Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist das Ehepaarbildnis als eine Form des Doppelporträts, auf dem eine männliche und eine weibliche Figur abgebildet ist.
Zunächst soll auf die generelle Problematik des Gruppenporträts eingegangen werden, um im Folgenden die jeweiligen Lösungsvarianten in den Ehepaarbildnissen „Das Arnolfini Doppelbildnis“ von Jan van Eyck, „Die Geißblattlaube“ von Peter Paul Rubens und „Verheiratetes junges Paar im Garten“ von Frans Hals zu erörtern. Die Betrachtung der Bilder erfolgt dabei in wertfreier, nach Datum der Fertigstellung chronologischer Reihenfolge.
Bei der Frage, was ein Porträt ausmacht, beziehe ich mich weitestgehend auf den Aufsatz Hermann Deckerts „Zum Begriff des Porträts“.
Die Porträthaftigkeit eines Bildes definiert sich demnach ganz grundsätzlich in einer individuellen, nicht etwa exemplarhaften Darstellung, sowie in der personalen Doppelbestimmtheit der Figuren auf sich selbst und auf den Betrachter .
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Doppelporträt
3. Jan van Eyck - Das Arnolfini Doppelbildnis
4. Peter Paul Rubens- Die Geißblattlaube
5. Frans Hals - Verheiratetes Junges Paar im Garten
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Ehepaarbildnis als spezifische Form des Doppelporträts mit dem Ziel, die kompositorischen Herausforderungen bei der Darstellung zweier gleichwertiger Individuen zu analysieren. Dabei wird erforscht, durch welche künstlerischen Mittel – sei es formale Komposition, motivische Details oder allegorische Elemente – die Verbundenheit eines Paares visuell glaubhaft und harmonisch umgesetzt wird.
- Problematik des Gruppenporträts und der Kompositionsprinzipien
- Vergleich dreier historischer Ehepaarbildnisse
- Analyse der visuellen Verbindung von Mann und Frau
- Bedeutung von Symbolik und formaler Einheit in der Porträtmalerei
- Einfluss des zeitgeschichtlichen Hintergrunds auf die Darstellung
Auszug aus dem Buch
Die Problematik des Ehepaarbildnisses
Prinzipiell handelt es sich beim Ehepaarbildnis um eine Form des Gruppenporträts und muss sich in der Folge auch mit der gleichen Problematik hinsichtlich der Organisation der Figuren auseinandersetzen. „Jeder Maler eines Gruppenbildnisses sieht sich der Aufgabe gegenüber, zwischen den einander widerstreitenden Prinzipien der Koordination und Subordination einen Ausgleich zu finden“2. Koordiniert er die Figuren, ohne dabei eine oder mehrere in besonderer Weise hervorzuheben und gleichsam andere entsprechend zurückzudrängen, so ergibt sich eine monotone Aufreihung. Hebt er dagegen eine oder mehrere unter Subordinierung der anderen hervor, so gelangt er wohl leichter zu einer lebendigen Komposition, muss dafür aber unter Umständen die Unzufriedenheit der untergeordnet Dargestellten in Kauf nehmen. Die Darstellung zweier Menschen ohne die Wirkung von Monotonie oder bloßer Aufreihung und ein Anspruch auf Gleichwertigkeit der Porträtierten ist also ausschlaggebend für eine gelungene Komposition, dies gilt insbesondere für das Ehepaarbildnis: „Denn nichts ist schwerer, als zwei völlig gleichwertige und selbstständige Menschen verschiedenen Geschlechts porträthaft in einem Bilde zu vereinen, ohne entweder den einen dem anderen überzuordnen oder, bei völliger Gleichordnung beider, den Eindruck der Bildgeschlossenheit oder Porträthaftigkeit (...) zu schädigen“3.
