Simsons tragischer Tod als Lösung des israelitischen Konflikts? Diese Fragestellung bleibt nach dem Lesen der Simson Erzählung im Kopf hängen. Löst der erweiterte Selbstmord des von Gott auserkorenen Retters alle Probleme der Israeliten? Dieser Fragestellung widmet sich diese Arbeit. In der Synchronen Analyse soll die Perikope zunächst als eigenständige Erzähleinheit eingeordnet und abgegrenzt werden. Um einen besseren Überblick über die Handlungen der Perikope zu bekommen wird eine tabellarische Gliederung mit einer kurzen Beschreibung des Inhaltes eingefügt. Im Anschluss daran folgt die narrative Analyse. Hierbei wird zunächst ein besonderes Augenmerk auf die Charaktere der zwei Akteure und deren Beziehung zu einander gelegt, um die Situation beider Parteien besser nachvollziehen zu können und auch den Konflikt später besser einordnen zu können. Der darauffolgende Analyse Teil des Modus und der Stimme sind in Bezug zu der Fragestellung von größerer Bedeutung, da hier aufgezeigt werden soll inwiefern diese zwei narrativen Aspekte Einfluss auf die LeserInnen haben und auf deren Auffassung des Konflikts und seiner scheinbaren Lösung. Der vorletzte Schritt der narrativen Analyse soll dem Plot und der Handlungsdeutung gewidmet werden, sodass die Bedeutung der Perikope in ihrem Gesamtzusammenhang, sowie ihr Spannungsbogen und ihre Motive in einen größeren Kontext eingeordnet werden können, um zu einer späteren Beantwortung der Frage dieser Arbeit beitragen zu können. Die Definition des israelitischen Konflikts mit Hilfe von intertextuellen Bezügen innerhalb des Richterbuches, dient in dem letzten Schritt der synchronen Analyse dazu, dass man die gesamte schwere der Konflikte besser nachvollziehen kann und die Fragestellung beantwortet, bevor die diachrone Analyse folgt. In dem Schritt der diachronen Analyse wird die Literarkritik durchgeführt worauf dann der Ertrag dieser Arbeit noch einmal zusammengetragen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ergebnisse der Synchronen Analyse von Ri 16,22-31
2.1 Einordnung und Abgrenzung der Textstelle Ri 16,22-31
2.1.1 Kontexteinordnung von Ri 16,22-31
2.1.2 Textabgrenzung von Ri 16,22-31
2.2 Textgliederung: Abfolge und Handlungsaufbau von Ri 16,22-31
2.3 Narrative Analyse von Ri 16,22-31
2.3.1 Figuren in Ri 16,22-31
2.3.1.1 Charakterisierung Simsons in Ri 16,22-31
2.3.1.2 Charakterisierung der Philister in Ri 16,22-31
2.3.1.3 Verhältnis von Simson und den Philistern in Ri 16,22-31
2.3.2 Modus und Stimme: der Erzähler in Ri 16,22-31
2.3.3 Plot und Handlungsdeutung von Ri 16,22-31 hinsichtlich der gesamten Erzählung
2.3.4 Definition des israelitischen Konflikts mit Hilfe von intertextuellen Bezügen des Richterbuches
3. Ergebnisse der Diachronen Analyse von Ri 16,22-31
3.1 Literarkritik
4. Ertrag
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Perikope Ri 16,22-31 mit dem Ziel, zu klären, ob Simsons tragischer Tod eine tatsächliche Lösung des israelitischen Konflikts mit den Philistern darstellt oder ob dieser Konflikt durch die Erzählung bestehen bleibt.
