Diese Arbeit beschäftigt sich im Rahmen des Seminars Gothic Tales mit Edgar Allan Poes Geschichte The Black Cat. Hier sollen besonders die Aussagen des Erzählers auf ihren Wahrheitsgehalt (unzuverlässiges Erzählen) hin überprüft werden. Die Arbeit läßt sich dabei in drei Abschnitte unterteilen.
Im ersten Abschnitt soll den Fragen nachgegangen werden, wie man unzuverlässiges Erzählen definiert und anhand welcher Signale es sich im Text nachweisen läßt. Im nächsten Abschnitt gilt es, diese Theorie nun anzuwenden und die Frage zu klären, ob der Erzähler die Wahrheit sagt oder nicht, was an textuellen Belegen nachzuweisen ist. Der dritte Abschnitt fragt nun nach der interpretatorischen Bedeutung eines eventuellen unzuverlässigen Erzählers in The Black Cat. Im Laufe dieser Arbeit wird versucht, diese Fragen zu beantworten und die Ergebnisse in einer abschließenden Schlussbetrachtung zusammenzufassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur konzeptuellen Bestimmung erzählerischer Unzuverlässigkeit
3. Textuelle Signale für unzuverlässiges Erzählen in Poes ‘The Black Cat‘
4. Die interpretatorische Bedeutung der erzählerischen Unzuverlässigkeit
5. Fazit
6. Bibliographie
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Wahrheitsgehalt der Erzählerfigur in Edgar Allan Poes Kurzgeschichte "The Black Cat", um das Phänomen des unzuverlässigen Erzählens aufzudecken und zu interpretieren.
- Definition und theoretische Grundlagen des unzuverlässigen Erzählens
- Identifikation textueller Signale der Unzuverlässigkeit im Werk
- Analyse von Widersprüchen und emotionaler Involviertheit des Erzählers
- Interpretation der tatsächlichen Mordmotive hinter der Fassade des Erzählers
- Rolle übernatürlicher Elemente als Fluchtmechanismus vor der eigenen Schuld
Auszug aus dem Buch
Textuelle Signale für unzuverlässiges Erzählen in Poes ‘The Black Cat‘
In ‘The Black Cat‘ muss sich ein Mann für den Tod an seiner Frau verantworten. Er möchte die Geschichte aus seiner Sicht darlegen, um seine Seele zu entlasten. Dabei verweist er ständig auf übernatürliche Kräfte, die er sich selbst zwar nicht erklären kann, die ihn dafür aber von einem friedlichen in einen gewaltbereiten Menschen verwandelt hätten. Schließlich tötet er sogar seine Frau, aus seiner Sicht ein Unfall, denn eigentlich ist nicht er, sondern eine schwarze Katze an allem Schuld. Folgerichtig urteilt Susan Amper: “Obviously the man is lying.“
Bereits zu Beginn der Geschichte lassen sich Signale für unzuverlässiges Erzählen finden. Der Erzähler weist wiederholt darauf hin, dass er seine eigene Geschichte nicht verstehen kann: “For the most wild, yet most homely narrative which I am about to pen, I neither expect nor solicit belief.“ Zudem gibt er zu, dass sein “phantasm“ durch “some intellect more calm, more logical“ auf eine Abfolge von “natural causes and effects“ gebracht werden kann. Schon hier verweist der Erzähler auf seine erfundene Geschichte, an die er selbst nicht glaubt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung und den strukturellen Aufbau der Untersuchung zu Poes Geschichte "The Black Cat" vor.
2. Zur konzeptuellen Bestimmung erzählerischer Unzuverlässigkeit: Hier werden theoretische Kriterien und textuelle Indikatoren definiert, anhand derer ein unzuverlässiger Erzähler in narrativen Texten identifiziert werden kann.
3. Textuelle Signale für unzuverlässiges Erzählen in Poes ‘The Black Cat‘: Dieses Kapitel wendet die theoretischen Kriterien auf die Geschichte an und analysiert konkrete Ungereimtheiten in der Erzählerrede sowie die auffällige Schuldzuweisung an die Katze.
4. Die interpretatorische Bedeutung der erzählerischen Unzuverlässigkeit: Es wird erörtert, weshalb der Erzähler die Wahrheit verzerrt und welche psychologischen Hintergründe – insbesondere das Motiv des verdeckten Mordes – hinter seiner Erzählweise stecken.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass der Erzähler ein Mörder ist, der sein Handeln durch die Konstruktion einer übernatürlichen Geschichte vor sich und anderen rechtfertigen will.
6. Bibliographie: Dieses Kapitel listet die herangezogene Primär- und Sekundärliteratur auf.
Schlüsselwörter
Edgar Allan Poe, The Black Cat, unzuverlässiges Erzählen, unzuverlässiger Erzähler, narrativer Text, Textanalyse, Gothic Tales, Mordmotiv, Schuldzuweisung, übernatürliche Kräfte, Literaturwissenschaft, Interpretation, Wahrheit, Täuschung, Erzählperspektive.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Erzählweise in Edgar Allan Poes "The Black Cat", um die Unglaubwürdigkeit des Erzählers und dessen Versuche, seine Taten zu verschleiern, aufzudecken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Konzept der "Unreliable Narration", die psychologische Analyse von Erzählerfiguren und die Dekonstruktion von übernatürlichen Elementen in Gothic Tales.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, durch die Identifikation textueller Signale nachzuweisen, dass der Erzähler lügt und die übernatürlichen Ereignisse lediglich eine Fassade sind, um seine eigentliche Schuld an einem Mord zu vertuschen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die erzähltheoretische Ansätze (nach Nünning u.a.) nutzt, um textuelle Belege für die Unzuverlässigkeit des Erzählers zu finden und kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Signalen im Text, die auf einen unzuverlässigen Erzähler hindeuten, sowie mit der interpretatorischen Bedeutung, warum der Erzähler diese Geschichte überhaupt erfindet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselwörter sind unter anderem unzuverlässiges Erzählen, Edgar Allan Poe, The Black Cat, literarische Analyse, Schuld und psychologische Täuschung.
Warum versucht der Erzähler laut Analyse, den Mord wie einen Unfall darzustellen?
Der Autor argumentiert, dass der Erzähler den Mord an seiner Frau begangen hat, weil er sie hasste, seine eigene Schuld aber nicht akzeptieren kann und stattdessen eine absurde, übernatürliche Erklärung als Entlastungsstrategie wählt.
Welche Rolle spielt die schwarze Katze "Pluto" im Kontext der Erzählweise?
Die Katze dient als Sündenbock. Der Erzähler nutzt die mysteriöse Präsenz des Tieres als Instrument, um die Verantwortung für seine gewalttätigen Ausbrüche von sich selbst auf äußere, übernatürliche Einflüsse abzuwälzen.
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- Lars Rothenpieler (Author), 2004, "Unzuverlässiges Erzählen" in Gothic Tales. Edgar Allan Poes "The Black Cat", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138208