Anhand eines durchgeführten Interviews in einer therapeutischen Einrichtung konnten erste Einblicke in die Thematik der Stigmatisierung von Jugendlichen, die mit einer Sucht zu kämpfen haben, gewonnen werden. Dadurch wurde die Relevanz der Stigmatisierung deutlich, weshalb deren Auswirkungen auf Jugendliche im Rahmen dieser Arbeit thematisiert werden. Im weiteren Verlauf wird der theoretische Kontext hergestellt, indem die Begriffe der Devianz, (Selbst-/Fremd-) Stigmatisierung und dem Stigma der Sucht aufgeführt und erklärt werden. Anschließend folgt eine kurze Vorstellung der Einrichtung. Im nächsten Abschnitt wird dann die Methode der Grounded Theory vorgestellt, mit der im nachfolgenden Kapitel gearbeitet wird. Es werden ausgewählte Interviewpassagen, welche wichtige für die Forschungsfrage sind, aufgezeigt, die dann mit der Grounded Theory untersucht und bearbeitet werden. Anhand der angefertigten Kategorie wird dann das Forschungsthema untersucht. Enden wird diese Arbeit dann mit einem Resümee der Ergebnisse und einem möglichen Ausblick dieser Thematik.
Die Ursachen und Mechanismen von Suchterkrankungen lassen sich heute wissenschaftlich erklären, jedoch werden suchtkranke Menschen gesellschaftlich immer noch stark stigmatisiert. Sie erleben ständige Diskriminierung und sehen sich Vorurteilen ausgesetzt. Rund 36 Prozent der Bevölkerung halten Sucht immer noch für eine selbstverschuldete Krankheit. Daraus folgt, dass Suchterkrankungen von den Betroffenen und ihrem sozialen Umfeld totgeschwiegen werden und somit therapeutische Interventionen daher oft erst in einem sehr späten Stadium der Abhängigkeit erfolgen.
Generell ist das Interesse sowie der Wissensstand zu Stigmatisierungsprozessen und deren Auswirkungen in den letzten drei Jahrzehnten gewachsen, jedoch ist bspw. das Selbststigma bei Menschen mit Substanzmissbrauch bisher wenig untersucht. Beachtung wurde überwiegend auf die Konzeptualisierung von Stigma und dessen Folgen gelegt, wodurch das Ziel der nachhaltigen Reduzierung von Stigmatisierung erreicht werden sollte. Eine Gemeinsamkeit der wissenschaftlichen Meinungen ist, dass Stigmatisierung als ein Prozess betrachtet wird, wobei die Erfassung dieses Prozesses sich als schwierig erweist. Das liegt vor allem daran, dass das Wort oft undifferenziert mit der Definition von Vorurteilen oder Diskriminierung gleichgesetzt wird und multidisziplinär verwendet wird, wodurch es zu verschiedenartigen Definitionen kommen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Devianz
2.2 Stigmatisierung- Was ist das?
2.2.1 Selbststigmatisierung
2.2.2 Fremdstigmatisierung
2.3 Stigma von Sucht
3. Vorstellung der Einrichtung und der Befragten
4. Methode der Grounded Theory
5. Datenanalyse durch Grounded Theory
5.1 Kategorie „Selbststigmatisierung“
5.1.1 Konzept „Rolle der Gedanken“
5.1.2 Konzept „depressiven Phasen“
5.2 Kategorie der Fremdstigmatisierung
5.2.1 Konzept „familiäres Umfeldes“
5.2.2 Konzept „Einfluss der Freunde“
5.3 Schlüsselkategorie der „Selbstsicherheit“
6. Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz von Stigmatisierungsprozessen bei Jugendlichen im Suchtbereich und deren Auswirkungen auf den Heilungsprozess. Ausgehend von theoretischen Konzepten der Devianz und Stigmatisierung analysiert die Arbeit mittels der Grounded Theory qualitative Interviewdaten, um Zusammenhänge zwischen Stigmatisierungserfahrungen und der persönlichen Entwicklung der Jugendlichen zu identifizieren.
- Theoretische Verortung von Devianz und Stigmatisierung
- Einfluss von Selbst- und Fremdstigmatisierung auf Jugendliche
- Rolle von zwischenmenschlichen Beziehungen und dem sozialen Umfeld
- Bedeutung der „Selbstsicherheit“ als zentrale Schlüsselkategorie zur Stärkung der Abstinenz
- Pädagogische und therapeutische Handlungsansätze in der Suchthilfe
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Konzept „Rolle der Gedanken“
Dieses Konzept bildet sich vor allem in Hinblick auf die Erzählungen der befragten Jugendlichen auf die Frage, ob Selbststigmatisierung bei ihr selbst auch vorkommt. Generell lassen sich die Gedanken in negative und positive einteilen, was die Befragte mit „Schüben“ und „Stimmungen“ ausdrückt. So kann es durch negative Gedanken zu Krisen kommen, die durch die Therapie oder durch Versagen hervorgerufen werden. Sie berichtet von Zukunftsängsten und der Angst enttäuscht zu werden, wenn man es diesmal wirklich versuchen will. Dabei schildert die Befragte bspw., dass sie denkt „ich schaffe das ja eh nicht“, wodurch die Zweifel verdeutlicht werden, die sich in den Jugendlichen möglicherweise festgesetzt haben und die in Bezug auf ihre Krankheit und der damit einhergehenden Stigmatisierung entstanden sind. Dabei bezieht sich diese Zweifel in der Einrichtung speziell auf die schulischen Leistungen, der Abstinenz, dem Heilungsprozess und dem späteren Leben. Die Zweifel, weshalb man Kraft und Engere in etwas investieren soll, obwohl man es zuvor schon nicht schaffte, verdeutlicht die Unsicherheit und das eventuell schon verinnerlichte Stigma bzgl. der Sucht. Bestätigen würde das die Aussage, dass sich viele einschließlich die Befragte unterschätzen würden, was in der Eirichtung und somit beim Thema Sucht häufig vorzukommen scheint.
