Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei Angehörigen der Bundeswehr nach Auslandseinsatz


Hausarbeit, 2009
19 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Definitionen der PTBS

3. Kurze Geschichte der Erforschung der PTBS

4. Diagnostische Kriterien für PTBS nach International Classifikation Of Diseases (ICD-10) und Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen (DSM IV)

5. Epidemiologie von PTBS

6. Erkenntnisse der Forschung über PTBS
6.1 Risikofaktoren
6.2 Schutzfaktoren

7. Ein Fallbeispiel
7.1 Kurze Beschreibung der gegenwärtigen Situation in Afghanistan
7.2 Belastungen beim Auslandseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan
7.3 Posttraumatische Symptome
7.4 Behandlungsmöglichkeiten

8. Schlussfolgerungen

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Bedrohungslage für deutsche Soldatinnen und Soldaten bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr ist in den letzten Jahren gestiegen und wird künftig weiterhin beachtlich zunehmen .

Häufige Meldungen aus Krisengebieten, in denen deutsches Militär eingesetzt ist, bestätigen, dass die Soldatinnen und Soldaten zwar in friedensstiftender Mission und dem Aufbau dienend in diesen Ländern tätig sind, aber dennoch in politische und militärische Konflikte geraten, die sie schwer verletzen oder gar töten können.

In Afghanistan wurden in letzten Monaten häufig Anschläge auf deutsche Soldatinnen und Soldaten im Einsatz verübt. Die Familien und Freunde sorgen sich daher verstärkt um das Leben und die Gesundheit ihrer Ehemänner, Ehefrauen, Väter, Mütter, Söhne und Töchter.

Auch die Öffentlichkeit reagiert mit Erschrecken, wenn sich ein Anschlag auf die Bundeswehr im Ausland ereignet.

Besonders schwer getroffen sind davon die Soldatinnen und Soldaten, die den Anschlag schwer verletzt oder auch körperlich unverletzt überlebt haben.

Ihre Psyche hat auf jeden Fall einen gravierenden Schaden erlitten.

Die vorliegende Arbeit beschreibt die wichtigsten traumatischen Störungen und stellt im zweiten Teil anhand eines praktischen Fallbeispiels die möglichen Interventionsformen vor.

2. Definitionen der PTBS

In allen für mich verfügbaren Publikationen des Bundeswehrkrankenhauses Berlin, Veröffentlichungen von Forschungsarbeiten, auf der Internetseite des Hilfsangebotes für Soldatinnen und Soldaten (www.angriff-auf-die-seele.de) und in verschiedenen Audiodateien (Mitschnitte von Radiosendungen und Videos) wird eine sehr ähnliche Definition der PTBS verwendet. Daher beziehe ich mich hier auf das Klinische Wörterbuch (Pschyrembel), als grundlegende Quelle.

Das Klinische Wörterbuch unterscheidet zwei eng verwandte Formen:

- die akute Belastungsreaktion – als momentane Symptomatik, die nach kurzer Zeit behoben sein muss

- und die posttraumatische Belastungsstörung - als langfristige Symptomatik, die einer psychotherapeutischen Intervention bedarf.

Die Definitionen lauten wie folgt:

Belastungsreaktion, akute (engl.) acute stress reaction, Bezeichnung für eine kurzdauernde, aber schwerwiegende psychische Störung mit einem Zustand von emotionaler Betäubung, Angst, Depression, Desorientiertheit, Verzweiflung, Rückzug, u.a. als normale Reaktion auf eine außergewöhnliche körperliche und psychische Belastung, die in der Regel eine ernsthafte Bedrohung der eigenen Sicherheit bzw. der einer nahestehenden Person darstellte (z.B. Unfall, Naturkatastrophe, Kriegserlebnis). Nach Abklingen der a.B. können sich dissoziative Störungen ausbilden. Vgl. Belastungsstörung, posttraumatische “ (vgl. Psychrembel S. 207)

Belastungsstörung, posttraumatische (engl.) post- traumatic stress disorder; akute oder chronische psychische Störung nach extrem belastendem Ereignis (z.B. Folter, Vergewaltigung, Unfall, Katastrophe), die mit starker Furcht und Hilflosigkeit einhergeht. Symptome: häufiges und intensives Wiedererleben des Traumas (drängende Erinnerungen, Alb- und Tagträume, phobische Ängste), emotionale Taubheit (besonders Teilnahms- und Freudlosigkeit, Gleichgültigkeit) bei gleichzeitig erhöhter Erregung (mit Schlafstörung, Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit, Vigilanzsteigerung), Vermeiden von Erinnerungsstimuli, Komplikationen: depressives Syndrom, Suizidalität, Therapie: kognitive und verhaltenstherapeutische Verfahren, gesprächstherapeutische du tiefenpsychologische Methoden, soziotherapeutische Betreuung, eventuell kurzfristig Sedativa. Vgl. KZ- Syndrom. “ (ebenda)

3. Kurze Geschichte der Erforschung der PTBS

Die Symptome der PTBS gibt es wahrscheinlich seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte. So ist überliefert, dass bereits im 19.Jahrhundert v.Ch. ein ägyptischer Arzt das Phänomen beobachtete.

