„Lesefähigkeit und Textverstehen (Lesekompetenz) sowie präzises Ausdrucksvermögen sind grundlegend für alle Fächer. Alle Fächer arbeiten mit Texten, alle Fächer arbeiten im Medium der Sprache.“ (EPA 2002, 4) Doch kein Fach rückt die Auseinandersetzung so sehr in den Mittelpunkt wie das Fach Deutsch, so dass ihm eine elementare Aufgabe zugesprochen wird.
Die grundlegenden Anforderungen, die an das Fach Deutsch gestellt werden, bestehen darin, die sprachliche Ausdrucksfähigkeit und hier vor allem die schriftliche Darlegung eines Gedankenganges zu fördern. Darüber hinaus sollen die Schülerinnen und Schüler dazu befähigt werden, „sich strukturiert, zielgerichtet und sprachlich korrekt schriftlich zu artikulieren und die erforderlichen Schreibformen und -techniken zu beherrschen“. (EPA 2002, 3) Dazu gehört auch der angemessene Umgang mit literarischen und pragmatischen Texten sowie die Fähigkeit, diese zu verstehen und für sich zu erschließen, um komplexe Zusammenhänge sowohl mündlich als auch schriftlich darlegen zu können. (vgl. EPA 2002, 3)
Die Ergebnisse der PISA-Studie 2000 haben jedoch gezeigt, dass die deutschen Schülerinnen und Schüler im Bereich Lesen erhebliche Defizite haben, so dass die formulierten Anforderungen der EPA unrealistisch erscheinen.
Für so manche Lehrer sind die PISA-Ergebnisse keine Überraschung, sondern lediglich eine Bestätigung ihrer Beobachtungen, wonach ein großer Teil der deutschen Schülerinnen und Schüler nicht einmal mehr in der Lage ist, einen Text zu lesen und die Grundgedanken mit eigenen Worten zusammenzufassen, geschweige denn, grundlegende Methoden des Textverstehens und entsprechende Arbeitstechniken zu beherrschen und anzuwenden. Letzteres wird von der vorliegenden Arbeit jedoch als Grundvoraussetzung für das effektive und erfolgreiche Lernen angesehen, was es im analytischen Teil zu bestätigen bzw. zu entkräften gilt. Mit Hilfe von Schüleraufsätzen soll herausgearbeitet werden, welche Auswirkungen die Textarbeit auf den sich anschließenden Schreibprozess hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema.
1.2 Abgrenzung des Themas.
1.3 Gang der Untersuchung
2. Der Begriff Lesekompetenz
2.1 Der Begriff Lesekompetenz bei PISA.
2.1.1 Der internationale Lesekompetenztest.
2.2 Der Begriff Lesekompetenz bei Groeben & Hurrelmann.
2.2.1 Deskriptive Merkmale von Lesekompetenz.
2.2.1.1 Kognitionen.
2.2.1.2 Motivationen und Emotionen.
2.2.1.3 Reflexionen und Anschlusskommunikationen.
2.2.2 Einflussfaktoren und Bedingungen der Lesekompetenz.
2.2.2.1 Personale Einflussfaktoren.
2.2.2.2 Soziale Bedingungen.
2.2.2.3 Text- und medienseitige Einflussfaktoren.
2.2.3 Historisch-normative Rahmenbedingungen der Lesekompetenz.
3. Lesestrategien und Arbeitstechniken
3.1 Die SQ3R-Technik nach F. P. Robinson.
3.2 Methoden der Zusammenfassung von Texten.
3.2.1 Das Unterstreichen.
3.2.2 Das Formulieren von Randbemerkungen.
3.2.3 Das Exzerpieren.
4. Die Bedeutung der Textarbeit für den Schulaufsatz
4.1 Die Textarbeit in Abhängigkeit vom Geschlecht.
4.2 Der Umgang mit der Textvorlage.
4.3 Die Bedeutung der Textarbeit für den Schulaufsatz.
4.4 Das Erlernen von Textarbeit.
5. Schlussbetrachtung.
6. Literaturverzeichnis.
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der aktiven Textarbeit – wie dem Unterstreichen oder dem Anfertigen von Randbemerkungen – und der Qualität schriftlicher Schüleraufsätze. Dabei wird analysiert, ob eine methodische Auseinandersetzung mit der Textvorlage den Schreibprozess positiv beeinflusst und ob sich über die Zeit (von Klasse 11 bis zum Abitur) ein signifikanter Lerneffekt in der Anwendung dieser Arbeitstechniken feststellen lässt.
- Grundlagen der Lesekompetenz nach PISA sowie Groeben & Hurrelmann
- Methoden der Textbearbeitung: SQ3R-Technik, Unterstreichen, Randbemerkungen und Exzerpieren
- Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Anwendung von Textgestaltungstechniken
- Analyse von Abiturklausuren im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen Vorbereitung und Ergebnis
- Entwicklung der Textarbeitskompetenz im Verlauf der Schullaufbahn
Auszug aus dem Buch
3.1 Die SQ3R-Technik nach F. P. Robinson
Die von F. P. Robinson 1961 entwickelte SQ3R-Technik gehört bis heute zu den wohl bekanntesten Lesestrategien. Ihre Bezeichnung bezieht sich auf die fünf aufeinander folgenden Teilschritte Survey - Question - Read - Recite - Review, die zu einem vertieften Textverständnis beitragen.
