Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus im Vergleich mit Hölderlins Hyperion


Hausarbeit, 2009

19 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus
2.1 Die Überlieferung des Manuskripts
2.2 Inhaltlicher Aufbau des Systemprogramms – ein kurzer Überblick
2.3 Die Verfasserfrage

3. Hölderlin - Dichter oder Philosoph

4. Hegel und Hölderlin

5. Hölderlins Ideen aus den letzten beiden Briefen des Hyperion 2. Band
5.1 Erster Brief, 2. Band
5.2 Zweiter Brief, 2. Band

6.Der Mittelteil des ältesten Systemprogramms im Bezug auf Hölderlin

7. Schlusswort

8. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen unserer Exkursion in die Dichter- und Denkerstadt Tübingen, bietet sich natürlich der Text „Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus“ mit seiner zweifelhaften Verfasserschaft an, um gleich einen groben Einblick in mehrere Denkweisen des 18. Jahrhunderts wie z.B. Hegel, Kant, Sinclair und einige andere, zu bekommen. Zu Beginn wollen wir uns zunächst mit der Verfasserfrage und der Überlieferung dieses Textes beschäftigen. Den inhaltlichen Aufbau werden wir nur grob ansprechen und dann im 6. Kapitel einen besonderen Bezug zu Hölderlin herstellen. Vorab wollen wir herausfinden ob Hölderlin Dichter oder Philosoph war. Im Zusammenhang mit seinem Roman „Hyperion“ werden wir sowohl seine Philosophie darstellen als auch einen Vergleich zu einem Teil aus dem Systemprogramm anstellen.

2. Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus

Das Hegelsche Manuskript ist ein viel diskutierter und erforschter Text, was die andauernde Hegel-, Hölderlin- und Schellingforschung bis heute immer noch bestätigt. Im Rahmen unseres Seminars eignet der Text sich besonders, ihn noch einmal im Zusammenhang mit Hölderlin zu betrachten.

2.1 Die Überlieferung des Manuskripts

1913 erwarb die königliche Bibliothek in Berlin bei einer Versteigerung der Firma Lipmannsohn ein 2 seitiges Hegelmanuskript, welches zunächst, aufgrund der beiden ersten Worte, als „Abhandlung über Ethik“ betitelt wurde. Aufgrund der Handschrift konnte man bestimmen, dass dieses ungebrochene Folioblatt von Hegel stammen musste (vgl. Rosenzweig, 1917, S.3). Erst 1917, aufgrund des dazwischen gekommenen Krieges, publizierte Franz Rosenzweig das Manuskript mit einer Interpretation unter der Überschrift „Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus“ (vgl. Hansen, 1989, S.1). Im Laufe der Forschung stellte Dieter Henrich 1976 fest, dass das Manuskript aus dem Nachlass des Hegelschülers Friedrich Förster stammt und somit letztendlich wohl tatsächlich aus Hegels Nachlass selbst stammt (vgl. im folgenden Hansen, 1989, S.5). In der Zeit von 1960 bis 1979 waren die Systemprogrammforscher auf eine Fotografie des Textes angewiesen, da das Original nach 1945 verschollen war. Dank Henrichs kann man aber seit 1979 wieder auf das Originalmanuskript zurückgreifen, da er die Jagellonische Bibliothek Krakau, in die das Manuskript in den Nachkriegswirren gelangt war, davon überzeugen konnte, den Originaltext wieder freizugeben.

2.2 Inhaltlicher Aufbau des Systemprogramms – ein kurzer Überblick

Eine umfangreiche Interpretation des gesamten Textes soll und kann im Zusammenhang dieser Hausarbeit nicht ausgeübt werden. Daher werden wir uns auf den Mittelteil, in dem der Autor Bezug auf die Ästhetik und Poesie nimmt beschränken und diesen im späteren Verlauf mit Hölderlins Einfluss auf Hegel, unterstützt durch die Briefe im Hyperion, vergleichen.

Dennoch kann der restliche Teil des Systemprogramms natürlich nicht ganz außer Acht gelassen werden, daher wollen wir im Folgenden nur kurz und stückweise auf den inhaltlichen Aufbau des Systemprogramms eingehen.

