Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder in der Kirche

Der Bruch mit einer christlich-humanitären Tradition

Title: Sexualisierte Gewalt gegen Kinder in der Kirche

Term Paper , 2009 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Simone Dörnen (Author)

Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

In den letzten Jahren findet man Kirchen immer häufiger im Zentrum der öffentlichen Kritik. Besonders die katholische Kirche, die sich selbst gern als unerschütterlicher Fels der Moral darstellt, gerät in die öffentlichen Diskussionen. Vor allen Dingen bei Übertretungen der eigenen Regeln und Gesetze bezüglich der Sexualität wachsen sowohl Interesse der Öffentlichkeit als auch Lautstärke der Kritiker. In den letzten Jahren zeigen diese Übertretungen vor allen Dingen im Bezug auf sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen weltweit Formen. In einer Gesellschaft, in der das Wohl des Kindes als hoch geachtet und geschützt gilt, lässt sich über ein solches Verhalten in keinem Falle hinwegsehen. Auch Papst Johannes Paul II. findet scharfe Worte für die Verfehlungen der Amtsträger, wie in seiner Ansprache vom 23.04.2002 während einer außerordentlichen Versammlung von Kardinälen und den führenden Vertretern der Bischofskonferenz der USA deutlich wird. Es lässt sich feststellen, dass sich die Reaktionen der Kirche und auch die der Gesellschaft immer und ausschließlich auf die aktuellen Fälle und deren Auswirkungen konzentrieren. Um die Vorfälle jedoch vollends zu verstehen und zu beurteilen, darf man die geschichtlichen Gegebenheiten nicht außer Acht lassen. Die gravierenden Folgen für das Christentum und der immense Verlust von Glaubwürdigkeit als Religion, zu deren humanitären Grundeinstellungen die Achtung und der Schutz des Kindes vor Übel gehören, werden erst dann deutlich, wenn man sich klar macht, dass die verurteilende Einstellung der Gesellschaft gegenüber sexualisierter Gewalt vornehmlich christlicher Natur ist.
Ziel dieser Ausarbeitung soll die Betrachtung der geschichtlichen Entwicklung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder von der Antike bis zur Neuzeit sein. Dabei darf und wird das Christentum mit seiner Aufwertung des Kindes im Vergleich zum Ersten Testament nicht außer Acht gelassen werden. In einem zweiten großen Teil soll der Blickpunkt auf die aktuelle Situation gelenkt werden. Die Einstellung der breiten Öffentlichkeit zu sexualisierter Gewalt soll anhand der UN- Kinderrechtskonvention deutlich gemacht werden und auch die aktuelle Situation in der katholischen Kirche wird skizziert: Mit welchen Maßnahmen die katholische Kirche auf die Vorfälle reagiert und ob man wirklich davon ausgehen kann, dass das Kirchenrecht die Umsetzung der Kinderrechte behindert, sollen hier leitende Fragestellungen sein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. (Sexualisierte) Gewalt gegen Kinder im Alten Testament

1.1. Der Begriff des Kindes im Alten Testament

1.2. Sexueller Missbrauch von Kindern im Alten Testament

2. Sexuelle Kontakte mit Kindern in der Antike

3. Das Verständnis von Kindern im Neuen Testament

3.1. Die Aufwertung des Kindes durch Jesu Lehre

3.2. Das Verbot von sexuellen Kontakten zu Kindern im frühen Christentum

4. Im Spiegel der Zeit - sexueller Kontakt zu Kindern im Mittelalter bis zur Neuzeit

5. Sexueller Missbrauch von Kindern in der UN- Kinderrechtskonvention

5.1. Art. 34 der UN- Kinderrechtskonvention im Wortlaut

5.2. Die Bedeutung des Artikels für den Schutz der Kinder vor sexuellem Missbrauch

6. Sexualisierte Gewalt in der modernen katholischen Kirche

Resümee und Ausblick

Literatur

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die geschichtliche Entwicklung und Wahrnehmung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder, ausgehend von biblischen Texten über die Antike bis hin zur heutigen Situation in der katholischen Kirche, unter besonderer Berücksichtigung der UN-Kinderrechtskonvention.

