Ein neuer Anfang oder das Ende für das Shareholder Value-Konzept
Die Weltwirtschaft wird zurzeit von einer Finanzmarktkrise bedrängt. Dieser ist sowohl von ihrer Dimension als auch ihrer Gefährlichkeit her die größte seit der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Alle Länder und Märkte sind gleichzeitig betroffen.
Durch Zunahme der US-Immobilienpreise kam die aktuelle Finanzmarktkrise zustande. Wegen steigenden Zinsen konnten immer mehr Immobilienbesitzer in den USA ihre Hypothekenkredite nicht mehr bedienen.1
Neben den Diskussionen über die Ursachen und Maßnahmen der Finanzmarktkrise kritisiert man seit Mitte der 1990er Jahre das Shareholder Value. Aus dem Grund, dass fast jeder Geschäftsfall mit Shareholder Value verbunden wird, kann es als Titel über den vergangenen 20 Jahren Weltwirtschaftsgeschichte betrachtet werden. Infolgedessen wird der Shareholder Value Ansatz für die Wirtschaftskrise verantwortlich gemacht. Insbesondere einseitige und kurzfristige Organisation unternehmerischen Handels an den Interessen von Aktionären und anderen Anteilseignern werden damit verbunden.
Die Maximierung des Unternehmenswertes, als Ziel des Shareholder Value, verbreitete sich seit den Mitte 1980er Jahren weltweit. Dieser Ansatz von Alfred Rappaport ist mittlerweile ein Unternehmensführungsinstrument. Im Kern steht die Konzentration der Unternehmens-führung auf die Interessen der Eigentümer.
Das Kapitel zwei weist auf die Grundlagen des Shareholder Value-Ansatzes. Weiter geht es im nächsten Kapitel mit der aktuellen Finanzmarktkrise. Die Ursachen und mögliche Maßnahmen werden aus unterschiedlichsten Gesichtspunkten diskutiert. Zum Schluss zeigt das letzte Kapitel, Kapitel vier, den Zusammenhang zwischen der Finanzmarktkrise mit Shareholder Value. Dabei wird auf die Frage, inwieweit die Shareholder Value zur Krise beigetragen hat, eingegangen. Daneben werden verschiedene Lösungskonzepte diskutiert.
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1 Wendels, in: Wirtschaftsdienst, Ausgabe 2008/11 S. 707.
Inhaltsverzeichnis
1. Ein neuer Anfang oder das Ende für das Shareholder Value-Konzept
2. Grundlagen des Shareholder Value
2.1. Ausgangspunkt des Shareholder Value
2.2. Die unterschiedlichen Zielsetzungen von Management und Eigentümern
2.3. Der Shareholder Value-Ansatz
2.4. Schätzung des Shareholder Value
2.4.1. Betrieblicher Cash-Flow
2.4.2. Kapitalkosten
2.4.3. Residualwert
2.5. Das Shareholder Value-Netzwerk
3. Finanzmarktkrise
3.1. Ursachen der Finanzmarktkrise
3.1.1 Die falsche Zinspolitik der US-Notenbank
3.1.2. Die Liquiditätsschwemme
3.1.3. Eine zu gering bemessene Eigenkapitaldecke
3.1.4. Die Rolle der Rating-Agenturen
3.1.5. Die Rolle der Banken
4. Shareholder Value und Finanzmarktkrise
4.1. Wachstum und Investitionen mit Shareholder Value Orientierung
4.2. Falsche Anreizen
4.3. Stakeholder in der Shareholder Value Orientierung
5. Shareholder Value-Ansatz in der Zukunft
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Finanzmarktkrise im Kontext der Shareholder Value-Ideologie. Das zentrale Ziel ist es zu analysieren, ob der Shareholder Value-Ansatz für die Krise verantwortlich gemacht werden kann, wie das Konzept missverstanden wurde und ob es eine Zukunft als Führungsinstrument besitzt.
- Grundlagen und Entstehungsgeschichte des Shareholder Value-Ansatzes
- Ursachenanalyse der Finanzmarktkrise (Zinspolitik, Liquidität, Eigenkapital)
- Verhältnis zwischen kurzfristigen Finanzmarktinteressen und nachhaltigem Unternehmenswachstum
- Kritik an bestehenden Management-Anreizsystemen und Belohnungsstrukturen
- Notwendigkeit einer korrekten Interpretation des Konzepts für die Zukunft
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Die falsche Zinspolitik der US-Notenbank
Nachdem in 2001 die US-Notenbank eine niedrige Zinspolitik betrieben hatte um die US-Wirtschaft mit konsumanregenden Krediten zu fördern, wurden die Kredite immer billiger. Unter der Annahme, dass Immobilien sichere Anlagen sind, stiegen mit steigender Nachfrage auch die Immobilienpreise, und viele US-Bürger nahmen viel zu hohe Kredite auf ihre Immobilien auf.
