Papstschisma und Synode von Pavia 1160


Seminararbeit, 2002

24 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Schwerpunkt: Synode von Pavia
Einleitung: Methodische Vorgehensweise

I. Das Papstschisma
1. Zum Schisma führende Ereignisse
a. Der Vertrag von Benevent
b. Die Regalienpolitik Barbarossas
- Spaltung des Kardialkollegiums
2. Die Wahl
a. Der Verlauf
b. Die Reaktionen
- Alexanders Wahlanzeige
- Victors Reaktion
- Barbarossas Position

II. Die Synode von Pavia
1. Die Vorversammlung vor Crema
2. Die Vorladung Alexanders III. und dessen Ablehnung
3. Der Verlauf der Synode
4. Das Scheitern der Politik Barbarossas
5. Die Reaktion Alexanders auf das Urteil der Synode

III. Der weitere Verlauf des Schismas
1. Das Treffen auf der Saône- Brücke
2. Der Tod Victors und der neue Gegenpapst Paschalis
3. Der Würzburger Hoftag
4. Die Rückkehr Alexanders nach Rom und vierter Italienzug
5. Der Tod Paschalis’ und der Beginn der Friedensverhandlungen

IV. Fazit

V. Literaturverzeichnis
1. Primärliteratur
2. Sekundärliteratur

Papstschisma und Synode von Pavia

Einleitung: Methodische Vorgehensweise

In der folgenden Arbeit wird die Beziehung zwischen Friedrich I. Barbarossa und Alexander III. im Mittelpunkt stehen. Seit der Doppelwahl 1159 und dem Gegenpapsttum vorerst Victors IV. waren die Streitigkeiten des Kaisers mit dem Papst Alexander ein zentraler Aspekt in der Politik Barbarossas. Den Anfang dieser Auseinandersetzung kann man in der „Synode von Pavia“ finden, bei der die Entscheidung über die Rechtmäßigkeit des Papsttums auf Victor fiel. Diese umstrittene Synode ist insbesondere deshalb von besonderer Bedeutung, da dadurch Europa in zwei Gruppen geteilt wurde, in die Anhänger Victors und die Alexanders. Zudem stellt die Synode von Pavia die Einmischung des Kaisers in die Kirchenpolitik dar. So wird, nach einigen Erläuterungen zur Entstehung des Papstschismas, anhand von Quellen der Verlauf und die Nachwirkungen des kaiserlichen Konzils dargelegt, daraufhin die der Synode folgenden Beziehungen des Kaisers zu Papst Alexander III. bis zum Tode des zweiten Gegenpapstes Paschalis III.

I. Das Papstschisma

Bevor auf die Synode von Pavia eingegangen wird, muss zuerst erörtert werden, welche Ereignisse zu der Doppelwahl führten, beziehungsweise wie sie verlief, da dies die Grundlage für die späteren Begebenheiten legen sollte. Insbesondere ist hier auf den Vertrag von Benevent einzugehen, des weiteren auf die Regalienpolitik Barbarossas, was sich noch zu Lebzeiten des Papstes Hadrian ereignete, und schließlich auf die Wahl der Päpste.

1. Zum Schisma führende Ereignisse

a. Der Vertrag von Benevent

Der Vertrag von Benevent unter Hadrian stellt ein einschneidendes Ereignis für das Kardinalskollegium dar, da durch die Verbrüderung des Papstes mit dem sizilianischen König Wilhelm zwischen den Kardinälen große Zwietracht und Uneinigkeit gesät wurde.[1] „Post cuius obitum cardinales in seditionem conversi gemina electione scindunt unitatem, ...“[2]. Diese Verbrüderung des Papstes mit dem Normannenkönig wurde als „moralischer Bruch der Konstanzer Abmachungen“[3] gesehen und erschütterte das Verhältnis zwischen Kaiser und Papst. Einige kaisertreue Kardinäle sahen den Beneventer Vertrag als „... detrimentum ecclesie et imperii...“[4], wodurch sich das Kardinalkollegium in zwei Gruppen spaltete: Unter Kardinalpriester und Kanzler Roland von S. Marco (Roland Bardinelli) war eine kurial- sizilienfreundliche Partei entstanden, unter Oktavian von S. Cecilia eine kaiserlich- reichsfreundliche Partei.

