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Transitional Justice in Spanien. TJ-Politik in der spanischen Zivilgesellschaft

Titel: Transitional Justice in Spanien. TJ-Politik in der spanischen Zivilgesellschaft

Masterarbeit , 2022 , 83 Seiten

Autor:in: Marie Brockmann (Autor:in)

Politik - Region: Südosteuropa
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Erinnerung, Vergangenheitsaufarbeitung, Transitional Justice (TJ). Diese Konzepte spielen eine wichtige Rolle für viele Länder, die jahrelang unter Diktaturen gelebt haben und nach der Transition erfolgreich ein demokratisches System etablieren konnten. Die vorliegende Arbeit soll beurteilen, wie im Fallbeispiel Spanien vom Parlament und der spanischen Zivilgesellschaft TJ-Politik betrieben wird.

Es scheint seit ein paar Jahren eine verstärkte Auseinandersetzung mit dem Thema des Erinnerns zu geben – sowohl in der Gesellschaft als auch in der Politik. Zivilgesellschaftliche Initiativen haben ihren Kampf für Erinnerung, Wahrheit, Wiedergutmachung und Gerechtigkeit schon Anfang der 2000er begonnen und mit ihren Forderungen erreicht, dass sich nun auch die spanische Regierung dazu verpflichtet sieht, Gesetze zu erlassen, in denen Maßnahmen zur Vergangenheitsaufarbeitung verankert sind. Hierbei wird die Theorie der Transitional Justice (TJ) relevant. Nach diesem Konzept lässt sich feststellen, dass TJ in vielen Ländern zur Konsolidierung und zur positiven Entwicklung der Demokratie beigetragen hat.

Die Fallanalyse stützt sich dabei auf die Theorie der TJ. Daher fokussiert das zweite Kapitel die Definition und die Maßnahmen und Instrumente von TJ. Außerdem soll es um die Bedeutung des Konzepts für eine Demokratie gehen. Dabei wird untersucht, ob TJ eine Demokratie ausschließlich positiv beeinflusst und welche Chancen die Anwendung von TJ-Maßnahmen mit sich bringt. Zuletzt soll es auch um die Rolle der Zivilgesellschaft gehen, da diese besonders für das Fallbeispiel Spanien von großer Bedeutung ist. Zivilgesellschaft ist eine wichtige Säule einer demokratischen Gesellschaft. Wie kann sie also zur TJ beitragen?

Auf dieses Kapitel folgt eine Einordnung der historischen Ereignisse, auf die sich die Arbeit beziehen wird. Diese Hintergründe sind v. a. deswegen wichtig, weil aus ihnen das lange Schweigen über die Vergangenheit resultierte.

Zunächst soll auch eine Erläuterung des Bürgerkriegs und der Diktatur erfolgen, wobei sich dies größtenteils auf die begangenen Menschenrechtsverbrechen und die Opfer der Diktatur konzentriert, also letztendlich auf die Aspekte, die eine Aufarbeitung erfordern. Danach wird die Transition untersucht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

