Bei der vorliegenden Arbeit soll anhand einer tabellarischen Analyse die verbale
Wortbildung unter dem speziellen Aspekt der Präfix- und Affixoidbildung bei
Verben in einer expressionistischen Erzählung untersucht werden. Als
Textgrundlage und Nachweis für die Belege liegt Alfred Döblins Erzählung „Die
Ermordung einer Butterblume“1 zugrunde.
Die Vorgehensweise, nach der die folgende Analyse durchgeführt wurde, basiert
auf der Methodik und den Ausführungen, die in dem Werk „Morphologie des
Deutschen“ (SIMMLER 1998) dargelegt werden, was u.a. bedeutet, daß
Abkürzungen sowie Begriffsdefinitionen übernommen wurden. Auf die
Transitivierung und Objektverschiebung wurde in dieser Arbeit nicht
eingegangen.
Im zweiten Teil der Arbeit wird auf die Textfunktion eingegangen, die mit Hilfe
der Ergebnisse aus der Analyse ermittelt wurde. Hierbei wurde die Thematik
eingegrenzt, indem nur das Verhältnis zwischen Mensch und Natur im Bezug auf
den Mord gedeutet wurde, da sonst es den Rahmen der Arbeit sprengen würde.
1 ANZ, Thomas (Hg.): Phantasien über denWahnsinn. Expressionistische Texte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Verbale Präfix- und Affixoidbildung
2.1 Affixoidbildungen der Gruppe A
2.2 Affixoidbildungen der Gruppe B
2.3 Präfixbildungen der Gruppe C
2.4 Besonderheiten
3. Textfunktion
4. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer tabellarischen Analyse die verbale Wortbildung unter dem speziellen Aspekt der Präfix- und Affixoidbildung in Alfred Döblins expressionistischer Erzählung „Die Ermordung einer Butterblume“. Das primäre Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen morphosyntaktischen Eigenschaften von Verben und deren lexikalisch-semantischen Modifikationen sowie die daraus resultierende Textfunktion im Kontext des feindseligen Verhältnisses zwischen Mensch und Natur aufzuzeigen.
- Morphologische Analyse von Präfix- und Affixoidbildungen bei Verben
- Einteilung der Konstituenten in die Gruppen A, B und C
- Untersuchung der Modifikationsfunktionen von Präfixen/Affixoiden
- Analyse der Textfunktion im Expressionismus am Beispiel von Alfred Döblin
- Deutung der sprachlichen Darstellung des Mensch-Natur-Verhältnisses
Auszug aus dem Buch
3. Textfunktion
Alfred Döblins Erzählung „Die Ermordung einer Butterblume“ (um 1904/5 entstanden; 1913 veröffentlicht) weist typisch expressionistische Kriterien auf, die sich besonders hier auch in der Sprache sehr deutlich hervorheben. Die expressionistische Sprache wird sehr subjektiv dargestellt und mündet in einer ekstasenartigen, sehr bildhaften Beschreibung der Ermordung der Butterblume und der damit verbundenen Konsequenz für den Mörder. Döblin versucht in Bildern und Bildkomplexen, d.h. sehr gegenständlich, aber dennoch real unmöglich, das gesagte darzustellen. Um diese Tatsache zu verdeutlichen anhand einer linguistischen Betrachtungsweise, mit dem Ziel die verbalen Präfix- sowie Affixoidbildungen einzubeziehen, wird die Analyse der Textfunktion auf das feindselige Verhältnis zwischen Natur und Mensch, besonders auf den Mord selbst, beschränkt, da es sonst den Rahmen der Arbeit sprengen würde.
