Konzeption und Realisierung einer Analyseumgebung für das Forderungsmanagement


Vordiplomarbeit, 2003

69 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

VORWORT

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 EINFÜHRUNG
1.1 ÜBERBLICK
1.2 ORGANISATION

2 GRUNDLAGEN
2.1 FORDERUNGSMANAGEMENT
2.1.1 Definition der Aufgaben
2.1.2 Das PRIME-Projekt
2.2 ANALYSEUMGEBUNG
2.2.1 Begriffsdifferenzierung
2.2.2 Voraussetzungen
2.2.3 Grobanforderungen
2.2.4 Auswahl der Implementierungs-Umgebung
2.2.5 Systemarchitekturen für Datenbanken
2.2.6 Detailanalyse

3 KONZEPTION & R EALISIERUNG
3.1 BACKEND-DATENBANK
3.1.1 Tabellenstrukturen
3.1.2 Importassistent
3.1.3 Sicherheitsmodul
3.2 FRONTEND-DATENBANK
3.2.1 Tabellen
3.2.2 Formulare
3.2.3 Dynamisch generierte Abfragen
3.2.4 Berichte

4 FAZIT

ANHANG

QUELLENVERZEICHNIS

ERKLÄRUNG

Vorwort

Für die Unterstützung bei dieser Arbeit und die freundliche Aufnahme im Team möchte ich mich bei allen Kolleginnen und Kollegen der Abteilung Controlling bedanken.

Mein besonderer Dank gilt Frau Katja Hoffmann und Herrn Oliver Fremy für die Betreuung des Projektes, für die konstruktive Kritik und ihren unerschöpflichen Ideenvorrat.

Abbildungsverzeichnis

ABBILDUNG 1: ZAHLUNGSMORAL IN EUROPA

ABBILDUNG 2: ARCHITEKTUR EINER EINSTUFIGEN DATENBANK

ABBILDUNG 3: ARCHITEKTUR EINER ZWEISTUFIGEN DATENBANK

ABBILDUNG 4: ARCHITEKTUR EINER DREISTUFIGEN DATENBANK

ABBILDUNG 5: BEZIEHUNGEN IN DER BACKEND-DATENBANK

ABBILDUNG 6: SCHEMATISCHER ABLAUF BEIM ÖFFNEN DER BACKEND-DATENBANK

ABBILDUNG 7: AUSSENSTAND IN FRONTEND-DB UND BACKEND-DB

ABBILDUNG 8: ENTWÜRFE EINES LOGOS FÜR REANTO

ABBILDUNG 9: BERICHT: CAPITAL TURNOVER COMPARISON

Tabellenverzeichnis

TABELLE 1: GEGENÜBERSTELLUNG DER SYSTEME UND KRITERIEN

TABELLE 2: ABFOLGE DER PERIODEN UND VORGÄNGE

TABELLE 3: BERICHTE IN DER FRONEND-DATENBANK

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

1.1 Überblick

Die Zahlungsmoral von Kunden hat weltweit in den letzten Jahren abgenommen. Dies trifft sowohl für Privathaushalte zu, als auch für Unternehmen, bei denen diese Entwicklung deutlicher zu erkennen ist. Eine Ursache mag in der derzeitigen Konjunkturschwäche liegen, andere Ursachen könnten Geldmangel oder auch einfach Zahlungsunwilligkeit sein.

Abbildung 1: Zahlungsmoral in Europa

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: KSV / IS-Inkasso-Grafik in: Inkasso Aktuell (9/2002), S.2

Obwohl Deutschland im europäischen Vergleich noch „relativ gut“ abschneidet (s. Abbildung 1), stellt eine Zahlungsdauer von 43 Tagen, bei einer 25-tägigen Frist, die der obigen Grafik als Zahlungsziel zugrunde gelegt ist, eine eindeutige Terminüberschreitung dar. Die daraus entstehenden Verluste1 und Probleme finden sich in vielfältiger Weise bei der Bayer AG wieder, die hier exemplarisch für einen Weltkonzern betrachtet werden soll.

