Im Bereich der Wortbildungslehre gibt es bis heute keine klare Richtlinie, wie Wortkürzungen einzuordnen sind. Einige Publikationen zählen Kürzungen nicht zur Wortbildung, da ein Kurzwort im Vergleich zu seiner „Vollform[en] nur einen sekundären Status habe“ (Altmann 2005: 40), andere behandeln Kürzungen als Sonderfälle der Wortbildung (vgl. Kobler-Trill 1994, Lohde 2006), oder zählen sie ohne Einschränkungen dazu (vgl. Altmann 2005). Die meisten neigen jedoch dazu die Kurzwortbildung als Wortbildungsverfahren anzuerkennen (Steinhauer 2000: 24f.). Ziel dieser Arbeit ist es nun die verschiedenen Standpunkte der Diskussion über die Rolle von Kurzwörtern in der Wortbildung aufzuzeigen und zum Schluss eine persönliche Stellungnahme zur Problematik zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildung und Funktion von Kurzwörtern
3. Diskussion
4. Zusammenfassung und Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Status der Kurzwortbildung innerhalb der deutschen Wortbildungslehre und analysiert, ob es sich hierbei um ein eigenständiges produktives Verfahren oder lediglich um eine ausdrucksseitige Verkürzung von Vollformen handelt.
- Definition und Abgrenzung von Kurzwörtern gegenüber Abkürzungen.
- Funktion der Kurzwortbildung als ökonomisches Mittel der Kommunikation.
- Diskurs über die Einordnung der Kurzwortbildung in die klassische Wortbildungslehre.
- Soziolinguistische Aspekte von Kurzwörtern (Konnotation, Gruppenidentität).
- Einfluss der Kurzwortbildung auf die Sprachökonomie und Sprachwahrnehmung.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
TÜV, Uni, PC, Kripo, Milka und Limo sind Kurzwörtbildungen, wie sie in der deutschen Gegenwartssprache alltäglich gebraucht werden. Seit 1945 lässt sich im unserem Wortschatz eine starke Zunahme dieser, hauptsächlich substantivischen Kürzungen beobachten (Lohde 2006: 54). Besonders in den Fachsprachen kommen sie zum Einsatz, und auch in der Umgangssprache werden Kürzungen zunehmend verwendet. Besonders häufig findet man Kurzwörter außerdem in der Werbung, bei Firmen- und Produktnamen (H&M, Persil, Milka usw.). Diese Entwicklung wird, insbesondere in „sprachpflegerisch ausgerichteten Publikationen“ stark kritisiert. Es wird von Sprachverfall gesprochen, oder bemängelt, dass Kurzwörter vom ursprünglichen Wort und dessen Bedeutung ablenken und undurchsichtig seinen (Kobler-Trill 1994: 181ff.).
Es können außerdem schnell Missverständnisse entstehen, da Kurzwörter unmotiviert sind und sich daher die ursprüngliche Vollform nicht von der kürzeren ableiten lässt. Zudem kommt es häufig vor, dass eine Wortkürzung für verschiedene Vollformen gebraucht wird. So kann FC für Fußballclub, Fechtclub oder ähnliches stehen. Um ein Kurzwort zu verstehen muss man also entweder dessen Ausgangsform kennen oder die Kurzform selbst als eigenständige Einheit gelernt haben (Barz 2005: 742f.).
Im Bereich der Wortbildungslehre gibt es bis heute keine klare Richtlinie, wie Wortkürzungen einzuordnen sind. Einige Publikationen zählen Kürzungen nicht zur Wortbildung, da ein Kurzwort im Vergleich zu seiner „Vollform[en] nur einen sekundären Status habe“ (Altmann 2005: 40), andere behandeln Kürzungen als Sonderfälle der Wortbildung (vgl. Kobler-Trill 1994, Lohde 2006), oder zählen sie ohne Einschränkungen dazu (vgl. Altmann 2005). Die meisten neigen jedoch dazu die Kurzwortbildung als Wortbildungsverfahren anzuerkennen (Steinhauer 2000: 24f.). Ziel dieser Arbeit ist es nun die verschiedenen Standpunkte der Diskussion über die Rolle von Kurzwörtern in der Wortbildung aufzuzeigen und zum Schluss eine persönliche Stellungnahme zur Problematik zu entwickeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die alltägliche Verwendung von Kurzwörtern ein, beleuchtet die Kritik an dieser sprachlichen Entwicklung und definiert das Ziel der Arbeit.
