In dieser Masterarbeit soll daher anhand von tiefergehenden Analysen untersucht werden, wie Henze die musikalische Sprache in den "Bassariden" nutzt, um Pentheus und die Anhänger:innen des Dionysos-Kultes zu charakterisieren und deren Konflikte und Annäherungen zu zeigen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die philosophischen Konzepte von Ratio und Eros sich in der Musik widerspiegeln und welche Interpretationen sich aus der musikalischen Analyse ergeben auch im Hinblick auf Henzes Erlebnisse und Schaffenszeit.
Um diese Fragen zu beantworten, wird im ersten Teil der Arbeit der mythologische Stoff und der Weg zum Libretto sowie die Oper mit ihrer Entstehung und Rezeption vorgestellt. Des Weiteren werden hier die Figuren in Euripides' Tragödie und Henzes Oper genauer beleuchtet und den verschiedenen Welten von Pentheus in Theben und der Gegenwelt von Dionysos zugeordnet, um anschließend die musikalische Sprache von Henzes Oper zu analysieren und zu interpretieren. Dafür werden zuerst die grundlegende musikalische Gestaltung der Oper sowie die überwiegend von Schottler herausgestellten musikalischen Stilmittel zur musikdramatischen Gestaltung der zwei Welten vorgestellt. Mit drei tiefergehenden Szenenanalysen aus dem ersten und zweiten Satz, in denen sowohl Figuren aus der Dionysoswelt als auch aus der Welt Thebens auftreten, sollen dann Schottlers Ergebnisse ergänzt und kommentiert werden. Die vorliegende Masterarbeit trägt somit dazu bei, das Verständnis von der Oper "Die Bassariden" zu vertiefen und die musikdramatische Dualität in der Oper von Pentheus und den Anhänger:innen des Dionysos-Kultes zu erforschen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Henzes Bassariden nach der Bakchen-Tragödie Euripides‘
2.1 Von der Mythe zum Libretto
2.2 Die Handlung der Oper
2.3 Die Figurenkonstellationen in Theben und deren Gegenwelt am Kytheron
2.4 Die Oper im Kontext von Henzes Leben und Werk
2.5 Zur Rezeption
3 Zur musikalischen Gestaltung der Oper
3.1 Die Pentheus- und die Dionysos-Reihe als Grundlage für zwei verschiedene Welten
3.2 Die Gestaltung der zwei Welten durch weitere musikalische Parameter
3.3 Analyse der Exposition
3.4 Analyse der Gefangenenszene
3.5 Analyse des Verhörs von Agaue
4 Erkenntnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Masterarbeit untersucht die musikdramatische Charakterisierung der gegensätzlichen Welten von Pentheus und den Anhängern des Dionysos-Kultes in Hans Werner Henzes Oper "Die Bassariden". Dabei wird analysiert, wie die philosophischen Konzepte von "Eros" und "Ratio" musikalisch umgesetzt werden und inwiefern diese Gegenüberstellung Henzes eigene künstlerische Auseinandersetzung mit Identität und Gesellschaft widerspiegelt.
- Analyse der mythologischen Grundlagen und des Librettos
- Untersuchung der musikalischen Struktur mittels Zwölftonreihen
- Interpretation der musikdramatischen Konfliktlinien in Schlüsselszenen
- Kontextualisierung der Oper im Schaffen Henzes und im zeitgeschichtlichen Umfeld
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Pentheus- und die Dionysos-Reihe als Grundlage für zwei verschiedene Welten
Das Grundmaterial der Oper basiert auf zwei Zwölftonreihen, die als Keimzelle für zwei Klangwelten dienen. Klaus Oehl stellt dabei heraus, dass Henze die Reihen des Pentheus und des Dionysos als zwölftonartige Modi und nicht als Reihen bezeichnet. Er vermutet die terminologische Unterscheidung zwischen Modus und Reihe in der Abgrenzung Henzes von der strengen Reihentechnik anderer Komponisten. So kann Henze durch die freiere Verwendung der Reihen verschiedene Klangwelten und Charaktere differenzierter gestalten. Der freie Umgang mit Zwölftonreihen mit der Möglichkeit, Töne zu tauschen und tonale Reminiszenzen zu erzeugen, stellt dabei ein Charakteristikum Henzes dar.