Insofern sollen im Laufe dieser Arbeit die theoretischen Grundlagen für das Forderungsmanagement erläutert, sowie eine Analyseumgebung konzipiert und realisiert werden, mit deren Hilfe Entscheidungsgrundlagen bereitgestellt werden, um die ausstehenden Forderungen zu senken. Dabei wird auf das Bayer-interne PRIME-Projekt eingegangen2, dessen Vorgabe lautet, das Working Capital, zu dem auch die Forderungen beitragen, im Laufe des Jahres 2003 im Bayer-Konzern um eine Milliarde Euro zu senken.

1.2 Organisation

Die Organisation der Abteilung, in der das Projekt durchgeführt wird, soll hier nur kurz angesprochen werden, damit ein Einblick in das Projektumfeld möglich wird. Die über 120.000 Mitarbeiter des Bayer-Konzerns auch nur ansatzweise einzuordnen, würde jedoch jeglichen Rahmen sprengen.

Die Bayer AG ist eine Holding, die als Dach über 4 Teilkonzernen steht. Bayer Health Care (BHC) ist einer dieser Teilkonzerne und ist für Entwicklung, Produktion und Vermarktung aller Produkte zuständig, die mit dem Thema „Gesundheit“ in Beziehung stehen. Die Teilkonzerne einer Holding sind zwar rechtlich selbständig, jedoch stehen sie wirtschaftlich unter der Führung des Holding-Vorstandes.

Der Geschäftsbereich Animal Health (AH) ist speziell für alle Produkte der Tiergesundheit verantwortlich. Er ist zur Zeit einer der profitabelsten Bereiche des gesamten Konzerns und durch über 50 Bayer-Tochtergesellschaften in allen bedeutenden Ländern der Welt vertreten. Die Verwaltung, Steuerung und Koordination erfolgt durch das Ressort Business Planning & Administration (BPA), dessen Abteilung Controlling (C) die konkrete Planung und Steuerung durchführt. Aus dieser Struktur ergibt sich auch die hierarchische Abteilungsbezeichnung BHC-AH-BPA-C.

2 Grundlagen

2.1 Forderungsmanagement

2.1.1 Definition der Aufgaben

„Gewinne zu erwirtschaften ist das grundlegende Ziel aller erwerbswirtschaftlichen Betriebe.“3 Neben diesem monetären Ziel stehen bei Unternehmen drei bekannte ökonomische Ziele: Rentabilität, Liquidität und Wachstum.4 Warum aber sind diese Ziele wichtig und warum reicht es nicht, nur den Gewinn zu betrachten?

Ein Gewinn von 10.000 Euro wäre für einen Einzelunternehmer vielleicht annehmbar, für einen Weltkonzern aber völlig inakzeptabel. Es hängt also von der Verhältnismäßigkeit ab, ob der Gewinn ausreichend ist oder nicht, so dass er nicht alleine als sinnvolle Kennzahl verwendet werden kann. Daher wurde die Rentabilität definiert, die „das in einem Prozentsatz ausgedrückte Verhältnis des Erfolges zum eingesetzten Kapital oder zum Umsatz“5 angibt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es wird immer eine Rentabilität angestrebt, die über dem üblichen Marktzins liegt, da Kapitalgeber sonst nicht in das Unternehmen investieren würden.

Die Liquidität „bezeichnet die Fähigkeit eines Unternehmens, seinen Zahlungsverpflichtungen termingerecht und betragsgenau nachzukommen“6. Sobald ein Unternehmen dazu nicht mehr fähig ist, so muss es Insolvenz anmelden und hat sein Ziel verfehlt.

Zusammen mit der Rentabilität dient das Wachstum als Basis für die Wertsteigerung eines Unternehmens, was natürlich angestrebt wird.

Da die Rentabilität ein Quotient ist, kann sie erhöht werden, indem der Divisor, also das eingesetzte Kapital7 (engl. Working Capital), verringert wird. Das Working Capital besteht aus mehreren Komponenten, die wichtigsten darunter sind Forderungen und Vorräte, abzüglich Verbindlichkeiten.8 Unter „Forderungen“ wird der Anspruch eines Unternehmens auf von Dritten zu erbringende Geldleistungen verstanden.9 Sinkende Forderungen führen über das Working Capital als Zwischenstufe zu einer steigenden Rentabilität, und dies soll letztendlich mit der zu entwickelnden Analyseumgebung gefördert werden.

