In der vorliegenden Hausarbeit wird die Entwicklung des Instrumentes „Horn“ historisch nachgezeichnet und übersichtlich zusammengefasst. Soziologische Betrachtungen sowie technische Errungenschaften werden mit herangezogen, sofern sie, wie oftmals geschehen, für die baulichen und klanglichen Veränderungen des Horns mit verantwortlich sind. Des Weiteren möchte ich im Verlauf der gesamten Arbeit immer wieder auf sehenswerte Ausstellungsstücke des Instrumentenmuseums der Universität Leipzig hinweisen und auch charakteristische Merkmale daran aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeines zum Instrument
3. Frühgeschichte des Horns
4. Das Mittelalterliche Horn und die soziale Stellung der Blasinstrumente
5. Entwicklungen zur Zeit der Renaissance und im Barock
6. Gravierende Veränderungen im Hornbau des 18. Jahrhunderts
7. Die Entwicklung des Ventilhorns im 19. Jahrhundert
8. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zeichnet die historische Entwicklung des Horns nach und beleuchtet dabei das Zusammenspiel von baulichen Veränderungen, technischen Neuerungen und soziokulturellen Einflüssen. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Untersuchung von Instrumenten des Musikinstrumentenmuseums der Universität Leipzig sowie auf der kritischen Würdigung der klanglichen Transformation von einem reinen Natur- bzw. Jagdinstrument hin zum chromatisch spielbaren Orchesterinstrument.
- Historische Genese der Horninstrumente von der Antike bis zum 19. Jahrhundert
- Die soziologische Stellung von Bläsern im Mittelalter und der Renaissance
- Entwicklung und Perfektionierung der Stopftechnik im 18. Jahrhundert
- Technologische Revolution durch die Erfindung des Ventilmechanismus
- Bedeutung von Instrumenten-Sammlungen für die organologische Forschung
Auszug aus dem Buch
4. Das Mittelalterliche Horn und die soziale Stellung der Blasinstrumente
Wie schon im Altertum gab es auch im gesamten Mittelalter durchweg das kleine Naturhorn aus Metall, das Tierhorn und das Olifant. Tierhörner wurden seit dem Altertum wegen ihrer großen Schallkraft von Kriegern, Wächtern, Jägern und Hirten als Signalinstrumente verwendet und sogar von Priestern als Zeichen zum Beginn des Gottesdienstes eingesetzt. Das Horn des Nachtwächters, der die Stadtbürger zur Nachtruhe ermahnte, wurde beispielsweise aus Kuhhorn gefertigt.
Die in Urkunden häufig vorkommende Reihenfolge „trometer, pfeiffer, fidler“ verweist auf die Tatsache, dass Bläser ganz allgemein geachteter waren als die Spieler von Saiteninstrumenten. Dieses Rangbewusstsein setzte sich über die Jahrhunderte hinweg durch und eine Privilegierung von Spielleuten mit Blasinstrumenten lässt sich bis ins 17. Jahrhundert hinein nachweisen. Die bürgerlichen Hochzeitsordnungen hielten die höher stehenden Instrumente des Alta-Ensembles auch den Familien mit hohem sozialen Ansehen vor, während sich die niederen mit dem Bassa-Ensemble begnügen mussten, also mit Saiteninstrumenten und „leisen Pfeifen“. Als Alta-Ensemble bezeichnet man eine Besetzung, die meist aus drei Bläsern bestand: z.B. Schalmeien, Pommern und Posaunen. Die Vorliebe für dieses Ensemble entwickelte sich im 14. Jahrhundert und der Begriff meint eine voluminöse, laute Musik, besonders geeignet für Aufführungen im Freien oder in sehr großen Räumlichkeiten.
Um auf den Naturhörnern mehr als einen Ton hervorbringen zu können, hat man später einfach Grifflöcher eingearbeitet. Von diesen Grifflöcherhörnern sind die bekanntesten die Zinken, welche ca. im 13. Jahrhundert in Gebrauch kamen. Neben den eher seltenen geraden Zinken gibt es auch die krummen, aus Holz und oft noch mit Leder überzogenen. Sie haben einen Umfang von 2-3 Oktaven aber einen leicht unsauberen Klang. Einen krummen Quartzink, um etwa 1690 gebaut, kann man sich im Renaissance-Raum der Ausstellung ansehen. In schlangenförmiger Variante wird dieses Instrument dann auch Serpent genannt; es wurde im 16. Jahrhundert in Frankreich gebaut.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Zielsetzung, das Horn historisch und soziologisch zu betrachten, sowie Hinweis auf relevante Exponate des Musikinstrumentenmuseums der Universität Leipzig.
