In einem Online-Assessment wurden die kognitiven Problemlösungskompetenzen von Schachspielern bewertet und diese Wertung auf einen Zusammenhang zur Spielstärke im Schach hin untersucht. Das Resultat zeigte eine schwach positive signifikante Korrelation zwischen dem Resultat des Assessments im kognitiven Problemlösen und der Elo-Wertungszahl der Schachspieler. Gründe dafür konnten nicht in der Demografie oder in den Schachmetriken der Teilnehmer gefunden werden. Die theoretischen Ansätze deuten an, dass stärkere Schachspieler im Spiel über eine bessere Mustererkennung verfügen als schwächere Spieler. Dies legt die Vermutung nahe, dass eine bessere Mustererkennung den kognitiven Problemlösungsprozess unterstützt und somit die Problemlöser bessere Ergebnisse, unterstützt durch die zu den Mustern gespeicherten Lösungen, liefern können.
Durch die höhere Bearbeitungszeit der Aufgabenstellungen durch Schachspieler im Vergleich zur Kontrollgruppe konnte die bestehende Forschung repliziert werden. Eine neue Erkenntnis ist eine sich nach oben verschiebende Normalverteilung der Bearbeitungszeit, je höher die Spielstärkeklasse der teilnehmenden Schachspieler ist. Dies deutet darauf hin, dass Schach die Motivation, Beharrlichkeit und Suchtiefe der Problemlöser fördert. Abschließendes Fazit ist, dass sich ein Nutzen von Schachsport für die Wirtschaft als Training der Musterspeicherung und -erkennung sowie der Bildung und Stärkung von Persönlichkeitsmerkmalen herauskristallisiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Beschreibung und Ausgangslage der Thesis
1.1 Thema
1.2 Einleitung
1.3 Hypothese der Thesis
1.4 Erläuterungen zur Hypothese der Thesis
1.5 Nutzen und Relevanz der Thesis
1.6 Fragestellung und Ziele der Thesis
1.7 Hypothesen und Forschungsfragen der Thesis
1.8 Erwartete Ergebnisse der Studie dieser Thesis
1.9 Methodisches Vorgehen in der Thesis
1.9.1 Überblick der Arbeitsschritte im methodischen Vorgehen der Thesis
1.9.2 Notwendige Bezüge zu bestehenden Theorien
1.9.3 Online-Assessment
1.9.4 Demografische Daten Online-Assessment
1.9.5 Im Online-Assessment abzufragende Schachmetriken
1.10 Auswertungen Problemlösung Online-Assessment
2. Das Brettspiel Schach
2.1 Geschichte
2.2 Gesellschaftliche Bedeutung des Schachspiels
2.2.1 Kulturelle Verankerung des Schachspiels
2.2.2 Vergleich Schachspieler mit Computerspieler
2.2.3 Schach als Sport
2.2.4 Herausforderungen für die Zukunft des Schachsports
2.3 Die Wertungszahl Elo im Schachsport
2.3.1 Beschreibung und Grundprinzip der Wertungszahl Elo
2.3.2 Geschichte der Wertungszahl Elo
2.3.3 Berechnung der Wertungszahl Elo
2.4 Schachpsychologie
2.4.1 Geschichte der Schachpsychologie
2.4.2 Forschungsstand Schachpsychologie
2.4.3 Motivation zum Schachspiel
2.4.4 Schach und lebenslanges Lernen
2.4.5 Schach als Wissenschaft
2.4.6 Denkmethoden im Schach
2.4.7 Schachsport und Nutzen für die Wirtschaft
2.5 Prozesse und Leistung in der Problemlösung von Schachspielern
2.5.1 Prozesse von Schachspielern in der Problemlösung
2.5.2 Heuristiken beim Urteilen und Entscheiden der Problemlösung von Schachspielern
2.5.3 Psychometrische Erkenntnisse und Daten von Schachspielern im Vergleich mit Nicht-Schachspielern
2.5.4 Leistung in der Problemlösung von Schachspielern im Vergleich mit Nicht-Schachspielern
3. Theoretische Grundlagen der kognitiven Psychologie des Problemlösens
3.1 Einleitung in die Psychologie des Problemlösen
