In einer Situation, in der jedermann Westsender nach Belieben ein- und ausschalten konnte, war der Partei- und Staatsführung der DDR daran gelegen, das vermeintliche Erscheinungsbild der BRD als Wohlstandsparadies zu korrigieren. Besonders die Bereiche, in denen die DDR mit den „Errungenschaften des Sozialismus“ – soziale Sicherheit, Vollbeschäftigung, sozialer Wohnungsbau – im Vergleich zur Bundesrepublik „besser“ dastand, wurden propagandistisch genutzt. Diese Arbeit geht der Frage nach, welche Rolle die soziale Lage in der BRD in den Jahren 1982 bis 1989 im „Neuen Deutschland“ spielte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kapitel 1: Aufgabe und Rolle der Medien in der DDR
a) Journalismus in der DDR
b) Agitation durch Tatsachen: Die DDR
c) Agitation durch Tatsachen: Die Bundesrepublik
Kapitel 2 – Analyse
a) Unterscheidungskriterien
b) Quellen
c) Zeitliche Verteilung und Erklärungsversuche
d) Ausreisewelle Mitte der Achtziger Jahre
e) Das Jahr 1989
Fazit
Literatur
Quellen
Anhang
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Rolle der Berichterstattung des SED-Zentralorgans "Neues Deutschland" über die soziale Lage in der Bundesrepublik Deutschland im Zeitraum von 1982 bis 1989. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das ND durch die Thematisierung westlicher Missstände wie Arbeitslosigkeit und Drogenproblematik versuchte, die eigene Bevölkerung ideologisch zu festigen und das Leitbild des Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus zu legitimieren.
- Analyse der publizistischen Strategien des "Neuen Deutschland"
- Untersuchung der thematischen Schwerpunkte in der Berichterstattung
- Einordnung der Medienarbeit in die SED-Propaganda und das SED-Programm
- Evaluation der Instrumentalisierung sozialer Probleme für innenpolitische Ziele
Auszug aus dem Buch
c) Agitation durch Tatsachen: Die Bundesrepublik
Das Gegenstück und Ergänzung zur Positiv-Berichterstattung stellen Berichte dar, die insbesondere die sozialen Probleme in Westdeutschland thematisieren. Diese Berichte können gleichzeitig auch als Form einer „Korrektur“ der Westnachrichten begriffen werden, die ja nach sozialistischer Lesart allein der „ökonomisch und politisch gesteuerten Verführung der Massen“ zu dienen hatten. Es handelt sich hier um eine eigene Kategorie von Meldungen, die gezielt die sozialen Missstände und Lebensrisiken im Westen veröffentlichen und dadurch der im Westfernsehen tagtäglich erlebbaren BRD-Welt eine Alternative Darstellung entgegensetzen sollte.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert die mediale Situation in der DDR, geprägt durch die Reichweite von Westmedien und die Strategie der "kollektiven Ausreise", und formuliert die Forschungsfrage zur Berichterstattung im Neuen Deutschland.
Kapitel 1: Aufgabe und Rolle der Medien in der DDR: Dieses Kapitel definiert den Auftrag des sozialistischen Journalismus als Propagandainstrument zur Bewusstseinsbildung und zur Abgrenzung gegenüber dem kapitalistischen System.
Kapitel 2 – Analyse: Hier erfolgt eine statistische und inhaltliche Untersuchung von über 2000 Zeitungsartikeln, wobei die Schwerpunkte auf Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und Drogenproblematik sowie deren zeitliche Korrelation mit politischen Ereignissen liegen.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Berichterstattung primär der innenpolitischen Stabilisierung diente, indem sie durch ein negatives Bild der Bundesrepublik die Errungenschaften des Sozialismus hervorhob.
Schlüsselwörter
Neues Deutschland, SED, DDR-Journalismus, Agitation, Propaganda, soziale Lage, Bundesrepublik, Arbeitslosigkeit, ideologische Diversion, Kalter Krieg, Mediensteuerung, Westfernsehen, DDR-Bevölkerung, Parteinahme, Berichterstattung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" zwischen 1982 und 1989 über die soziale Situation in der Bundesrepublik berichtete.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Die Schwerpunkte liegen auf der Darstellung von Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit sowie Drogenkriminalität im Westen als Kontrastprogramm zur DDR-Wirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll analysiert werden, ob die Berichterstattung als propagandistisches Mittel diente, um DDR-Bürger vom Wunsch einer Ausreise abzuhalten und das SED-Regime zu stützen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine quantitative und qualitative Analyse aller Artikel zur sozialen Lage der Bundesrepublik im ND im untersuchten Zeitraum sowie auf theoretische Quellen des sozialistischen Journalismus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung des sozialistischen Journalismus und die detaillierte Auswertung der Zeitungsartikel, unterteilt nach Themen und zeitlichen Zyklen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind "Agitation durch Tatsachen", "Parteilichkeit der Information", "soziale Lage" und "Medienkontrolle".
Warum war der August im Untersuchungszeitraum für die Berichterstattung besonders relevant?
Die Häufung der Artikel in diesem Monat lässt sich unter anderem auf den Jahrestag des Mauerbaus und die in den Sommerferien spürbare Reiseeinschränkung der DDR-Bürger zurückführen.
Welche Rolle spielte die "Wende" 1989 für die Berichterstattung im ND?
Trotz der Ankündigung einer erneuerten Zeitung blieb das ND auch im Dezember 1989 seinem Grundprinzip der Parteilichkeit treu, verlagerte den inhaltlichen Fokus jedoch stärker auf DDR-relevante Probleme wie die Situation von Übersiedlern.
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- Konrad Gähler (Autor), 2009, Wider die ideologische Diversion. Das Zentralorgan der SED über die soziale Lage in der Bundesrepublik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138881