Die „wage gap“ Debatte und unfreiwillige Arbeitslosigkeit: Der Fall der Bundesrepublik Deutschland


Diplomarbeit, 2002

87 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Aufbau der Arbeit

2 Erklärung und Wirkung der „wage gap“
2.1 Grundsätzliche Aspekte
2.2 Zwei populäre Ursachen und ihre Wirkung
2.2.1 Technologischer Fortschritt (SBTC)
2.2.2 Globalisierung bzw. Internationaler Handel
2.3 Empirische Untersuchungen zur Relevanz von SBTC und Globalisierung

3 Der deutsche Arbeitsmarkt
3.1 Institutionelle Rahmenbedingungen des deutschen Arbeitsmarktes
3.1.1 Das deutsche Berufsausbildungssystem
3.1.2 Gewerkschaften und Tarifverträge
3.1.3 Staatliche Intervention
3.1.4 Lohnkosten
3.2 Konsequenzen für die Analyse des dt. Arbeitsmarktes
3.3 Die Struktur der Arbeitslosigkeit
3.3.1 Qualifikation als Strukturmerkmal
3.3.2 Alter als Strukturmerkmal
3.3.3 Dauer als Strukturmerkmal
3.3.4 Arbeitslosigkeit im Osten

4 Erklärungsversuch der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit in Deutschland
4.1 Der Interessenskonflikt zwischen Beschäftigten und Arbeitslosen bei individuellen Lohnverhandlungen
4.2 Der Interessenskonflikt zwischen Beschäftigten und Arbeitslosen bei kollektiven Lohnverhandlungen
4.3 Erklärung der qualifikationsspezifischen Arbeitslosigkeit

5 Empirischer Erklärungsgehalt der qualifikationsspezifischen Arbeitslosigkeit für die unfreiwillige Arbeitslosigkeit in Deutschland

6 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 3.1 Das deutsche Berufsausbildungssystem

Tabelle 3.2 Gewerkschaftliche Netto-und Bruttoorganisationsgrade einzelner Wirtschaftszweige im Jahre 1990 für Westdeutschland.

Tabelle 3.3 Tarifbindung der Betriebe und Beschäftigten in West- und Ostdeutschland 2000 nach ausgewählten Sektoren.

Tabelle 3.4 Veränderungsraten der Arbeitskosten in Deutschland je Arbeitnehmer in Unternehmen des Produzierenden Gewerbes von 1975 bis 1992 in %..

Tabelle 3.5 Arbeitskosten je Arbeitsstunde in DM in der verarbeitenden Industrie für das Jahr 1995 im internationalen Vergleich.

Tabelle 3.6 Veränderungsraten der Lohnstückkosten im Produzierenden Gewerbe von 1966 bis 1992 in % für Deutschland

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2.1 Proportionaler Anteil verschiedener Bildungsniveaus in Prozent der gesamten Vollzeitbeschäftigung der Vereinigten Staaten.

Abbildung 2.2 Lohnentwicklung für weiße männliche Arbeitnehmer von 1963-1995 in den USA

Abbildung 2.3 Auswirkung des SBTC auf die Relativlöhne.

Abbildung 3.1 Arbeitslosigkeit in Deutschland und den USA von 1969 bis 2002.

Abbildung 3.2 Beschäftigungsanteile verschiedener Ausbildungsgruppen in Deutschland

Abbildung 3.3 Qualifikationsspezifische Arbeitslosigkeit in Deutschland von 1975 bis 1998

Abbildung 3.4 Arbeitslosenquoten älterer Menschen in Westdeutschland von 1984 bis 1999

Abbildung 3.5 Anteil der Langzeitarbeitslosen an der Gesamtarbeitslosigkeit in Westdeutschland von 1970 bis 1999.

Abbildung 3.6 Arbeitslosenquoten für Ost-, West und Gesamtdeutschland von 1991 bis 1999

Abbildung 4.1 Persistenz von Arbeitslosigkeit im Insider-Outsider-Modell

Abbildung 4.2 Unfreiwillige Arbeitslosigkeit von gering qualifizierten Arbeitskräften.

Abbildung 5.1 Entwicklung der aggregierten, qualifikationsspezifischen Reallöhne in Deutschland von 1975 bis 1990.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung und Aufbau der Arbeit

Vergleicht man die Arbeitsmarktdaten der USA mit denen Deutschlands, ist ein Unterschied besonders augenfällig. In den USA ist seit Beginn der 80er Jahre die Lohndispersion, sprich die Lohnspreizung, bei relativ konstanter Beschäftigung zu Lasten gering qualifizierter Arbeitskräfte kontinuierlich gestiegen. Diese Entwicklung ist in der Literatur unter dem Namen „wage gap“ bekannt. In Deutschland hingegen wurde derselbe Zeitraum[1], bei relativ konstanter Verteilung der Löhne[2], von einer steigenden und zugleich persistenten Arbeitslosigkeit, insbesondere im Niedriglohnsektor, begleitet.[3] Mit diesem Beschäftigungsproblem sieht sich ein Großteil der europäischen OECD-Mitgliedsländer (u.a. Spanien oder Frankreich), zumindest in qualitativer Hinsicht, konfrontiert, weshalb in der Literatur oft zwischen dem europäischen - und dem amerikanischen „Fall“ unterschieden wird.

Simultan ist das relative Angebot an qualifizierter Arbeit in beiden Ländern angestiegen[4], was der dargestellten Entwicklung zunächst zu widersprechen scheint. Eine konsistente Erklärung für diesen scheinbaren Widerspruch sind relative Nachfrageverschiebungen zu Gunsten qualifizierter, und zu Lasten gering qualifizierter Arbeitskräfte. Zahlreich existierende Ansätze versuchen, den genannten relativen Nachfragerückgang auf Seiten der gering Qualifizierten zu erklären.[5] Zwei von ihnen erhielten in der Literatur besondere Aufmerksamkeit:

Der erste Ansatz sieht den Grund in der globalen Integration der Märkte, insbesondere der Gütermärkte. Danach werden aufgrund steigender Importkonkurrenz aus Billiglohnländern die Löhne gering qualifizierter Arbeitnehmer unter Druck gesetzt.

Der zweite Ansatz hingegen führt diese Entwicklung auf den technischen Fortschritt zurück, der qualifizierte Arbeit relativ stärker nachfragt als gering qualifizierte Arbeit. Er wird dementsprechend in der angelsächsischen Literatur als „Skill Biased Technological Change“-Ansatz bezeichnet.[6] Die Quintessenz dabei ist, das technologische Entwicklungen, wie z.B. der Computer, komplementär zu Arbeitkräften mit guter Ausbildung sind.

Beiden Ansätzen ist gemeinsam, dass sie auf ähnliche Art und Weise sowohl den deutschen, als auch den amerikanischen Arbeitsmarkt tangieren. Daher lässt sich daraus schließen, dass auf beiden Arbeitsmärkten dieselben „Kräfte“ am Werk sind, die allerdings unterschiedliche Konsequenzen nach sich ziehen. Krugman[7] formulierte diesen Zusammenhang mit der sog. „two sides of the same coin“- Hypothese, die lautet:

the “growing US inequality and growing European unemployment are different sides of the same coin“.

Analog dazu argumentierte Freeman[8]:

“In the 1980’s and 1990’s, the demand for less-skilled workers fell in advanced countries. In the U.S., this showed up primarily in falling real wages for less-educated men, … In OECD-Europe, it took the form of increased unemployment for the less skilled.”

Dieses Zitat ist in der Literatur unter dem Namen „Flip Side”-Hypothese bekannt, wobei inhaltlich derselbe Zusammenhang dargestellt wird.[9]

Schenkt man diesen beiden Zitaten Glauben, stellt sich allerdings die Frage, weshalb Nachfrageverschiebungen den deutschen Arbeitsmarkt in Form von Beschäftigungseffekten beeinflussen, während sie sich in den Staaten in steigender Lohndispersion ausdrücken. Warum reagieren die nationalen Märkte auf unterschiedliche Art und Weise, also einmal über Preisanpassung und einmal über Mengenanpassung?