- Synchronanalyse der Erzähleinheit Ri 16,22-31
- Narratologische Untersuchung von Figuren, Modus, Stimme und Plot
- Erforschung intertextueller Bezüge im Richterbuch zur Konfliktsdefinition
- Diachrone Untersuchung mittels Literarkritik (Doppelungen und Spannungen)
- Theologische Einordnung der Rolle Simsons als Retter und Richter
Auszug aus dem Buch
2.3.1.1 Charakterisierung Simsons in Ri 16,22-31
Simson wird in der Textstelle Ri 16,22-31 zu Beginn als „zum Gespött seiner Feinde“ gewordener Retter und gefallener Richter dargestellt, der an seiner Aufgabe Israel von den Philistern zu befreien gescheitert zu sein scheint, als er von den Fremdherrschern zum Bespaßen dieser aus dem Haus der Gefangenen gerufen wird (vgl. Ri 16,25d-e). „Simson erweist sich wiederholt als trickster“, als er sich unter einem Vorwand zwischen die zwei tragenden Säulen stellt und sich an diese anlehnt (vgl. Ri 16,26). Er wirkt nach dem ursprünglich gedemütigten Eindruck wieder wie der zielstrebige Simson, der seine Wünsche durch gewitzte und schlaue Pläne wahrwerden lassen will. Durch die Betonung der tragenden Rolle der Säulen (vgl. Ri 16,26) und der Aussage über die Massen der dort versammelten Philister (vgl. Ri 16,27) wird deutlich, dass er den Philistern wieder einen Schritt voraus ist und, dass er das bereits zuvor begonnene “souveräne[s] Katz- und- Maus- Spiel“ mit Hilfe seiner letzten Idee zu Ende führen möchte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung nach der Bedeutung von Simsons tragischem Tod für den israelitischen Kontext vor und skizziert das methodische Vorgehen in synchroner und diachroner Analyse.
2. Ergebnisse der Synchronen Analyse von Ri 16,22-31: Dieses Kapitel untersucht die Textstelle hinsichtlich ihrer literarischen Struktur, der Charakterisierung der Akteure sowie mittels narratologischer Methoden im Kontext des gesamten Richterbuches.
3. Ergebnisse der Diachronen Analyse von Ri 16,22-31: Hier erfolgt eine literarkritische Untersuchung, um festzustellen, welche Teile des Textes eventuell spätere Einschübe zur inhaltlichen Stärkung darstellen.
4. Ertrag: Das Kapitel fasst zusammen, dass Simsons Tod als Akt der Selbstopferung keine langfristige Lösung des innerisraelitischen Gottesglauben-Konflikts darstellt, obwohl die Fremdherrschaft der Philister beendet wird.
Schlüsselwörter
Simson, Richterbuch, Ri 16,22-31, Altes Testament, Philister, Synchrone Analyse, Narratologie, Konfliktlösungsfindung, Literarkritik, Selbstmord, Befreiung, Rache, JHWH, Dagan, Exegese.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die letzte Perikope der Simsonezählung (Richter 16,22-31) auf ihre theologische und narrative Bedeutung hin.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die narratologische Charakterisierung der Hauptakteure, der Umgang mit Macht und Gewalt sowie die Frage nach der Lösung des israelitischen Konflikts mit den Philistern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob Simsons tragischer Tod eine wirkliche Lösung des israelitischen Konflikts mit den Philistern darstellt oder ob die Konflikte bestehen bleiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine methodische Kombination aus synchroner Analyse (narratologische Untersuchung, intertextuelle Bezüge) und diachroner Analyse (Literarkritik).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Textanalyse, die Untersuchung von Figuren und Erzählstruktur sowie eine literarkritische Betrachtung von Textdoppelungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Simson, Philister, Narratologie, theologische Exegese, Richterbuch und Konfliktanalyse.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Simsons Gebet im Text?
Simsons Gebet wird als ambivalente Vertrauensaussage zu Gott interpretiert, in der er zwar Gottes Beistand sucht, aber gleichzeitig von persönlichen Rachemotiven getrieben bleibt.
Warum wird Simsons Tod am Ende der Arbeit als erweiterter Selbstmord bezeichnet?
Der Begriff beschreibt Simsons Handlung, bei der er bewusst den Einsturz des Gebäudes herbeiführt, was nicht nur den Tod der Philister, sondern auch seinen eigenen Tod zur Folge hat, um sein Volk zu befreien.
- Quote paper
- Julia Niehaus (Author), 2017, Simsons tragischer Tod als Lösung des israelitischen Konflikts? (Ri 16,22-31), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1389454