Die Bedrohungslage für deutsche Soldatinnen und Soldaten bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr ist in den letzten Jahren gestiegen und wird künftig weiterhin beachtlich zunehmen.
Häufige Meldungen aus Krisengebieten, in denen deutsches Militär eingesetzt ist, bestätigen, dass die Soldatinnen und Soldaten zwar in friedensstiftender Mission und dem Aufbau dienend in diesen Ländern tätig sind, aber dennoch in politische und militärische Konflikte geraten, die sie schwer verletzen oder gar töten können.
In Afghanistan wurden in letzten Monaten häufig Anschläge auf deutsche Soldatinnen und Soldaten im Einsatz verübt. Die Familien und Freunde sorgen sich daher verstärkt um das Leben und die Gesundheit ihrer Ehemänner, Ehefrauen, Väter, Mütter, Söhne und Töchter.
Auch die Öffentlichkeit reagiert mit Erschrecken, wenn sich ein Anschlag auf die Bundeswehr im Ausland ereignet.
Besonders schwer getroffen sind davon die Soldatinnen und Soldaten, die den Anschlag schwer verletzt oder auch körperlich unverletzt überlebt haben.
Ihre Psyche hat auf jeden Fall einen gravierenden Schaden erlitten.
Die vorliegende Arbeit beschreibt die wichtigsten traumatischen Störungen und stellt im zweiten Teil anhand eines praktischen Fallbeispiels die möglichen Interventionsformen vor.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen der PTBS
3. Kurze Geschichte der Erforschung der PTBS
4. Diagnostische Kriterien für PTBS nach International Classifikation Of Diseases (ICD-10) und Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen (DSM IV)
5. Epidemiologie von PTBS
6. Erkenntnisse der Forschung über PTBS
6.1 Risikofaktoren
6.2 Schutzfaktoren
7. Ein Fallbeispiel
7.1 Kurze Beschreibung der gegenwärtigen Situation in Afghanistan
7.2 Belastungen beim Auslandseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan
7.3 Posttraumatische Symptome
7.4 Behandlungsmöglichkeiten
8. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) bei Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr im Auslandseinsatz. Ziel ist es, ein Verständnis für das Störungsbild, dessen Ursachen und den spezifischen Belastungsdruck durch Auslandseinsätze zu schaffen sowie aktuelle Interventionsmöglichkeiten darzustellen.
- Grundlagen und Definition der PTBS.
- Epidemiologische Betrachtung bei Bundeswehrangehörigen.
- Analyse von Risiko- und Schutzfaktoren.
- Praktisches Fallbeispiel zur Verdeutlichung der psychischen Belastungen.
- Überblick über therapeutische Interventionsformen.
Auszug aus dem Buch
Beispiel
Der Therapeut kann hier mit dem „Bild vom Kleiderschrank“ arbeiten. Wenn das Gedächtnis eines Menschen einen Kleiderschrank darstellt, könnte man die Gedanken als Kleider bezeichnen. Normalerweise sind die Kleider ordentlich gefaltet in bestimmten Ablagen und Fächern abgelegt. Wann immer man jetzt eine bestimmte Erinnerung sucht, weiß man recht gut, wo man sie findet.
Das Krankheitsmodell der PTBS versteht das Trauma auch als Erinnerung, die sich in diesem Schrank befindet. Da man das Erlebte und Erinnerte aber oft so fremd und schrecklich empfindet und es darüber hinaus auch so unerwartet geschehen ist, wird diese Erinnerung nicht gefaltet und gebügelt. Man „schmeißt“ sie einfach so wie sie ist in den Schrank und knallt die Tür zu. Das Problem bei solchen Schränken ist allerdings, dass sie, wenn sie unaufgeräumt sind, ihren Inhalt auch manchmal ungefragt wieder von sich geben, wenn man z.B. an ein ganz anderes Fach des Schrankes will. Für den Kranken bedeutet dies, dass die Erinnerungen ungewollt über ihn hereinbrechen können. Um sich davor zu schützen, ist es unumgänglich den Schrank besser früher als später aufzuräumen. Dazu muss man alle einzelnen Kleidungsstücke (Splitter und Bruchstücke von Erinnerungen an das Trauma) herausnehmen, sich ansehen, zusammenfalten und in den Kleiderschrank legen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedrohungslage für Bundeswehrsoldaten in Auslandseinsätzen und skizziert die psychischen Folgen der dort erlebten Konflikte.