Insofern versteht man unter Forderungsmanagement „alle Aktivitäten, die sich mit der Verursachung, der Bearbeitung, der Steuerung und Optimierung sowie dem Controlling von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen im Konzern befassen.“10

2.1.2 Das PRIME-Projekt

„PRIME ergibt sich aus den Initialen der Wörter Payables (Verbindlichkeiten), Receivables (Forderungen), Inventories (Vorräte) und Management Excellence, was sich mit Spitzenleistungen im Management umschreiben lässt.“11 Im Rahmen dieses Projekts soll konzernweit bei Bayer das Working Capital gesenkt werden, um den Unternehmenswert zu steigern. Die enorme Summe von über 9 Milliarden Euro ist derzeit in Form von nicht gewinnbringendem, gebundenem Kapital vorhanden, das sonst für weitere Investitionen zur Verfügung stehen könnte. Daher lautet die Vorgabe für dieses Jahr, ebenso wie im letzten Jahr, eine Reduzierung des Working Capitals um eine Milliarde Euro zu erreichen.

Um die Zielerreichung zu unterstützen, beschäftigt sich eine der Projektgruppen u.a. mit der Entwicklung von Metriken und Kennzahlen, während weitere Projektgruppen mit der Entwicklung von Systemen und Tools beauftragt sind, um damit eine Auswertung der bisherigen Ergebnisse zu ermöglichen und die zukünftige Entwicklung steuern zu können.

Für die Auswertung der Forderungsdaten wurde das System FORMAT erstellt, auf dessen Einsatz und Funktionalität in den nachfolgenden Kapiteln noch detaillierter eingegangen wird.

Es ist jedoch zu sagen, dass das vorliegende Projekt zwar der Zielerreichung von PRI- ME behilflich ist, aber ansonsten keine direkte Verbindung der Projekte besteht.

2.2 Analyseumgebung

2.2.1 Begriffsdifferenzierung

Bevor nun die Grundlagen für die Analyseumgebung erarbeitet werden, ist es notwendig, einige diesbezügliche Begriffe zu differenzieren, um Mehrdeutigkeiten zu vermeiden.

Da ist zum Einen der Begriff „ System “, der laut Brockhaus einen „ganzheitlichen Zusammenhang von Dingen, Vorgängen, Teilen“12 beschreibt. Im Kontext eines Informationssystems sollen darunter zusammengehörende Applikationen/Programme sowie die unmittelbar benötigte Hardware verstanden werden. Als Beispiel für ein System sei hier SAP13 genannt. Das Hauptaugenmerk liegt darin, dass SAP aus unzähligen Programmen und Modulen besteht, die auf Clients und eigenen Servern laufen, um Daten zu speichern, zu verarbeiten und auszugeben. Alle diese Teile ergeben in ihrer Gesamtheit das SAP-System.

Von einem System zu unterscheiden ist eine „ Implementierungs-Umgebung “. Dieser etwas schwerfällige Begriff bezieht sich auf eine Programmiersprache in Kombination mit einer Anwendung, in der das Programm erstellt wird. Ein Programm der Programmiersprache C++ kann beispielsweise in einem Texteditor wie Notepad implementiert und danach zu einem lauffähigen Programm kompiliert werden. Alternativ kann das Programm aber auch in einer anderen Umgebung wie z.B. Microsoft Visual Studio’s IDE14 implementiert und kompiliert werden.

Einige Systeme besitzen eingebaute Implementierungs-Umgebungen, z.B. den ABAP- Editor15 bei SAP oder den VBA-Editor16 bei Microsoft Access, daher sind die Begriffe leicht zu verwechseln.

Der am schwierigsten zu definierende Begriff ist der für die zu erstellende Analyseumgebung selbst. Es handelt sich nicht um eine Umgebung im Sinne einer IDE, aber auch nicht um ein ausführbares Programm. Andererseits soll eine grafische Umgebung bereitgestellt werden, in der der Benutzer mit gewissen Freiheiten agieren kann. Passender mag die Bezeichnung „Werkzeug“ erscheinen, allerdings würde dies nicht das hohe technische und logische Niveau wiederspiegeln, welches erreicht werden soll.

