Die katalanischen Dialekte der Balearen

Vergleich zwischen Katalanisch und Mallorquinisch, den Dialekten Mallorcas, Menorcas und Ibizas, den Balearen und Kataloniens und Valencias, dem Festland


Hausarbeit, 2009

22 Seiten, Note: 1,7


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Charakteristika des kontinentalen Katalanisch
2.1 Das verschlossene e und das offene ę
2.2 Die unbetonten Vokale
2.3 Die Verben mit lateinischem Infix -isc-
2.4 Die erste Person Singular Indikativ Präsens der Verben auf -ar und –ir
2.5 Der Subjuntivo
2.6 Der „ieisme“

3. Die vorausgehende linguistische Entwicklung auf den Balearen
3.1 Prä-romanische Zeit
3.2 Romanisierung
3.3 Arabisierung

4. Charakteristika des balearischen Katalanisch
4.1 Vokalische Besonderheiten
4.2 Die Artikel sa und es
4.3 Die Personalpronomen
4.4 weitere phonetische Phänomene
4.5 Die verbale Flexion

5. Lexik
5.1 Lexikalische Unterschiede in verschieden Alltagsbereichen
5.2 Wörter aus dem Arabischen
5.3 Unterschiede zwischen den drei Inseln

6. Textvergleich
6.1 Beispieltext
6. 2 Textkommentare

7. Schlussbemerkung

Quellennachweis

1. Einleitung

Seit 1983 ist das Katalanische regionale Amtssprache in Katalonien, den Balearen und Valencia. Rund 7,7 Millionen Menschen sprechen es aktiv, aber nicht alle haben den gleichen Dialekt. In den einzelnen Gebieten haben sich verschiedene Varietäten entwickelt.

Diese Arbeit befasst sich mit dem Dialekt des Katalanischen, der auf den Balearen gesprochen wird. Dabei möchte ich herausstellen in wie fern sich das Katalanische des Festlandes von dem der Balearen unterscheidet und auch teilweise beleuchten, welche Unterschiede zwischen den einzelnen Inseln bestehen. Zunächst einmal werde ich in Kapitel 2 dazu auf typische Merkmale des Festlandkatalanisch eingehen und klären welche Dialekte dort bestehen. Viele Phänomene, die in einer Region des Festlandes bestehen, haben auch ihren Weg in das balearische Katalanisch gefunden. Ich werde in Kapitel 3 auf die vorzeitige linguistische Entwicklungen auf den Balearen eingehen, also jene Entwicklungen, die geschahen bevor das Katalanische dort Einzug hielt. In Kapitel 4 stelle ich die auffälligsten und am besten erforschten Charakteristika der Varietät dar. Ich beschränke mich hier auf einige Phänomene. Kapitel 5 ist der Lexik der Balearen gewidmet und weist auch noch einmal auf die Unterschiede zwischen den einzelnen Inseln hin. Kapitel 6 ist schließlich ein Textvergleich. Dazu habe ich einen Textauszug aus den Rondaies Mallorquines von Jordi D’en Racó gewählt. Andrea Hernandez Nualart aus La Garriga war so freundlich mir eine Übersetzung des mallorquinischsprachigen Textes anzufertigen. Ich werde diese beiden Texte miteinander vergleichen indem ich ihre Unterschiede markiere, vereinzelt werde ich das Phänomen auch kommentieren.

2. Charakteristika des kontinentalen Katalanisch

Im kontinentalen Katalanisch kann man deutlich zwischen zwei großen Dialekten unterscheiden, dem östlichen und dem westlichen, die sich sowohl aus historischen als auch aus geographischen Gegebenheiten ergeben. Die Trennlinie folgt dem Verlauf von Flüssen, entspricht der Aufteilung in die ehemaligen Diözesen oder auch den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die noch vor der römischen Vorherrschaft in Katalonien heimisch waren.

Im Folgenden werden nun einige typische Unterschiede zwischen beiden Dialekten dargestellt.

