verhältnisses anhand ausgewählter Briefe

2.2.1 Brief 76. An Rahel Levin Varnhagen in Frankfurt. Berlin, den 27. Januar 1816.

2.2.2 Brief 77. An Ludwig Robert in Berlin. Frankfurt am Main, den 5. Februar 1816.

2.2.3 Brief 176. An Ludwig Robert in Karlsruhe. Berlin, den 12., 23. und 25 Juni 1821.

2.2.4 Brief 177. An Rahel Levin Varnhagen in Berlin. Karlsruhe, den 4. Juli 1821.

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das enge, intime Geschwisterverhältnis zwischen Rahel Levin Varnhagen und ihrem Bruder Ludwig Robert auf Basis ihres erstmals annähernd vollständig edierten Briefwechsels. Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter Korrespondenz eine differenziertere Sicht auf ihre Beziehung zu gewinnen, die bisher in der Forschung kaum ausreichend gewürdigt wurde.

  • Analyse des literarischen Forschungsstandes zum Geschwisterverhältnis.
  • Untersuchung der enormen Themenvielfalt (Alltag, Finanzen, Literatur, Philosophie, Politik).
  • Herausarbeitung der gegenseitigen intellektuellen Wertschätzung und emotionalen Nähe.
  • Beurteilung der gemeinsamen kritischen Haltung gegenüber Zeitgenossen und Religion.
  • Darstellung der Bedeutung des Briefwechsels für die moderne Rahel-Forschung.

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Brief 76. An Rahel Levin Varnhagen in Frankfurt

Berlin, den 27. Januar 1816.

Ludwig beginnt seinen Brief vom 27. Januar mit einer Stellungnahme zur in Europa herrschende Restaurationsstimmung. Er beklagt, gespickt mit literarischen Zitaten, die enormen Möglichkeiten, die Napoleon bei aller Verwüstung und sogar eben durch diese, zur Veränderung Europas bereitet hatte, durch seine erneute Landung in Frankreich aber selbst half wieder zu zerstören.

„Welch ein Moment für die Menschheit! – und wie wird er gemißbraucht! – Darum hat Gott den Napoleon gestraft, weil er die Macht hatte die Welt zu beglücken und es nicht that und nur auf sein elendes Ich bedacht war ...“. Ludwig spricht weiter von seinen großen und unerfüllten Hoffnungen aber auch davon, dass er doch wisse, dass der herrschende Zustand nicht von Dauer sein könne, „daß wenn die Welt auch langsam, sie doch immer vorwärts schreitet ...“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die schwierige Quellenlage durch die Verlagerung und spätere Wiederentdeckung der Varnhagen-Sammlung und begründet die Notwendigkeit einer neuen Untersuchung des Briefwechsels mit Ludwig Robert.

2. Das Verhältnis des Geschwisterpaares: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die bisherige wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschwisterbeziehung in zentralen Biographien und setzt diese in den Kontext der neueditierten Briefausgabe.

2.1 Das Bild in der Literatur: Hier werden verschiedene literaturwissenschaftliche Ansätze und Biographien (Arendt, Stern, Thomann Tewarson, Vigliero) auf ihre Behandlung des Geschwisterverhältnisses hin kritisch hinterfragt.

2.1.1 Hannah Arendt: Rahel Varnhagen – eine Lebensgeschichte: Eine kritische Betrachtung der Darstellung durch Arendt, die Ludwig Robert in ihrer Biographie kaum Raum einräumt.

2.1.2 Carola Stern: Der Text meines Herzens – Das Leben der Rahel Varnhagen: Analyse der Darstellung bei Carola Stern, in der Ludwig Robert zwar häufiger auftaucht, aber selten als zentrale Figur.

2.1.3 Heidi Thomann Tewarson: Rahel Varnhagen: Untersuchung der bei Thomann Tewarson deutlicheren Anerkennung der engen, sowohl familiären als auch freundschaftlichen Beziehung.

2.1.4 Consolina Vigliero: „Mein lieber Schwester-Freund“. Rahel und Ludwig in ihren Briefen/ Nachwort zu: Briefwechsel mit Ludwig Robert: Fokus auf die zentrale Bedeutung der Arbeit von Vigliero für die Neubeurteilung des Briefwechsels.

2.2 Neubeurteilung des Verhältnisses anhand ausgewählter Briefe: Methodisches Kapitel, das die Auswahl der vier Briefe zwischen 1816 und 1821 als Grundlage für die Untersuchung der Themenvielfalt begründet.