Die Natur sieht der Leser durch die wahnsinnigen Augen des Protagonisten, Michael Fischer, d.h. nicht objektiv, sondern in höchst subjektiver Verzerrung. Diese subjektive Verzerrung wird u.a. dadurch erreicht, indem bei der Beschreibung der Natur Präfix- und Affixoidbildungen verwendet werden, die für die Flora nicht typisch sind. So wird nach dem Akt der Ermordung der Butterblume, ihr langsamer Tod sowie ihre Racheabsicht, die schon unmittelbar nach der gräßlichen Tat eine Bedrohung für den vermeintlichen Mörder darstellt, mit Verbkomposita beschrieben, die eine Bewegung zu etwas hin, nämlich zum Mörder selbst spezifizieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung des methodischen Vorgehens und des Untersuchungsgegenstands anhand von Alfred Döblins Erzählung.
2. Verbale Präfix- und Affixoidbildung: Theoretische Einteilung der sprachlichen Konstituenten in drei Gruppen und tabellarische Analyse der Wortbildungen.
2.1 Affixoidbildungen der Gruppe A: Untersuchung der trennbaren Präfixe mit detaillierter tabellarischer Aufarbeitung ihrer Funktionen.
2.2 Affixoidbildungen der Gruppe B: Analyse der Präfixoide durch-, über-, um-, unter- und wider- in ihrer Verbindung mit Verben.
2.3 Präfixbildungen der Gruppe C: Untersuchung der untrennbaren Präfixe wie be-, er-, ent-, ver- und zer-.
2.4 Besonderheiten: Zusammenfassung morphologischer Auffälligkeiten und ergänzende Erläuterungen zur Klassifikation der Präfixe und Affixoidbildungen.
3. Textfunktion: Analyse der Wirkung sprachlicher Mittel auf die Darstellung des Mensch-Natur-Verhältnisses im Expressionismus.
4. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich des Einflusses von Wortbildungsprozessen auf die lexikalisch-semantische Ausprägung von Verben.
Schlüsselwörter
Verbale Wortbildung, Präfixbildung, Affixoidbildung, Expressionismus, Alfred Döblin, Die Ermordung einer Butterblume, morphologische Analyse, Textfunktion, Sprachwissenschaft, Mensch-Natur-Verhältnis, Derivation, Komposition, Verbalsubstantiv, Modifikation, Subjektive Verzerrung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Untersuchung der verbalen Wortbildung, speziell der Präfix- und Affixoidbildungen, innerhalb eines literarischen Textes des Expressionismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die deutsche Wortbildungslehre, die morphologische Klassifikation von Verben sowie die literarische Textanalyse unter linguistischen Gesichtspunkten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die spezifischen Wortbildungsprozesse bei Verben in Alfred Döblins Erzählung zu analysieren und deren Beitrag zur Textfunktion und zur Darstellung der subjektiven Wahrnehmung zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine tabellarische Analyse, basierend auf der Methodik aus Franz Simmlers „Morphologie des Deutschen“, um die Belege aus dem Primärtext systematisch zu erfassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Unterteilung der untersuchten Verben in drei Gruppen (A, B, C) sowie eine nachfolgende Interpretation der Textfunktion im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Mensch und Natur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Präfixbildung, Affixoidbildung, Morphologie, Expressionismus, Textfunktion und der Autor Alfred Döblin.
Wie werden die untersuchten Verben morphologisch eingeteilt?
Die Einteilung erfolgt primär in drei Gruppen: Gruppe A (trennbare Präfixe), Gruppe B (Konstituenten wie durch- oder über-) und Gruppe C (untrennbare Präfixe wie be-, er-, ent-, ver- und zer-).
Welche Rolle spielt die „Butterblume“ für die linguistische Analyse?
Die Butterblume dient als zentrales Motiv der Erzählung, dessen Antropomorphisierung durch spezifische Verbkomposita sprachlich untermauert und so das subjektive Angstempfinden des Protagonisten Michael Fischer verdeutlicht wird.
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- M. A. Firdaous Fatfouta-Hanka (Author), 1999, Verbale Präfix- und Affixoidbildungen und Textfunktionen in Erzählungen des Expressionismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13891