Es ist ein Versuch über das Leben meiner 4-fachen Urgroßtante zu berichten. Rahel Henriette Baranius wurde am 30. September 1768 in der Kirche St. Barbara in Danzig getauft und starb am 5. Juni 1853 im Alter von 84 Jahren in der Mohrenstrasse 54 in Berlin Mitte. Ihr Beruf war Schauspielerin und Sängerin am Königlichen Nationaltheater in Berlin.
Sie war eine Person des öffentlichen Lebens in Berlin und Potsdam im letzten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts und Teil einer Menage a quattre. Die anderen drei Personen waren König Friedrich Willhelm II, dessen Hauptmaitresse Wilhelmine Enke, spätere Gräfin Lichtenau sowie Johann Friedrich Ritz, der Geheime Kämmerer des Königs und zweite Ehemann von H. Baranius.
Die Verhältnisse im Einzelnen: Der König hatte ein langjähriges Verhältnis mit Wilhelmine Enke, dem fünf Kinder entstammten, Johann Friedrich Ritz war von 1782 bis 1796 in Scheinehe mit Wilhelmine Enke verbunden. Diese „Ehe“ brachte zwei Kinder hervor. Der König hatte 1796 ein „Verhältnis“ mit Henriette Baranius. Danach wurde sie die Geliebte von J.F.Ritz und heiratete ihn am 4. Februar 1799. Die beiden Verbindungen blieben ohne Kinder.
Die Beschreibung des Lebens von Henriette Baranius, und ihrer drei, für sie wichtigen Zeitgenossen, muß sich auf die Aktenlage in Archiven, auf die Berichte von zeitnahen Chronisten sowie heute möglich auf Informationen aus dem Internet stützen. Die Aufgabe des Autors bestand darin, möglichst viele Informationen zu sammeln, den Personen zuzuordnen und zu einem Ganzen zu verbinden.
Inhaltsverzeichnis
Rahel Henriette Baranius - „Die schöne Sängerin“
Kurzbiographie
Danzig
Theater in Preußen
Anfang in Berlin
Henriette und die Männer
Henriette und Mozart
Die Münze
Henriette – Abgang von der Bühne
Das Palais Lichtenau
Henriette – letzte Jahre
Villa Ritz und Rahel Henriette Ritz
Henriette – Schauspielerin und Sängerin am Königlichen Nationaltheater
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert das Leben der Schauspielerin und Sängerin Rahel Henriette Baranius, auch bekannt als „die schöne Sängerin“, und bettet ihre Biographie in das gesellschaftliche und politische Umfeld Preußens im späten 18. Jahrhundert ein. Der Fokus liegt dabei auf der Verbindung zwischen historischen Archivalien, zeitgenössischen Berichten und der kritischen Einordnung ihres Umfeldes.
- Lebensweg und Bühnenkarriere der Henriette Baranius
- Die preußische Theaterlandschaft im 18. Jahrhundert
- Soziale Netzwerke und Einflussbereiche am Berliner Hof
- Die Rolle der Henriette Baranius im Kontext namhafter Zeitgenossen wie Mozart
Auszug aus dem Buch
Henriette und Mozart
Das Königliche Nationaltheater am Gendarmenmarkt gibt an diesem Abend, „Die Entführung aus dem Serail“ mit Henriette in der Rolle des Blondchen. Es ist der 19.5. 1789. Ludwig Tieck (1773-1853, später Dichter und Schriftsteller) damals 16 Jahre alt, war schon vor Beginn der Vorstellung im Theater, und erblickte im Orchesterraum einen ihm unbekannten Mann. „Klein, rasch, beweglich und blöden Auges, eine unansehnliche Figur im grauen Überrock“. Während der Vorstellung, an der Stelle der D -Dur Arie des Pedrillo „Nur ein feiger Tropf verzagt“ die zweiten Geiger Dis statt D griffen, wurde der kleine Mann mit den Worten „Verflucht, wollt ihr wohl D greifen“ laut. Das Publikum erkannte ihn, es war Mozart. Henriette war davon so irritiert, daß sie nicht mehr weitersingen wollte. Nur durch gutes Zureden von Mozart, sie erbat sich dabei einige persönliche Anweisungen die gewährt wurden, konnte sie zum weiteren Auftreten, Mozart dirigierte den Rest der Vorstellung, überredet werden. Hierbei soll sich Mozart in Henriette verliebt haben.....Mozarts Freunden gelang es nur mit Mühe ihn aus dem Bann dieser „gefährlichen“ Frau zu befreien.
Zusammenfassung der Kapitel
Rahel Henriette Baranius - „Die schöne Sängerin“: Einleitende Darstellung, die das Ziel verfolgt, das Leben dieser historischen Persönlichkeit aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen.