2. Definitionen der PTBS: Dieses Kapitel differenziert zwischen akuten Belastungsreaktionen und der langfristigen posttraumatischen Belastungsstörung anhand medizinischer Fachdefinitionen.
3. Kurze Geschichte der Erforschung der PTBS: Es wird die historische Entwicklung des Verständnisses traumatischer Störungen von der "Schreckneurose" bis hin zum modernen PTBS-Begriff dargelegt.
4. Diagnostische Kriterien für PTBS nach International Classifikation Of Diseases (ICD-10) und Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen (DSM IV): Hier werden die offiziellen Kriterien und Symptome nach ICD-10 und DSM-IV erläutert, die für eine klinische Diagnose entscheidend sind.
5. Epidemiologie von PTBS: Dieses Kapitel behandelt die statistische Verteilung von PTBS-Erkrankungen, wobei Vergleiche zwischen Zivilbevölkerung und militärischem Personal gezogen werden.
6. Erkenntnisse der Forschung über PTBS: Es werden spezifische Risikofaktoren (z.B. Kindheitsbelastungen) und Schutzfaktoren (z.B. soziale Unterstützung) bei der Entstehung von PTBS analysiert.
7. Ein Fallbeispiel: Anhand des Berichts eines Offiziers wird die Entwicklung einer PTBS durch konkrete Erlebnisse im Afghanistan-Einsatz und der nachfolgende therapeutische Prozess nachgezeichnet.
8. Schlussfolgerungen: Das Kapitel plädiert für eine verbesserte Prävention, realistischere Einsatzvorbereitungen und den Abbau von Stigmatisierung innerhalb der Bundeswehr.
Schlüsselwörter
Posttraumatische Belastungsstörung, PTBS, Bundeswehr, Auslandseinsatz, Afghanistan, Trauma, psychische Störung, Traumatherapie, Stressbewältigung, EMDR, Risiko- und Schutzfaktoren, Militäreinsatz, psychologische Betreuung, Prävention, Diagnostik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen durch PTBS bei Bundeswehrsoldaten, die an Auslandseinsätzen in Konfliktgebieten teilgenommen haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themen umfassen medizinische Definitionen, die Geschichte der Traumaforschung, diagnostische Standards sowie praktische Ansätze zur Bewältigung und Therapie des Traumas.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, das Bewusstsein für die psychischen Langzeitfolgen militärischer Einsätze zu schärfen und die Notwendigkeit verbesserter Betreuungs- und Präventionsangebote aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse medizinischer und psychologischer Standards sowie der fallorientierten Anwendung eines spezifischen Berichts aus einem Auslandseinsatz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der PTBS (Definition, Diagnostik, Epidemiologie, Forschungserkenntnisse) und die praktische Anwendung durch ein konkretes Fallbeispiel eines Offiziers.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
PTBS, Auslandseinsatz, Bundeswehr, Trauma, Therapie, Diagnostik und Stressbewältigung.
Welche Rolle spielt das "Bild vom Kleiderschrank" im therapeutischen Kontext?
Es dient als Metapher, um Patienten zu verdeutlichen, wie traumatische Erinnerungen unstrukturiert im Gedächtnis abgelegt werden und wie therapeutische Arbeit dabei hilft, diese bewusst aufzuarbeiten und einzuordnen.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Informationspolitik der Bundeswehr?
Der Autor kritisiert die schwierige Zugänglichkeit zu sachlich fundierten Informationen über PTBS bei der Bundeswehr und fordert einen offeneren Umgang mit diesem Thema sowie eine bessere psychologische Vorbereitung der Soldaten.
- Citation du texte
- Caspar Daniel Pohl (Auteur), 2009, Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei Angehörigen der Bundeswehr nach Auslandseinsatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138551