1.1. FRAGESTELLUNG UND UNTERSUCHUNGSZIEL

1.2. FORSCHUNGSSTAND UND QUELLENGRUNDLAGE

2. THEORETISCHER RAHMEN - WAS IST TRANSITIONAL JUSTICE?

2.1. DEFINITION VON TJ

2.2. MABNAHMEN UND INSTRUMENTE VON TJ

2.3. DIE BEDEUTUNG VON TJ FÜR EINE DEMOKRATIE

2.4. DIE ROLLE DER ZIVILGESELLSCHAFT FÜR TJ

3. HISTORISCHER KONTEXT

3.1. DER BÜRGERKRIEG UND DIE FRANCO-DIKTATUR

3.2. DIE TRANSITION UND DAS AMNESTIE-GESETZ

3.3. TJ-MABNAHMEN DER REGIERUNG SEIT DER TRANSITION BIS ZUR EINFÜHRUNG DES LEY DE LA MEMORIA HISTÓRICA

4. DER BEITRAG DER LEGISLATIVE ZUR TJ MIT DEM LEY DE LA MEMORIA HISTÓRICA UND DEM LEY DE LA MEMORIA DEMOCRÁTICA

4.1. DAS LEY DE LA MEMORIA HISTÓRICA

4.1.1. ENTSTEHUNG DES GESETZES

4.1.2. TJ-MABNAHMEN, DIE DAS GESETZ VORSIEHT

4.1.3. KRITIK UND REAKTIONEN AUF DAS GESETZ UND DEN TJ-PROZESS

4.1.4. UMSETZUNG DER MABNAHMEN UND IHRE AUSWIRKUNGEN AUF DEN TJ-PROZESS

4.2. DAS PROJEKT DES LEY DE LA MEMORIA DEMOCRÁTICA

4.2.1. REPARATIONEN UND WIEDERGUTMACHUNG

4.2.2. WAHRHEIT

4.2.3. ERINNERUNG

4.2.4. GERECHTIGKEIT

4.2.5. KRITIK UND REAKTIONEN AUF DAS GESETZ

5. DIE ZIVILGESELLSCHAFT UND DER KAMPF UM DIE GESCHICHTLICHE AUFARBEITUNG

5.1. ENTSTEHUNG DER BEWEGUNG FÜR DAS HISTORISCHE GEDÄCHTNIS

5.2. ZIVILGESELLSCHAFTLICHE ORGANISATIONEN

5.2.1. DIE ASOCIACIÓN PARA LA RECUPERACIÓN DE LA MEMORIA HISTÓRICA

5.2.2. DAS FORO POR LA MEMORIA

5.3. AUSWIRKUNGEN AUF DEN TJ-PROZESS

6. FAZIT

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie im Fallbeispiel Spanien Transitional Justice (TJ) durch das Parlament und die Zivilgesellschaft implementiert wird, um das Erbe politischer Gewalt und Diktatur aufzuarbeiten. Dabei liegt der Fokus auf der Rolle der Zivilgesellschaft als treibende Kraft und der Analyse der legislativen Maßnahmen zur historischen Erinnerung.

  • Grundlagen des Transitional-Justice-Konzepts und dessen Relevanz für Konsolidierungsprozesse von Demokratien.
  • Aufarbeitung der historischen Hintergründe von Bürgerkrieg und Franco-Diktatur in Spanien.
  • Kritische Analyse der parlamentarischen Gesetzesinitiativen, insbesondere des "Ley de la Memoria Histórica" sowie des neueren "Ley de la Memoria Democrática".
  • Bedeutung von zivilgesellschaftlichem Engagement für die Initiierung und Umsetzung von TJ-Prozessen.
  • Bewertung der Spannungsfelder zwischen staatlicher Zurückhaltung und zivilgesellschaftlicher Forderung nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung.

Auszug aus dem Buch

Die Rolle der Zivilgesellschaft für TJ

Unrecht und Gewalt zu erleben, hinterlässt tiefe Einschnitte und Brüche im Leben von Menschen und Gesellschaften, die über die Vergangenheit und Gegenwart hinaus auf die Zukunft einwirken. Damit Frieden wiederhergestellt werden kann und es die Möglichkeit zur Versöhnung gibt, brauchen betroffene Gesellschaften ein systematisches, umfassendes Verständnis darüber, was im notwendigen Umgang mit der Last der Vergangenheit nötig und möglich ist. Die Zivilgesellschaft eines Landes eignet sich oft dafür, die Ziele der Übergangsjustiz zu bestimmen und zu priorisieren sowie die verschiedenen Mittel zu entwerfen, umzusetzen, zu überwachen und zu verbessern. Zwischen den Interessen des Staates und den Interessen der Zivilgesellschaft kann ein erheblicher Unterschied bestehen, welcher den Transitionsprozess zusätzlich belastet.

Um die Rolle der Zivilgesellschaft für Transitionsprozesse und die damit verbundene TJ zu verstehen, muss man den Terminus zunächst genauer bestimmen. Dafür bietet sich folgende Definition von Merkel und Puhle an: Allgemein begreifen wir Zivilgesellschaft zunächst als eine vor- bzw. nichtstaatliche Handlungssphäre, in der sich eine Fülle pluraler und miteinander konkurrierender wie kooperierender Initiativen, Vereinigungen und Interessengruppen bewegen, um ihre spezifischen normativen und/oder materiellen Interessen wirkungsvoll und selbstorganisiert zu vertreten. Die Zivilgesellschaft ist also im Zwischenraum von individueller Privatsphäre und dem Staat angesiedelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in das Problem der unzureichenden Aufarbeitung der Franco-Diktatur in Spanien und die Relevanz des Themas im Kontext demokratischer Konsolidierung.

2. THEORETISCHER RAHMEN - WAS IST TRANSITIONAL JUSTICE?: Definitorische Einordnung des Begriffs Transitional Justice (TJ) sowie Darstellung der zugehörigen Instrumente und der Bedeutung des Konzepts für Demokratien.

