Prototypisch sind Präpositionen von der Art „vor dem Theater“. Im Zusammenhang mit Bewegungen gibt es Präpositionen wie „bis vor das Theater“. Und dieser bestehende Zusammenhang zwischen Lokativität und Direktionalität, um den es in meiner Arbeit hauptsächlich geht, wird vor allem bei solchen Präpositionen deutlich, die sowohl Dativ als auch Akkusativ fordern können. Dazu gehören „in“, „an“, „auf“, „neben“, „unter“, „über“, „hinter“, „vor“ und „zwischen“. Es sind die sogenannten Wechselpräpositionen.
Prototypische Präpositionen sind hochgradig polysem, d. h. sie können in den verschiedensten Lesarten vorkommen, wobei verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, unter anderem auch Direktionalität und Lokativität. In einigen Fällen fand im Zuge der Grammatikalisierung ein Übergang von einer Bedeutungsvariante zu einer anderen statt, in anderen existieren zwei oder mehrere Bedeutungen nebeneinander.
Zunächst einmal muss eine überzeugende Erklärung dafür her, wie die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten der einzelnen Präpositionen realisiert werden könnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wie kommt es zu verschiedenen Lesarten?
3. Verschiedene Aspekte für Lokalität und Direktionalität
3.1. Statische und direktionale Lesart bei Präpositionen mit Kasusalternation
3.1.1. Rolle der Prädikate für die Kasusrektion der PP
3.2. Kasusverhältnisse bei einfachen Richtungsadverbien am Beispiel „durch“
3.3. Kasusverhältnisse bei komplexen Richtungsadverbien am Beispiel „in...hinein“
3.4. Analyse der Lesarten von „zu“ hinsichtlich ihrer Dynamik
4. Vergleich der Ansichten zur Direktionalität lokaler Präpositionen von Bierwisch und Kaufmann
5. Schluss
6. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Lokativität und Direktionalität bei deutschen Adpositionen, insbesondere bei Wechselpräpositionen, und analysiert die grammatischen sowie semantischen Bedingungen für die Kasusalternation zwischen Dativ und Akkusativ. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie verschiedene theoretische Ansätze, etwa von Bierwisch, Kaufmann oder Wunderlich, die Repräsentation dieser unterschiedlichen Lesarten erklären und wie prädikative Faktoren die Kasusrektion beeinflussen.
- Semantische Repräsentation und Polysemie bei Adpositionen
- Kasusalternation bei sogenannten Wechselpräpositionen
- Rolle von Prädikaten für die Kasusrektion (statisch vs. dynamisch)
- Analyse spezieller Adpositionen wie „durch“, „in...hinein“ und „zu“
- Vergleich konkurrierender linguistischer Modelle zur Direktionalität
Auszug aus dem Buch
3.1. Statische und direktionale Lesart bei Präpositionen mit Kasusalternation (Wechselpräpositionen)
Speziell im Deutschen gibt es eine Reihe lokaler Präpositionen, die entweder den Dativ oder den Akkusativ regieren. Diese Kasusopposition ist bei Präpositionen wie „an“, „auf“, „außer“, „hinter“, „in“, „neben“, „über“, „unter“, „vor“ und „zwischen“ - den sogenannten Wechselpräpositionen - systematisch bedeutungsdifferenzierend. Der Kasus ist dann also relevant für die Interpretation, z. B. bei „Die Bücher liegen auf dem Tisch.“ und „Die Katze springt auf den Tisch.“ In einem Lokal regiert „auf“ den Dativ, d. h. das Vorkommen des Dativ ist so zu interpretieren, dass ein Objekt (oder eventuell eine Situation) statisch lokalisiert wird. In einem Direktional regiert „auf“ den Akkusativ, d. h. das Vorkommen des Akkusativs besagt, dass ein Objekt einem Ortswechsel unterliegt. Zu diesem Thema hat es differenzierte Betrachtungen gegeben. Nach Leys z. B. werden die Präpositionen mit doppelter Rektionsmöglichkeit im Falle eines bestehenden Verhältnisses mit dem Dativ konstruiert, im Falle eines entstehenden Verhältnisses mit dem Akkusativ. In einem Satzpaar wie: „Karl läuft vor der Tür hin und her. / Karl tritt vor die Tür.“ lässt sich die Rektionsalternation auf die Tatsache zurückführen, dass Karl im Dativ-Beispiel die durch die Präposition „vor“ definierte Raumregion nie verlässt, während im Akkusativ-Beispiel die „vor“-Region nur am Ende der Bewegung erreicht wird. Das Raumverhältnis der im Akkusativ stehenden PP ergibt sich erst aus der Summierung aller durchlaufenen Punkte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definition der Adpositionen und Einführung in die Thematik der Kasusalternation sowie die Relevanz der Direktionalität.
