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Die Walser-Bubis-Debatte

Title: Die Walser-Bubis-Debatte

Term Paper , 2005 , 22 Pages , Grade: 1

Autor:in: Lars Rothenpieler (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Diese Arbeit beschäftigt sich im Rahmen des Seminars Kontroversen um die deutsche Geschichte mit der Walser-Bubis-Debatte, die im Spätherbst und Winter des Jahres 1998 geführt wurde. Auslöser hierfür war eine Rede, die der Schriftsteller Martin Walser zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels hielt und die von Ignatz Bubis, damaliger Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland, heftig kritisiert wurde. Die darauf folgende Debatte sollte bis zum Jahresende 1998 andauern.
Im Verlauf dieser Arbeit soll es nicht darum gehen, diese Debatte noch einmal zu führen oder zu entscheiden, wer als Sieger daraus hervorgegangen ist. Vielmehr soll geklärt werden, warum Walsers Rede diese Debatte auslöste, wer die darauf folgende Debatte hauptsächlich geführt hat, wie diese geführt wurde und wie sie sich entwickelt hat. Die erste Frage wird in Kapitel 2 geklärt, das Walsers Rede auf seine Brisanz untersucht. Den Fragen zur Debatte wird dann in Kapitel 3 nachgegangen, welches die Debatte einer genaueren Analyse unterzieht. In einem eigenen Abschnitt (Kap. 4) wird nun der Frage nachgegangen, ob diese Debatte als eine Zeitenwende im Umgang mit der Vergangenheit gesehen werden kann. Schließlich befasst sich das fünfte und letzte Kapitel mit den Ergebnissen dieser Arbeit.
Bei der Bearbeitung dieses Themas wurde auf viele Quellen, besonders Pressemeldungen, Kommentare und Leserbriefe, zurückgegriffen, die in ausreichender Form verfügbar waren. Ebenfalls wurde Literatur benutzt, die aber aufgrund der zeitlichen Nähe des Themas bisher keine sehr große Anzahl umfasst.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Eine Debatte

2. Der Auslöser: Martin Walsers Friedenspreisrede

3. Die Debatte

3.1 Erste Reaktionen auf die Friedenspreisrede

3.2 Die Antwort: Ignatz Bubis Rede am 9. November

3.3 Dohnanyi contra Bubis

3.4 Augsteins Kommentar

3.5 Walsers Rede an der Duisburger Universität

3.6 Weitere Stimmen

3.7 Der Schlusspunkt der Debatte: Ein Gespräch

4. Eine Zeitenwende?

5. Zusammenfassender Überblick

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

6.1 Quellen

6.2 Literatur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit analysiert die Walser-Bubis-Debatte des Jahres 1998, um zu klären, warum Martin Walsers Friedenspreisrede diese intensive Auseinandersetzung auslöste, welche Akteure sie prägten und wie sich die Debatte im Hinblick auf den deutschen Umgang mit der Vergangenheit entwickelte.

  • Analyse der inhaltlichen Brisanz von Martin Walsers Friedenspreisrede
  • Untersuchung der argumentativen Fronten zwischen Walser und Bubis
  • Darstellung der Radikalisierung der öffentlichen Debatte und antisemitischer Tendenzen
  • Beurteilung der Frage, ob die Debatte eine "Zeitenwende" im Gedenken darstellt

Auszug aus dem Buch

3.3 Dohnanyi contra Bubis

Bubis zurückweisende Antwort vom 9. November auf Walsers Rede verschärfte die Debatte, die in der Folgezeit heftigst in den Feuilletons der großen Tages- und Wochenzeitungen geführt wurde.

Der ehemalige Bürgermeister Klaus von Dohnanyi antwortete Bubis, indem er Walsers Rede in einem Leserbrief verteidigte und Bubis darin unterstellt, dieser habe Walser einfach nicht verstanden: „Denn Walsers Rede war die Klage eines Deutschen-allerdings eines nichtjüdischen Deutschen-über den allzu häufigen Versuch anderer, aus unserem Gewissen eigene Vorteile zu schlagen“. Hier nimmt Dohnanyi gleich schon eine Unterscheidung zwischen Deutschen und Juden vor. Auch er sieht eine Instrumentalisierung des Holocaust zum Vorteil anderer. Da zu diesem Zeitpunkt eine Forderung ehemaliger Zwangsarbeiter an die deutsche Wirtschaft gestellt wurde, war klar, dass man diese Aussage hiermit in Verbindung bringen würde, und davon musste Dohnanyi ausgehen.