Oft wird auf die Inflexibilität des deutschen Arbeitsmarktes, insbesondere der Löhne in Verbindung mit einem, im internationalen Vergleich, hohen Lohnniveau verwiesen.[10] Diese Inflexibilität resultiere aus einem (recht) starken Einfluss der Gewerkschaften und aus weitreichenden staatlichen Interventionen, die sich z.B. in der Arbeitsgerichtsbarkeit wiederspiegeln, sprich aus den institutionellen Rahmenbedingungen.

Sind Löhne aufgrund von Rigiditäten nicht mehr im Stande, ihre Koordinationsaufgabe von Angebot und Nachfrage für eine bestimmte Gruppe von Arbeitskräften uneingeschränkt wahrzunehmen, kann daraus Arbeitslosigkeit für diese bestimmte Gruppe entstehen.

Das Problem der hohen und dauerhaften Arbeitslosigkeit beherrscht seit Jahren die politische Diskussion in Deutschland. Pünktlich zu den Bundestagswahlen werden in den Wahlkämpfen aller führenden Parteien Lösungen propagiert, die einschneidende Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation versprechen.[11] Am deutlichsten wurde die zentrale Bedeutung der Beschäftigungspolitik vom amtierenden Bundeskanzler Schröder im Wahlkampf 1998 mit den Worten formuliert: “Ich will die Arbeitslosigkeit deutlich senken. Daran werde ich mich messen lassen.“[12] Zunehmend werden auch die Begriffe „Qualifikation und Ausbildung“ als relevante oder gar entscheidende Determinanten im Kampf um eine Anstellung mit in die Diskussion bzw. Lösungsstrategien getragen. So ist ein Ziel des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung „die Qualifizierung der Arbeitnehmer, die arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind“.[13]

Auch diese Arbeit beschäftigt sich in erster Linie mit der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit in Deutschland, ohne sich der Illusion hinzugeben, auch nur ansatzweise eine umfassende Erklärung dafür liefern zu können. Aus dem fast unerschöpflichen Angebot an Literatur zu diesem Thema, das mitunter mehr verwirrt als Klarheit schafft, ist ersichtlich, wie umfangreich und komplex das Problem der Arbeitslosigkeit ist. Verschiedene Erklärungsversuche stellen auf unterschiedliche Arten der Arbeitslosigkeit ab. Eine Integration dieser Ansätze zu einem universalen Ansatz ist ein bis dato ungelöstes Problem. Es sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen , dass das Ziel dieser Arbeit nicht die Gesamtanalyse der Beschäftigungsprobleme Deutschlands sein kann bzw. soll. Allein die modelltheoretischen Ansätze füllen Bände von Lehrbüchern.[14] Außerdem tritt für Deutschland mit der Wiedervereinigung und der nachfolgend besonders hohen Arbeitslosigkeit im Osten ein zusätzliches Problem in Erscheinung. Eine explizite Analyse der Beschäftigungsprobleme in Ost-Deutschland ist im Rahmen dieser Arbeit allerdings nicht möglich, obgleich ich an geeigneter Stelle rudimentär darauf eingehen werde.

Vielmehr soll versucht werden, einem Aspekt der deutschen Arbeitslosigkeit Rechnung zu tragen, der ohne jeden Zweifel von enormer Bedeutung ist. Dieser Aspekt spricht die Heterogenität der Arbeit an. Das heißt: Arbeit ist nicht gleich Arbeit. Man kann den Faktor Arbeit in mehrere qualifikationsspezifische Subfaktoren[15] disaggregieren, für die ihrerseits „quasi-eigene“ Faktormärkte existieren. Mit anderen Worten: Es besteht ein „eigener“ Faktormarkt sowohl für qualifizierte, als auch für gering qualifizierte Arbeit, denn beide Arbeitsarten können nicht als vollkommene Substitute betrachtet werden.[16] Somit fallen für diesen Aufsatz bereits sämtliche Erklärungsversuche der Arbeitslosigkeit aus, die von einem homogenen Faktor Arbeit ausgehen. Ich werde also versuchen, qualifikationsspezifische Arbeitslosigkeit bzw. den Zusammenhang zwischen „wage gap“ und Arbeitslosigkeit zu analysieren.

Basieren die Beobachtungen auf den Arbeitsmärkten der USA und Deutschlands tatsächlich auf denselben Einflussgrößen und unterscheiden sie sich nur aufgrund unterschiedlicher institutioneller Rahmenbedingungen im Ergebnis? Welche Bedeutung hat die qualifikatorische Lohnstruktur für die Qualifikationsstruktur der Beschäftigung?[17] Die zentrale Frage dieser Arbeit kann also durch Umformulierung der Worte Krugmans wie folgt gestellt werden:

Are the growing US inequality and the growing European unemployment different sides of the same coin?”

Diese Frage stellt den Leitfaden dieser Arbeit, die in 5 Abschnitte gegliedert ist, dar. Zunächst gehe ich in Abschnitt 2 auf die Erklärung und Wirkung der „wage gap“ ein, um die schon angedeuteten populärsten Ursachen und ihre Wirkung etwas näher zu betrachten. Dabei werden allerdings nur Punkte beleuchtet, die für die spätere Analyse des deutschen Beschäftigungsproblems von Relevanz sein könnten.

Um überhaupt an die Fragestellung heran zu gehen, müssen zunächst die Eigenschaften des deutschen Arbeitsmarktes und ihre Auswirkungen auf die nachfolgende Analyse untersucht werden. Dies geschieht in Teil 3. Die Struktur der Arbeitslosigkeit (3.2) wird dabei ebenso betrachtet wie die Rahmenbedingungen (3.1), die, wie sich noch herausstellen wird, von entscheidender Bedeutung für meine Argumentation sein werden. Im 4. Abschnitt unternehme ich den Versuch, die deutsche Arbeitslosigkeit mit Hilfe eines integrierten Ansatzes zu erklären. Dabei wird ein Insider – Outsider-Modell als Ausgangspunkt gewählt, das später mit den institutionellen deutschen Rahmenbedingungen und qualifikatorischen Nachfrageverschiebungen verknüpft wird. Dies soll dazu dienen, qualifikationsspezifische Arbeitslosigkeit modelltheoretisch zu begründen, um diese dann in Teil 5 aus empirischer Sicht auf ihren Erklärungsgehalt für die gesamte deutsche Arbeitslosigkeit zu überprüfen.

Schließlich beendet Abschnitt 6 mit einigen Schussfolgerungen die Analyse.

2 Erklärung und Wirkung der „wage gap“

2.1 Grundsätzliche Aspekte

Unter der „wage gap“ wird die Differenz der Reallöhne verstanden, die sich am oberen und unteren Ende der Verteilung befinden.[18] Wieviel verdient ein „Besserverdiener“ mehr als ein „Geringverdiener“? Da Qualifikationen bei der Entlohnung positiv berücksichtigt werden, verdienen qualifizierte Arbeitskräfte in der Regel mehr als gering Qualifizierte. Damit ist die Qualifikationsstruktur eng mit der Lohnstruktur verbunden.[19]