  • Die historisch-theologische Einordnung des Kindseins und Schutzkonzepte in christlicher Tradition.
  • Die Analyse von sexualisierter Gewalt in antiken Gesellschaftsstrukturen.
  • Die Bedeutung der UN-Kinderrechtskonvention als völkerrechtlicher Standard zum Schutz vor sexuellem Missbrauch.
  • Der Umgang der modernen katholischen Kirche mit Missbrauchsfällen und die Rolle des Kirchenrechts.

Auszug aus dem Buch

2. Sexuelle Kontakte mit Kindern in der Antike

Die Päderastie war ein weit verbreitetes und auch gesellschaftlich weitgehend etabliertes Phänomen der griechischen und römischen Antike. Obwohl der Begriff Päderastie Kinder beiderlei Geschlechts einbezieht, galt das Interesse der Männer Athens allein den Knaben. Diese Knabenliebe, wie das Verhältnis zwischen einem reifen Mann und eines Jünglings oft bezeichnet wird, war lange Zeit die einzige Verbindung, die sich als wahrhafte Liebe bezeichnen ließ. Zwar galten Zuneigung und Gleichklang in der Ehe und der Frauenliebe zumindest in der Spätklassik als vorbildlich, waren aber nicht wesentliche Voraussetzung.

Für die Knabenliebe war eine geistig seelische Verbindung der beiden Partner zwingend notwendig, während dem sexuellen Kontakt nur eine zweitrangige Bedeutung beigemessen wurde und diese sittliche Zuwendung in einer Philia, einer lebenslangen Freundschaft mündete. Oft wurde die Knabenliebe der ehelichen Verbindung gegenüber gestellt und nicht selten sogar vorgezogen. Daraus lässt sich die Einbettung solcher Verbindungen in das gesellschaftliche Wertesystem erkennen. Dieser Einbezug in das Wertesystem hat normierende Regeln im Bezug auf das Alter und die päderastische Praxis zur Folge, deren Missachtung Anstoß und Beschimpfung mit sich brachte, und daher meist im Verborgenen stattfand.

Der wesentliche Sinn der antiken Knabenliebe lag im Wesentlichen in ihrer erzieherischen Funktion. Der pädagogische Eros, wie Carola Reinsberg den Akt selbst nennt, hatte eine komplettierende Wirkung. Der erwachsene Erastes sollte dem Pais, wie der Knabe oder der Jüngling aufgrund seiner kindgleichen sozialen Abhängigkeit genannt wurde, die Verhaltensideale eines antiken Bürgers lehren und ihn zu einem „schönen und guten Mann“ erziehen, der im sittlichen Sinne gut lebt. Für den Eros galt die Regel, dass es nie zu einer Penetration des Pais kommen durfte. Der männliche Sexualakt wurde als Aggression verstanden und fungierte als ein Zeichen der Unterwerfung und Erniedrigung. Die einzige legitime Art des Aktes scheint der Schenkelverkehr gewesen zu sein, bei der der Pais allerdings idealerweise unbeteiligt blieb und sich seine Zuneigung nur in der Nachahmung des Erastes zeigte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. (Sexualisierte) Gewalt gegen Kinder im Alten Testament: Untersuchung der biblischen Auffassung des Kindes und der schwierigen Quellenlage zu sexualisierter Gewalt in alttestamentlichen Texten.

2. Sexuelle Kontakte mit Kindern in der Antike: Analyse der gesellschaftlich etablierten Päderastie als pädagogisches und soziales Phänomen in Griechenland und Rom.

3. Das Verständnis von Kindern im Neuen Testament: Darstellung der theologischen Aufwertung des Kindes durch Jesus und der daraus resultierenden moralischen Schutzansprüche.

