Heinz Kohut war ein amerikanischer Psychoanalytiker österreichischer Abstammung. Er beschäftigte sich in seinen Arbeiten mit der selbstpsychologischen Richtung der Psychoanalyse und hat zur spezifischen Behandlung des pathologischen Narzissmus bzw. narzisstischer Störungen wesentlich beigetragen, womit er als Begründer einer eigenen psychoanalytischen Tradition gilt.
Donald Wood Winnicott wurde am 7. April 1896 in Plymouth geboren und ist am 28. Januar 1971 in London gestorben. Er war ein englischer Psychoanalytiker, der sich in seinen Arbeiten oft mit dem Thema der Kreativität auseinandergesetzt hat. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Objektbeziehungstheorie, wobei er die Begriffe Übergangsobjekt und Übergangsphänomen eingeführt hat.
In dieser Arbeit werden die kreativitätstheoretischen Überlegungen beider Autoren dargestellt und ihre Auffassungen zu den Themen der Eltern-Kind-Beziehung, dem Sublimierungsvermögen und den Wurzeln der Kreativität verdeutlicht.
Kohut und Winnicott halten die äußere Umwelt für die Ursache psychischer Störungen, wobei die frühen Jahre am Wichtigsten sind. Die Eltern als wichtigste Bezugspersonen müssen für eine ausreichend gute Entwicklung sorgen, indem sie entsprechend auf die Bedürfnisse des Kindes reagieren und zum Beispiel die kindliche Kreativität fördern.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
NARZISSTISCHE PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNGEN NACH KOHUT
KREATIVITÄT BEI KOHUT
ÜBERGANGSOBJEKTE UND ÜBERGANGSPHÄNOMENE BEI WINNICOTT
DIE WURZELN DER KREATIVITÄT NACH WINNICOTT
SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verständnis von Kreativität im Kontext der psychoanalytischen Theorien von Heinz Kohut und Donald Winnicott. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie Kreativität als Ausdruck psychischer Entwicklung, zur Selbststärkung und zur Bewältigung narzisstischer Störungen oder früher Kindheitserfahrungen beitragen kann.
- Vergleich der kreativitätstheoretischen Ansätze von Kohut und Winnicott
- Die Rolle der Eltern-Kind-Beziehung für die schöpferische Entfaltung
- Bedeutung von Übergangsobjekten und Übergangsphänomenen
- Sublimierung als Mechanismus zur Transformation narzisstischer Energien
- Kreativität als Indikator für psychische Gesundheit und Anpassung
Auszug aus dem Buch
Kreativität bei Kohut
Kunst und Kreativität werden von Kohut nicht nur als eine Möglichkeit zur Spannungsminderung, sondern auch zur Ich-Stärkung angesehen. Bei narzisstisch gestörten Patienten könne die Kreativität aus wieder erweckten narzisstischen Besetzungen entstehen. Hier erläutert Kohut, dass narzisstische Besetzungen bei Wissenschaftlern und bei Künstlern verschieden stark ausgeprägt sind. Betrachten doch Künstler ihr Werk als eine unantastbare und kostbare Wiederspiegelung ihres Selbst, was sie näher am Narzissmus bringt. Wissenschaftler hingegen, obwohl sie auch ein Werk aus ihren eigenen Bemühungen schaffen und danach streben, dass dieses Werk bedeutsam ist, empfinden sie Kritik nicht so schmerzhaft und kränkend wie Künstler.
Die Wissenschaft strebt danach, dass eine Produktion bereits bestehende Gebilde vorstellt, während es bei Kunst um etwas viel individuelleres geht, da sie unendlich viele und neue Aspekte zum Vorschein bringen kann, die mit der Persönlichkeit des Künstlers in Verbindung stehen. Die er sozusagen nicht nur kreiert, sondern geboren hat und sie somit für immer ein Teil von ihm selbst bleiben. Wissenschaftler können narzisstische Besetzungen eher neutralisieren, was man an der Tatsache erkennen kann, dass wenn eine wissenschaftliche Theorie aufgestellt worden ist, sie für die zukünftigen Wissenschaftler als frei zu verwendendes Objekt bereitstellt, desses sie sich bedienen können, es kritisieren und aufs kleinste Detail untersuchen, damit sie auf weitere Erkenntnisse in diesem Gebiet, dank dieses Werks, kommen können. Kohut warnt aber davor, die Grade der narzisstischen Besetzungen zu überschätzen und zu großen Wert auf die Differenzierung dieser zu legen.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die theoretischen Hintergründe von Heinz Kohut und Donald Winnicott ein und definiert die zentralen Themen wie Eltern-Kind-Beziehung und Sublimierung.