3. HISTORISCHER KONTEXT: Überblick über den Spanischen Bürgerkrieg, die Franco-Diktatur und die Rahmenbedingungen der Transition zur Demokratie sowie die Rolle des Amnestie-Gesetzes.

4. DER BEITRAG DER LEGISLATIVE ZUR TJ MIT DEM LEY DE LA MEMORIA HISTÓRICA UND DEM LEY DE LA MEMORIA DEMOCRÁTICA: Analyse der spanischen Gesetzesgrundlagen, ihrer Entstehung, der darin verankerten Maßnahmen sowie der Kritik daran.

5. DIE ZIVILGESELLSCHAFT UND DER KAMPF UM DIE GESCHICHTLICHE AUFARBEITUNG: Untersuchung des zivilgesellschaftlichen Engagements, der Rolle maßgeblicher Organisationen wie der ARMH und der FEFFM sowie deren direkter Einfluss auf den TJ-Prozess.

6. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der TJ-Bemühungen in Spanien und Ausblick auf die fortbestehende Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit traumatischen Erfahrungen der Vergangenheit.

Schlüsselwörter

Transitional Justice, Übergangsjustiz, Spanien, Franco-Diktatur, Spanischer Bürgerkrieg, Zivilgesellschaft, Ley de la Memoria Histórica, Ley de la Memoria Democrática, Erinnerungspolitik, Wahrheitsfindung, Wiedergutmachung, Aufarbeitung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Prozess der Transitional Justice ("Übergangsjustiz") in Spanien, wobei untersucht wird, wie das Land mit seinem repressiven Erbe aus der Zeit des Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur umgeht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind die Definition und Anwendung von Transitional-Justice-Maßnahmen, die Rolle der spanischen Legislative bei der Gesetzesgestaltung zur historischen Aufarbeitung sowie die aktive Mitgestaltung dieser Prozesse durch die Zivilgesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu beurteilen, wie das spanische Parlament und die Zivilgesellschaft mit dem Erbe von Unterdrückung umgehen und inwieweit die gesetzlichen Maßnahmen geeignet sind, um eine nachhaltige Aufarbeitung und Versöhnung zu fördern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine Fallanalyse zur spanischen Transitional-Justice-Politik, die auf einer qualitativen Auswertung von Primärquellen, Gesetzestexten sowie Fachliteratur von Politikwissenschaftlern und Historikern basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die geschichtliche Kontextualisierung, die Untersuchung zweier zentraler spanischer Gesetze (LMH und LMD) sowie die eingehende Analyse des Einflusses zivilgesellschaftlicher Organisationen auf den Aufarbeitungsprozess.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?

Die Kernbegriffe umfassen neben dem Konzept der Transitional Justice auch historische Erinnerung (Memoria Histórica), Wiedergutmachung (Reparación), Gerechtigkeit (Justicia), zivilgesellschaftliches Engagement sowie die spezifisch spanischen gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Welche Bedeutung kommt dem "Ley de la Memoria Histórica" (LMH) von 2007 zu?

Das LMH war der erste offizielle Versuch der Legislative, sich systematisch mit den Verbrechen der Franco-Ära auseinanderzusetzen, blieb jedoch laut Analyse punktuell hinter den Erwartungen von Opferorganisationen zurück.

Inwiefern unterscheidet sich das neue "Ley de la Memoria Democrática" (LMD) von 2022?

Das LMD erweitert das ältere Gesetz, indem es explizit die Verurteilung der Franco-Ära bekräftigt und bei der Suche nach Verschwundenen sowie der Anerkennung von Opfern umfassendere staatliche Verantwortlichkeiten festlegt.

Wie wird das Verhältnis zwischen Staat und Zivilgesellschaft in Spanien beschrieben?

Die Autorin verdeutlicht, dass die Zivilgesellschaft als "Motor" der Aufarbeitung fungiert, da sie den staatlichen Stellen oft voraus war und durch ihre Forderungen und Exhumierungskampagnen den (inter-)nationalen Druck zur legislativen Veränderung erst erzeugte.

Ende der Leseprobe aus 83 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Transitional Justice in Spanien. TJ-Politik in der spanischen Zivilgesellschaft
Hochschule
Universität Rostock
Autor
Marie Brockmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
83
Katalognummer
V1387737
ISBN (PDF)
9783346934352
ISBN (Buch)
9783346934369
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergangenheitsbewältigung Transitional Justice Spanien Franco-Regime Aufarbeitung erinnerung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Marie Brockmann (Autor:in), 2022, Transitional Justice in Spanien. TJ-Politik in der spanischen Zivilgesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1387737
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