1. Einleitung
Mit der Erkenntnis, dass Wissen einen bedeutenden Faktor darstellt, der das Potential hat, als einzigartige, unnachahmbare Ressource nachhaltige Wettbewerbsvorteile in Unternehmen zu begründen, kam dem Wissensmanagement in den letzten Jahren
besondere Beachtung zu.
Die Generierung neuen Wissens im Rahmen von Lernprozessen aber auch die Festigung bereits bestehenden Wissens ist aus diesem Grund gerade im Umfeld sich schnell veränderter Märkte von außerordentlicher Bedeutung.
Dabei hat das zunehmende Bewusstsein vieler Unternehmen, dass sich der meist bedeutendste Teil von Lernprozessen verstärkt innerhalb der informellen Netzwerke ereignet, den Fokus der Betrachtungen auf so genannte Communities of Practice gelenkt. Ihre Bedeutung für das Wissensmanagement liegt vor allem darin, dass es gerade diese Gemeinschaften sind, in welchen der Austausch impliziten Wissens aber auch ein bestimmter Grad an Lernen stattfindet und sie in der Lage sind Probleme zu
lösen und Innovationen auszulösen.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es daher, diese meist nur unzureichend bestimm – und messbaren Lernprozesse in CoP zu untersuchen, sowie die ihnen zugrunde liegenden Ziele und daraus resultierenden Ergebnisse zu analysieren.
2. Definitionen und begriffliche Abgrenzung
Zur Sicherung eines einheitlichen Verständnisses und Abgrenzung eines begrifflichen Rahmens müssen zunächst zentrale Begriffe definiert und inhaltlich abgegrenzt werden.
2.1. Lernen und Lernprozesse
Unter Lernen ist im Allgemeinen der bewusste aber auch unbewusste Erwerb neuer, sowie die Restrukturierung bzw. Veränderung bestehender Kenntnisse und Fähigkeiten
zu verstehen.
Als Resultat des Lernprozesses können sich dabei neue oder veränderte Reaktionsweisen und Auffassungen herausbilden.
Andererseits kann Wissen jedoch auch erlernt werden, ohne dass es zwingend zu begleitenden Verhaltensänderungen kommen muss. Gleichwohl impliziert umgekehrt nicht jede Veränderung einen vorangegangenen Lernprozess.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen und begriffliche Abgrenzung
2.1. Lernen und Lernprozesse
2.2. CoP
3. Lernprozesse in CoP
3.1. Arten
3.1.1. Legitimate Peripheral Participation
3.1.2. Storytelling – narratives Lernen
3.2. Ziele
3.3. Ergebnisse
3.3.1. Auswirkungen auf die CoP
3.3.2. Auswirkungen auf das Unternehmen und den Unternehmenserfolg
4. Forschungsdefizite
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Lernprozesse innerhalb von Communities of Practice (CoP), mit dem Ziel, die diesen zugrunde liegenden Ziele sowie die resultierenden Ergebnisse für die Gemeinschaft und das Unternehmen zu analysieren.
- Rolle informeller Netzwerke im Wissensmanagement
- Methoden des Lernens wie Legitimate Peripheral Participation und Storytelling
- Einflussfaktoren auf den Wissensaustausch in Gemeinschaften
- Auswirkungen von CoP auf die Unternehmensleistung
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Legitimate Peripheral Participation
Das Modell der LPP wurde 1991 von Lave/Wenger im Rahmen des Konzepts situierten Lernens entwickelt. Es beschreibt einen Prozess, in dem sich ein Individuum auf dem Weg eines Außenstehenden bis hin zur vollständigen Mitgliedschaft innerhalb einer CoP bewegt, indem es von anderen lernt. Sie sind der Meinung, dass der Prozess des Lernens und Verstehens einen großen Anteil beinhaltet, der nicht erklärbar und in einem spezifischen gemeinschaftlichen Kontext eingerahmt ist. Lernen kann dabei nur in Verbindung mit diesem Kontext erklärt werden und ist gleichzeitig auch „…an integral and inseparable aspect of social practice…“ 31 Praktiken und Wissen sind so gesehen in die Gemeinschaft eingebettet die sie entwickelt hat. Die einzige Möglichkeit diese Praktiken zu erlernen und sich das Wissen anzueignen ist folglich die Mitgliedschaft in dieser Gemeinschaft.32 Demzufolge wird Lernen im Sinne des Konzepts des situierten Lernens als Besonderheit der Mitgliedschaft innerhalb einer CoP angesehen.