NARZISSTISCHE PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNGEN NACH KOHUT: Dieses Kapitel erläutert Kohuts Verständnis von gesundem und pathologischem Narzissmus sowie die Rolle des Selbst und der frühen Bezugspersonen.
KREATIVITÄT BEI KOHUT: Es wird analysiert, wie Kreativität zur Ich-Stärkung dient und wie künstlerische oder wissenschaftliche Tätigkeiten als Mechanismen der narzisstischen Restitution fungieren.
ÜBERGANGSOBJEKTE UND ÜBERGANGSPHÄNOMENE BEI WINNICOTT: Dieses Kapitel thematisiert Winnicotts Konzept des intermediären Raums und die Bedeutung von Objekten für die psychische Entwicklung und Symbolbildung des Kindes.
DIE WURZELN DER KREATIVITÄT NACH WINNICOTT: Hier wird Kreativität als grundlegende Lebenseinstellung und Anpassungsleistung des Menschen definiert, die eng mit der psychischen Gesundheit verknüpft ist.
SCHLUSS: Die Zusammenfassung führt die Ansätze beider Autoren zusammen und betont die Bedeutung einer unterstützenden Umwelt für die Entwicklung eines gesunden Selbst.
Schlüsselwörter
Kreativität, Heinz Kohut, Donald Winnicott, Narzissmus, Psychoanalyse, Übergangsobjekt, Selbstpsychologie, Objektbeziehungstheorie, Sublimierung, Individuation, psychische Gesundheit, Frühkindliche Entwicklung, Selbstobjekt, Symbolbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychoanalytischen Sichtweise auf die menschliche Kreativität und vergleicht dabei die Theorien von Heinz Kohut und Donald Winnicott.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Narzissmus, der Bedeutung der frühen Mutter-Kind-Beziehung, das Übergangsobjekt sowie die Rolle der Kreativität für die psychische Gesundheit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Auffassungen beider Autoren bezüglich des Sublimierungsvermögens und der Entstehung von Kreativität darzulegen und deren Relevanz für eine gesunde Identitätsbildung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf der Literaturanalyse psychoanalytischer Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung narzisstischer Störungen und Kreativität bei Kohut sowie die Untersuchung von Übergangsobjekten und den allgemeinen Wurzeln der Kreativität bei Winnicott.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Psychoanalyse, Narzissmus, Kreativität, Übergangsobjekt und Selbstentwicklung definieren.
Wie unterscheidet Kohut zwischen Künstlern und Wissenschaftlern bezüglich ihrer Kreativität?
Kohut sieht Künstler stärker in einer narzisstischen Besetzung ihres Werks als Spiegel ihres Selbst, während Wissenschaftler eher in der Lage sind, ihre Theorien als freie, kritisierbare Objekte zu behandeln.
Warum spielt die "ausreichend gute Mutter" bei Winnicott eine so zentrale Rolle?
Sie ist notwendig, um das Kind bei der Entwicklung von Illusion und Desillusionierung zu unterstützen, was die Grundvoraussetzung für die Entstehung von Kreativität und den Gebrauch von Übergangsobjekten bildet.
Was bedeutet das "Gefühl der Isolierung des schöpferischen Geistes" nach Kohut?
Es beschreibt das Gefühl des Alleinseins bei kreativen Prozessen, welches oft auf tief sitzende Kindheitsängste vor dem Verlassenwerden zurückzuführen ist.
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- Fani Vakleva (Author), 2009, Kreativität bei Donald Wood Winnicott und Heinz Kohut, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139070