2.1 Das verschlossene e und das offene ę

Das verschlossene e kommt vom Lateinischen und wurde in Westkatalonien beibehalten, es ist in der Aussprache mit dem spanischen e zu vergleichen. In Ostkatalonien entwickelte sich dieses e zu einem offenem ę weiter, das seit dem im Osten verwendet wird. Zur Aussprache muss der circa 2 Daumen breit geöffnet werden (vgl. Rasgos distintivos del mallorquín con respecto al catalán oriental continental , S. 3).

2.2 Die unbetonten Vokale

Ein anderes Phänomen ist der Verschluss des unbetonten Vokale a und e, bzw. o und u. Im Westen wird in der Aussprache zwischen diesen 4 Vokalen unterschieden. Im östlichen Dialekt ist keine Unterscheidung zwischen einem unbetonten a und einem unbetonten e, bzw. zwischen den unbetonten Vokalen o und u möglich. A und e klingen hier wie ә, meist auch als neutrales e oder „e mixta” (De B. Moll, Francesc: El Parlar De Mallorca. Col·leció Popular Barcino, Volum 234. Madrid: Editorial Barcino, 1980, S. 13) bezeichnet. Die Aussprach wird wie folgt beschrieben: „Sonido neutro entre a y e, similar al eu francés, o la ö alemana“ (Rasgos distintivos del mallorquín con respecto al catalán oriental continental, S. 3). Im Westen ist dies aber auch nicht immer einheitlich, da dort in manchen Gegenden die Tendenz besteht das e eher als a auszusprechen.

2.3 Die Verben mit lateinischem Infix -isc-

Ein weiteres linguistisches Phänomen, das die beiden Dialekte unterscheidet, kam auch bereits schon im Latein vor. Verben mit dem lateinischen Infix –isc- werden im Osten mit e und im Westen ohne e geschrieben. Das Lateinische Verb floriscis wird so im östlichen Katalanisch zu floreixes und im westlichen zu florixes. Die Balearen verwenden die Form Ostkataloniens.

2.4 Die erste Person Singular Indikativ Präsens der Verben auf -ar und -ir

Im Laufe der Geschichte haben sich in den einzelnen Regionen verschiedene Endungen für die erste Person der Verben auf –ar und -ir entwickelt. Im Osten endet die erste Person auf –u, im Westen auf –o, im valencianischen Sprachraum auf –e, im Norden ist –i üblich.

Auf den Balearen behielten sich alte Formen der Verben, die auf einen verschlossenen Vokal enden, bei, und so findet man dort heute die auf den Stamm reduzierten Formen: jo don, jo port, jo entr, jo compr.

So gibt es heute bei regulären Verben auf –ar und –ir fünf unterschiedliche Endungen der ersten Person.

Keine Endung: Balearischer und sardnischer Dialekt . Jo entr.

Endung –e: Valencianischer Dialekt. Jo entre.

Endunug –o: Westlicher Dialekt: Jo entro.

Endung –u: Östlicher Dialekt: Jo entru.

Endung: -i: Östlich-pyrenäischer Dialekt. Jo entri.

2.5 Der Subjuntivo

Der Subjuntivo von Verben auf –ar wird im östlichen und im westlichen Teil ebenfalls anders gebildet. Ehemals endete der Subjuntivo in der 1. und 3. Form nur auf den Stamm. Diese Form erschien jedoch zu wenig ausdrucksstark, und so wurde die Form durch ein –e erweitert, das Verben mit anderen Endungen stets im Subjuntivo besitzen. Da aber einige auf –ar und –ir endende Verben diese Form bereits im Indikativ haben, kam es zu Verwirrungen. Einige Verben wie caber enden im Subjuntivo Presente auf –ia. Diese Form übertrug sich im Osten auf einige Verben, die auf –ar enden, wie cantar. Da unbetontes e und a im Osten neutrale Vokale sind, verschwanden sie bei diesen Konstruktionen und so blieb nur noch eine Endung auf –i in der ersten und dritten Personen bestehen. Im Westen behielt man die Form auf –e bei. In Ostkatalonien besteht die Tendenz den Subjuntivo stets mit i zu bilden. Auf Mallorca wird eigentlich eine traditionelle Form verwendet, die auf -a endet. Vor allem junge Menschen auf Mallorca und Ibiza ersetzen aber die klassischen Formen: Crega, prenga, surta, vulga durch die Ostkatalanischen Formen cregui, prengui, surti, vulgui.