Löhne und Gehälter gelten weltweit als wichtigste Einkommensquelle[20], und da sie auch im Focus dieser Analyse stehen, wird lediglich Einkommen aus dem Faktor Arbeit betrachtet. Ein Problem ergibt sich aus den zwei unterschiedlichen Einkommenskonzepten, die sich auf das Faktoreinkommen bzw. auf das Haushalteinkommen beziehen. Es gibt einige Gründe, die eine Analyse des Haushaltseinkommens sehr interessant erscheinen lassen. Vor allem in den USA dominieren Verteilungsaspekte die „wage gap“- Debatte. Das Auseinanderklaffen einzelner Faktorlöhne könnte bei Betrachtung eines ganzen Haushalts, der sich aus mehreren Personen und somit aus mehreren qualifikationsspezifischen Faktoreinkommen zusammensetzt, kompensiert werden, sodass aus verteilungspolitischer Sicht nicht notwendigerweise ein Interventionsgrund entstünde. Außerdem wäre eine zusätzlich separate Betrachtung des Haushaltseinkommens in Hinblick darauf, ob sich daraus neue Erkenntnisse bzgl. der vorherrschenden Meinung einer relativ konstanten Einkommensspreizung in Deutschland ergäben, von Interesse. Allerdings stehen dieser Vorgehensweise einige schwerwiegende Probleme gegenüber. Zum einen existiert bis dato kein Modell, welches die Auswirkungen der funktionalen Verteilung auf die Haushaltseinkommensverteilung aufzeigt oder vice versa. Zum anderen sind Haushaltsstrukturen Gegenstand von Veränderungen im Zeitablauf. So stieg z.B. die Anzahl der Haushalte in Deutschland in den letzten Jahren kontinuierlich an.[21] Das bedeutet, dass Veränderungen der Zusammensetzung der Haushalte mit in Betracht gezogen werden müssen, um eine Analyse des Haushaltseinkommens zu ermöglichen. Aus diesen Gründen und da in dieser Arbeit die Beziehung der Lohn struktur und der Beschäftigung untersucht werden soll, wird im Folgenden das funktionale bzw. das Faktoreinkommen untersucht.

Um dem Begriff der „wage gap“ Rechnung zu tragen, wird in diesem Abschnitt auf einen Arbeitsmarkt abgestellt, auf welchem die Löhne in der Lage sind, sich relativ frei zu bewegen und somit eine „gap“ zu erzeugen. Als Paradebeispiel dafür gilt der amerikanische Arbeitsmarkt.

Die USA durchlebten in den letzten Jahrzehnten einen starken Qualifikationsanstieg, wie aus Abb.2.1 ersichtlich ist.

Abbildung 2.1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Autor/Katz/Krueger (1998), S. 1174.

Während die Anzahl der vorzeitigen Schulabgänger (High School Dropouts) signifikant fiel, war eine gegenteilige Entwicklung bei Personen zu erkennen, die in irgendeiner Weise Hochschulerfahrung (Some College, College Graduates und College Equivalents) sammelten. Zur Homogenität der Ausbildung muss allerdings kritisch angemerkt werden, dass zwischen einzelnen U.S.-Schulen erhebliche Qualitätsunterschiede bestehen. Somit stellen Schulabschlüsse bzw. die Anzahl von Schuljahren, die den einzelnen Abschlüssen entsprechend zugeordnet werden[22], zwar keinen zuverlässigen Qualifikationsmaßstab dar, werden aber für die USA mangels anderer Qualifikationsmerkmale[23] bzw. derer unzureichender Messbarkeit, in der Standardliteratur weitestgehend verwendet.[24]

Die Einteilung in qualifizierte bzw. gering qualifizierte Arbeitskräfte wird demnach anhand der Schulausbildung bzw. der damit verbundenen Schuljahre vorgenommen. Dabei werden i.d.R. Arbeitskräfte mit College Abschluss bzw. mit einer Ausbildung, die über den College Abschluss hinausgeht als qualifizierte Arbeitskräfte bezeichnet. „High-School“-Absolventen bzw. Arbeitskräfte, die keinen „High-School“-Abschluss besitzen werden als gering qualifiziert bezeichnet. Zusätzlich wird jeweils die Hälfte der Personen, die etwas an College-Ausbildung (Some College) erfahren durften, zu den beiden Gruppen hinzugerechnet.[25] Analog dazu kann die Einteilung mit Hilfe der entsprechenden Schuljahre vorgenommen werden.[26]

Ein säkularer Trend zu höherer Qualifikation ist eindeutig zu erkennen. Angesichts dieser Erhöhung des relativen Angebots an qualifizierter Arbeit (qual. Arbeit/gering qual. Arbeit), sollte man, unter Zuhilfenahme eines einfachen Angebot/Nachfrage-Modells, davon ausgehen können, dass die Löhne der qualifizierten Arbeitskräfte im Zeitablauf relativ gefallen sind. Das Gegenteil war allerdings der Fall. Von 1950 bis 1996 stieg das sog. „College Premium“ - der Lohn von College-Absolventen im Verhältnis zu High School-Absolventen - fast permanent an. Die einzige relevante Ausnahme waren die 70er Jahre, in denen das relative Angebot an College-Absolventen signifikant anstieg.[27]

Das Ergebnis ist eine in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegene Lohnspreizung in den USA, wie Abbildung 2.2[28] auf der folgenden Seite verdeutlicht.

Das x %- Quantil stellt dabei das Lohnniveau dar, welches (100-x) % der Arbeitnehmer mindestens erreichen.[29] Zunächst haben sich alle Einkommensquantile sehr ähnlich entwickelt. Seit Anfang der 80er Jahre steigt das 90 %- Quantil allerdings kontinuierlich an, während das 10 %-Quantil kontinuierlich sinkt. Der Verlauf des 50 %- Quantils ist seit Anfang der 70er Jahre relativ konstant.

Abbildung 2.2

Lohnentwicklung für weiße männliche Arbeitnehmer von 1963-1995 in den USA

(1963=100)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Acemoglu (2000), Abb. 2.

Dies führt nichts anderes vor Augen, als dass sich der Lohnabstand zwischen „Besserverdienern“ und „Geringverdienern“ insbesondere seit den 80er Jahren vergrößert hat. Wie bereits erwähnt, verdienen qualifizierte Arbeitskräfte in der Regel mehr als gering Qualifizierte. Betrachtet man nun Abb. 2.1 zusammen mit Abb. 2.2, so drängt sich der Schluss auf, dass es in den letzten Jahrzehnten enorme Nachfrageverschiebungen zu Gunsten qualifizierter Arbeitskräfte gegeben haben muss. Anders ist der simultane Anstieg sowohl des relativen Angebots an qualifizierter Arbeit, als auch des Relativlohns qualifizierter Arbeitskräfte, kaum erklärbar.

Um diese Nachfrageverschiebungen zu begründen, existieren in der Literatur zahlreiche Ansätze. Die beiden populärsten sind, wie unter Abschnitt 1 schon erwähnt, SBTC und Globalisierung bzw. die Integration der Märkte. Die Komplementarität Kapitals zu qualifizierter Arbeit[30], sowie in jüngerer Zeit Veränderungen der Organisationsstruktur von Unternehmen[31], stellen weitere Erklärungsversuche dar.[32] Beim Erstgenannten geht man davon aus, dass neue Investitionen relativ stärkeren Gebrauch von qualifizierten Arbeitskräften machen bzw. dass sie ein Teil der gering qualifizierten Arbeitskräfte ersetzen. Was die Organisationsstruktur von Unternehmen angeht, so ist ein Trend hin zu flacheren Hierarchien erkennbar.[33] Damit verbunden ist die Dezentralisierung von Kompetenzen und Entscheidungsbefugnissen, was wiederum dazu führt, dass der Qualifikationsanspruch von Unternehmen bzgl. ihrer Mitarbeiter ansteigt.

Ohne die Relevanz der anderen Ansätze zu verkennen, befasse ich mich in Abschnitt 2.2 ausschließlich mit SBTC (2.2.1) und der zunehmenden Integration der Märkte (2.2.2). Beiden Ursachen gemeinsam ist, dass sie für alle entwickelten Länder, die USA und Deutschland eingeschlossen, zutreffend sind.[34] Deutschland als sog. „Export-Champion“ und die USA mit ihren enormen Handelsdefiziten verdeutlichen dies für Punkt 2.2.2.[35], wohingegen für die internationale Verbreitung von SBTC Technologietransfers, ausgelöst u.a. von multinationalen Unternehmen, verantwortlich sein dürften.