2. Wie kommt es zu verschiedenen Lesarten?: Diskussion theoretischer Ansätze zur Repräsentation polysemer Bedeutungen im Lexikon und der Rolle von Umdeutungsregeln.
3. Verschiedene Aspekte für Lokalität und Direktionalität: Untersuchung von Kasusverhältnissen bei verschiedenen Präpositionstypen und deren Interaktion mit Prädikaten.
3.1. Statische und direktionale Lesart bei Präpositionen mit Kasusalternation: Analyse der Wechselpräpositionen und der Unterscheidung zwischen statischer Lokalisierung und dynamischem Ortswechsel.
3.1.1. Rolle der Prädikate für die Kasusrektion der PP: Untersuchung, wie die Semantik des Prädikats (z. B. durch [+/-statisch] oder [+/-dynamisch] Merkmale) die Kasuswahl der PP beeinflusst.
3.2. Kasusverhältnisse bei einfachen Richtungsadverbien am Beispiel „durch“: Analyse der speziellen Rektion von „durch“ als Pfad-Präposition.
3.3. Kasusverhältnisse bei komplexen Richtungsadverbien am Beispiel „in...hinein“: Untersuchung der Zusammensetzung von Richtungsadverbien und deren Akkusativrektion.
3.4. Analyse der Lesarten von „zu“ hinsichtlich ihrer Dynamik: Untersuchung des direktionalen und lokativen Gebrauchs der Präposition „zu“.
4. Vergleich der Ansichten zur Direktionalität lokaler Präpositionen von Bierwisch und Kaufmann: Gegenüberstellung und Bewertung der theoretischen Analysen zur Repräsentation von Direktionalität.
5. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur syntaktischen und semantischen Beschaffenheit von Adpositionen.
6. Literatur: Auflistung der im Text verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Adpositionen, Wechselpräpositionen, Kasusalternation, Dativ, Akkusativ, Lokativität, Direktionalität, Semantik, Syntax, Prädikate, Polysemie, Raumkonzepte, Pfad-Präpositionen, Bewegungsschema, Wortbedeutung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Syntax und Semantik deutscher Adpositionen, insbesondere mit der Frage, wie diese räumliche Relationen wie Lokalität und Direktionalität ausdrücken und wie dies die Wahl des Kasus (Dativ vs. Akkusativ) steuert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kasusalternation bei Wechselpräpositionen, die Rolle des Prädikats bei der Kasusrektion, die Unterscheidung zwischen statischen und direktionalen Lesarten sowie der Vergleich verschiedener linguistischer Theorien zu diesem Bereich.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die grammatischen und semantischen Bedingungen für die Kasuszuweisung bei Adpositionen zu analysieren und zu erklären, warum bestimmte Präpositionen in verschiedenen Kontexten unterschiedliche Kasus fordern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-linguistische Analyse, indem sie verschiedene Erklärungsmodelle (z. B. von Bierwisch, Kaufmann, Wunderlich) gegenüberstellt und die Daten anhand von Beispielsätzen linguistisch untersucht und bewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Kasusverhältnisse bei Wechselpräpositionen, die Bedeutung von Prädikatsmerkmalen für die Rektion, spezifische Analysen von Pfad-Präpositionen wie „durch“ und Richtungsadverbien wie „hinein“ sowie der theoretische Vergleich der Positionen von Bierwisch und Kaufmann diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Schlüsselwörter sind Adpositionen, Wechselpräpositionen, Kasusalternation, Direktionalität, Lokativität und semantische Repräsentation.
Warum unterscheidet sich „durch“ von Wechselpräpositionen?
„Durch“ fordert immer den Akkusativ und gehört zu den Pfad-Präpositionen, die eine geometrische Konfiguration (das Durchqueren eines Raumes) ausdrücken, anstatt einen Wechsel der Lokalisierung im Sinne eines Zieles zu markieren.
Wie unterscheidet sich das direkte „zu“ vom indirekten Gebrauch?
Das direktionale „zu“ markiert ein Ziel der Bewegung, während das lokative „zu“ ein bestehendes Verhältnis ausdrückt, bei dem der durch die Präposition bezeichnete Ort als externer Referenzpunkt fungiert, ohne dass ein Ortswechsel stattfindet.
Welche Rolle spielen Prädikatsmerkmale wie [+/-dynamisch]?
Diese Merkmale beeinflussen die Semantik der Prädikate und steuern in Abhängigkeit vom Kontext die Auswahl der Argumenttypen, was wiederum die Kasusrektion der vom Prädikat abhängigen PP mitbestimmt.
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- Magistra Artium Daniela Nagorka (Author), 2007, Aspekte zur Lokalität und Direktionalität von Adpositionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138828