Etwas vornehmer klingt die englische Bezeichnung „Tool“, die schließlich in dem Projektnamen „ Re ceivables An alysis To ol“ verwendet wird, aber nichts anderes bedeutet als „Forderungs-Analyse-Werkzeug“. Als Kurzform wurde ReAnTo gewählt, weil es einprägsamer und im allgemeinen Tagesgeschäft einfacher zu verwenden ist als die Langform. Im Folgenden wird daher weitgehend der Name ReAnTo verwendet, um die Bezeichnung „die zu entwickelnde Analyseumgebung“ zu vermeiden.

2.2.2 Voraussetzungen

Der status quo ist, dass monatlich Daten aus dem System FORMAT (For derungs m anagement und – a nalyse T ool) in Form einer Microsoft Excel-Tabelle exportiert werden. Diese Daten werden zu den Daten der Vormonate in eine gemeinsame Tabelle kopiert und manuell angepasst, so dass ihr Layout den vorhandenen Daten entspricht, und sämtliche Berechnungen und Diagramme die neuen Daten mit einbeziehen. FORMAT ist eine Bayer-eigene Citrix-Anwendung, die weltweit von über 100 Bayer- Tochtergesellschaften eingesetzt wird, und tagesaktuell die Forderungszahlen darstellen kann.

2.2.3 Grobanforderungen

Unter Berücksichtigung der Voraussetzungen wurden die nachfolgend genannten Grobanforderungen an ReAnTo und das zugrunde liegende System erarbeitet,17 wobei die Anforderungen sich in zwei Kategorien gliedern lassen, die weitgehend unabhängig voneinander sind und sich mit je einem Schlagwort kennzeichnen lassen.

a) Anforderungen an das System als solches

- Datenbank: ReAnTo soll auf einer Datenbank basieren, um – im Gegensatz zur bisherigen Excel-Lösung – flexibel neue Ansichten und Auswertungen der Daten zu erlauben.
- Kosten: außer den Arbeitskosten des Autors sollten keine weiteren Kosten anfallen, z.B. durch Softwarelizenzen oder benötigte Handbücher
- Mehrbenutzerfähigkeit: das System muss in der Lage sein, mehreren Benutzern gleichzeitig Zugriff zu ermöglichen
- Netzwerkfähigkeit: das System muss netzwerkfähig sein, so dass die Daten an einer zentralen Stelle zur Verfügung gestellt werden können

b) Anforderungen an die grundlegende Funktionsweise von ReAnTo

- Arbeitsersparnis: Forderungsdaten sollen nicht doppelt in verschiedene Systeme eingegeben werden müssen, daher sollen sie aus FORMAT übernommen werden.
- Automation: Die Übernahme soll komplett automatisch ablaufen. Falls dies nicht möglich ist, soll eine Übernahme für den Anwender möglichst einfach durchführbar sein.
- „Managementsicher“: Alle Auswertungen sollen nach Möglichkeit per Knopfdruck erreichbar sein, ohne komplizierte Eingaben oder viele Handlungsschritte
- Sicherheit: Auswertungen sollen von einem relativ großen Nutzerkreis durchgeführt werden können, Datenmanipulationen (Änderungen oder Import neuer Daten) aber nur von bestimmten, einzelnen Personen. Um den Aufwand für die Sicherung gegen unbefugte Änderungen in Grenzen zu halten, wird von einem Computerbenutzer mit durchschnittlichen Kenntnissen ausgegangen.
- Transparenz: um die Wartbarkeit des Systems zu gewährleisten, soll die Implementierung so „einfach“ gestaltet werden, dass auch ein Mitarbeiter mit geringen Programmierkenntnissen sich in angemessener Zeit einarbeiten kann.

Die Punkte unter a) bedingen grundsätzlich die in Frage kommenden Systeme (Was für ein System?), während die Punkte unter b) hauptsächlich die Realisierung der Analyseumgebung betreffen, da sie fast in jedem System umgesetzt werden können (Wie soll das System funktionieren?). Die konkreten Funktionen der Analyseumgebung werden später erarbeitet (s. Kapitel 2.2.6).