Auf den Balearen gibt es weitere Formen des Subjuntivos. Verben auf -ir enden hier häufig auf -iguem und -iguen (sonst auf -im und -iu) Man verwendet dort also sentiguem und nicht sentim, auch um Subjuntivo und Indikativ unterscheiden zu können. Teilweise werden diese Formen auch auf den Subjuntivo der Verben auf -ar übertragen, und so kann es sein, dass man dort auf der Straße schon mal „que jo pàssiga“ oder „que végigues“ (De B. Moll, S.62) hören wird.

Es kommt auf Mallorca teilweise sogar zu einer Anwendung dieser Form auf das Gerundium, jedoch nicht bei Verben auf - ar. Creure hat so hier, wie auch in Teilen Ostkataloniens, das Gerundium creguent oder viure visquent. Junge Menschen auf Mallorca sagen aber manchmal bereits auch estiguent anstelle von estant oder aniguent anstelle von anant.

2.6 Der „ieisme“

Der sogenannte „ieisme“ existiert in einem Teil Ostkataloniens und auf den Balearen. Dabei wird ein ļ (ll) wie ein ị ausgesprochen. Folgt ll auf i so wird dies in diesen Regionen teilweise sogar gar nicht mehr ausgesprochen, filla beispielsweise wird zu fia.

3. Die vorausgehende linguistische Entwicklung auf den Balearen

3.1 Prä-romanische Zeit

Es ist nicht bekannt welche Sprache auf den Balearen gesprochen wurde, bevor die Römer die Inseln eroberten. Wahrscheinlich standen die Inseln vorher unter punischem Einfluss. Aus der prä-romanischen Zeit finden sich auf Mallorca noch einige Toponyme wie Alaró, Artà oder Inca oder auch solche die auf –er enden wie Búger oder Sóller.

3.2 Romanisierung

Mallorca und Menorca wurden 123-122 v. Chr. von Rom erobert. Ibiza wurde durch einen Pakt mit Rom zu dessen Bündnispartner, nachdem es 400 Jahre lang zu Karthago gehört hatte. Das Vulgärlatein erhielt durch Soldaten, Funktionäre und Beamte Einzug auf die Balearen, später erreichte auch das Kirchenlatein die Inseln. Diese Formen des Lateins mussten sich gegen etliche Angriffe anderer Völker und gegen drei Jahrhunderte muslimische Herrschaft behaupten. Die Eroberung der Inseln durch die Christen Ende des 13. Jahrhunderts brachte eine weiterentwickelte Form des Lateins mit auf die Insel: Das Katalanische. Von der, bis dahin durch die Mozaraber auf den Inseln bewahrten Form, gibt es bis heute viele Beweise.

Zunächst einmal die Namen der Inseln: Maiórica und Minórica, aber auch viele Städtenamen wie Civitatella (Ciutadella), Pollentia (Pollença), Esportles, Pòrtol, Calvià, Campanet oder Llucmajor stammen aus dieser Zeit. Formentor, leitet sich wahrscheinlich vom lateinischen Wort Promontorium ab, das von so vielen arabisch sprechenden Menschen ausgesprochen wurde, dass es sich schließlich zu Fromontor wandelte. Danach kam es vielleicht zu einer Anpassung an das ähnlich klingende Wort forment (von lat. Frumentum: Weizen).

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Details

Titel
Die katalanischen Dialekte der Balearen
Untertitel
Vergleich zwischen Katalanisch und Mallorquinisch, den Dialekten Mallorcas, Menorcas und Ibizas, den Balearen und Kataloniens und Valencias, dem Festland
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Fachbereich für Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V138839
ISBN (Buch)
9783640487424
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dialekte, Balearen, Vergleich, Katalanisch, Mallorquinisch, Dialekten, Mallorcas, Menorcas, Ibizas, Balearen, Kataloniens, Valencias, Festland
Arbeit zitieren
Lisa Immensack (Autor), 2009, Die katalanischen Dialekte der Balearen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138839

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