2.2 Zwei populäre Ursachen und ihre Wirkung

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht nicht die „wage gap“- Debatte an sich, sondern ihre mögliche Verbindung zum deutschen Arbeitsmarkt. Deshalb sei an dieser Stelle betont, dass in den Punkten 2.2.1 und 2.2.2 nur ein sehr grober Überblick der beiden Argumente gegeben wird.

2.2.1 Technologischer Fortschritt (SBTC)

Trotz der Tatsache, dass die relativen Kosten qualifizierter Arbeit nicht gefallen sind, ist der Anteil beschäftigter, qualifizierter Arbeitskräfte in den meisten westlichen Industrienationen während der letzten 20-30 Jahre gestiegen.[36] Zeitgleich wurden einschneidende Technologien, wie z.B. der Computer oder das Internet, entwickelt, die für jedermann zugänglich sind. Viele Ökonomen sehen in den technologischen Entwicklungen und den erwähnten Arbeitsmarkttrends eine direkte Beziehung.[37]

Die zugrundeliegende Argumentation ist sehr einfach: Neue Technologien bevorzugen tendenziell qualifizierte Arbeit bzw. substituieren unqualifizierte Arbeit. Daraus resultiert ein Bias zugunsten qualifizierter Arbeitskräfte. Technologischer Fortschritt ist demnach nicht neutral, sondern führt zu relativen Nachfragverschiebungen auf dem Arbeitsmarkt, die ihrerseits Einfluss auf die relativen Löhne und somit auf die Einkommensdispersion nehmen. Wie bereits angemerkt, öffnet sich die Einkommensschere der USA seit Anfang der 80er Jahre, obwohl das Angebot an Qualifikation sukzessiv erhöht wird, immer weiter. Die Erklärung dieser Einkommensentwicklung ist eine Überkompensation der Nachfrageeffekte gegenüber den Angebotseffekten. Je nach Erklärung dieser Überkompensation lassen sich 2 grundsätzlich unterschiedliche Ansätze anführen.

Der Erste geht davon aus, dass die Wachstumsrate der Nachfrage nach qualifizierter Arbeit konstant, die des Angebots seit den 80er Jahren allerdings abnehmend ist.[38] Diese sog. „steady-demand“-Hypothese erklärt den Anstieg des „college premiums“ somit über die Angebotsseite.

Verfechter der „acceleration“ Hypothese argumentieren anders.[39] Sie sehen als Erklärung der rasant gestiegenen Einkommensdispersion eine Erhöhung des Bias zu Gunsten qualifizierter Arbeit an. Doch weshalb beschleunigte sich die Nachfrage nach Qualifikation gerade in jener Zeit? Hierzu bietet die Literatur 2 unterschiedliche Erklärungen an. Die eine zielt auf exogen gegebenen technologischen Fortschritt ab, der aufgrund „Technological Revolutions“[40] in den letzten Jahrzehnten enorm an Fahrt gewann. Vor allem Entwicklungen in der Informationstechnologie werden hierfür als Beispiel genannt.

Als 2. Erklärung dient endogener technologischer Fortschritt, der sich als Ergebnis des zunehmenden Angebots an Qualifikation als Komplementär-Faktor zu qualifizierten Arbeitskräften entwickelt hat.

Ob „steady demand“ - oder „acceleration“- Hypothese, beide begründen den Anstieg der Lohndispersion mit einem Bias zu Gunsten qualifizierter Arbeitskräfte. Dieser Effekt lässt sich sehr schön in einem einfachen relativen Angebot/Nachfrage-Modell mit Hilfe komparativer Statik verdeutlichen, wobei auf eine analytische Darstellung an dieser Stelle verzichtet wird. In Abbildung 2.3 ist auf der Abszisse die relative Arbeitsmenge abgetragen, wobei Lg (Lh) für die Menge an gering qualifizierter (qualifizierter) Arbeit steht. Auf der Ordinate ist der entsprechende Relativlohn Wg/Wh dargestellt. Entgegen der üblichen Schreibweise werden die Löhne bzw. das Arbeitsangebot gering qualifizierter Arbeitskräfte im Zähler aufgeführt.

Abbildung 2.3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.3 zeigt die relative Nachfrage nach Arbeit, D, und das relative Angebot an Arbeit, S, wobei dieses hier als völlig unelastisch und zunächst konstant angenommen wird. Steigt nun aufgrund SBTC die relative Nachfrage nach qualifizierter Arbeit ceteris paribus an, so verschiebt sich D von D0 nach D’. Der entsprechende gleichgewichtige Lohn sinkt von Wg/Wh0 auf Wg/Wh’, d.h. geringqualifizierte Arbeitskräfte verdienen im Vergleich zur Ausgangslage relativ weniger als Qualifizierte, oder, anders ausgedrückt, die Lohndispersion steigt.

Wie zuvor zu sehen war (vgl. Abb. 2.1), ist allerdings nicht nur die Nachfrage nach, sondern auch das Angebot an Qualifikation gestiegen. Dies kann in Abb. 2.3 durch eine Linksverschiebung des relativen Arbeitsangebots S von S0 auf S’ dargestellt werden. Daraus ist wiederum ersichtlich, dass nur bei einem Nachfrageeffekt, der größer als der Angebotseffekt ist, die Relativlöhne der gering qualifizierten Arbeitskräfte fallen, in diesem Bsp. von Wg/Wh0 auf Wg/Wh’’. Dies stellt eine mögliche qualitative Erklärung der Entwicklung der „wage gap“ auf dem US-Arbeitsmarkt mit Hilfe von SBTC dar. Die quantitative Auswirkung auf die Relativlöhne hängt offensichtlich von folgenden 3 Faktoren ab. Erstens von der Steigung der relativen Angebotskurve. Ist diese vertikal, so ist das relative Arbeitsangebot exogen gegeben, d.h. die Anteile an qualifizierter und gering qualifizierter Arbeit hängen nicht von den relativen Löhnen ab. Kurzfristig ist dies sicherlich plausibel. Langfristig sollte allerdings von einer positiv geneigten Angebotskurve ausgegangen werden, da mit fallendem Relativlohn Wg/Wh der Anreiz zu Qualifikationserwerbung steigt. Damit hätten Nachfrageverschiebungen zwar einen kleineren Lohneffekt, zusätzlich aber einen Beschäftigungseffekt, der sich in den Anteilen an qualifizierten und gering qualifizierten Arbeitskräften widerspiegeln würde.

Ein 2. Einflussfaktor ist die Stärke der Verschiebungen von relativer Arbeitsangebots- bzw. –nachfragekurve. Diese hängen offensichtlich vom technologischen Fortschritt und der Qualifikationserhöhung der Arbeiterschaft ab.

Der letzte und vielleicht wichtigste Punkt ist aber die Steigung der relativen Arbeitsnachfragekurve.[41] Diese stellt die Substitutionselastizität der beiden Arbeitsarten dar. Wie einfach sind unqualifizierte Arbeitskräfte durch Qualifizierte zu ersetzen? Je flacher bzw. je elastischer (in Form von höheren Absolutwerten der Substitutionselastizität) diese Kurve ist, desto größer ist der Druck, der auf die Relativlöhne ausgeübt wird.[42]

Bisher wurde in dieser Analyse davon ausgegangen, dass technologischer Fortschritt seit einigen Jahrzehnten ein Bias zugunsten qualifizierter Arbeit besitzt. Damit bleibt die Kernfrage dieses Ansatzes noch unberührt. Warum begünstigt technologischer Fortschritt qualifizierte Arbeitskräfte?[43] Acemoglu stellt in diesem Zusammenhang die Frage : “Why do new technologies complement skills?“[44]

Desweiteren könnte man fragen, ob ein (zeitlicher) Zusammenhang zwischen der Linksverschiebung der relativen Angebotskurve und der Verschiebung der relativen Nachfragekurve besteht. Hat die Erhöhung des Qualifikationsniveaus etwas mit der Erhöhung der Nachfrage nach Qualifikation zu tun oder vice versa? Zusätzlich sind also Kausalitätsaspekte zu beachten.