Der Punkt „Sicherheit“ könnte auch unter a) gesetzt werden, weil manche Systeme native Sicherheitsfunktionen bieten. Da die tatsächliche Sicherheit aber von der konkreten Implementierung abhängt, wurde er b) zugeordnet.

2.2.4 Auswahl der Implementierungs-Umgebung

Ausgehend von den genannten Anforderungen sollen verschiedene Systeme bzw. Implementierungs-Umgebungen auf ihre Eignung hin untersucht werden, die genannte Aufgabe zu lösen.

Gemäß der ersten Anforderung soll das System auf einer Datenbank basieren. „Im allgemeinen Verständnis sind Datenbanken Dateien, die Informationen in einer festen Struktur abspeichern und diese dann wieder zur Verfügung stellen."18 Es ist folglich möglich, eine Datenbank mit einer Programmiersprache wie z.B. C++ oder Visual Basic zu erstellen und als (Text-) Datei zu verwalten.19 Dies wäre jedoch so, als wolle man das Rad neu erfinden, und stellt einen unverhältnismäßig hohen Aufwand dar, besonders was die Pflege der Datenstrukturen betrifft.20 Für diesen Zweck wurden bereits sehr umfangreiche und leistungsstarke Datenbankmanagementsysteme (DBMS) erstellt. Sie verwalten Datenbanken und stellen dem Benutzer eine einheitliche Benutzeroberfläche zur Verfügung.21

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eines dieser leistungsstarken Systeme ist Lotus Notes. Es wird in der Version 5.0 im gesamten Bayer-Konzern eingesetzt. Dies ist von Vorteil, weil die Benutzung allen Mitarbeitern vertraut ist, und daher eine Eingewöhnungsphase entfallen könnte. Notes ist ein vielseitiges System, das auf unterschiedlichen Hardund Softwareplattformen laufen kann und unterschiedlichste Funktionen unterstützt wie Mailing, Scheduling, Workflow- Management, Dokumenten-Management etc. Dafür basiert es auf einer dokumentenorientierten Datenbank, d.h. „anstatt die Daten in einer festen Struktur einzugeben, werden sie in Notes in Dokumenten abgelegt. [...] Im Gegensatz zu den strukturierten Datenbanken werden die Informationen jedoch nur teilweise oder gar nicht strukturiert.“22 Dies ist für diesen Anwendungsfall ein Nachteil von Notes, da die Exportdaten aus FORMAT strukturiert vorliegen, und in anderer Form kaum ausgewertet werden könnten. Als Implementierungs-Umgebung könnte hier der Domino Designer verwendet werden, der – abgesehen von der Gestaltung der grafischen Oberfläche – eine Programmierung mit Simple Actions, Lotus Formula und LotusScript unterstützt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein weiteres betrachtetes Datenbanksystem ist Oracle. In Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten der aktuellen Version 8 handelt es sich um ein ORDBMS (Objekt-relationales DBMS)23, welches die Vorteile einer relationalen Datenbank (z.B. Flexibilität, Sicherheit) mit denen einer objektorientierten Programmierung (z.B. Funktionen, Vererbung) verbindet.24 Die enorme Leistungsfähigkeit hat natürlich ihren Preis, so fallen erhebliche Lizenzgebühren der Oracle-Applikationen an, sowie Kosten für die Bereitstellung eines Datenbankservers. Die grob geschätzten Kosten von 3.000 Euro pro Benutzer25 stehen im Widerspruch zu der Anforderung, dass keine (zusätzlichen) Kosten für die Analyseumgebung entstehen sollen.