Neben diesen kompositorischen Aspekten, ist bei der Darstellung mehrere Personen in einem Bild, vor allem die Rechtfertigung ihrer Koexistenz entscheidend. Es muss einen Grund geben, warum die Figuren in einem Bild zusammen dargestellt werden, der artikuliert wird durch die Art und Weise, wie diese im Bild verbunden werden. Prinzipiell ergeben sich zwei Möglichkeiten um zwei Menschen gleichzeitig in einem Bild zu porträtieren: Zum Einen die Verbindung durch bildliche Elemente, etwa eine Handlung, eine thematische Beziehung oder ein porträtfremdes Element, das den Figuren mitgegeben wird. Zum Anderen kann die Verbindung durch „die formale Komposition, das heißt die ästhetische Einheit des Kunstwerks“4 erfolgen. Diese Verbindung innerhalb des Bildes, wie sie sich im Einzelnen auch ausprägen mag, ist entscheidend für dessen Bestimmung als Doppelporträt (anstelle zweier Individualporträts) und gleichsam die zentrale Problematik des Ehepaarbildnisses.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstandes, der die Problematik des Ehepaarbildnisses anhand ausgewählter Beispiele beleuchtet.
Das Doppelporträt: Theoretische Auseinandersetzung mit der Definition des Porträts und den kompositorischen Herausforderungen der Koordination und Subordination bei Gruppenbildnissen.
Jan van Eyck - Das Arnolfini Doppelbildnis: Untersuchung, wie der Künstler die Verbundenheit des Paares durch motivimmanente Elemente wie die Hände und eine stille Atmosphäre in den Fokus rückt.
Peter Paul Rubens- Die Geißblattlaube: Analyse der formalen Einheit, die durch eine ausgewogene Komposition und die symbolische Darstellung der Ehe im Garten erreicht wird.
Frans Hals - Verheiratetes Junges Paar im Garten: Betrachtung der Rolle von Allegorien und einer lockeren, impulsiven Darstellung, die den Wandel der sozialen Verhältnisse in der Republik widerspiegelt.
Fazit: Zusammenfassende Gegenüberstellung der drei unterschiedlichen künstlerischen Lösungsansätze für die Problematik des Ehepaarbildnisses.
Schlüsselwörter
Ehepaarbildnis, Doppelporträt, Porträtmalerei, Kunstgeschichte, Komposition, Koordination, Subordination, Jan van Eyck, Peter Paul Rubens, Frans Hals, Bildanalyse, Allegorie, Identität, Gruppenporträt, Kunsttheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die kunsthistorische Problematik, wie zwei Individuen innerhalb eines Ehepaarbildnisses als gleichwertiges Paar dargestellt werden können, ohne die individuelle Porträthaftigkeit zu verlieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Kompositionslehre in der Malerei, die Bedeutung der formalen Einheit im Doppelporträt sowie die historische Entwicklung dieser Bildgattung am Beispiel von drei bedeutenden Werken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen Lösungen für die Herausforderung des Ehepaarbildnisses herauszuarbeiten, indem analysiert wird, wie verschiedene Künstler die Verbundenheit ihrer Modelle visuell realisieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autorin wählt einen kunsthistorischen Analyseansatz, bei dem die ausgewählten Werke chronologisch in ihrer Entstehungsgeschichte betrachtet und auf ihre formalen sowie inhaltlichen Verbindungselemente hin untersucht werden.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Bildeinstiegsanalyse und Interpretation der Werke von Jan van Eyck, Peter Paul Rubens und Frans Hals unter dem Aspekt der jeweiligen „Verbindungsstrategie“ zwischen den dargestellten Personen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Doppelporträt, Komposition, Harmonie, Ehebildnis und die methodische Analyse von Kunstwerken definiert.
Warum spielt die Handhaltung bei Van Eyck eine so wichtige Rolle?
Laut der Arbeit dienen die ineinandergelegten Hände als zentrales, motivimmanentes Element, das die Verbundenheit des Paares formell und inhaltlich im Bildmittelpunkt verankert.
Wie unterscheidet sich die Darstellung bei Frans Hals von den anderen Beispielen?
Frans Hals nutzt stärker allegorische Elemente und eine impulsivere, ungezwungene Mimik, um die Beziehung des Paares darzustellen, während die anderen beiden Beispiele eher eine ruhige, statische Harmonie betonen.
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- Alexandra Führ (Autor), 2007, Porträtmalerei - Die Problematik des Ehepaarbildnis, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138872