2. Bildung und Funktion von Kurzwörtern: Dieses Kapitel erläutert die morphologischen Grundlagen der Kurzwortbildung, grenzt sie von Abkürzungen ab und beschreibt ihre primäre Funktion der kommunikativen Ökonomie.
3. Diskussion: Hier werden die wissenschaftlichen Argumente pro und contra Kurzwortbildung als Wortbildungsverfahren gegeneinander abgewogen und der Wortstatus von Kurzwörtern reflektiert.
4. Zusammenfassung und Stellungnahme: Der Schlussteil fasst die wesentlichen Positionen zusammen und bietet eine persönliche Bewertung der Autorin hinsichtlich der Einordnung und der Auswirkungen auf die deutsche Sprache.
Schlüsselwörter
Kurzwortbildung, Wortbildung, Sprachökonomie, Kürzungen, Dublette, Basislexem, Sprachverfall, Kommunikation, Synonymie, morphologische Reduktion, Konnotation, Wortstatus, deutsche Gegenwartssprache, Fachsprache, Umgangssprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Kurzwortbildung in der deutschen Gegenwartssprache und der Frage, ob diese als Teil der regulären Wortbildung anzusehen ist.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die wissenschaftliche Diskussion zur Rolle der Kurzwörter aufzuarbeiten und eine eigene Position zur Einordnung dieser Kürzungen in die Wortbildungslehre zu beziehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, bei der verschiedene sprachwissenschaftliche Standpunkte und Definitionen aus der Fachliteratur gegenübergestellt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Abgrenzung zum Begriff "Abkürzung", die Funktion der Ökonomisierung, der Wortstatus von Kurzwörtern sowie soziolinguistische Aspekte wie deren Verwendung in Gruppen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition von Kurzwörtern und ihre Funktionen sowie eine detaillierte Diskussion der Argumente, die für oder gegen die Anerkennung der Kurzwortbildung als Wortbildungsverfahren sprechen.
Was charakterisiert die in der Arbeit verwendeten Schlüsselwörter?
Die Begriffe beschreiben sowohl den Prozess der Wortbildung (Kürzung, Reduktion) als auch die pragmatischen und gesellschaftlichen Auswirkungen auf die Sprachpraxis.
Warum entstehen bei der Verwendung von Kurzwörtern oft Missverständnisse?
Da Kurzwörter häufig unmotiviert sind, lässt sich die ursprüngliche Vollform oft nicht direkt ableiten; zudem können identische Kurzformen für unterschiedliche Vollformen stehen, was Kontextwissen erforderlich macht.
Welche Rolle spielt die Fachsprache bei der Verwendung von Kurzwörtern?
Kurzwörter dienen in Fachsprachen vor allem der ökonomischen und rationellen Verständigung, wobei das ursprüngliche Basislexem bei häufigem Gebrauch oft in den Hintergrund tritt oder sogar verdrängt wird.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Abkürzungen und Kurzwörtern?
Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist, dass Kurzwörter sowohl schriftlich als auch phonisch (im gesprochenen Wort) realisierbar sind, während Abkürzungen primär in der Schrift existieren.
Welche soziale Funktion können Kurzwörter innerhalb von Gruppen einnehmen?
Kurzwörter fungieren oft als Insider-Code, der die Gruppenzugehörigkeit verdeutlicht, eine distanzierte Haltung gegenüber dem Begriff einnimmt oder eine Tabuisierung der Vollform ermöglicht.
- Citation du texte
- Sandra Faust (Auteur), 2007, Kurzwortbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138247