In der Psychologie fand die eigentliche PTBS erst in jüngster Zeit Beachtung. So prägte Ende des 19. Jahrhunderts der deutsche Psychiater Emil Kraepelin den Begriff Schreckneurose um die Symptome zu beschreiben, die sich bei Opfern von schweren Unfällen und Verletzungen, besonders von Feuersbrünsten, Entgleisungen oder Zusammenstößen auf der Eisenbahn zeigten.

PTBS- Symptome wurden im letzten Jahrhundert von Traumaforschern mit verschiedenen anderen Bezeichnungen belegt, so z. B. shell shock, Granatfieber, Kriegsneurose.

Eine besondere Entwicklung nahm die Traumaforschung in Folge der erlebten Grausamkeiten beider Weltkriege, aus denen wir gegenwärtig noch viele Opfer- und Traumageschichten kennen. (vgl. http://oe1.orf.at)

Im bzw. nach dem zweiten Weltkrieg kam der Begriff Überlebenden-Syndrom zur Beschreibung der psychischen Folgen der Verfolgung und der KZ- Inhaftierung auf.

Besonderes zu nennen ist hierbei der deutsch-amerikanische Psychiater und Psychoanalytiker William Niederland, der sich mit dieser Thematik besonders beschäftigte.

Doch auch in der jüngeren und jüngsten Vergangenheit tauchte immer wieder das Phänomen der PTBS auf. Nicht nur in Kriegen, wie z.B. im Kosovo, in Afghanistan oder im Irak tritt die PTBS auf, sondern sie kann sich prinzipiell nach jedem traumatischen Erlebnis ausbilden, wie z.B. nach Naturkatastrophen, Unfällen oder Verbrechen.

Über PTBS nach militärischen Einsätzen hat besonders Prof. Dr. Rolf Meermann geforscht und einige Publikationen veröffentlicht, welche allerdings nicht mehr im Internet verfügbar sind. Es lässt sich nur darüber spekulieren, warum dieses Thema „flach gehalten“ werden soll und der Öffentlichkeit solche Informationen vorenthalten werden.

4. Diagnostische Kriterien für PTBS

nach International Classifikation Of Diseases (ICD-10-Schlüssel) und Diagnostisches und Statistisches Manual der psychischen Störungen (DSM IV) Für die Diagnose der PTBS wurden allgemeine Standards von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegt. In einer Klassifikation der Symptome werden der Schweregrad und die Behandlungsbedürftigkeit festgestellt. Der behandelnde Arzt muss sich danach richten und Abrechungen auf dieser Basis erstellen.

Diese Klassifikation gilt auch für PTBS nach militärischen Auslandseinsätzen.

Zur Diagnose von PTBS wird der Schlüssel F 43.1 angewendet.

Folgende diagnostische Kriterien nach ICD 10 bestehen:

Die Person muss mit einem Ereignis außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalem Ausmaß konfrontiert gewesen sein. Dieses Ereignis würde bei fast jedem eine tiefe Verstörung hervorrufen.

Notwendige Symptome:

Wiederholte unausweichliche Erinnerung und Wiederinszenierung des Ereignisses im Gedächtnis, Tagträumen oder Träumen.

Andere typische Symptome:

Andauerndes Gefühl von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit gegenüber der Umgebung, Anhedonie, Vermeidung von Aktivitäten oder Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wecken.

Gewöhnliche Symptome:

Vegetative Übererregtheit mit Vigilanzsteigerung, übermäßiger Schreckhaftigkeit und Schlaflosigkeit, Angst, Depressionen.

Seltene Symptome:

Dramatische, akute Ausbrüche von Angst, Panik oder Aggression

Zeitlicher Rahmen:

Symptome der PTBS treten üblicherweise ab einer Dauer von einem Monat nach dem belastenden Ereignis auf (vgl. http://franke-stendal.de)

Davon abgegrenzt wird die akute Belastungsreaktion. Sie wird nach dem Schlüssel F43.0 kodiert, wie er nach DSM IV (309.81) festegelegt wurde.

A: Person wurde mit einem traumatischen Ereignis konfrontiert:

1. Person erlebte, beobachtete ein Ereignis, das den tatsächlichen oder drohenden Tod, ernsthafte Verletzung oder die Bedrohung körperlicher Unversehrtheit beinhaltete

2. Reaktion der Person umfasste intensive Flucht, Hilflosigkeit oder Entsetzen

[...]

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Details

Titel
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei Angehörigen der Bundeswehr nach Auslandseinsatz
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V138551
ISBN (eBook)
9783640471300
ISBN (Buch)
9783640470976
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Posttraumatische, Belastungsstörung, Soldatinnen, Soldaten, Bundeswehr, Auslandseinsatz, PTBS
Arbeit zitieren
Caspar Daniel Pohl (Autor), 2009, Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei Angehörigen der Bundeswehr nach Auslandseinsatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138551

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