Der Trend, die Zentralbanken mit einem hohen Maß an Unabhängigkeit auszustatten, wird heutzutage von vielen Ländern verfolgt. Wie es sich oft gezeigt hat, ist eine
autonome Zentralbank besser in der Lage ihr vorrangiges Ziel der Preisstabilität einzuhalten und ohne Weisungen der Regierung ihre geldpolitischen Entscheidungen
zu treffen.
Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob ein negativer Zusammenhang zwischen dem Grad der Unabhängigkeit einer Zentralbank und der Inflation in Industrieländern besteht. Um diese Annahme empirisch zu Untersuchen, entwickelten zahlreiche Autoren verschiedene Verfahren, mit denen sie die Unabhängigkeit zu messen versuchten. Bei näherem Betrachten der Studien wird schnell deutlich, dass es schwierig ist, die Unabhängigkeit zu quantifizieren und einen signifikanten negativen Zusammenhang zwischen der Unabhängigkeit und der Inflation herzustellen.
Im folgenden, werden theoretische und empirische
Untersuchungen zur Messung der Zentralbankunabhängigkeit herangezogen und ein Überblick ihrer Methoden und Ergebnisse dargelegt.
Zunächst wird im ersten Abschnitt die Bedeutung der
Zentralbankunabhängigkeit näher erläutert, um dann am Beispiel der EZB die einzelnen Unabhängigkeitsmerkmale zu erklären. Ausgehend von den objektiven Merkmalen der Zentralbankunabhängigkeit wird im zweiten Abschnitt der Zusammenhang mit der Inflation näher untersucht. Dafür werden die Messverfahren von Bade und Parkin (1988), Grilli, Masciandaro und Tabellini (1991) und Cukierman, Webb und Neyapti (1992) kurz dargestellt und im Weiteren ihre Ergebnisse kritisch hinterfragt und auf Robustheit und Zuverlässigkeit untersucht. Im dritten Abschnitt werden die Erhebungen durch Posen (1995) und Hayo (1998) kritisch hinterfragt. Abschließend erfolgt eine kurze Schlussbetrachtung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bedeutung der Zentralbankunabhängigkeit
2.1 Merkmale der Zentralbankunabhängigkeit am Beispiel der EZB
3. Messverfahren
3.1 Index nach Bade und Parkin
3.2 Index nach Grilli, Masciandaro und Tabellini
3.3 Index nach Cukierman, Webb und Neyapti
3.4 Ergebnisse der empirischen Untersuchungen
4. Kritik
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Seminararbeit untersucht die theoretische Annahme, dass ein hoher Grad an Unabhängigkeit einer Zentralbank zu einer niedrigeren Inflationsrate führt, indem sie verschiedene empirische Messverfahren kritisch analysiert und hinterfragt.
- Bedeutung und Merkmale der Zentralbankunabhängigkeit am Beispiel der EZB
- Vergleich der gängigen wissenschaftlichen Messverfahren (Indizes)
- Kritische Analyse der empirischen Ergebnisse zur Inflationskontrolle
- Untersuchung der Endogenität von Zentralbankunabhängigkeit
- Diskussion über Stabilitätskultur und kausale Zusammenhänge
Auszug aus dem Buch
3. Messverfahren
Nachdem im vorangegangenen Kapitel, die Merkmale und die objektiven Vorteile der Zentralbankunabhängigkeit aufgeführt wurden, stellt sich nun die Frage, ob ein Maß existiert, mit dem man den Grad der Unabhängigkeit beziffern kann. Es liegen zahlreiche empirische Studien vor, die die Zentralbankunabhängigkeit beschreiben und sie zu messen versuchen. Das verbreitetste Ergebnis, welches die meisten Untersuchungen hervorbrachten, ist der negative Zusammenhang zwischen dem Grad der Unabhängigkeit einer Zentralbank und der Inflation in Industrienationen. Um nun diesen entsprechenden Zusammenhang zu ermitteln, wurden von verschieden Autoren Unabhängigkeitsindizes entwickelt bzw. bestehende verwendet und somit der Grad der Unabhängigkeit messbar gemacht.