In Hinblick auf positive Gedanken berichtet die Jugendliche, dass sie dann sehr motiviert und auch stolz auf ihr Erreichtes ist. Es zeigt sich in den Passagen, dass der Heilungsverlauf sowie der Schulalltag abhängig von den Stimmungen und somit von den Gedanken abhängen, wodurch ihnen eine wichtige Rolle im Stigmatisierungsprozess beigemessen werden muss. Die positiven Gedanken entstehen, wenn die Befragte etwas schafft, bei dem sie zuvor Zweifel hatte und somit aus der Selbststigmatisierung des Süchtigen ausbricht. Dieser Vorgang lässt sich mit den Maßnahmen der Einrichtung verbinden, wobei die Jugendlichen wieder lernen sollen, wer sie ohne die Sucht sind und dass sie sich nicht durch Zweifel hemmen lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die gesellschaftliche Stigmatisierung suchtkranker Menschen und begründet das Ziel der Arbeit, die Auswirkungen dieses Stigmas auf Jugendliche in der Suchthilfe zu untersuchen.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Begriffe Devianz und Stigmatisierung, unterteilt in Selbst- und Fremdstigmatisierung, und beleuchtet das Stigma der Sucht.
3. Vorstellung der Einrichtung und der Befragten: Es erfolgt eine deskriptive Einführung der therapeutischen Einrichtung sowie eine Charakterisierung der interviewten Personen.
4. Methode der Grounded Theory: Hier wird der methodische Ansatz der Grounded Theory dargelegt, insbesondere das Kodierverfahren, das zur Analyse der erhobenen Daten genutzt wird.
5. Datenanalyse durch Grounded Theory: Das Kapitel verknüpft die empirischen Daten mit den theoretischen Kategorien und arbeitet die Konzepte der Selbst- und Fremdstigmatisierung sowie die Schlüsselkategorie „Selbstsicherheit“ heraus.
6. Resümee und Ausblick: Diese Zusammenfassung reflektiert die Ergebnisse der Forschungsarbeit und gibt einen Ausblick auf die Notwendigkeit von therapeutischen Interventionen zur Stärkung der Selbstsicherheit im Kampf gegen Suchtstigmatisierung.
Schlüsselwörter
Stigmatisierung, Suchthilfe, Selbststigmatisierung, Fremdstigmatisierung, Devianz, Grounded Theory, Jugendliche, Suchterkrankung, Abstinenz, Selbstwertgefühl, Selbstsicherheit, Soziale Kompetenz, Therapie, Empowerment, Identitätsentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der vorliegenden Arbeit?
Die Publikation befasst sich mit der gesellschaftlichen und persönlichen Stigmatisierung von Jugendlichen, die mit Suchterkrankungen zu kämpfen haben, und wie diese Prozesse ihren therapeutischen Heilungsprozess beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Grundlagen von Stigmatisierung, die unterschiedlichen Formen von Selbst- und Fremdstigmatisierung sowie die Rolle von sozialen Umfeldern wie Familie und Freunden bei der Genesung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Relevanz der Stigmatisierung für Jugendliche in stationären Suchteinrichtungen zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie Jugendliche durch den Aufbau von Selbstsicherheit diesen Stigmatisierungsmechanismen entgegenwirken können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methodik der Grounded Theory, um aus den Interviews mit einem Therapeuten und einer Patientin begründete Konzepte und Kategorien für das Stigmatisierungserleben abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Im Hauptteil werden mittels Grounded Theory die Kategorien "Selbststigmatisierung" (inklusive der Rolle der Gedanken und depressiver Phasen) und "Fremdstigmatisierung" (inklusive des familiären und freundschaftlichen Umfelds) detailliert herausgearbeitet und in der Schlüsselkategorie "Selbstsicherheit" zusammengeführt.
Durch welche Schlüsselwörter zeichnet sich die Arbeit aus?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Stigmatisierung, Suchthilfe, Selbstsicherheit, Empowerment, Adoleszenz, Abstinenzzuversicht und therapeutische Intervention charakterisieren.
Warum wird empfohlen, dass Jugendliche nach der Therapie nicht in ihr altes Zuhause zurückkehren?
Das alte Umfeld (Familie und Freunde) trägt laut der Analyse oft zur Aufrechterhaltung des Stigmas bei und hat den therapeutischen Lernprozess selbst nicht durchlaufen, was Rückfälle provozieren kann.
Warum spielt die Kategorie „Selbstsicherheit“ eine so zentrale Rolle für die Betroffenen?
Selbstsicherheit wird als ein Lösungsansatz der Einrichtung definiert, der den Jugendlichen hilft, resistenter gegenüber den Vorurteilen anderer zu werden und ihr soziales Auftreten so zu verändern, dass sie nicht mehr primär über ihr Stigma definiert werden.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2020, Stigmatisierung und deren Auswirkungen auf Jugendliche, die mit einer Sucht kämpfen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1382444