Dohnanyi wollte in seiner Verteidigung von Walser auch die historische Last der heutigen Deutschen herausstellen: „Wir haben den Rassismus zum Völkermord gemacht, wir haben den Holocaust begangen [...] Die Schande trifft noch heute jeden einzelnen von uns als Deutschen“. Dohnanyi benutzt hier eine Kollektivschuld zur Identitätsstiftung und nimmt die Juden einfach aus der Volksgemeinschaft heraus. Jeden belastet also eine „Schande“, allein deswegen, weil man deutsch ist. Hier wäre der Ausdruck „Verantwortung“ sicher angebrachter. Von dieser Schande allerdings sind die deutschen Juden natürlich auszunehmen, weshalb Bubis Walser auch nicht verstehen kann, „weil in allem Erinnern an die Naziverbrechen [...] für Ignatz Bubis niemals auch nur ein Nebenton von persönlichem Vorwurf zu spüren sein kann“. Offenbar fühlte sich Dohnanyi (und auch Walser) durch die Erinnerung an die Vergangenheit moralisch angegriffen, und zwar von den Juden, die als am Holocaust Unschuldige moralisch überlegen erscheinen. Gerade diese ihn bedrohende moralische Überlegenheit versuchte Dohnanyi jetzt den Juden zu nehmen, denn diese müssten sich fragen, „ob sie sich so sehr viel tapferer verhalten hätten, wenn nach 1933 'nur' die Behinderten, die Homosexuellen oder die Roma in die Vernichtungslager geschleppt worden wären“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Eine Debatte: Einführung in das Thema der Walser-Bubis-Debatte und Darstellung der wissenschaftlichen Fragestellung sowie der methodischen Vorgehensweise.

2. Der Auslöser: Martin Walsers Friedenspreisrede: Analyse der inhaltlichen Aussagen von Martin Walsers Rede und der von ihm aufgeworfenen Thesen zur deutschen Vergangenheit.

3. Die Debatte: Detaillierte Untersuchung der verschiedenen Reaktionen, Positionen und der Radikalisierung der Auseinandersetzung zwischen den beteiligten Akteuren.

4. Eine Zeitenwende?: Reflexion darüber, ob die Debatte eine grundlegende Veränderung im gesellschaftlichen Umgang mit der deutschen NS-Vergangenheit markiert.

5. Zusammenfassender Überblick: Synthese der Untersuchungsergebnisse und Fazit zur Entwicklung und den Konsequenzen der Walser-Bubis-Debatte.

6. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Walser-Bubis-Debatte, Martin Walser, Ignatz Bubis, Holocaust, Erinnerungskultur, deutsche Geschichte, Antisemitismus, Friedenspreis, Gedenken, Vergangenheitsbewältigung, Instrumentalisierung, Schande, Berliner Republik, Nationalsozialismus, Diskurs.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Walser-Bubis-Debatte von 1998, ausgelöst durch Martin Walsers Friedenspreisrede, und deren Auswirkungen auf die deutsche Gedenkkultur.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen der Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, die Rolle des öffentlichen Gedenkens und die Spannungen zwischen nationaler Identitätsstiftung und der Erinnerung an den Holocaust.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, warum Walsers Rede die Debatte auslöste, wer die Positionen vertrat und ob die Auseinandersetzung eine dauerhafte Zeitenwende im Umgang mit der Geschichte einleitete.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin bzw. der Autor führt eine diskursanalytische Untersuchung anhand von Primärquellen wie Reden, Kommentaren und Leserbriefen durch.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die chronologische Entwicklung der Debatte, von den ersten Reaktionen über die Wortmeldungen von Dohnanyi und Augstein bis hin zum klärenden Gespräch zwischen Walser und Bubis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Walser-Bubis-Debatte, Erinnerungskultur, Antisemitismus, Vergangenheitsbewältigung und Instrumentalisierung der Vergangenheit.

Welche Rolle spielte der Begriff der "geistigen Brandstiftung" in der Debatte?

Der Begriff wurde von Ignatz Bubis verwendet, um auf die schockierenden Thesen Walsers zu reagieren und eine mögliche gefährliche Wirkung dieser Rhetorik auf die öffentliche Wahrnehmung zu warnen.

Wie positionierten sich Dohnanyi und Augstein in der Debatte?

Beide traten als Verteidiger der Walser-Rede auf, wobei ihre Beiträge laut der Arbeit zur weiteren Verschärfung und Radikalisierung des Diskurses bis hin zu antisemitischen Tendenzen beitrugen.

Was bedeutet der Begriff "Normalität" im Kontext der Arbeit?

Walser forderte eine "Normalität", die einen Schlussstrich unter die ständige öffentliche Erinnerung ziehen wollte, während Bubis unter Normalität die selbstverständliche Teilhabe von Juden am gesellschaftlichen Leben in Deutschland verstand.

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Details

Title
Die Walser-Bubis-Debatte
College
Justus-Liebig-University Giessen  (Neue Geschichte)
Grade
1
Author
Lars Rothenpieler (Author)
Publication Year
2005
Pages
22
Catalog Number
V138204
ISBN (eBook)
9783640467105
ISBN (Book)
9783640467419
Language
German
Tags
Martin Walser Ignatz Bubis Kontroversen der deutsche Geschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lars Rothenpieler (Author), 2005, Die Walser-Bubis-Debatte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138204
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