3.2 Definition kognitives Problemlösen
3.3 Das Verhalten und die Handlung
3.4 Definition von Zielen
3.5 Zielkonflikte in polytelischen Situationen
3.6 Polytelische Situationen in Strategiespielen
3.7 Modell der Handlungsphasen nach Heinz Heckhausen 1980
3.7.1 Erste Phase des Rubikon-Modells (Abwägen von Realisierbarkeit des Zieles)
3.7.2 Zweite Phase des Rubikon-Modells (Planung des Handelns)
3.7.3 Dritte Phase des Rubikon-Modells (Realisierung)
3.7.4 Vierte Phase des Rubikon-Modells (Evaluation der Zielerreichung)
3.8 Phasen des kognitiven Problemlösens
3.8.1 Erste Phase des kognitiven Problemlösens (Problemidentifikation)
3.8.2 Zweite Phase des kognitiven Problemlösens (Ziel und Situationsanalyse)
3.8.3 Dritte Phase des kognitiven Problemlösens (Planerstellung)
3.8.4 Vierte Phase des kognitiven Problemlösens (Planausführung)
3.8.5 Fünfte Phase des kognitiven Problemlösens (Evaluation)
3.9 Zusammenhang zwischen dem Modell der Handlungsphasen und dem Modell des kognitiven Problemlösens
3.10 Unterschiedliche Arten von Problemen, Problemlösungen und Problemlösern
3.10.1 Verschiedene Arten von Problemen
3.10.2 Dimensionen des einfachen und komplexen Problemlösens
3.10.3 Unterschiede zwischen Problemsituationen im Alltag und im Schach
3.11 Verschiedene Arten von Problemlösern
3.12 Hilfsmittel der Problemlösestrategien
3.13 Expertise im kognitiven Problemlösen als Phänomen und Befund
3.14 Blickbewegungsmessung als Methode der Problemlöseforschung
4. Methode der Datenerhebung mittels Online-Assessment
4.1 Grundsätze des Online-Assessments
4.1.1 Notwendigkeit des Online-Assessments
4.1.2 Stichprobe Online-Assessment
4.2 Erstellung des Online-Assessment
4.2.1 Auswahl der Plattform für das Online-Assessments
4.2.2 Plattform ONYX für das Online-Assessment
4.2.3 Herausforderungen Online-Assessment
4.2.4 Auswahl und Übertragung ODEC PISA-2003-Aufgaben in die Online-Assessment-Plattform
4.2.5 Aufgabenkategorien im Online-Assessment
4.2.6 Mehrsprachigkeit des Online-Assessment
4.2.7 Proof of Concept Online-Assessment
4.2.8 Ergebnisse des Proof of Concept Online-Assessments
4.2.9 Einschränkung der Bearbeitungszeit der Aufgaben im Online-Assessment
5. Deskriptive Resultate des Online-Assessments
5.1 Deskriptive Analyse der demografischen Daten der Teilnehmer des Online-Assessments
5.2 Deskriptive Analyse der Test-Resultate der Teilnehmer des Online-Assessments
5.3 Deskriptive Analyse der Schachmetriken der schachspielenden Teilnehmer des Online-Assessments (TN-E)
6. Diskussion der Untersuchungsergebnisse des Online-Assessments
6.1 Vergleich Schachspieler nach Spielstärkeklassen
6.2 Vergleich Schachspieler (TN-E) und Nicht-Schachspieler (KG)
6.3 Korrelationen
6.3.1 Korrelation der erreichten Punkte Online-Assessment und der Elo-Wertungszahl
6.3.2 Korrelation der erreichten Punkte Online-Assessment und der Elo-Wertungszahl nach Transformation zur Normalverteilung
6.3.3 Weitere Korrelationen der Schachspieler mit Elo-Wertungszahl
6.3.4 Korrelationen und Nicht-Korrelationen zwischen Schachspieler mit Elo-Wertungszahl und der Kontrollgruppe
6.4 Hypothesenprüfung und Beantwortung Forschungsfragen
7. Konklusion und Abschluss
7.1 Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse
7.1.1 Allgemeine Befunde in den Ergebnissen
7.1.2 Das Henne-Ei Problem zwischen den Problemlösungskompetenzen und der Elo-Wertungszahl
7.1.3 Interpretation und Befunde der Aufgabenkategorie 1 und 2