Ein sehr interessanter Ansatz, der in der Lage zu sein scheint, beide Fragestellungen gleichzeitig zu beantworten, ist jener, der den technologischen Fortschritt als endogen betrachtet. Danach reagiert technologischer Fortschritt auf Profitanreize. Wo die Möglichkeit besteht, Gewinne zu erzielen, wird sich auch technologischer Fortschritt entwickeln. Dabei wird der Marktgröße als Determinante des Profits eine Schlüsselfunktion zugeschrieben. Je größer der Markt, für den technologische Erneuerungen entwickelt werden können, desto größer die Profitchance. Diese Ansicht liegt der Arbeit von Jakob Schmookler (1966) zugrunde, der als einer der Ersten die Bedeutung der Marktgröße für die Entstehung von technischen Erfindungen/Neuerungen betonte. Die Anwendung dieser These auf die hier gegebene Problematik ist im Grunde trivial. Aufgrund der permanenten Erhöhung des Qualifikationsniveaus der Arbeiterschaft ist es relativ lohnend, technische Erfindungen zu entwickeln, die starken Gebrauch von qualifizierten Arbeitskräften machen.[45] Dadurch steigt die relative Nachfrage nach Qualifikation und, sofern diese Erhöhung den Angebotseffekt im Zeitablauf mit steigendem Betrag dominiert, folgt ein Auseinanderdriften der qualifikationsspezifischen Löhne. Somit liegt im Anstieg des Qualifikationsniveaus die Erklärung, weshalb technologischer Fortschritt in den letzten Jahrzehnten ein Bias zu Gunsten qualifizierter Arbeitkräfte besaß. Auch die Verschiebungen von relativer Angebots- und Nachfragekurve sind damit kein Zufall mehr (vgl. dazu Abb. 2.3). Vielmehr ist die D-Bewegung eine Reaktion auf die S-Bewegung, womit ein eindeutige Kausalitätsrichtung identifiziert wäre.

Es ist allerdings fraglich, ob nur diese eine Kausalitätsrichtung von Bedeutung ist. Ebenso scheint es möglich, dass sich mit steigendem Relativlohn der qualifizierten Arbeitskräfte beispielsweise mehr Jugendliche dazu entschließen würden, ein Studium zu absolvieren und somit zur qualifizierten Seite des Arbeitsangebots migrieren.[46] Damit wäre ein interessanter Fall gegeben. Denn durch den Anstieg des Qualifikationsniveaus stiege aufgrund SBTC die Nachfrage nach qualifizierter Arbeit, was bei Überkompensation des Nachfrageeffekts die Relativlöhne (Wh/Wg) erhöhen würde. Dies wiederum wäre ein Anreiz, Qualifikationen zu erwerben, was sich in einem erhöhtem relativen Qualifikations-Angebot niederschlüge und daraus würde die Nachfrage nach Qualifikationen aufgrund SBTC steigen, usw. Das Ergebnis wäre eine permanente Erhöhung der Lohndispersion, wie sie in den letzten Jahren in den USA zu beobachten war.

Neben dem Erklärungsgehalt, den die Theorie des SBTC bzgl. der Arbeitsmarktentwicklungen durchaus besitzt, sind bzgl. ihrer Anwendung allerdings einige Probleme verbunden, die selbst durch die letztgenannte Version des Ansatzes (Endogenisierung des Technologischen Fortschritts) nicht vollständig behoben werden können.

Zunächst geht man üblicherweise davon aus, dass die totale Faktorproduktivität (TFP) bei einer Steigerung des technischen Fortschritts steigt. Blattner[47] spricht sogar von der Identität von technischem Fortschritt und Produktivitätserhöhung.

Im Gegensatz dazu ist seit Mitte der 70er Jahre die Wachstumsrate der TFP in den meisten Industrienationen nicht angestiegen.[48] Einige Ökonomen begegnen dieser Tatsache mit dem Hinweis, dass gerade die Steigerung des technischen Fortschritts (kurzfristig) nicht fördernd für die Rate des TFP sei.[49] Bei Einführung neuer Technologien müssten sich die Arbeiter zunächst damit vertraut machen. Dies sei mit einer Ablenkung vom eigentlichen Geschäft verbunden, welches seinerseits die Produktivität determiniert. Dass diese Ablenkung allerdings eine Zeitspanne von 20-30 Jahren in Anspruch nimmt, darf zumindest bezweifelt werden.

Des Weiteren ist eine eher konzeptionelle Problematik mit dem Konzept des SBTC verbunden. Um die Auswirkung des technologischen Fortschritts zu untersuchen, muss dieser messbar sein. Gerade das bereitet indes Schwierigkeiten, denn der Großteil der Studien sieht ihn als eine Residualgröße an, die sich als „Solow-Residuum“ darstellen lässt. Dieses gibt die Höhe des Outputwachstums an, die übrig bleibt, nachdem direkt erfassbare Wachstumsdeterminanten (namentlich die Erhöhung der Faktoreinsätze) abgezogen wurden. Das hat jedoch zur Folge, dass alle imponderablen Faktoren[50], die einen Einfluss auf die Produktivität haben, dem „Faktor“ technischer Fortschritt zugerechnet werden. Um diese Problematik zu umgehen, wird in jüngerer Zeit verstärkt auf Größen gesetzt, die unmittelbar mit technischem Fortschritt in Verbindung stehen.[51]

Die wohl schwerwiegenste Kritik am Konzept des SBTC betrifft den Rückgang nicht nur der Relativlöhne, sondern auch der Reallöhne gering qualifizierter Arbeitskräfte in den USA während der letzten beiden Jahrzehnte (vgl. Abb.2.2).[52] Rein „technologische“ Ansätze liefern keine Erklärung für diese Entwicklung. Weshalb sollten die Reallöhne gering qualifizierter Arbeitskräfte durch einen Produktivitätsanstieg Qualifizierter sinken?

Eine mögliche Erklärung beinhaltet den Handel mit Entwicklungs - bzw. Schwellenländern[53], der Druck auf die Entlohnung gering qualifizierter Arbeit in Industrienationen ausübt. Dieser Punkt wird im folgenden Abschnitt aufgegriffen.

2.2.2 Globalisierung bzw. Internationaler Handel

Kaum ein Begriff hat die wirtschaftspolitische [54]Diskussion der letzten Jahre so stark geprägt wie der der Globalisierung. Unter Globalisierung wird die zunehmende internationale Verflechtung der Volkswirtschaften durch steigenden Austausch von Waren, Dienstleistungen sowie Produktionsfaktoren verstanden.[55] Gleichzeitig sind Ängste damit verbunden, die sich in einer immer stärker werdenden Anti-Globalisierungsbewegung äußern[56], so z.B. die angeblich durch Globalisierung ausgelöste Konkurrenz verschiedener Staaten um Beibehaltung bzw. Verbesserung der Lebensstandards. Selbst die EU-Kommission notiert 1993 in ihrem Weißbuch:

“...other countries are becoming industrialized and competing with us – even on our own markets – at cost levels which we simply cannot match“.[57] In Deutschland läuft diese Diskussion unter dem Namen „Standortdebatte“. Im Mittelpunkt der Globalisierungsängste stehen dabei die damit verbundenen Auswirkungen auf die nationalen Arbeitsmärkte.

Auslöser dieser Diskussion sind Daten bzgl. der Entwicklung globaler Handelstätigkeiten. So steigt die Höhe der Welt-Exporte seit 1950 kontinuierlich an.[58] In den USA beispielsweise ist der Anteil des Handels[59] am BIP in den letzten Jahrzehnten permanent gestiegen. Lag er 1960 noch bei 4,7 % des BIP, so stieg er bis 1994 auf 11,4 % an.[60] Doch warum fällt dem Handel eine immer größere Bedeutung zu? Weshalb werden nationale Märkte immer internationaler?