Demnach sind die Reihen in Henzes Oper selten in schulkompositorischer Reinheit zu finden. Wie auch schon bei Berg erscheinen die Reihen nicht nur horizontal in der Partitur, sondern treten auch in Form von vertikalen Repräsentanten von Reihenausschnitten als deutbare Akkorde auf. „Überzählige Töne, Elftonakkorde, unvollständige Reihen und die undogmatische Benutzung von thematischen und formalen Versatzstücken gehören zu der Regel.“ Dies zeigt sich schon beim ersten Auftreten der Dionysos-Reihe.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Herausarbeitung der zentralen Problemstellung und der Bedeutung des Werkes im Kontext von Euripides‘ Tragödie und Henzes Schaffensbiografie.
2 Henzes Bassariden nach der Bakchen-Tragödie Euripides‘: Vorstellung der mythologischen Basis, der Handlung sowie der figurenspezifischen Konstellationen und der Rezeptionsgeschichte der Oper.
3 Zur musikalischen Gestaltung der Oper: Detaillierte musikwissenschaftliche Untersuchung der kompositorischen Mittel, insbesondere der Zwölftonreihen und instrumentaler Parameter zur Charakterisierung der gegensätzlichen Welten.
4 Erkenntnis: Synthese der Analyseergebnisse und Bestätigung der These, dass musikdramatische Mittel zur übergeordneten Charakterisierung des philosophischen Konflikts zwischen Pentheus und Dionysos genutzt werden.
Schlüsselwörter
Hans Werner Henze, Die Bassariden, Dionysos-Kult, Pentheus, Musikdrama, Zwölftonmusik, Euripides, Eros, Ratio, Musikdramaturgie, Opernanalyse, Theben, Mänaden, griechische Mythologie, musikalische Charakterisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die musikdramatischen Mittel, mit denen Hans Werner Henze in seiner Oper "Die Bassariden" den Konflikt zwischen rationaler Ordnung (Pentheus) und dionysischem Rausch (Dionysos-Kult) darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Eros und Ratio, die musikalische Ausgestaltung von Charakteren sowie die Verknüpfung von antiker Mythologie mit zeitgenössischen Identitätsfragen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Henze durch spezifische Intervalle, Rhythmik und Instrumentation eine musikdramatische Dualität schafft, die über die reine Handlungsebene hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt vorwiegend eine musikwissenschaftliche und musikdramaturgische Analyse, ergänzt durch tiefenpsychologische Deutungen und Vergleiche mit der literarischen Vorlage von Euripides.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Vorstellung der Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte sowie in tiefgehende technische Analysen von Zwölftonreihen, Metrik und Klangfarben in ausgewählten Szenen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Zwölftonreihen, Musikdrama, Rationalismus versus Irrationalismus, psychologische Profilbildung der Figuren und die Transformation des antiken Stoffes in die Moderne.
Wie spielt das "Intermezzo" eine Rolle für das Verständnis von Pentheus?
Laut der Studie enthüllt das Intermezzo Pentheus' unterdrückte sexuelle Begierden und Fantasien, wodurch sein späteres Erliegen den Verführungskünsten des Dionysos erst psychologisch nachvollziehbar wird.
Welche Rolle spielt das Orchester in der Charakterisierung der Welten?
Das Orchester wird als primäres Gestaltungsmittel genutzt: Während Pentheus eher mit spröden, dissonanten Klängen und tiefen Registern verbunden ist, dominieren bei den Anhängern des Dionysos hellere, pastorale und durch Rhythmus betonte Klänge.
- Arbeit zitieren
- Franziska Schäfer (Autor:in), 2023, Dionysische Klänge. Musikdramatische Charakterisierung der Anhänger des Dionysos-Kultes im Vergleich zur Klangwelt von Pentheus in Hans Werner Henzes "Bassariden", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1382249