2.2.1 Brief 76. An Rahel Levin Varnhagen in Frankfurt. Berlin, den 27. Januar 1816.: Analyse des Briefes hinsichtlich Ludwigs politischer und religiöser Ansichten sowie seiner literarischen Tätigkeit.

2.2.2 Brief 77. An Ludwig Robert in Berlin. Frankfurt am Main, den 5. Februar 1816.: Untersuchung von Rahels Antwortbrief, insbesondere ihrer kritischen Stellungnahme zu Schleiermacher und den politischen Verhältnissen.

2.2.3 Brief 176. An Ludwig Robert in Karlsruhe. Berlin, den 12., 23. und 25 Juni 1821.: Analyse des Briefes mit Fokus auf Rahels Reflexionen zu Goethe, Zeitgeschehen und familiären Angelegenheiten.

2.2.4 Brief 177. An Rahel Levin Varnhagen in Berlin. Karlsruhe, den 4. Juli 1821.: Untersuchung des Antwortbriefes Ludwigs, der seine Bewunderung für Goethe und Fichte sowie seine Lebenssituation reflektiert.

Schlüsselwörter

Rahel Levin Varnhagen, Ludwig Robert, Briefwechsel, Geschwisterbeziehung, Literatur, Philosophie, Fichte, Goethe, Romantik, Restaurationszeit, Korrespondenzanalyse, Familienbriefe, Biographik, Judentum, Theatergeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das enge, intime Geschwisterverhältnis zwischen Rahel Levin Varnhagen und ihrem Bruder Ludwig Robert auf Basis ihres Briefwechsels.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Themen umfassen Alltagsbeobachtungen, Familien- und Finanzangelegenheiten, zeitgenössische Literatur, Theater, Philosophie und politische Ansichten.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist eine Neubeurteilung der Geschwisterbeziehung, da diese in früheren Forschungswerken oft vernachlässigt oder einseitig dargestellt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine exemplarische Analyse ausgewählter Briefe aus den Jahren 1816 bis 1821, um die Themenvielfalt und die Tiefe des Austauschs aufzuzeigen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil wird zunächst der Forschungsstand kritisch reflektiert, gefolgt von einer detaillierten Analyse von vier ausgewählten Korrespondenzstücken.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Rahel Levin Varnhagen, Ludwig Robert, Briefwechsel, Geschwisterbeziehung, Literatur, Philosophie und Biographik.

Welche Rolle spielt Fichte in der Korrespondenz der Geschwister?

Die gemeinsame Bewunderung für Fichte und der Besuch seiner Vorlesungen fungieren als verbindendes intellektuelles Element ihrer Beziehung.

Wie wird das Verhältnis von Rahel zu ihrem Bruder Ludwig im Vergleich zu anderen Familienmitgliedern bewertet?

Das Verhältnis zu Ludwig wird als besonders eng, intellektuell bereichernd und herausgehoben beschrieben, im Gegensatz zu den oft konfliktbehafteten oder kühleren Beziehungen zu anderen Verwandten.

Inwiefern beeinflussten Geldfragen die Korrespondenz?

Geldfragen und ungeklärte Finanzverhältnisse, insbesondere zwischen anderen Familienmitgliedern wie Marcus und Ludwig, ziehen sich als wiederkehrendes Thema durch die Briefe.

Wie reagierten Rahel und Ludwig auf die politische Lage ihrer Zeit?

Beide tauschten sich trotz unterschiedlicher politischer Vorerfahrungen intensiv über Zeitgeschichte, Napoleon und die Restauration aus, wobei Rahel diese Themen zunehmend im Dialog mit ihrem Bruder erschloss.

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Details

Title
Schwester-Freund und Faserliebe
Subtitle
Rahel Levin Varnhagens Beziehung zu ihrem Bruder Ludwig Robert – deutlich gemacht anhand ausgewählter Briefe
College
Technical University of Braunschweig
Grade
1,0
Author
Malte Gärtner (Author)
Publication Year
2005
Pages
22
Catalog Number
V138186
ISBN (eBook)
9783640478767
ISBN (Book)
9783640478453
Language
German
Tags
Schwester-Freund Faserliebe Rahel Levin Varnhagens Beziehung Bruder Ludwig Robert Briefe
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Malte Gärtner (Author), 2005, Schwester-Freund und Faserliebe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138186
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