Von zentraler Bedeutung ist dabei die soziale Interaktion. Außenstehende lernen, indem sie beobachten und mit Mitgliedern der CoP kommuniziern. Sie bewegen sich dabei an den Grenzen der CoP und ihre Teilnahme beschränkt sich auf relativ einfache Aufgaben. Doch gerade diese periphären Mitglieder können als Katalysatoren für Innovationen angesehen werden, da sie oft neue Ideen und Vorschläge einbringen.33 Je fachkundiger sie lernen mit den „basic skills“ umzugehen, umso mehr werden sie in komplexere Aufgaben einbezogen und bewegen sich damit weiter in das Zentrum der CoP hinein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Wissen als Ressource für Wettbewerbsvorteile ein und stellt Communities of Practice als zentrale informelle Netzwerke für den Wissensaustausch vor.
2. Definitionen und begriffliche Abgrenzung: Das Kapitel definiert den Begriff des Lernens als Erwerb von Kenntnissen und grenzt das Phänomen der Communities of Practice von formalen Teams und anderen Unternehmensstrukturen ab.
3. Lernprozesse in CoP: Hier werden die Mechanismen des Lernens (Legitimate Peripheral Participation und Storytelling) sowie die Ziele und Auswirkungen dieser Prozesse auf die Gemeinschaft und das Unternehmen detailliert beleuchtet.
4. Forschungsdefizite: Der Autor identifiziert Wissenslücken in der aktuellen Forschung, insbesondere hinsichtlich der Messbarkeit von Lernergebnissen und der ungleichen Machtverteilung innerhalb von CoP.
5. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die Bedeutung von CoP als Managementinitiative zusammen und betont die Notwendigkeit für weitere Forschung, da ein fundiertes Verständnis der internen Prozesse noch aussteht.
Schlüsselwörter
Wissensmanagement, Communities of Practice, Lernprozesse, Implizites Wissen, Wissensaustausch, Legitimate Peripheral Participation, Storytelling, Soziale Interaktion, Unternehmensleistung, Innovationskraft, Gemeinschaftsgefühl, Wissensarchiv, Kompetenzaufbau, Organisationslernen, Netzwerk.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Lernprozessen innerhalb von Communities of Practice und deren Bedeutung für das Wissensmanagement in Organisationen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten gehören die Definition von CoP, Arten des Lernens wie LPP und Storytelling, die Zielsetzung dieser Prozesse sowie die Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Untersuchung der meist unzureichend bestimmten und messbaren Lernprozesse in CoP sowie die Analyse der zugrunde liegenden Ziele und Ergebnisse.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse wissenschaftlicher Publikationen zu Wissensmanagement und Organisationstheorien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsabgrenzung, die Darstellung spezifischer Lernmechanismen, die Analyse der Ziele von CoP-Mitgliedern und die Bewertung der Auswirkungen auf die Gemeinschaft und das Unternehmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Communities of Practice, implizites Wissen, Wissensaustausch, organisationales Lernen und die Rolle der informellen sozialen Interaktion.
Warum spielt Vertrauen eine so wichtige Rolle in Communities of Practice?
Vertrauen ist laut Arbeit die Basis für den Austausch von Wissen, da es die wahrgenommenen Kosten des Austauschs senkt und die Bereitschaft erhöht, Wissen preiszugeben.
Wie unterscheidet sich der Lernansatz der Legitimate Peripheral Participation?
Dieser Ansatz beschreibt, dass Lernen ein integraler Bestandteil der sozialen Praxis ist, bei dem sich Individuen von einer periphären Rolle als Außenstehende schrittweise in das Zentrum der Gemeinschaft bewegen.
- Quote paper
- Sandra Nikolov (Author), 2007, Lernprozesse in Communities of Practice, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138790