IBMs Informix Universal Server ist ein Oracle sehr ähnliches ORDBMS, was sowohl die Leistungen, als auch die Kosten betrifft.26 Daher wird er hier nicht detaillierter betrachtet, sondern nimmt bei Vergleichen die selbe Position wie Oracle ein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Kosten sind augenscheinlich bei den meisten professionellen Systemen sehr hoch, daher wird im folgenden Microsoft Access als kostengünstigere Variante diskutiert und mit den Anforderungen verglichen. „Programme wie Access, die umgangssprachlich als Datenbank [...] bezeichnet werden, sind eigentlich DBMS, also Datenbankmanagementsysteme“.27 Genau genommen kann Access als RDBMS (relationales DBMS) bezeichnet werden, da die Daten in Tabellen, bestehend aus Spalten und Zeilen, gespeichert werden, welche über Relationen (Links) miteinander verknüpft sind.28 Vom Kostenpunkt ausgehend ist Access zwar nicht kostenlos, im Rahmen von Microsoft Office 97 ist jedoch an allen Arbeitsplätzen konzernweit Microsoft Access 97 vorhanden, so dass faktisch keine weiteren Kosten dadurch entstehen würden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Access erlaubt es, Datenbanken auf einem Netzlaufwerk zu speichern, so dass mehrere Benutzer gleichzeitig damit arbeiten können.29 Dabei ist es auch möglich, den Datenbestand von der grafischen Oberfläche zu trennen (vgl. Kapitel 2.2.5). Die grafische Oberfläche wird über einen Editor erstellt, die Programmierung geschieht über Eigenschaften der grafischen Steuerelemente und Programmcode in der unterstützten Programmiersprache VBA (Visual Basic for Applications).

Abschließend werden die vier betrachteten Datenbanksysteme nochmals den genannten Anforderungen (in Kapitel 2.2.2 Abschnitt a) ) tabellarisch gegenübergestellt, bevor die Entscheidung für eines der Systeme getroffen wird.

Tabelle 1: Gegenüberstellung der Systeme und Kriterien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Zusammenstellung

Aus der Tabelle 1 geht hervor, dass lediglich Microsoft Access alle genannten Kriterien erfüllt, während Oracle und Informix an den zu hohen Kosten scheitern, und Lotus Notes an der nicht-strukturierten Datenbank. Daher wurde entschieden, die Analyseumgebung mit Hilfe von Access zu realisieren.

2.2.5 Systemarchitekturen für Datenbanken

Wie schon erwähnt, ist es bei Access-Datenbanken in Netzwerken möglich, die Datenbasis von der grafischen Oberfläche zu trennen. Im Folgenden sollen Vorund Nachteile einer einzigen Datenbank im Vergleich zu einer geteilten Datenbank dargestellt werden, um eine Entscheidung für die letztendliche Realisierung treffen zu können.

In der Literatur sind häufig Gegenüberstellungen von verschiedenen N-Tier- Architekturen anzutreffen30, wobei man unter dem englischen Begriff „tier“ eine Schicht oder Stufe versteht.31 Üblicherweise werden mehrere Tier bei Web- Applikationen eingesetzt, um eine hohe Performance und Hardware-Unabhängigkeit zu gewährleisten. Dies geschieht beispielsweise bei einer 3-Tier-Architektur dadurch, dass zwischen einer Präsentationsschicht, einer Anwendungsschicht und einer Datenzugriffsschicht unterschieden wird, die jeweils auf eigenen Systemen laufen können.32 Da die zu entwickelnde Analyseumgebung jedoch vorerst nicht für die Web-Anbindung vorgesehen ist und Access von sich aus sowohl eine Präsentationsschicht enthält (Formulare) als auch eine Datenschicht (Tabellen), sind die allgemeinen Modelle nur bedingt anwendbar. Daher werden sich die folgenden Betrachtungen an den Möglichkeiten von Access orientieren.

- Stand-alone Datenbanken

Der selbstgewählte Begriff „Stand-alone Datenbank“ ist synonym zu der 1-Tier bzw. Single Tier Architektur zu verwenden. Er zielt darauf ab, dass eine Access-Datenbank als komplettes, eigenständiges (» stand-alone) „Programm“ verwendet werden kann, da sie außer den Daten auch die grafische Oberfläche und die Anwendungslogik enthalten kann. Dies unterscheidet eine Access-Datenbank von dem allgemeinen Verständnis einer Datenbank, die nur die Daten (in Form von Tabellen) enthält.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Architektur einer einstufigen Datenbank