2. Allgemeines zum Instrument: Definition des Horns als Blechblasinstrument mit enger Mensur und Beschreibung grundlegender technischer und spielpraktischer Eigenschaften.
3. Frühgeschichte des Horns: Übersicht über die Ursprünge der Horninstrumente als Naturhörner und deren Nutzung als Signal- oder Kultinstrumente.
4. Das Mittelalterliche Horn und die soziale Stellung der Blasinstrumente: Untersuchung der verschiedenen Naturhorntypen und der gesellschaftlichen Hierarchien, in denen Bläser gegenüber Saiteninstrumentalisten privilegiert waren.
5. Entwicklungen zur Zeit der Renaissance und im Barock: Erläuterung der zunehmenden Bedeutung des Horns als aristokratisches Statussymbol und der Professionalisierung von Stadtmusikanten.
6. Gravierende Veränderungen im Hornbau des 18. Jahrhunderts: Analyse der Mensurveränderungen, der Erfindung der Krummbögen und der Entwicklung des Inventionshorns zur flexiblen Nutzung in verschiedenen Tonarten.
7. Die Entwicklung des Ventilhorns im 19. Jahrhundert: Beschreibung des technischen Wandels hin zur chromatischen Spielweise mittels Ventilmechanismen und der begleitenden Kritik von Zeitgenossen.
8. Zusammenfassung: Resümee über die Entwicklung vom Naturinstrument zum modernen Orchesterhorn und dessen verbleibende symbolische Verbindung zur Natur und Jagd.
Schlüsselwörter
Horn, Waldhorn, Instrumentenkunde, Musikinstrumentenmuseum Leipzig, Naturhorn, Ventilhorn, Inventionshorn, Stopftechnik, Blasinstrumente, Musikgeschichte, Orchesterinstrument, Jagdhorn, Organologie, Klangideal, chromatische Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen und technischen Entwicklung des Instruments Horn, von seinen Anfängen als einfaches Natur- und Signalinstrument bis zur Etablierung des modernen chromatischen Ventilhorns im Orchester.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die organologische Evolution (Bauweise, Mensur, Ventilsysteme), die soziologische Rolle von Bläsern in der Musikgeschichte sowie die Auswertung von historischen Instrumenten aus dem Bestand des Leipziger Musikinstrumentenmuseums.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die systematische Nachzeichnung der baulichen und klanglichen Veränderungen des Horns und der Aufweis, wie technischer Fortschritt und klangästhetische Ideale die Verwendung des Instruments in der Kunstmusik beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-deskriptive Methode angewandt, die durch den Einbezug fachspezifischer Literatur und die unmittelbare Untersuchung von musealen Exponaten gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte, die von der Frühgeschichte und dem Mittelalter über die Renaissance und Barockzeit bis hin zum technologisch wegweisenden 18. und 19. Jahrhundert reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Horn, Ventilmechanik, Naturtonreihe, Stopftechnik, Instrumentenkunde und Orchesterpraxis.
Welche Rolle spielten die Stadtpfeifer in diesem Kontext?
Sie übernahmen im städtisch-bürgerlichen Bereich wichtige bläserische Aufgaben und festigten durch ihre hierarchische Organisation und feste Ausbildung ihren gesellschaftlichen Status gegenüber umherziehenden Musikern.
Warum war die Erfindung der Stopftechnik so bedeutend?
Sie ermöglichte es den Hornisten, durch die Veränderung der Handposition im Schalltrichter die Lücken zwischen den Naturtönen zumindest teilweise zu schließen und somit melodisch anspruchsvollere Passagen zu spielen.
Wie reagierten Zeitgenossen auf das Aufkommen der Ventilhörner?
Die Reaktionen waren gespalten: Während Orchester von der Chromatik profitierten, kritisierten Traditionalisten den Verlust des charakteristischen Hornklangs und der gestopften Töne zugunsten eines standardisierten Klangideals.
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- Marie-Christin Heene (Author), 2009, Instrumentenkunde: Das Horn, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139050