Abkommen und Organisationen wie NAFTA, GATT, WTO etc. und der damit verbundene Abbau von Handelsbarrieren haben sicherlich ebenso zu dieser Entwicklung beigetragen, wie die immer geringer werdenden Transportkosten[61] und die Änderung der Handelsstrategie von LDCs.[62] Neben diesen eher „klassischen“ Argumenten scheinen neuere Entwicklungen des Handels an Bedeutung zu gewinnen. An dieser Stelle sei insbesondere auf die gestiegene Anzahl multinationaler Unternehmen[63] verwiesen. Diese tendieren aus Kostenüberlegungen immer mehr dazu, einzelne Produktionsschritte bzw. die Produktion einzelner Teile auf verschiedene Länder zu verlagern. Damit verbunden ist natürlich auch eine erhöhte Handelsaktivität (intra-Firmen Handel), die aber kein vom Endverbraucher zu erwerbendes Endprodukt betrifft, sondern ein Zwischenprodukt, welches als solches wieder in die Produktion des Endprodukts eingeht. Die Zunahme der internationalen Direktinvestitionen[64] und der enorme Anteil des Handels in Zwischenprodukten am Gesamthandel[65] kann für die Relevanz dieses Punktes angeführt werden.

Neben der gestiegenen Handelstätigkeit ist aus amerikanischer Sicht besonders das Handelsdefizit auffällig, das diese mit China besitzen. 1992 betrug es $ 18 Mrd., während es sich für den Rest der Welt (Japan, Taiwan und Hong-Kong ausgenommen) gerade einmal auf $ 16 Mrd. belief.[66]

Wie in 2.1 gesehen, fielen die Relativlöhne gering qualifizierter Arbeitskräfte im selben Zeitraum, in dem der Anteil des Handels stieg. Diese zeitliche Übereinstimmung der Lohnspreizung auf der einen Seite und der gestiegenen Importe aus LDCs auf der anderen Seite ist es, die zu einer kritischen Betrachtung der Globalisierung geführt hat. Der zugrunde liegende Gedanke lautet dabei: Entwicklungsländer besitzen relativ viele gering qualifizierte Arbeitskräfte, die relativ wenig verdienen. Aus diesem Grund können sie Produkte, die gering qualifizierte Arbeit intensiv nutzen, sog. „Low-Tech“-Produkte[67], günstiger produzieren als Industrienationen, die höhere Löhne bezahlen. Durch den gestiegenen Handel treten diese Entwicklungsländer nun verstärkt in Konkurrenz mit Industrienationen, wodurch auf die Löhne gering qualifizierter Arbeitskräfte Druck ausgeübt wird.

Theoretischer Ausgangspunkt dieser Argumentation ist der Begriff der „komparativen Kosten“, der von David Ricardo (1772-1823) eingeführt wurde und auf dem das Theorem der komparativen Kostenvorteile basiert. Danach konzentriert sich jedes Land bei Freihandel auf die Produktion derjenigen Güter, die es im Vergleich zum Ausland relativ billiger herstellen kann. Für diese Güter hat es einen komparativen Vorteil. Gemäss dem Heckscher-Ohlin-Theorem hat ein Land in den Gütern einen komparativen Vorteil, die intensiv in den Faktoren sind, die das Land relativ reichlich besitzt. Beide Theoreme zusammen genommen verdeutlichen, dass es aufgrund von Außenhandel zu sektoralen Strukturwandlungen kommt, die jene Wirtschaftsbereiche benachteiligen, in denen das Inland komparative Nachteile besitzt.[68] Gemäss dem Stolper-Samuelson-Theorem sind diese Strukturwandlungen „mit der Tendenz zu einer internationalen Angleichung der Faktorpreise verbunden“[69], d.h. die qualifikationsspezifischen Löhne beider Länder sollten sich annähern. Dass diese Angleichung allerdings mit einer Lohnspreizung in Industrienationen verbunden sein kann, soll nun mit Hilfe eines einfachen 2 Sektoren-Modells[70] demonstriert werden, welches für unterschiedliche Fristen analysiert wird. Es gelten folgende Annahmen:

- 2 x 2 x 2 Modellrahmen, d.h. 2 Länder, 2 Faktoren, 2 Sektoren
- vollkommen kompetitive Güter-und Faktormärkte
- identische Technologien in beiden Ländern
- Nicht-Umschlagen der Faktorintensitäten
- Land 1=Industrienation; Land 2=LDC
- Faktor 1 = qualifizierte Arbeit = Lh; Faktor 2 = gering qualifizierte Arbeit = Lg
- Sektor 1 ist intensiv in der Nutzung von Faktor 1; Sektor 2 ist intensiv in der Nutzung von Faktor 2, d.h. Sektor 1 produziert ein „High-Tech“- und Sektor 2 ein „Low-Tech“-Produkt
- Beide Länder produzieren beide Güter
- Land 1 besitzt Faktor 1 relativ reichlich; Land 2 besitzt Faktor 2 relativ reichlich
- Die beiden Länder sind bis auf ihre Faktorausstattungen identisch.

Das Modell wird aus Sicht der Industrienation beschrieben. Aus schreibtechnischen Gründen wird der Länderindex im Weiteren unterschlagen.

Beide Sektoren sind annahmegemäß in der Lage, mit o.g. Faktoren zu produzieren.[71] Die Technologien werden per Annahme mittels neoklassischer Produktionsfunktionen beschrieben:

Yi = Fi (Lhi, Lgi), i=1,2 (2.1)

wobei Yi den Output des Gutes angibt, der in Sektor i hergestellt wird.

Unter vollkommener Konkurrenz ergeben sich folgende Faktorentlohnungen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, i=1,2 (2.2)

wobei Whi (Wgi) der Lohn für qualifizierte (gering qualifizierte) Arbeit Lh (Lg) in Sektor i= 1, 2 ist. Pi ist der Preis des Gutes, das in Sektor i hergestellt wird.

Als Ausgangspunkt wird ein langfristiges Gleichgewicht mit vollkommener intersektoraler Mobilität der Faktoren gewählt.

Dabei gilt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (2.3a)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (2.3b)

wobei zu beachten ist, dass die Grenzproduktivitäten Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenihrerseits wieder negative Funktionen der Faktoreinsatzverhältnisse Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten sind.[72]

Wird nun der Handel mit einem Entwicklungsland aufgenommen bzw. verstärkt, das relativ reichlich mit Faktor Lg ausgestattet ist, fällt der relative Preis des Gutes, welches relativ intensiv in der Nutzung dieses Faktors ist bzw. steigt der relative Preis des anderen Gutes (aus Sicht der Industrienation). Dieser Effekt wird hier Globalisierungseffekt genannt.

Globalisierungseffekt: dP1>0 , dP2=0.

Der Preiseffekt hat kurzfristig keine Auswirkung auf die Faktorallokation, da Arbeit in der kurzen Frist als immobil angesehen werden kann. Daraus folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, (2.4)

ˆ steht hierbei für die Wachstumsraten.[73] Alle Faktoreigner haben kurzfristig sektorspezifische Interessen.

Langfristig sind die Faktoren intersektoral völlig mobil (Heckscher-Ohlin-Perspektive). Aufgrund der höheren Entlohnung in Sektor 1 kommt es zu Faktorreallokationen hin zu Sektor 1. Wegen komparativer Vorteile wird in Land 1 mehr von Gut 1 und weniger von Gut 2 produziert. Infolge der Intensität des 1. Sektors in Faktor 1 wird dieser bei gegebener Faktorausstattung relativ wertvoller. Das Faktoreinsatzverhältnis verändert sich zugunsten des 1.Faktors (Faktoreinsatzverhältnis des 1.Faktors sinkt), sodass dessen Grenzproduktivität in beiden Sektoren ansteigt.