Quelle: Eigener Entwurf

Da alle Benutzer die Daten gemeinsam nutzen und dieselben Formulare, Berichte, Abfragen, Makros und Module verwenden, ist es das Verfahren, das am leichtesten zu implementieren ist.33 Der Nachteil ist allerdings, dass alle Benutzer die Daten gemeinsam nutzen können, was aber für die vorliegende Problemstellung nicht gewünscht ist. Unter Access ist es relativ aufwendig, verschiedenen Benutzern unterschiedliche Zugriffsmöglichkeiten in einer Datenbank zuzuweisen, auch wenn dies theoretisch möglich ist. Damit Access von sich aus die Zugriffsrechte verwalten kann, müssten sich alle Benutzer bei jedem Zugriff mit Benutzernamen und Passwort anmelden. Dies ist aus Benutzersicht aber umständlich und würde auch einen gewissen Verwaltungsaufwand für verlorene Passwörter etc. bedeuten.

[...]


1 Vgl. Forderungsverluste mittelständischer Unternehmen in Anhang 3

2 siehe Kapitel 2.1.2

3 Keim, Helmut; Steffens, Heiko (2000), S. 185

4 Vgl. Bernecker, Michael (1999), S.18

5 KP Controlling (1999), S. 44

6 KP Controlling (1999), S. 41

7 Das eingesetzte Kapital kann auch als Umlaufvermögen bezeichnet werden.

8 Vgl. Springer, Heiner (2002), S. 16

9 Vgl. KP Controlling (1999), S. 37

10 Receivables Community Board (2003), S. 4

11 Springer, Heiner (2002), S. 16

12 F. A. Brockhaus (2000), S. 890

13 SAP ist eine betriebswirtschaftliche Standardsoftware

14 IDE (Integrated Development Environment) = Integrierte Entwicklungsumgebung

15 ABAP = Advanced Business Application Programming

16 VBA = Visual Basic for Applications

17 Vgl. Hoffmann, Katja (2003) in Anhang 1

18 Knäpper, Matthias (1999), S. 9

19 Eine in Visual Basic im Random-Modus mit fester Blockgröße geöffnete Datei ist mit einer Datenbanktabelle vergleichbar, was den Zugriff auf die Datensätze betrifft.

20 Z.B. das Einfügen einer neuen Datenspalte würde erfordern, dass alle Leseund Schreibroutinen neu

programmiert werden müssten.

21 Vgl. Spona, Helma (1997), S. 48

22 Knäpper, Matthias (1999), S. 9f.

23 Vgl. Koch, George; Loney, Kevin (1998), S. 5

24 Vgl. Chaudhry, Renu (1997), S. 3 in Anhang 5

25 Vgl. Sahlmann, Oliver (2003) in Anhang 2

26 Vgl. Brown, Murray (2002), S.10 und Stonebreaker, Michael (1997). siehe auch http://www-3.ibm.com/software/data/informix/

27 Spona, Helma (1997), S. 48

28 Vgl. Brown, Murray (2002), S. 3

29 Vgl. Microsoft Access-Hilfe (1997) in Anhang 7

30 Siehe Chartier, Robert (2003) und N-Tier Inc. (2000)

31 Vgl. http://dict.leo.org, Suchbegriff „tier“ (sprich: tiər)

32 Vgl. Devigus, Arturo (2000)

33 Vgl. Microsoft Access 97 Hilfe in Anhang 7

Ende der Leseprobe aus 69 Seiten

Details

Titel
Konzeption und Realisierung einer Analyseumgebung für das Forderungsmanagement
Hochschule
Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach  (Studiengang Wirtschaftsinformatik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
69
Katalognummer
V13869
ISBN (eBook)
9783638194044
ISBN (Buch)
9783656543381
Dateigröße
2048 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Vordiplomarbeit (auch Projektarbeit genannt) wurde nach dem 3. Semester WI-Studium erstellt.
Schlagworte
Konzeption, Realisierung, Analyseumgebung, Forderungsmanagement
Arbeit zitieren
Fabian Aiteanu (Autor), 2003, Konzeption und Realisierung einer Analyseumgebung für das Forderungsmanagement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13869

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