Die niedrigen Zinssätze und steigenden Hauspreise gaben den Eindruck, dass ein Haus mit kaum Eigenkapital finanziert werden kann. Der Subprime-Markt wuchs um beispiellose 800 Prozent. Institutionen handelten mit Finanzprodukten, die nichts mehr mit den wirklichen Risiken zu tun hatten, und die sie aufgrund der unübersichtlichen Verbriefungsstrukturen selber nicht mehr ausreichend analysieren konnten.
Aufgrund der billigen Kredite wurden die Kreditrisiken an mehrere Investoren verteilt und damit die Risikoprämien durch der Risikoverteilung niedriger. Dazu kamen auch Kredite für Wertpapiere und Derivate. Obwohl Derivate Investoren gegen Risiken absichern können, können sie beim Abschließen hoher Wetten mit geringem Einsatz auf Aktienkurse, Zinsen oder Immobilienpreise enorm zerstören. Die Wirtschaftsverschuldung stieg durch Derivate gewaltig, weil sie die Geldwirtschaft zu erst förderten und dann aber wieder rasch abbremsten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ein neuer Anfang oder das Ende für das Shareholder Value-Konzept: Einleitung in die Problematik der Finanzmarktkrise und die Rolle des Shareholder Value-Konzepts als vermeintlicher Auslöser für kurzfristiges unternehmerisches Handeln.
2. Grundlagen des Shareholder Value: Definition und theoretische Herleitung des Konzepts, inklusive der Bewertungsmethoden wie Cash-Flow und Kapitalkosten sowie der Rolle der Werttreiber.
3. Finanzmarktkrise: Detaillierte Untersuchung der Ursachen, angefangen bei der Zinspolitik über Liquiditätsschwemmen bis hin zum Versagen von Banken und Rating-Agenturen.
4. Shareholder Value und Finanzmarktkrise: Verknüpfung der theoretischen Unternehmensführung mit der Krisenwirklichkeit, Fokus auf falsche Anreizstrukturen für Manager und die Vernachlässigung weiterer Stakeholder.
5. Shareholder Value-Ansatz in der Zukunft: Fazit und Ausblick zur Frage, ob das Konzept bei korrekter Anwendung als hilfreiches Instrument fortbestehen kann oder durch Fehlinterpretationen zum Scheitern verurteilt ist.
Schlüsselwörter
Shareholder Value, Finanzmarktkrise, Unternehmenswert, Cash-Flow, Eigenkapital, Finanzmarkt, Management, Anreizsysteme, Immobilienpreise, Liquidität, Risiko, Investitionen, Nachhaltigkeit, Unternehmensführung, Stakeholder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle des Shareholder Value-Ansatzes in Bezug auf die Finanzmarktkrise und untersucht, ob das Konzept grundsätzlich gescheitert ist oder lediglich falsch angewendet wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den ökonomischen Grundlagen der Unternehmenswertsteigerung, den Ursachen der globalen Finanzmarktkrise sowie den Auswirkungen von Managementanreizen auf den langfristigen Unternehmenserfolg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob die Finanzmarktkrise das Ende der Shareholder Value-Idee bedeutet oder ob eine Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ziele eine korrekte Anwendung ermöglichen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung von Wirtschaftsdaten (wie Finanzmarktstatistiken und Expertenmeinungen) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen, die Analyse der Krisenursachen sowie die kritische Gegenüberstellung vonShareholder Value-Orientierung und nachhaltigem Unternehmenserfolg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Shareholder Value, Finanzmarktkrise, Cash-Flow, Eigenkapital, Management-Anreize und Investitionsverhalten.
Welche Rolle spielen die Rating-Agenturen in der Krise laut Autor?
Der Autor kritisiert insbesondere die Abhängigkeitsverhältnisse der Agenturen und deren Rolle bei der Risikogewichtung von Finanzprodukten, die oft zu falschen Investitionsentscheidungen führte.
Wie bewertet der Autor die Rolle von Aktienrückkäufen?
Aktienrückkäufe werden kritisch gesehen, da sie oft nur zur kurzfristigen Kursmanipulation dienen, anstatt Mittel für zukunftsorientierte Innovationen und Investitionen in Maschinen und Anlagen zu verwenden.
Welche Lösungsvorschläge zur Förderung der Investitionsbereitschaft werden genannt?
Genannt werden unter anderem die Beschränkung von Aktienrückkäufen, die Koppelung von Aktionärsrechten an die Haltedauer und schärfere Eigenkapitalvorschriften für Banken.
- Quote paper
- Deniz Aydin (Author), 2009, Bedeutet die Finanzmarktkrise das aus für die Idee des Shareholder Value?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138537