Damit entstehen langfristig folgende Ergebnisse:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (2.5)

Die qualifikationsspezifischen Löhne können sich auf Sektorebene nicht mehr unterscheiden, denn die Faktoren sind völlig mobil (Heckscher-Ohlin-Modell). Es kommt zum schon erwähnten konflikterzeugenden Stolper-Samuelson-Effekt. Das Realeinkommen des 1. Faktors steigt definitiv an und das des 2. Faktors sinkt.

Setzt man nun für Land 1 die USA und für Land 2 China ein, so würde dieser Ansatz die Lohnentwicklung in den Staaten und den empirisch bestätigte Reallohnrückgang von gering qualifizierten Arbeitskräften erklären (siehe Abb. 2.2). Allerdings bestehen zusätzlich zu den sehr restriktiven und zum Teil unrealistischen Annahmen dieses Modells auch Probleme, die seine Relevanz in Frage stellen. Wie bereits dargestellt, beruhen die Faktorpreiseffekte auf Veränderungen der relativen Güterpreise, die sich aus unterschiedlichen Faktorausstattungen ergeben. Auf die USA bezogen, hätten sich die Relativpreise der Güter, die qualifizierte Arbeit relativ reichlich nutzen, erhöhen müssen. Dies war aber im entsprechenden Zeitraum nicht der Fall.[74] In LDCs sollte der stärkere Handel mit Industrienationen die genau entgegengesetzten Effekte zur Folge haben, d.h. die Löhne gering qualifizierter Arbeiter sollten relativ zu den Löhnen qualifizierter Arbeitskräfte steigen. Auch dieses Ergebnis konnte empirisch bislang nicht bestätigt werden.[75] Diesem Ansatz zufolge hätte außerdem eine sektorale Verschiebung der Arbeitsnachfrage stattfinden sollen, d.h. die qualifikationsspezifische Arbeitsnachfrage sollte sich dadurch ändern, dass Sektoren, die qualifizierte Arbeit intensiv nutzen („High-Tech“-Sektoren), expandieren, und „Low-Tech“-Sektoren schrumpfen. Zahlreich existierende empirische Studien belegen jedoch, dass sowohl „High-Tech“- als auch „Low-Tech“- Sektoren ihre Nachfrage nach qualifizierter Arbeit erhöht haben; die Nachfrage nach qualifizierter Arbeit also innerhalb der Sektoren gestiegen ist.[76]

Das hier verwendete Heckscher-Ohlin-Modell ist ein allgemeines Gleichgewichtsmodell, bei dem die Gleichgewichte auf allen Märkten (Faktor- und Gütermärkten) simultan bestimmt werden. Alternativ existiert in der Literatur ein Ansatz, der ebenfalls versucht, die Arbeitsmarkteffekte des Handels einzufangen. Dabei wird der Faktorgehalt der Güter, die importiert und exportiert werden, geschätzt.[77] Dieser Faktorgehalt verändert das nationale relative Faktorangebot und die nationale relative Faktornachfrage und hat somit Einfluss auf die Löhne. Da hierbei nur die Faktormärkte betrachtet werden, spricht man auch von Partial-Gleichgewichts-Modellen. Die daraus resultierenden Effekte könnten wieder mittels eines einfachen relativen Angebot/Nachfrage-Modells analysiert werden, wie es in Abb. 2.3 für SBTC bereits getan wurde. Da die USA „High-Tech“-Produkte exportieren und „Low-Tech“-Produkte importieren, hat Globalisierung, analog zu SBTC, eine relative Nachfrage- bzw. Angebotsverschiebung zu Gunsten qualifizierter Arbeit zur Folge.[78]

Dazu Hesse: „Modelltheoretisch lässt sich verdeutlichen, dass es zahlreiche Konstellationen gibt, in denen technologische Fortschritte die gleichen Wirkungen auf die Beschäftigung und den Grad der Lohnungleichheit haben wie eine Verschärfung der Importkonkurrenz“.[79]

Bisher wurde gezeigt, dass sowohl SBTC als auch Globalisierung die selben bzw. ähnliche qualitative Effekte bezüglich der Position von gering qualifizierten Arbeitern auslösen können. Nun stellt sich im Anschluss die Frage, zu welchem Ausmaß SBTC und Globalisierung an der Gesamtentwicklung des US-Arbeitsmarktes, wie in 2.1 gesehen, beigetragen haben. Diese Frage kann letztlich nur empirisch geklärt werden.

2.3 Empirische Untersuchungen zur Relevanz von SBTC und Globalisierung

Vor allem aus wirtschaftspolitischer Sicht ist es notwendig, zu verstehen, auf welchen Ursachen die Entwicklung auf den Arbeitsmärkten hauptsächlich beruht. Ohne eine korrekte Diagnose können die Symptome nicht wirksam bekämpft werden.

Zahlreiche empirische US-Studien analysieren den Einfluss des Handels und/oder des technologischen Fortschritts auf die Situation gering Qualifizierter. Die Mehrzahl dieser Studien stützt ihre Untersuchungen auf den Faktorgehalt des Handels. Dabei wird zunächst die „effektive“ Faktornachfrage geschätzt, die sich unter Berücksichtigung des Faktorgehalts von Exporten und Importen ergibt. Die Differenz zwischen effektiver und ursprünglicher Nachfrage nach qualifikationsspezifischer Arbeit wird dann als Auswirkung der Aussenhandelsentwicklung interpretiert. In einem 2. Schritt werden die Auswirkungen dieser Nachfrageverschiebungen auf die Löhne geschätzt.[80]

Murphy/Welch (1991) verwenden u.a. CPS-Datenmaterial von 1963- bis 1986. Sie beschränken ihre Analyse auf männliche Arbeitnehmer, die sie in 4 Qualifikationsgruppen einteilen. Als Kernergebnis ihrer Untersuchung stellen sie fest, dass sich der Faktorgehalt des Handelsvolumens im Zeitraum von 1979-86 zu Lasten schlechter ausgebildeter Arbeitskräfte veränderte. Die damit verbundene Veränderung der relativen Arbeitsnachfrage, so Murphy/Welch, sei allerdings nicht in der Lage, einen quantitativ bedeutsamen Teil der damaligen Lohnentwicklungen zu erklären.

Borjas/Freeman/Katz (1992) kommen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass internationaler Handel einen nur sehr beschränkten Erklärungsgehalt besitzt. Ihr CPS-Datenmaterial bezieht sich auf die Jahre 1964-88. Auch sie folgern, dass sich die Beschäftigungschancen für geringer qualifizierte Arbeiter in den 80er Jahren verschlechterten. Auch den Einfluss auf das „College-Premium“ veranschlagen sie, mit 8-15 %, eher als moderat.

[...]


[1] Die Arbeitslosigkeit in Deutschland stieg schon in den 70er Jahren stark an und setzte diesen Trend in den 80ern fort, um in den 90er Jahren auf hohem Niveau zu verharren.

[2] Vgl. z.B. Steiner/Wagner (1998), S. 29.

[3] Vgl. OECD (1993), S. 7 und OECD (2001), S. 15.

[4] Vgl. Acemoglu (2000), S. 76 für die USA und Abraham/Houseman (1995), Tab. 11.10 für Deutschland.

[5] Vgl. z.B. Freeman (1995) oder Katz/Murphy (1992).

[6] Im Folgenden wird die Abkürzung „SBTC“ verwendet.

[7] Krugman (1994), S. 62.

[8] Freeman (1995), S. 15.

[9] Im Folgenden wird der Begriff „Flip Side“-Hypothese verwendet.

[10] Vgl. z.B. Siebert(1995a, 1997).

[11] Im Moment z.B. die Vorschläge der Hartz-Kommission.

[12] Zitiert nach WirtschaftsWoche (2000), 38, S. 11.

[13] Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (2002a).

[14] Werke, die einen modelltheoretischen Überblick schaffen, sind z.B. Layard/Nickel/ Jackman (1991) und Goerke/Holler (1997).