Die Erfahrungen aus der Zeit, die in diesem Text verarbeitet sind, entsprachen sicherlich den Bedürfnissen der Zeit (vgl. zum folgenden Fulda, 2003, S.55 f.). Daher möchten wir zu Anfang darauf hinweisen, dass der Begriff System in diesem Text, nicht für etwas fertig Gegebenes und Starres steht, sondern für ein Aggregat von Einzelheiten, wie Fulda es nennt. Es diente dazu über die Weltphilosophie und Religionslehre von Kant hinaus, sich besser orientieren zu können.

Wenn man an die Entstehungszeit (Anfang 1796/97) des Systemprogramms denkt, erkennt man, dass der Text auf Denkmustern aufgebaut ist, die zu dieser Zeit in der Philosophie herrschten. Gerade beim 1. Satz „[…] Da die ganze Metaphysik künftig in die Moral fällt[…]“ wird sofort auf Kant verwiesen, dessen Gedankengänge von Hegel stark aufgenommen wurden und welche er später auch sehr kritisierte (vgl. zum folgenden Hansen, 1989, S.163 f.). Hegels Anliegen besteht darin jede Art von Fremdbestimmung aufzuheben. Das Ideal sittlicher Vollkommenheit muss wieder hergestellt werden und dies kann nur geschehen, wenn man die sich selbst gesetzte Freiheit der Vernunft erlangt, die keiner äußerlichen Beschränkungen mehr unterliegt. Da also das Wesen der Vernunft die Freiheit ist, muss sich die Vernunft künftig, laut dem Systemprogramm, in einer Metaphysik als Moral in einem vollständigen System aller Ideen und praktischen Postulate wiederfinden. Hegels Metaphysik ist durchweg rationalistisch, da die Verwirklichung einer Idee nur durch die Idee selbst geschehen kann. Unter Wirklichkeit versteht er das Leben und das Lebendige (vgl. Schnädelbach, 2007, S.42). Die Überführung der Ideen der Metaphysik in die moralphilosophische Freiheitslehre hat, laut Pöggeler, auch einen Ursprung in der Fichteschen Philosophie (vgl. Hansen, 1989, S.164). Dies macht deutlich, dass sich im gesamten Text zwar der Philosophie und zum Teil Wortwahl anderer Philosophen bedient wird, aber oft auch über deren Ideen hinaus gegangen wird.

Das Thema Freiheit passt natürlich auch absolut zu der Zeit der französischen Revolution. Dies lässt sich auch in dem Abschnitt erkennen, der mit den Worten beginnt: „Von der Natur komme ich aufs Menschenwerk.“ Das Thema um das es sich hier handelt ist: Der Staat, der hier als „mechanisch“ und als „Menschenwerk“ bezeichnet wird. Der Verfasser folgt auch hier wieder Ansätzen der kantischen Philosophie über diese zum Ende hin doch wieder hinausgegangen wird (vgl. zum folgenden Bordat, 2006). Der Begriff „Menschenwerk“ soll hier als Abgrenzung zu einer göttlichen Schöpfung gesehen werden. Die Natur hingegen stellt dafür die Gottesschöpfung dar. Die Verfasser wollen hier betonen, dass der Staat ein von den Menschen selbstgemachtes Werk ist, ein elendes Menschenwerk. Aufgrund der Erfahrungen aus einem absolutistischen Deutschland heraus, der den Menschen eigentlich mechanisiert und versklavt, wie Bordat es nennt, mag also die Bezeichnung des elenden Menschenwerks durchaus zutreffend sein. Laut Kant ist dies aber nötig, um das menschliche Elend zu überwinden, daher schlussfolgert er, dass es wichtig ist, dass die Menschen sich in einem Staat zusammen finden Er beabsichtigt mit seiner Kritik hingegen eine Verbesserung des Staates, nämlich zu einer Republik. Das Systemprogramm fordert hingegen viel radikaler, dass der Staat in seiner Rechtsform durch einen ästhetischen Staat ersetzt werden muss, welches dann der ursprünglichen Natur des Menschen näher wäre.

Dies ist auch eine passende Überleitung zum nächsten Absatz, der nun auf die Idee der Schönheit zurückgreift und stark die Vereinigungsphilosophie Hölderlins beinhaltet. Diesen Teil wollen wir gesondert und intensiv im 6. Kapitel darlegen. Nur so viel hier an dieser Stelle: In diesem Abschnitt geht es um die Grundfrage, die Hegel in dieser Zeit besonders beschäftigt und zwar: Wie kann man die Freiheit der praktischen Vernunft auf ein ganzes Volk ausdehnen (vgl. Finelli, 2000, S.126)?