Der erste Schritt (Survey) dient dem Gewinn eines Ersteindrucks im Hinblick auf den Inhalt und Aufbau des Textes. Der Titel, das Inhaltsverzeichnis, Text- bzw. Kapitelzusammenfassungen, Stichwort- und Autorenregister sowie das Literaturverzeichnis können dazu beitragen.
Die Bezeichnung Question weist darauf hin, dass der Rezipient im folgenden Schritt Fragen an den Text formulieren soll. Diese können von der jeweiligen Zielsetzung abhängen, auf bereits vorhandenem Wissen basieren oder sich auf den Inhalt sowie den Autor und dessen Positionen beziehen.
Der dritte Schritt (Read) beschreibt den aktiven Prozess des Lesens, um die im Text enthaltenen Informationen zu verarbeiten. Dabei sollte die Lesegeschwindigkeit dem Schwierigkeitsgrad des schriftlichen Materials angepasst und Besonderheiten der Textstruktur sowie Schwerpunkte bezüglich der zuvor gestellten Fragen herausgearbeitet werden. Dazu gehört auch das Organisieren des Textes im Sinne von Unterstreichen bzw. Hervorheben der Schlüsselwörter und Anfertigen sinnvoller Skizzen.
Der vierte Schritt (Recite) erwartet vom Rezipienten, dass er den Text abschnittsweise durchgeht, den jeweiligen Inhalt mit eigenen Worten schriftlich oder mündlich wiedergibt und somit sein Textverständnis überprüft. Nicht verstandene Passagen sollten in diesem Zusammenhang wiederholt gelesen und ihr Inhalt rekapituliert werden.
Gemäß der Bezeichnung Review erfolgt am Ende das gedankliche Durchgehen der ersten vier Teilschritte, um einen zusammenhängenden Textüberblick zu gewinnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Lesekompetenz, Abgrenzung des Forschungsgegenstands und Erläuterung des methodischen Vorgehens anhand von Schüleraufsätzen.
2. Der Begriff Lesekompetenz: Theoretische Fundierung des Begriffs durch die PISA-Studie sowie durch das umfassendere Konzept von Groeben und Hurrelmann, inklusive kognitiver, motivationaler und sozialer Aspekte.
3. Lesestrategien und Arbeitstechniken: Vorstellung der SQ3R-Methode sowie relevanter Techniken zur Zusammenfassung von Texten wie Unterstreichen, Randbemerkungen und Exzerpieren.
4. Die Bedeutung der Textarbeit für den Schulaufsatz: Analytischer Teil, der den Einfluss von Geschlecht und Arbeitsweise auf die Qualität von Klausurleistungen untersucht sowie die Lerneffekte im Verlauf der Schulausbildung betrachtet.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Auswertung der Ergebnisse und Plädoyer für eine stärkere Integration von Lesestrategien im Unterricht.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen und Internetverweise.
Schlüsselwörter
Lesekompetenz, Textarbeit, Schulaufsatz, PISA-Studie, Lesestrategien, SQ3R-Technik, Textverständnis, Schreibprozess, Interpretation, Schulleistung, Methodik, Textanalyse, pädagogische Didaktik, Leseförderung, Arbeitstechniken
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welchen Stellenwert eine gründliche Vorbereitung und Bearbeitung von Textvorlagen für die Qualität von schriftlichen Schülerarbeiten (Schulaufsätzen) hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die theoretische Definition von Lesekompetenz, die Anwendung von Lesestrategien wie der SQ3R-Methode und die praktische Analyse von Schüleraufsätzen in Bezug auf deren methodische Textarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen der aktiven Auseinandersetzung mit einem Text (durch Markierungen, Randnotizen etc.) und der Qualität der daraus resultierenden schriftlichen Analyse zu belegen oder zu entkräften.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung und eine analytische Auswertung von bereits existierenden Schülerklausuren der Klassenstufen 11 und 13.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Lesekompetenz und Methodik sowie in eine empirische Auswertung von Klausuren unter Berücksichtigung von Geschlechterunterschieden und der Entwicklung der Lernfortschritte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Lesekompetenz, Textarbeit, Schreibprozess, SQ3R-Methode sowie die schulspezifische Anforderung, literarische Texte strukturiert zu analysieren.
Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Textarbeit?
Ja, die Analyse deutet darauf hin, dass weibliche Schüler sich im Durchschnitt intensiver mit den Textvorlagen beschäftigen und häufiger Arbeitstechniken anwenden als ihre männlichen Mitschüler.
Führt die ständige Anwendung von Textarbeit zu einer signifikanten Verbesserung der Ergebnisse?
Die Ergebnisse zeigen, dass zwar ein methodisches Vorgehen beibehalten wird, jedoch oft der "Tiefgang" in der Interpretation fehlt, was darauf hindeutet, dass das Erlernen dieser Techniken nicht automatisch mit einer exzellenten inhaltlichen Durchdringung gleichzusetzen ist.
Warum fehlt den untersuchten Aufsätzen laut Autorin oft an "Tiefe"?
Die Autorin vermutet, dass die Textsorte (literarische Texte) oder die mangelnde Motivation, den Text ernsthaft zu durchdringen, dazu führt, dass die Schüler bei formalen Aspekten verharren, anstatt den Text in seiner Komplexität zu beleuchten.
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- Janice Höber (Author), 2006, Die Bedeutung der Textarbeit für den Schulaufsatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138886