Die Arbeit thematisiert eine kollegiale Beratung unter Zuhilfenahme systemtherapeutischer Methoden. Die kollegiale Beratung wird anhand eines Fallbeispiels erörtert. Dieses Fallbeispiel beschreibt eine akute Problematik in einer Familie, die seinerzeit im Rahmen der ambulanten sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) des Autors betreut wurde.
In der Arbeit werden Methoden der Systemischen Beratung und professionellen Kommunikation erläutert wie: Aktives Zuhören, Genogramm-Arbeit, das Soziale Atom, Ressourcenforschung und Refraiming. Im Anschluss findet eine detaillierte Beschreibung der kollegialen Fallberatung nach Tietze statt. Zum Ende wird diese Beratungsform in einem anonymen Praxisbeispiel angewendet und reflektiert.
Die Auftragsklärung wurde grundsätzlich schon während der Hilfeplangespräche mit der Kindsmutter und dem Jugendamt geklärt: Primäres Ziel war es, den betreuten Jungen Julian zum stetigen Besuch der Schule zu animieren. Außerdem sollte Julian versuchen, die Beratung eines Autismuszentrums in Anspruch zu nehmen. Allerdings sagte die Kindsmutter sehr oft Gesprächstermine ab und gab an, mit der Problematik, der Erziehung und dem familiären Alltag überfordert zu sein. Julian weigerte sich strikt, aktiv an Hilfeplangesprächen teilzunehmen. Gespräche mit dem Studierenden lehnte Julian bisher oft ab und es kam nur sehr selten zu einem qualitativen verbalen Austausch. Aus o.g. Gründen befragte der Studierende die Kindsmutter, ob sie mit einer kollegialen Fallberatung einverstanden sei. Da die Kindsmutter sehr angetan von der Idee war, sammelte sie in Zusammenarbeit mit dem Studierenden Informationen als Grundlage für diese Beratung.
Inhaltsverzeichnis
1 Zielsetzung und Definition
2 Fallbeschreibung
3 Auftragsklärung
3.1 Einwilligung
3.2 Systeminformationen
4 Methoden der Systemischen Therapie
4.1 Aktives Zuhören
4.2 Genogramm
4.3 Soziales Atom
4.4 Ressourcenkarte
4.5 Hypothesenbildung
4.6 Reframing
5 Grundlagen der kollegialen Beratung
6 Ziele der kollegialen Beratung
6.1 Lösungen für konkrete Praxisprobleme
6.2 Reflexion der beruflichen Tätigkeit
6.3 Ausbau von Schlüsselkompetenzen
7 Rollen in der kollegialen Beratung
7.1 Der Fallerzähler oder Fallgeber
7.2 Die Leitung oder Moderation
7.3 Die Berater
7.4 Zusätzliche Rollen
8 Phasen in der kollegialen Beratung
8.1 Casting
8.2 Fallbeschreibung
8.3 Schlüsselfrage
8.4 Methodenwahl
8.5 Beratung
8.6 Abschluss
9 Planung und Durchführung in der Praxis
9.1 Vorbereitungen
9.2 Durchführung
9.3 Das Protokoll
9.3.1 Das Casting
9.3.2 Die Fallbeschreibung
9.3.3 Die Schlüsselfragen
9.3.4 Die Methodenwahl
9.3.5 Die Beratung
9.3.6 Der Abschluss
10 Fazit
10.1 Abschluss der Betreuung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Anwendung der kollegialen Beratung mittels systemtherapeutischer Methoden anhand eines realen Fallbeispiels aus der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH), mit dem primären Ziel, einen strukturierten Lösungsprozess für einen Jugendlichen mit Schulabsentismus zu entwickeln.
- Grundlagen und Definition der kollegialen Beratung
- Systemische Interventionsmethoden (Genogramm, Soziales Atom, Ressourcenkarte)
- Strukturierung von Beratungsprozessen in der Praxis
- Rollenverteilung und Phasenmodell der Beratung
- Professionalisierung durch kollegialen Austausch
Auszug aus dem Buch
4.2 Genogramm
Der Studierende sammelte mit der Kindsmutter bei der gemeinsamen Erstellung eines Genogramms Informationen über die Familie. In einem Genogramm werden, ähnlich wie in einem Familienstammbaum, Informationen und Beziehungen graphisch dargestellt.
Genogramme dokumentieren darüber hinaus Informationen über die Mitglieder einer Familie, bilden diese Informationen graphisch ab und ermöglichen so einen raschen Überblick über komplexe Familienstrukturen (vgl. McGoldrick, Gerson, Petry 2009, S.13f). Genogramme dienen nicht nur einer graphischen Veranschaulichung von familiären Verwandtschaftsverhältnissen, sondern erleichtern auch die Kommunikation über familiäre Konstellationen und machen zugleich auf generationsübergreifende Muster der Lebensgestaltung aufmerksam (z.B. wiederkehrende Scheidungen, Todesfälle oder ähnliche Verhaltensmuster oder Suchtkrankheiten) (vgl. Schiepek 1999 S. 72).