7.1.4 Interpretation und Befunde der Aufgabenkategorie 3
7.1.5 Befund der Mustererkennung als unterstützender Prozess der Problemlösung und Ursache für bessere Leistungen in der Problemlösung
7.1.6 Abschliessende Befunde und Interpretationen
7.1.7 Abschliessendes Fazit
7.2 Stärken der vorliegenden Untersuchung
7.3 Limitationen der vorliegenden Untersuchung
7.4 Potenzielle zukünftige Forschung im Bereich Spiel und Problemlösekompetenzen
7.5 Offene und weiterführende Fragen aus der vorliegenden Untersuchung
7.6 Handlungsempfehlungen für zukünftige Forschungen
7.7 Praktische Implikationen für Wirtschaft, Bildungswesen und Medien
7.8 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Thesis untersucht, ob eine positive Korrelation zwischen der Spielstärke im Schach (gemessen durch die Elo-Wertungszahl) und der kognitiven Problemlösungskompetenz besteht. Ziel der Arbeit ist es, die kognitiven Vorgänge von Schachspielern beim Problemlösen aufzuschlüsseln und zu prüfen, ob Schach als Training für kognitive Fähigkeiten in wirtschaftlichen Kontexten dienen kann.
- Zusammenhang zwischen Schachspielstärke und Problemlösekompetenz
- Einsatz von Online-Assessments zur Leistungsdiagnostik
- Bedeutung von Mustererkennung und Heuristiken im Schach
- Analyse demografischer Einflüsse auf die Problemlöseleistung
- Schachspezifisches Denken als kognitives Problemlösen
Auszug aus dem Buch
1.2 Einleitung
Im westlichen Raum ist Schach das bekannteste Brettspiel für zwei Personen und besitzt eine tiefe kulturelle Verankerung. Auch in der Schweiz ist diese Verankerung durch die rund 235 beim schweizerischen Schachbund SSB eingetragenen Schachvereine sicht- und spürbar. Das Spiel gilt als sehr komplex, wenn auch nicht so komplex wie das vor allem im östlichen Raum beliebte Brettspiel Go oder aktuelle Computerspiele.
Schach auf hohem Niveau zu betreiben, verlangt besondere Eigenschaften wie Leistungsbereitschaft, Ausdauer, Belastbarkeit, Selbstbewusstsein, Selbstkritik und vor allem die Fähigkeit zur kognitiven Problemlösung. Dem Schach wird die Förderung weiterer positiven Eigenschaften zugeschrieben, wie etwa effektivere Vorausplanung, gesteigerte Aufmerksamkeit, verbesserte räumliche Vorstellungskraft, im Allgemeinen ein leistungsfähigeres Gedächtnis und die Fähigkeit zur kritischen Analyse. Die seriöse Beschäftigung mit Schach kann somit die kognitiven Eigenschaften des Menschen steigern. Es wird deshalb als Sportart angesehen und als diese ist Schach mehr als ein reiner Zeitvertrieb.
Als international anerkannter Denksport wird Schach auf der ganzen Welt nach den durch die FIDE (Fédération Internationale des Échecs, Weltschachbund) definierten Regeln gespielt. Die Leistung eines Schachspielers wird genau gemessen und gibt Auskunft über dessen Spielstärke. Somit hängt die Leistung rein vom Können ab und Zufall oder Glück sind i. d. R. nicht relevant. Die Leistung wird aus gewerteten Partien (Wettbewerb) gemessen. Es gibt verschiedene Arten von Wettkämpfen und Turnieren. Diese können als Einzel- oder auch als Mannschaftsevent ausgetragen werden, wobei immer der Einzelanalyse für die Bewertung der eigenen Leistung entscheidend ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Beschreibung und Ausgangslage der Thesis: Einführung in das Thema der Korrelation zwischen Schachspielstärke und Problemlösekompetenz sowie Definition der Hypothesen und methodischen Grundlagen.
2. Das Brettspiel Schach: Historischer Rückblick, soziologische Aspekte des Schachsports sowie Erläuterung des Elo-Wertungssystems und der psychologischen Hintergründe des Spiels.
3. Theoretische Grundlagen der kognitiven Psychologie des Problemlösens: Darstellung der psychologischen Theorien zu Zieldefinitionen, Handlungsphasen und komplexen Problemlösungsprozessen in der kognitiven Psychologie.
4. Methode der Datenerhebung mittels Online-Assessment: Beschreibung des methodischen Setups, der verwendeten Online-Plattform (ONYX) und der Aufgabenkonfiguration basierend auf der PISA-Studie.
5. Deskriptive Resultate des Online-Assessments: Präsentation der statistischen Daten zur Stichprobe sowie deskriptive Auswertung der erzielten Spielergebnisse und Schachmetriken.
6. Diskussion der Untersuchungsergebnisse des Online-Assessments: Interpretation der statistischen Korrelationen und Prüfung der aufgestellten Hypothesen hinsichtlich einer Verbindung von Schachstärke und kognitiven Leistungen.
7. Konklusion und Abschluss: Zusammenfassende Interpretation der Gesamtergebnisse, Diskussion von Limitationen der Studie sowie Ausblick auf zukünftige Forschung und praktische Implikationen.
Schlüsselwörter
Problemlösen, Schach, Kognitionspsychologie, Psychologie, Online Assessment, Mustererkennung, Heuristiken, Elo-Wertungszahl, Strategie, Taktik, Denksport, kognitive Fähigkeiten, Leistungsdiagnostik, Spielstärke, Persönlichkeitsmerkmale
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen dieser Bachelorarbeit?
Die Arbeit untersucht, ob eine positive Korrelation zwischen der Spielstärke von Schachspielern – ausgedrückt durch ihre Elo-Wertungszahl – und ihrer kognitiven Problemlösungskompetenz besteht.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf kognitiven Problemlöseprozessen, der Schachpsychologie, dem Elo-Ratingsystem sowie der statistischen Analyse von Leistungsdaten aus Online-Assessments.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, ob Schachsport die Problemlösungskompetenz fördert und ob diese Fähigkeiten interdisziplinär, beispielsweise für Managementaufgaben in der Wirtschaft, relevant sind.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es wurde eine quantitative Online-Studie durchgeführt, bei der Schachspieler unterschiedlicher Spielstärke problemorientierte Aufgaben bearbeiteten, deren Ergebnisse anschließend statistisch ausgewertet wurden.
Worum geht es im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit der Problemlösepsychologie und eine darauf aufbauende empirische Analyse der erhobenen Datensätze.
Wodurch zeichnet sich die Arbeit aus?
Die Arbeit kombiniert sportwissenschaftliche Aspekte des Schachs mit wirtschaftspsychologischen Fragestellungen und validiert diese durch ein selbst durchgeführtes, quantitatives Online-Assessment.
Wie wurde die Spielstärke der Teilnehmer bestimmt?
Die Spielstärke wurde primär über die offizielle Elo-Wertungszahl des Schweizerischen Schachbundes (SSB) oder des Weltschachbundes (FIDE) erfasst.
Welche Rolle spielt die Mustererkennung bei den Ergebnissen?
Mustererkennung wird als wesentliche kognitive Strategie identifiziert, die es stärkeren Spielern ermöglicht, komplexe Informationen auf dem Schachbrett effizienter zu verarbeiten als weniger geübten Spielern.
Können die Ergebnisse aus der Forschung auf den Wirtschaftsalltag übertragen werden?
Die Arbeit diskutiert, dass Schach als Trainingsinstrument für kognitive Flexibilität und vorausschauendes Denken fungieren kann, gibt jedoch zu bedenken, dass eine direkte Übertragbarkeit der Fähigkeiten auf andere Fachgebiete komplex ist.
- Citation du texte
- Elvis Mera (Auteur), 2018, Korrelation der Spielstärke im Schach und kognitiver Problemlösungskompetenz. Nutzen von Schachsport als Personaltraining in Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1382297