Das Hauptproblem bei der Analyse der Zentralbankunabhängigkeit, ist die Schwierigkeit, anhand der Indizes die resultierenden Effekte für die Wirtschaft abzuleiten und den Zusammenhang mir der Inflation herzustellen. Um das Problem zu lösen wurden in den empirischen Studien zwei Typen von Unabhängigkeitsindizes verwendet: (1) gesetzliche Indizes, die die Machtverhältnisse zwischen der Zentralbank und der Regierung beschreiben (zum Beispiel die Verantwortung für die Geldpolitik) und (2) die durch Fragebögen erlangten (echten) Unabhängigkeitsindizes, die auf schwermessbaren Größen (Tradition, Kultur, Persönlichkeit des Zentralbankpräsidenten usw.) basieren. Obwohl die Mehrzahl dieser Studien die gleiche Meinung teilt, wird die Zuverlässigkeit und Zweckmäßigkeit der verschiedenen Unabhängigkeitsindizes seit (1995) auf ihre Robustheit zunehmend kritisch untersucht (Mendonca (2005)). Offensichtlich stellen die Kriterien zur Messung der Zentralbankunabhängigkeit nicht notwendigerweise ein genaues Mittel zum Zweck dar. Zu beachten ist, welche subjektiven Annahmen die einzelnen Autoren trafen. Demzufolge liegt das Grundproblem der verschiedenen Methoden in der Gewichtung, Feststellung und Vergleichbarkeit der einzelnen Indizes. Im folgenden werden drei Messverfahren dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt den Trend zur Zentralbankunabhängigkeit und formuliert die Forschungsfrage bezüglich des Zusammenhangs zwischen dieser Unabhängigkeit und der Inflation.
2. Bedeutung der Zentralbankunabhängigkeit: Dieses Kapitel erläutert die Vorteile autonomer Notenbanken bei der Preisstabilität und definiert Unabhängigkeit anhand des Beispiels der EZB.
3. Messverfahren: Es werden verschiedene Indizes (Bade/Parkin, Grilli et al., Cukierman et al.) vorgestellt, die versuchen, den Grad der Unabhängigkeit wissenschaftlich zu quantifizieren.
4. Kritik: Hier wird die methodische Herangehensweise der Studien kritisiert, insbesondere die Problematik der Kausalität zwischen Inflation und Unabhängigkeit.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass eine genaue Quantifizierung aufgrund subjektiver Gewichtungen schwierig bleibt und die Unabhängigkeit oft endogen bestimmt wird.
Schlüsselwörter
Zentralbankunabhängigkeit, Inflation, Preisstabilität, EZB, Geldpolitik, Messverfahren, Index, Bade und Parkin, Grilli, Cukierman, empirische Untersuchung, Stabilitätskultur, Fiskalpolitik, Wirtschaftspolitik, Korrelation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob eine unabhängige Zentralbank tatsächlich besser in der Lage ist, die Inflation niedrig zu halten, und wie man diesen Grad an Unabhängigkeit überhaupt messen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Definition und die verschiedenen Arten der Unabhängigkeit (funktionell, institutionell, personell, finanziell) sowie die empirische Validität von Indizes, die diesen Zustand messbar machen sollen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Hypothese zu prüfen, ob es einen signifikanten negativen Zusammenhang zwischen der gesetzlich verankerten Unabhängigkeit einer Zentralbank und der Inflationsrate in einem Land gibt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse verschiedener empirischer Studien und vergleicht methodische Ansätze wie die Indizes von Bade und Parkin, Grilli et al. sowie Cukierman et al.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Vorteile von Unabhängigkeit, die detaillierte Beschreibung verschiedener Messverfahren und eine kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen dieser Studien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentralbankunabhängigkeit, Inflation, Preisstabilität, Geldpolitik, Messverfahren und Indexbildung sind die zentralen Begriffe der Untersuchung.
Warum ist die Messung der Unabhängigkeit laut Autor problematisch?
Der Autor weist darauf hin, dass die Gewichtung der Kriterien oft subjektiv ist und gesetzliche Bestimmungen nicht immer das tatsächliche Handeln der Zentralbank im Verhältnis zur Regierung widerspiegeln.
Was besagt die Kritik von Posen und Hayo an den Indizes?
Posen und Hayo kritisieren, dass die Unabhängigkeit als exogene Variable falsch interpretiert wird; vielmehr ist sie oft das Ergebnis einer bereits existierenden öffentlichen Stabilitätskultur und Anti-Inflationsinteressen im Land.
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- Daniel Gölzenleuchter (Autor), 2008, Die Unabhängigkeit der Zentralbank, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138555