Erschwerend kam das Bündnis Hadrians mit den lombardischen Städten hinzu, welche schworen, keinen Frieden und keine Übereinkunft mit dem Kaiser zu treffen; im Gegenzug versprach der Papst, Friedrich I. innerhalb der nächsten 40 Tage zu exkommunizieren.[5]

b) Die Regalienpolitik Barbarossas

Während der Bruch des Konstanzer Vertrages durch Hadrian den Kaiser reizte, provozierte die Regalienpolitik Friedrichs I. den Papst, denn die Beschlüsse des Hoftages von Roncaglia beeinträchtigten dessen Interessen. Schließlich sprach Barbarossa den „regalia beati Petri“ keine Sonderbehandlung zu[6], sondern forderte, dass sich auch die Bischöfe lehnrechtlich an ihn zu binden hatten; zudem nutzte er die mathildischen Güter und verleibte sich dort und in einigen weiteren Gebieten, die eigentlich dem Papst unterstanden, das Foedrum ein[7]. Barbarossa erkannte die Regalien der Römischen Kirche nicht an.

Es kam zum Eklat. Während Hadrian dem Kaiser Vertragsbruch vorwarf, sah der Kaiser den Konstanzer Vertrag durch das Abkommen des Papstes mit den Sizilianern schon lange als gebrochen an[8]. Zudem zählt er die Petrusregalien zum unveräußerlichen Eigentum des Reiches, mit der Begründung, dass die Kirche ausschließlich durch die Konstantinische Schenkung überhaupt zu Regalien gekommen sei[9].

Die Spannung zwischen Kaiser und Papst war also extrem angewachsen und die Differenzen schon nahezu unüberbrückbar.

Nach dem Streit um die Regalien traf Hadrian das Abkommen mit den lombardischen Städten, bevor er jedoch den Bann über Barbarossa sprechen konnte, starb Hadrian am 1. September 1159.

2. Die Wahl

Durch die enormen Spannungen zwischen den Personen des Kaisers und des Papstes und zudem durch das Abkommen von Benevent, war eigentlich schon von vorneherein mit einem Papstschisma zu rechnen, denn die Spaltung im Kardinalkollegium war schon zu weit fortgeschritten und unüberbrückbar geworden.

a. Der Verlauf

Im Vorfeld der zu erwartenden schwierigen Papstwahl fand sich das Kardinalskollegium in Agnani ein, um die Rahmenbedingungen zu besprechen. Sie einigten sich, über die Wahl des künftigen Papstes gemäß der Tradition der römischen Kirche zu verhandeln, das heißt, nach einer gründlichen Erforschung des Wählerwillens eine einmütige Wahl eines Kardinals oder einer anderen Person herbeizuführen und falls dies nicht möglich sei, weitere Schritte nur „communi censu“ zu unternehmen[10].

Die Papstwahl selbst begann am 5.September 1159. Am dritten Tag wurde der Kanzler Roland Bardinelli gewählt und es wurde versucht ihn zu immanieren; er sei jedoch nicht einmal mit dem Mantel berührt worden, bevor nach der Intervention der anwesenden Kleriker und Laien Oktavian gewählt, immaniert und inthronisiert worden sei[11]. Vom Kanzler hörte man zu diesem Zeitpunkt keinen Einspruch, sondern er zog sich mit seinen Anhängern auf die Burg von St. Peter zurück. Nach einer Woche verließ er diese und ging nach Cisterna, wo er zwölf Tage nach der Erhebung Victors mit den päpstlichen Insignien bekleidet und zum erhoben wurde.

b. Reaktionen

- Alexanders Wahlanzeige

Schnellst möglich suchte Alexander III. seine Erhebung kanonisch zu rechtfertigen und zugleich Victors ungerechtfertigten Anspruch auf den Stuhl Petri dazulegen.

Zum einen beschuldigte er Victor, seine Erhebung mit Waffengewalt durchgesetzt zu haben[12] und Unterstützung von laikalen Kräften bekommen zu haben[13], wobei deren Hilfe nur beim Personalvorschlag des Klerus erlaubt war. Er selbst sei von der Mehrheit der Kardinäle gewählt worden während Victor nur eine Minderheit um sich habe scharen können.