Genogramme helfen Therapeuten oder Beratern, eine Familie besser kennen zu lernen. Zudem bietet ein Genogramminterview Gelegenheit zum systemischen Befragen, durch das man nicht nur die gewünschten Informationen erhält, sondern die Familien auch auf eine systemische Perspektive hin orientieren kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zielsetzung und Definition: Einführung in das Thema der kollegialen Beratung und Abgrenzung der methodischen Schwerpunkte anhand eines Fallbeispiels.
2 Fallbeschreibung: Detaillierte Schilderung der Lebenssituation und der akuten Problematik eines Jugendlichen im Rahmen der Familienhilfe.
3 Auftragsklärung: Erörterung der Voraussetzungen und des Prozesses zur Etablierung des Beratungsauftrags mit der betroffenen Familie.
4 Methoden der Systemischen Therapie: Darstellung verschiedener systemischer Werkzeuge wie Genogramm und Soziales Atom zur Gewinnung diagnostischer Erkenntnisse.
5 Grundlagen der kollegialen Beratung: Erläuterung der systemimmanenten Merkmale der Fallberatung ohne externe Expertensteuerung.
6 Ziele der kollegialen Beratung: Analyse der angestrebten Lösungsansätze, Reflexionsmöglichkeiten für Berater und die Förderung sozialer Kompetenzen.
7 Rollen in der kollegialen Beratung: Definition der notwendigen Rollen wie Fallgeber, Moderator und Berater für einen erfolgreichen Beratungsverlauf.
8 Phasen in der kollegialen Beratung: Beschreibung des zeitlich strukturierten Ablaufs von der Rollenverteilung bis zur Nachbesprechung.
9 Planung und Durchführung in der Praxis: Konkretes Fallprotokoll der durchgeführten Beratung innerhalb des Dienststellenkontextes.
10 Fazit: Kritische Reflexion des Beratungsprozesses und Darstellung der weiteren Entwicklung des Fallbeispiels.
Schlüsselwörter
Kollegiale Beratung, Systemische Therapie, Sozialpädagogische Familienhilfe, Fallberatung, Genogramm, Soziales Atom, Ressourcenkarte, Hypothesenbildung, Reframing, Schulverweigerung, Schulabsentismus, Beratungsmethodik, Qualitätsentwicklung, Soziale Arbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Durchführung einer kollegialen Fallberatung in einem sozialpädagogischen Kontext, um professionelle Lösungsansätze für eine komplexe Familienproblematik zu entwickeln.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Zentrale Themen umfassen die systemische Methodik, die Strukturierung von Beratungsprozessen durch ein Phasenmodell sowie die Reflexion der Beraterrollen.
Was ist das primäre Ziel der beschriebenen Beratung?
Ziel ist es, für einen Jugendlichen mit akutem Schulabsentismus durch strukturiertes Feedback und den Einsatz systemischer Instrumente neue Handlungsoptionen zu erarbeiten.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zur Anwendung?
Es werden klassische Beratungstools der systemischen Therapie wie Genogrammarbeit, Soziale Atome und Reframing eingesetzt, um Perspektivwechsel bei den Beteiligten zu ermöglichen.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Beratungsmethoden und die anschließende praktische Anwendung inklusive Protokollierung einer Fallberatung.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Kollegiale Beratung, Systemische Therapie, Sozialpädagogische Familienhilfe und Schulverweigerung charakterisiert.
Wie wurde die Wirksamkeit der Beratung durch das Soziale Atom geprüft?
Die Kindsmutter konnte durch die grafische Darstellung des Sozialen Atoms ihre Beziehungsgeflechte besser verorten und äußerte, dadurch die Welt des Jugendlichen besser verstehen zu können.
Warum betont der Autor die Notwendigkeit von Protokollen?
Protokolle sind zwingend erforderlich, um die gewonnenen Ansichten und Lösungsansätze des Beratungsteams schriftlich zu fixieren und eine verlässliche Grundlage für die Nachbetrachtung zu schaffen.
Welche Rolle spielte das Rollenspiel im Beratungsprozess?
Das Team entschied sich für ein Rollenspiel, da die Beweggründe des Jugendlichen für die Schulverweigerung verbal nicht direkt geklärt werden konnten und man sich so in die familiäre Situation einfühlen wollte.
Wie bewertet der Autor sein eigenes Vorgehen im Fazit?
Der Autor reflektiert kritisch, dass er als Fallerzähler zu stark in der Problematik involviert war und eine andere Rollenverteilung – etwa als Moderator – für den Beratungserfolg vermutlich hilfreicher gewesen wäre.
- Citation du texte
- Michael Heinrich (Auteur), 2017, Kollegiale Beratung. Planung und Durchführung einer kollegialen Fallberatung unter Zuhilfenahme systemtherapeutischer Methoden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1382131