Im letzten Abschnitt des Systemprogramms findet sich das Vereinigungsanliegen aus dem Abschnitt davor (siehe Kapitel 6) wieder und zwar im Zusammenhang von Religion und Mythologie (vgl. zum folgenden Hansen, 1989, S.465). Zunächst soll eine Einheit zwischen dem großen Haufen, also den Unaufgeklärten und den Philosophen, also den Aufgeklärten entstehen. Der große Haufen als auch die Philosophen bedürfen dazu einer sinnlichen Religion, die sie dazu befähigt das Programm zu erweitern und zu vollenden. Die sinnliche Religion definiert der Verfasser des Systemprogramms dann als: „Monotheismus der Vernunft und des Herzens, Polytheismus der Einbildungskraft und der Kunst; […]“. Wenn wir hier einmal einer Hegelschen Interpretation folgen wollen, so erkennt man, dass für Hegel die Religion das Zentrum der Vereinigung ist, sowohl für Aufgeklärte, als auch für Unaufgeklärte. Auch hier wiederum stellt man fest, dass dieses Konzept sich an vorherigen Ausführungen von Kant orientiert hat (vgl. Hansen, 1989, S.469).

Zusammenfassend kann man sagen, dass „Das Systemprogramm des deutschen Idealismus“ beginnt mit der Idee eines schöpferischen Ichs als ein freies und selbstbewusstes Wesen, als eine Einheit. Weitere Teile des Systems sind dann die Natur (die lebendige Natur ist gleich die Freiheit), menschliche Einstellungen die Freiheit als Vereinigung möglich machen (Moralität, Gesinnung und Liebe) und die Institutionen Staat und Religion (vgl. Fulda, 2003, S.56). Dieses ideale Ich ist also der schöpferische Geist, der der Natur entgegentritt und verlangt, dass der Staat verschwindet. Dies wird deutlich in dem Satz: „Denn jeder Staat muß freie Menschen als mechanisches Räderwerk behandeln; und das soll er nicht; also soll er aufhören.“ Nach der Darlegung von Mensch und Gott und der Erläuterung der Begriffe Freiheit, Unsterblichkeit und Geist geht es vor allem im Absatz über die Idee der Schönheit darum, dass die Poesie bei dem Ganzen eine große Rolle spielt. Denn schließlich sollen all diese Ideen in einer Mythologie der Vernunft ästhetisch zusammen fließen. Nur dann kann allgemeine Freiheit und Gleichheit der Geister herrschen. Dies ist letztendlich aber nur durch einen höheren Geist, also Gott und die Religion, zu bewerkstelligen. Schließlich sollte das Systemprogramm also dazu dienen eine neue Religion zu stiften, ganz im Sinne von Humanismus und Aufklärung. (vgl. Rumler, 2003, S.45).

2.3 Die Verfasserfrage

Die Verfasserfrage ist wohl bis heute immer noch die umstrittenste Frage bei den Erforschungen des Textes Systemprogramm.

Trotz langwieriger Studien vieler Beteiligter entstanden immer wieder neue Ergebnisse und Tendenzen zur Verfasserschaft. Wie Hansen es ganz passend zusammenfasste, dass in Sachen Systemprogramm alles möglich ist und nichts entschieden zu sein scheint (vgl. Hansen, 1989, S.2). Hegelanhänger setzen sich für einen hegelschen Verfasser ein und wollen seine Entwicklung in dem Text eindeutig belegen können und wiederum andere Anhänger von Schelling oder Hölderlin treten für diese ein und haben ebenso tatkräftige Argumente wie alle anderen. Auch durch die Erforschung von Briefwechseln zwischen all diesen möglichen Autoren und Schiller kann keine eindeutige Entscheidung über den Verfasser getroffen werden, da ja auch viele Grundgedanken anderer Philosophen in den Text mit eingeflossen sind.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus im Vergleich mit Hölderlins Hyperion
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Veranstaltung
Philosophie und Literatur im sozialen Raum
Note
bestanden
Autoren
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V138665
ISBN (eBook)
9783640908103
ISBN (Buch)
9783640908349
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bemerkung des Dozenten: "Sehr anspruchsvoll und sehr gelungen"
Schlagworte
systemprogramm, idealismus, vergleich, hölderlins, hyperion
Arbeit zitieren
Claudia Heller (Autor)Nadine Dahmen (Autor), 2009, Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus im Vergleich mit Hölderlins Hyperion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138665

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