Kurzbiographie: Zusammenfassung der Bühnenlaufbahn von Henriette Baranius, hervorgehend aus dem Großen Biographischen Lexikon der Deutschen Bühnen von 1903.
Danzig: Historische Einordnung der Geburtsstadt von Henriette und die Umbruchszeit in Westpreußen.
Theater in Preußen: Überblick über die Strukturen der Theatergesellschaften, ihre Privilegien und den künstlerischen Wandel hin zum bürgerlichen Sprechtheater.
Anfang in Berlin: Schilderung der Ankunft von Henriette und ihrem Ehemann Baranius in Berlin und der Beginn ihrer Karriere unter Döbbelin.
Henriette und die Männer: Darstellung der privaten Verhältnisse, insbesondere der Beziehungen zu verschiedenen Männern, belegt durch historische Briefe und Dokumente.
Henriette und Mozart: Bericht über das Zusammentreffen von Mozart und Henriette während einer Theateraufführung in Berlin 1789.
Die Münze: Analyse der auf Henriette geprägten Münze und deren Bedeutung als Ausdruck der Verehrung.
Henriette – Abgang von der Bühne: Beschreibung der Umstände ihres erzwungenen Abschieds vom Theater 1796 infolge höfischer Intrigen.
Das Palais Lichtenau: Hintergrundinformationen zur Errichtung und Geschichte des sogenannten Palais Lichtenau.
Henriette – letzte Jahre: Dokumentation der Lebensumstände von Henriette nach ihrem Rückzug von der großen Bühne bis zu ihrem Tod 1853.
Villa Ritz und Rahel Henriette Ritz: Details zur Bau- und Besitzgeschichte der Villa Ritz in Potsdam.
Henriette – Schauspielerin und Sängerin am Königlichen Nationaltheater: Chronologische Aufstellung von Auftrittsdaten und Rollen von Henriette zwischen 1785 und 1796.
Schlüsselwörter
Rahel Henriette Baranius, Preußen, Theatergeschichte, Berlin, 18. Jahrhundert, Wolfgang Amadeus Mozart, Palais Lichtenau, Villa Ritz, preußische Biographie, Schauspielerin, Sängerin, Bühnenkarriere, Johann Friedrich Ritz, Hofkultur, historische Dokumentation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit zeichnet den Lebensweg der Schauspielerin und Sängerin Rahel Henriette Baranius nach und versucht, durch die Auswertung historischer Dokumente ein umfassendes Bild ihrer Biographie sowie ihres beruflichen und privaten Umfelds im 18. Jahrhundert zu zeichnen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die preußische Theaterwelt des ausgehenden 18. Jahrhunderts, das gesellschaftliche Leben am Berliner Hof, biografische Details zu Henriette Baranius sowie die architekturhistorische Bedeutung der Villa Ritz in Potsdam.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel besteht darin, die bisher oft bruchstückhaft überlieferten Informationen über das Leben der Henriette Baranius aus verschiedenen Quellen wie Archiven, zeitgenössischen Berichten und Lexika zu sammeln, einander zuzuordnen und strukturiert aufzubereiten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine quellenbasierte Methode, insbesondere durch die Auswertung archivarischer Bestände, Kirchenbücher, zeitgenössischer Theaterzettel und publizierter Biographien sowie einer kritischen Analyse bestehender Literatur.
Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene chronologische und thematische Abschnitte, von ihrer Herkunft aus Danzig, über ihre Theaterkarriere, die verschiedenen Männerbeziehungen, bis hin zur detaillierten Aufstellung ihrer zahlreichen Bühnenauftritte zwischen 1785 und 1796.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Henriette Baranius, Preußische Geschichte, Theatergeschichte des 18. Jahrhunderts, Archivforschung und biographische Rekonstruktion charakterisieren.
Welche Rolle spielte Mozart im Leben von Henriette Baranius?
Mozart wird in einem spezifischen Zwischenfall während einer Aufführung der „Entführung aus dem Serail“ 1789 erwähnt, in dem er lautstark in das Orchester eingriff, was laut Bericht zu Irritationen führte, aber auch eine Begegnung mit Henriette nach sich zog.
Welche Bedeutung hatte das Palais Lichtenau im Kontext ihres Lebens?
Das Palais Lichtenau, oft mit der Gräfin Lichtenau in Verbindung gebracht, markiert einen Abschnitt im Umfeld von Johann Friedrich Ritz, dem Ehemann von Henriette, und diente zeitweise als Wohnstatt für das Paar.
- Arbeit zitieren
- Martin Husen (Autor:in), 2023, Henriette Baranius. "Die schöne Sängerin", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1390570