"Unzuverlässiges Erzählen" in Gothic Tales. Edgar Allan Poes "The Black Cat"


Hausarbeit, 2004

10 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur konzeptuellen Bestimmung erzählerischer Unzuverlässigkeit

3. Textuelle Signale für unzuverlässiges Erzählen in Poes ‘The Black Cat‘

4. Die interpretatorische Bedeutung der erzählerischen Unzuverlässigkeit

5. Fazit

6. Bibliographie
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich im Rahmen des Seminars Gothic Tales mit Edgar Allan Poes Geschichte The Black Cat. Hier sollen besonders die Aussagen des Erzählers auf ihren Wahrheitsgehalt (unzuverlässiges Erzählen) hin überprüft werden. Die Arbeit läßt sich dabei in drei Abschnitte unterteilen.

Im ersten Abschnitt soll den Fragen nachgegangen werden, wie man unzuverlässiges Erzählen definiert und anhand welcher Signale es sich im Text nachweisen läßt. Im nächsten Abschnitt gilt es, diese Theorie nun anzuwenden und die Frage zu klären, ob der Erzähler die Wahrheit sagt oder nicht, was an textuellen Belegen nachzuweisen ist. Der dritte Abschnitt fragt nun nach der interpretatorischen Bedeutung eines eventuellen unzuverlässigen Erzählers in The Black Cat. Im Laufe dieser Arbeit wird versucht, diese Fragen zu beantworten und die Ergebnisse in einer abschließenden Schlussbetrachtung zusammenzufassen.

2. Zur konzeptuellen Bestimmung erzählerischer Unzuverlässigkeit

Erzählinstanzen narrativer Texte können auf viele verschiedene Weisen differenziert und beschrieben werden. Eine von diesen ist das unzuverlässige Erzählen (unreliable narration). Dieses Phänomen tritt immer dann auf, wenn die Wiedergabe von Ereignissen und deren Interpretation durch den Erzähler dem Leser den Eindruck vermitteln, dass dieser nicht volle die Wahrheit sagt. Die Zuverlässigkeit kann durch einen begrenzten Wissensstand, emotionale Involviertheit in das Geschehen und ein fragwürdiges Werte- und Normensystem beeinträchtigt sein.[1]

Es gibt eine Reihe von textuellen Signalen, die den Leser dazu veranlassen können, die Glaubwürdigkeit eines Erzählers in Zweifel zu ziehen. Dazu zählen etwa explizite Wiedersprüche innerhalb der Erzählerrede, Diskrepanzen zwischen den Aussagen und den Handlungen eines Erzählers, Unterschiede zwischen Fremd- und Selbstcharakterisierung durch andere Figuren sowie zwischen der Wiedergabe der Ereignisse durch den Erzähler und seinen Interpretationen des Geschehens. Weitere Signale sind die Häufung von sprecherzentrierten Äußerungen und Leseranreden als bewussten Versuch des Erzählers, die Rezeption des Lesers zu lenken. Weiterhin sind Anzeichen für einen hohen Grad an emotionaler Involviertheit (z.B. Ausrufe, Ellipsen, Wiederholungen), eine eingestandene Unglaubwürdigkeit, Erinnerungslücken sowie Parteilichkeit zu nennen. All das kann einen Erzähler als unglaubwürdig gegenüber dem Leser erscheinen lassen.[2]

Ebenso kann die Glaubwürdigkeit eines Erzählers an außertextuellen Bezugsrahmen gemessen werden. Hierzu zählen allgemeines Weltwissen, das jeweilige historische Wirklichkeitsmodell, Persönlichkeitstheorien, gesellschaftlich anerkannte Vorstellungen von psychischer Normalität sowie moralische Maßstäbe, die in ihrer Gesamtheit das in einer Gesellschaft vorherrschende Werte- und Normensystem konstituieren. Auch das individuelle Werte- und Normensystem des Rezipienten sowie dessen Perspektive sind zu nennen.[3]

3. Textuelle Signale für unzuverlässiges Erzählen in Poes ‘The Black Cat‘

In ‘The Black Cat‘ muss sich ein Mann für den Tod an seiner Frau verantworten. Er möchte die Geschichte aus seiner Sicht darlegen, um seine Seele zu entlasten. Dabei verweist er ständig auf übernatürliche Kräfte, die er sich selbst zwar nicht erklären kann, die ihn dafür aber von einem friedlichen in einen gewaltbereiten Menschen verwandelt hätten. Schließlich tötet er sogar seine Frau, aus seiner Sicht ein Unfall, denn eigentlich ist nicht er, sondern eine schwarze Katze an allem Schuld. Folgerichtig urteilt Susan Amper: “Obviously the man is lying.“[4]

[...]


[1] Zur Definition des Unglaubwürdigen Erzählens vgl. Nünning, 2003: 123.

[2] Vgl. Nünning/Surkamp/Zerweck 1998: 27.

[3] Ebd.: 30.

[4] Amper 1993: 475.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
"Unzuverlässiges Erzählen" in Gothic Tales. Edgar Allan Poes "The Black Cat"
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Anglistik)
Note
gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
10
Katalognummer
V138208
ISBN (eBook)
9783640467808
Dateigröße
349 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gothic Tales, Edgar Allen Poe, The Black Cat, Unreliable Narration
Arbeit zitieren
Lars Rothenpieler (Autor), 2004, "Unzuverlässiges Erzählen" in Gothic Tales. Edgar Allan Poes "The Black Cat", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138208

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