[15] Bei Vergleichen zwischen den USA und Deutschland ergeben sich wegen der unterschiedlichen Einteilung in Qualifikationsgruppen Probleme. Während die Standardliteratur in den Staaten eine Einteilung in 2 Gruppen vornimmt, ist eine Dreiteilung des Qualifikationsspektrums die gängige Vorgehensweise der deutschen Literatur, worauf ich im Weiteren aber noch genauer eingehen werde.

[16] Dies stellt natürlich nur eine starke Vereinfachung dar, da Interdependenzen zwischen den beiden Arten von Arbeit ohne jeden Zweifel bestehen.

[17] Vgl. Fitzenberger/Franz (1998), S. 47.

[18] Vgl. Blau/Kahn (1996), S. 796.

[19] Natürlich spielen neben der Qualifikation auch noch andere Faktoren, wie z.B. Standort, Betriebsgröße oder Industriezweig für die Entlohnung eine wichtige Rolle; vgl. hierzu für Deutschland z.B. Steiner/Wagner (1998), S. 38. Da in dieser Arbeit jedoch die Qualifikationsstruktur im Mittelpunkt steht, wird aus Vereinfachungsgründen von anderen Faktoren abstrahiert.

[20] Siehe Aghion et al. (1999), S. 1632.

[21] Vgl. Bedau (1990), S. 301, 302.

[22] Vgl. z.B. Katz/Murphy (1992), S. 66.

[23] Neben der Schulausbildung wird als zusätzliches Qualifikationsmerkmal nur noch „Berufserfahrung“ öfters mit in Betracht gezogen; vgl. hierzu Katz/Murphy (1992), S. 40.

[24] Vgl. z.B. Autor/Katz/Krueger (1998), S. 1174.

[25] Vgl. Acemoglu (2000, S. 60).

[26] Vgl. z.B. Katz/Murphy (1992), S. 66.

[27] Siehe Autor/Katz/Krueger (1998), S.1174, oder Acemoglu (2000), Abb. 1.

[28] In Abbildung 2.2 werden nur Daten für weiße vollerwerbstätige Männer berücksichtigt. Dieselbe Tendenz ergibt sich allerdings auch unter Einbeziehung von Frauen und schwarzen Männern. Vgl. dazu OECD (1996), S.62.

[29] Vgl. Franz (1999), S. 322.

[30] Vgl. Hamermesh (1993) und speziell für Deutschland FitzRoy/Funke (1995).

[31] Vgl. z.B. Aghion et al. (1999).

[32] Es gibt noch zahlreiche andere Ansätze, wie z.B. der Trend weg vom verarbeitenden Gewerbe zu Dienstleistungssektoren hin oder die geringer werdenden Einflussmöglichkeiten von Gewerkschaften auf den Lohnbildungsprozess. Einen Überblick bietet z.B. Fitzenberger (1999a), S. 4.

[33] Vgl. Aghion et al. (1999), S. 1650.

[34] Vgl. Fitzenberger (1999a), S. 2, 3.

[35] Vgl. Fitzenberger (1999b), S. 68.

[36] Vgl. z.B. Autor/Katz/Krueger (1998), S. 1174.

[37] Siehe z.B. Krueger (1993).

[38] Vgl. z.B. Autor/Katz/Krueger (1998), S.1176 ff. oder Katz/Murphy (1992), S. 37.

[39] Siehe z.B. Acemoglu (2000, 1998).

[40] Die ist der Titel der Arbeit von Caselli (1999).

[41] Vgl. Steiner/Mohr (1998), S. 10 ff.

[42] Folgende Werke liefern Werte dieser Substitutionselastizität: z.B. Bound/Johnson (1992) oder Freeman (1986) für USA und für Deutschland vgl. z.B. FitzRoy /Funke (1995) oder Entorf (1996).

[43] Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war technologischer Fortschritt anscheinend eher ein Substitut für qualifizierte Arbeit; Vgl. dazu z.B. Braverman (1974) oder Habakkuk (1962).

[44] Acemoglu (1998), S.1055.

[45] Man könnte SBTC also als Funktion darstellen, die positiv vom relativen Angebot an qualifizierter Arbeit abhängt. Vgl. dazu Acemoglu (2000), S 31.

[46] Vgl. Nickell/Bell (1995), S. 41.

[47] Blattner (1996), S. 214.

[48] Wolff (1996) liefert hierfür Beweis.

[49] Dieses Argument wird z.B. von Greenwood/Yorukoglu (1997) vertreten.

[50] Z.B. Motivation der Mitarbeiter.

[51] So analysieren Autor/Katz/Krueger (1998) den Einfluss der Verbreitung von Computern auf den US Arbeitsmarkt.

[52] Siehe auch OECD (1996), S. 67.

[53] In der angelsächsischen Literatur wird vom „less developed country“ (LDC)gesprochen wird. Im Folgenden wird deshalb die Abkürzung LDC verwendet.

[54] Im Folgenden wird aus Platzgründen nur auf die Auswirkungen der Erhöhung des internationalen Handels mit Gütern eingegangen. Obwohl grenzüberschreitende Faktormigrationen ähnliche Effekte auslösen können, muss davon an dieser Stelle abstrahiert werden.

[55] Vgl. Kater (1993), S. 834.

[56] Als Beispiel hierfür dienen die massiven Proteste in Genua letzten Jahres im Zuge eines G-8-Gipfels.

[57] Commission of the European Communities (1993), S. 4.

[58] Vgl. WTO (2000), S. 27.

[59] Gemessen als Durchschnitt der Importe und Exporte von Gütern und Dienstleistungen.

[60] Vgl. Krugman (1995), S. 327.

[61] Vgl. Krugman (1995), S. 337.

[62] Von Import-Substitution auf Export-Förderung; vgl. dazu Freeman (1995), S. 20.

[63] Als klassische Beispiele seien Unternehmen der Automobilindustrie genannt.

[64] Siehe UNCTAD (2000), S. 2.

[65] Feenstra/Hanson (1999) liefern Beweis, der sich allerdings nicht nur auf intra-Firmen Handel bezieht.

[66] Vgl. Freeman (1995), S. 15.

[67] Das Pendant dazu wären „High-Tech“-Produkte.

[68] Vgl. Hesse (1996), S. 331.

[69] Siehe Hesse (1996), S. 331.

[70] Das folgende Modell lehnt sich an Meckl (2001), S. 8 ff. an.

[71] In der Realität ist davon auszugehen, dass (physisches) Kapital einen notwendigen Produktionsfaktor darstellt.

[72] Gemäss dem Gesetz abnehmender Grenzproduktivitäten.

[73] Beispielhafte Berechnung der Wachstumsrate für in der kurzen Frist:

Differentiation liefert:

, da =0 in der kurzen Frist.

[74] Lawrence/Slaughter (1993) liefern hierfür Beweis.

[75] Vgl. z.B. die Arbeit von Hanson/Harrison (1995).

[76] Siehe z.B.Autor/Katz/Krueger (1998), S. 1199 ff.

[77] Diese Ansätze werden in der Literatur „factor content“Ansätze genannt.

[78] Vgl Freeman (1995), S. 21, 22.

[79] Hesse (1996), S. 339.

[80] Z.B. mit Hilfe von Lohnelastizitäten.

Ende der Leseprobe aus 87 Seiten

Details

Titel
Die „wage gap“ Debatte und unfreiwillige Arbeitslosigkeit: Der Fall der Bundesrepublik Deutschland
Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
87
Katalognummer
V138505
ISBN (eBook)
9783640465460
ISBN (Buch)
9783640462520
Dateigröße
908 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Debatte, Arbeitslosigkeit, Fall, Bundesrepublik, Deutschland
Arbeit zitieren
Philipp Lindenmayer (Autor), 2002, Die „wage gap“ Debatte und unfreiwillige Arbeitslosigkeit: Der Fall der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138505

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