Zum anderen hatte sich Victor des Papstmantels bemächtigt, der das sichtbare Zeichen dafür war, dass er die Wahl angenommen habe, nicht aber die Wahl selbst symbolisierte, woraus Alexander den Schluss zog, dass Victor ein Schismatiker sei, da er sich gegen einen schon gewählten Papst gerichtet habe[14].

- Victors Reaktion

Auf dieses Schreiben reagierte Victor unverzüglich, nicht ohne sich auch auf das Kirchenrecht zu beziehen. Aus seinem Rundschreiben und dem erhaltenen Brief von fünf Kardinälen leiten sich folgende Vorwürfe gegen Alexander III.ab:

Er habe sich mit Manuel I. von Sizilien gegen die Kirche und das Kaisertum verbündet[15] und sich erst zwölf Tage nach der Wahl Victors des Papstamtes zu bemächtigen versucht[16].

Zudem gab Victor zwar zu, dass die Anzahl der Kardinäle auf Seiten Alexanders größer gewesen sei, doch entkräftete er dieses Stimmverhältnis durch den Vorwurf, Roland Bardinelli und die sizilianischen Kardinäle hätten schon im Vorfeld einen kirchenrechtlich illegitimen Eid abgelegt, nur einen Papst aus ihrer Mitte zu erwählen, was ein Verstoß gegen das Pactum von Agnani darstelle[17]. Aus letzteren beiden Gründen war es nur zur Nomination des Kanzlers gekommen und deshalb habe man seine Einkleidung verhindert. Er selbst sei erst danach erwählt worden und sei auf Bitten des römischen Volkes, aufgrund der Wahl des gesamten Klerus und mit Zustimmung fast aller Senatoren und Adligen mit dem roten Papstmantel bekleidet und erhoben worden.[18]

[...]


[1] Franz- Josef Schmale, Gesta Friderici seu rectius Cronica (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr von Stein- Gedächtnisausgabe 17) Buch IV, 62, S. 634/ 11-15: „Ex quo contra honorem ecclesie Die et imperii amicitia inter domnum papam Adrianum et Willelmum Siculum apud Beneventum facta est, dissensio et discordia non midica inter cardinales sacrosancte Romane ecclesie non sine causa oborta est,...“

[2] Schmale, Gesta Friderici Buch IV, 52, S. 610/ 28-29: „post cuius obitum cardinales in seditionem conversi gemina electione scindunt unitatem,...”

[3] Johannes Laudage, Alexander III. und Friedrich Barbarossa (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu J.F. Böhmer, Regesta Imperii 16). Seite 83

[4] Schmale, Gesta Friderici Buch IV, 62, S.634/ 17f

[5] Laudage, Alexander III. und Friedrich Barbarossa S. 102

[6] Laudage, Alexander III. und Friedrich Barbarossa S. 93

[7] Laudage, Alexander III. und Friedrich Barbarossa S. 97

[8] Laudage, Alexander III. und Friedrich Barbarossa S. 98

[9] Laudage, Alexander III. und Friedrich Barbarossa S. 82f / 101f

[10] Laudage, Alexander III. und Friedrich Barbarossa S.105 – Schmale, Gesta Friderici Buch IV, 76, S.666/2-7

[11] Schmale, Gesta Friderici Buch IV, 76

[12] Laudage, Alexander III. und Friedrich Barbarossa S.113

[13] Laudage, Alexander III. und Friedrich Barbarossa S.113

[14] Laudage, Alexander III. und Friedrich Barbarossa S.114f

[15] Laudage, Alexander III. und Friedrich Barbarossa S.116

[16] Laudage, Alexander III. und Friedrich Barbarossa S.116

[17] Laudage, Alexander III. und Friedrich Barbarossa S.117

[18] Laudage, Alexander III. und Friedrich Barbarossa S.117

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Papstschisma und Synode von Pavia 1160
Hochschule
Universität Bayreuth  (FB Geschichte)
Veranstaltung
Friedrich I. Barbarossa
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V13863
ISBN (eBook)
9783638194006
Dateigröße
397 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Papstschisma, Synode, Pavia, Friedrich, Barbarossa
Arbeit zitieren
Ulrike Christine Steffke (Autor), 2002, Papstschisma und Synode von Pavia 1160, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13863

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