4. Im Spiegel der Zeit - sexueller Kontakt zu Kindern im Mittelalter bis zur Neuzeit: Erörterung der moralischen Wandlungen und der Rolle von Reinheitsvorstellungen für den Kinderschutz.

5. Sexueller Missbrauch von Kindern in der UN- Kinderrechtskonvention: Erläuterung der rechtlichen Bedeutung des Art. 34 für den weltweiten Schutz von Kindern.

6. Sexualisierte Gewalt in der modernen katholischen Kirche: Kritische Auseinandersetzung mit Missbrauchsfällen durch Priester, kirchlichen Leitlinien und den notwendigen Reformbemühungen.

Schlüsselwörter

Sexualisierte Gewalt, Kinderrechte, Katholische Kirche, Missbrauch, UN-Kinderrechtskonvention, Päderastie, Altes Testament, Neues Testament, Zölibat, Christentum, Kinderschutz, Sozialgeschichte, Priester, Moral, Antike

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit beleuchtet die geschichtliche Entwicklung und die christliche sowie gesellschaftliche Wahrnehmung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder, mit einem Fokus auf dem Wandel des Kindheitsbildes.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Die zentralen Felder sind die historische Exegese, die Antiken-Forschung, die moderne Ethik und die kirchenrechtliche Aufarbeitung von Missbrauchsfällen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die geschichtlichen Hintergründe für den Schutz des Kindes zu verstehen und die aktuelle Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt innerhalb der katholischen Kirche einzuordnen.

Welche Methode wird angewandt?

Die Arbeit nutzt eine historisch-theologische Analyse und kombiniert diese mit einer sozialgeschichtlichen Auswertung von Quellen und rechtlichen Rahmenbedingungen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil spannt den Bogen von den alttestamentlichen Texten über antike Praktiken und neutestamentliche Wertungen bis hin zur UN-Kinderrechtskonvention und den Leitlinien der katholischen Kirche.

Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch?

Wichtige Begriffe sind insbesondere die Aufwertung des Kindes als "Gotteskindschaft", der Wandel von der Päderastie zum Kinderschutz und der kritische Umgang mit dem Klerus.

Warum wird im ersten Teil das Alte Testament intensiv untersucht?

Um die Wurzeln unseres heutigen Verständnisses und die juristische beziehungsweise soziale Position des Kindes in der Frühzeit zu erfassen, auch wenn der Nachweis von Missbrauch hier oft schwierig ist.

Welche Rolle spielt die UN-Kinderrechtskonvention in der Argumentation?

Sie dient als moderner Maßstab, der den weltweiten Konsens zum Schutz vor sexueller Ausbeutung festigt und die christliche Forderung nach Nächstenliebe und Schutz der Schwächsten rechtlich untermauert.

Wie bewertet die Autorin die aktuellen Leitlinien der katholischen Kirche?

Die Autorin sieht diese als einen ersten wichtigen Schritt zur Enttabuisierung und zur konsequenten Aufarbeitung, betont jedoch, dass der Weg der offenen Auseinandersetzung fortgesetzt werden muss.

Excerpt out of 24 pages  - scroll top

Details

Title
Sexualisierte Gewalt gegen Kinder in der Kirche
Subtitle
Der Bruch mit einer christlich-humanitären Tradition
College
University of Duisburg-Essen
Course
Christentum und Kinder – ein christlicher Beitrag zur UN-Kinderrechtskonvention
Grade
1,0
Author
Simone Dörnen (Author)
Publication Year
2009
Pages
24
Catalog Number
V139067
ISBN (eBook)
9783640489954
ISBN (Book)
9783640489633
Language
German
Tags
sexueller Missbrauch sexuelle Gewalt Missbrauch Kinderrechte UN- Kinderrechtskonvention Lustknaben Pädophilie Gewalt Kirche
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Simone Dörnen (Author), 2009, Sexualisierte Gewalt gegen Kinder in der Kirche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139067
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  24  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint