Der „Low-Cost-Boom“ ist ein Phänomen, das die Luftverkehrsbranche in Europa seit dem Durchstarten von Ryanair zunehmend beschäftigt hat. Nicht nur die klassischen Fluggesellschaften müssen sich in der veränderten Marktstruktur der Billigkonkurrenz stellen. Für Flughäfen ergibt sich durch den Markteintritt der Low-Cost-Carrier (im weiteren Verlauf: LCC) eine neue Kundengruppe mit neuen Anforderungen. Die vorliegende Arbeit soll aufzeigen, welche Bedeutung die Akquise von LCC für einen Flughafen haben kann und wie sich das Management eines Flughafens darauf einstellen kann. Dies wird nicht nur theoretisch erklärt, sondern auch am Beispiel des Dortmund Airport veranschaulicht. Dieser ist seit 2004 im Kundensegment der LCC aktiv.
Im theoretischen Teil der Arbeit werden zunächst die wesentlichen Rahmenbedingungen erläutert, die zum Markteintritt der LCC und einem verschärften Wettbewerb unter Flughäfen geführt haben. Die beiden Akteure der untersuchten Beziehung – Flughafenmanagement und LCC – werden anschließend vorgestellt. Da die LCC-Akquise für Flughäfen mit Drehkreuzfunktion eine untergeordnete Rolle spielt, werden die besonderen Managementanforderungen des Flughafentyps Hub nicht betrachtet. Das Geschäftsmodell der LCC wird anhand des für diese Fluggesellschaften typischen Marketing-Mix für Dienstleistungsunternehmen erklärt. Schließlich werden die typischen Merkmale der Beziehung zwischen Flughäfen und LCC beleuchtet.
Ziel des Praxisbeispiels Dortmund Airport ist es, herauszuarbeiten, wie die im Theorieteil erarbeiteten Bedingungen für ein erfolgreiches Flughafenmarketing mit der Zielgruppe LCC umgesetzt werden können. In diesem Teil wird besonders auf das Förderprogramm NERES eingegangen, mit dem ein vor allem für LCC attraktives Preismodell geschaffen wurde. Es wird untersucht, wie sich der Flughafen seit Einführung des Programms entwickelt hat. Da der Flughafen Dortmund mit einem solchen System als Pionier auftritt, wird auch der Einfluss des Programms auf andere ausgewählte deutsche Flughäfen betrachtet.
In Kapitel 5 werden Theorie und Praxis zusammengeführt, um Entwicklungsmöglichkeiten für den Dortmund Airport abzuleiten. Ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im deutschen Low-Cost-Markt wird ebenfalls auf die Situation des Flughafens übertragen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der deutsche Luftverkehrsmarkt
2.1 Erscheinungsformen des Angebots im Luftverkehr
2.1.1 Einteilung der (Passage-)Fluggesellschaften
2.1.2 Einteilung der Flughäfen
2.2 Rahmenbedingungen für LCC und Flughafengesellschaften
2.2.1 Deregulierung des Luftverkehrs
2.2.1.1 Ausgangssituation
2.2.1.2 Liberalisierung
2.2.2 Regulierung der Flughäfen
2.2.2.1 Eigentümerschaft
2.2.2.2 Beihilfen für Flughäfen und Fluggesellschaften
2.2.2.3 Liberalisierung der Bodenverkehrsdienste
2.2.3 Besonderheiten der Nachfrage (Passagiere)
3 Flughäfen und LCC
3.1 Flughafenmanagement
3.1.1 Allgemeine Funktionen
3.1.2 Wertschöpfung eines Flughafens
3.1.2.1 Wertkette
3.1.2.2 Verkehrseinnahmen
3.1.2.3 Non-Aviation-Erlöse
3.1.3 Flughafen-Marketing
3.1.3.1 Bedeutung des Marketings
3.1.3.2 Marketing-Maßnahmen
3.2 Low-Cost-Carrier
3.2.1 Begriffsdefinition und Positionierung
3.2.2 Entwicklung der LCC
3.2.3 Charakteristika des Geschäftsmodells
3.3 LCC als Flughafen-Kunden
3.3.1 Flughafenwahl der LCC
3.3.2 LCC-Akquise aus Flughafen-Sicht
3.3.2.1 Gründe für die LCC-Akquise
3.3.2.2 Herausforderungen für das Flughafenmanagement
4 Fallbeispiel Dortmund Airport
4.1 Strategische Neuausrichtung des Flughafenmanagements
4.1.1 Marketing Dortmund Airport
4.1.2 Zukunftskonzept
4.2 LCC-Akquise des Dortmund Airport
4.2.1 NERES als Akquisitionsinstrument
4.2.2 Impulse durch NERES
4.2.2.1 LCC-Entwicklung in Dortmund
4.2.2.2 Einfluss auf ausgewählte deutsche Flughäfen
4.2.3 NERES vs. Wettbewerb?
4.2.3.1 Vorwürfe der EU-Kommission
4.2.3.2 Stellungnahmen Dritter
5 Entwicklungsmöglichkeiten
5.1 Stärken und Schwächen des Dortmund Airport
5.1.1 IST-Zustand
5.1.2 Konsequenzen
5.2 Zukunftsaussichten für LCC und Low-Cost-Flughäfen
5.2.1 Wettbewerb und Kostendruck
5.2.2 Markttrends
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Akquise von Low-Cost-Carriern (LCC) für das Flughafenmanagement und analysiert, wie Flughäfen ihre Strategien an die Anforderungen dieser neuen Kundengruppe anpassen können, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Am Beispiel des Dortmund Airport wird aufgezeigt, wie durch spezifische Förderprogramme und Marketingmaßnahmen das Passagieraufkommen gesteigert und eine strategische Neuausrichtung erreicht werden kann.
- Marktentwicklung und Rahmenbedingungen für LCC und Flughäfen.
- Die Rolle des Flughafenmanagements bei der Wertschöpfung und Vermarktung.
- Besonderheiten des Geschäftsmodells von Low-Cost-Carriern.
- Fallstudie Dortmund Airport: Einführung und Auswirkungen des Förderprogramms NERES.
- Entwicklungsmöglichkeiten und Zukunftstrends im Low-Cost-Markt.
Auszug aus dem Buch
3.1.2.1 Wertkette
Der Flughafen wird als Dienstleistungsunternehmen betrachtet. Demnach sind die primären Aktivitäten der Flughafenwertkette unterteilt in Akquisitionsphase, Eingangslogistik, Kontaktphase und Nachkontaktphase. In Deutschland werden traditionell alle Aufgaben innerhalb der Wertkette vom Flughafenbetreiber geregelt – anders als z.B. in den USA, wo Fluggesellschaften oder Drittunternehmen die Wertschöpfung jenseits von Infrastruktur und Flugbetrieb übernehmen. Abbildung 1 Zeigt die Aktivitäten in der Wertschöpfungskette. Alle Phasen werden von der Positionierung des Flughafens beeinflusst und hängen voneinander ab. Die Ausrichtung spiegelt sich in den Differenzierungsmöglichkeiten bei der Vertragsgestaltung unter anderem durch die Höhe der Flughafenentgelte wider. Die eigentliche Leistungserstellung variiert ebenfalls: Je nach Flugzeuggröße werden unterschiedliche Anforderungen an die Infrastruktur gestellt; Hubs benötigen Möglichkeiten zur Abwicklung der Umsteigevorgänge und komplexere Bodenverkehrsdienstleistungen als Flughäfen mit reinem Charter- oder Low-Cost-Verkehr (s. auch Kapitel 3.3). Im Kapitel Flughafen-Marketing wird vor allem auf die Akquisition näher eingegangen. Aber auch die auf die Zielgruppe zugeschnittene Leistungserstellung (Kontaktphase) sowie Erkenntnisse aus der Nachkontaktphase spielen eine Rolle für das erfolgreiche Marketing eines Flughafens. Das Zusammenspiel dieser Aspekte macht den Flughafen attraktiv.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in das Phänomen des Low-Cost-Booms in Europa ein und stellt die Relevanz der LCC-Akquise für das Flughafenmanagement dar.
2 Der deutsche Luftverkehrsmarkt: Dieses Kapitel erläutert die regulatorischen Rahmenbedingungen sowie die strukturellen Veränderungen im Luftverkehrsmarkt, die zur Etablierung des Low-Cost-Modells führten.
3 Flughäfen und LCC: Hier werden die Managementanforderungen von Flughäfen im Umgang mit LCC, deren Geschäftsmodelle sowie die Spezifika der Flughafenwahl durch Billigflieger detailliert beleuchtet.
4 Fallbeispiel Dortmund Airport: Das Kapitel analysiert die strategische Neuausrichtung des Flughafens Dortmund und untersucht insbesondere das Förderprogramm NERES als Instrument zur LCC-Akquise sowie die Reaktion des Wettbewerbs.
5 Entwicklungsmöglichkeiten: Theorie und Praxis werden zusammengeführt, um strategische Handlungsoptionen für den Dortmund Airport abzuleiten und zukünftige Trends im Low-Cost-Markt zu bewerten.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, dass die LCC-Akquise trotz regulatorischer Herausforderungen eine essenzielle Chance für Sekundärflughäfen darstellt.
Schlüsselwörter
Low-Cost-Carrier, LCC, Flughafenmanagement, Dortmund Airport, NERES, Luftverkehrsmarkt, Flughafenmarketing, Passagierwachstum, Wettbewerb, Billigflieger, Infrastruktur, Standortentwicklung, Strategie, Wirtschaftsförderung, Luftverkehr.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des Wachstums von Low-Cost-Carriern auf das Flughafenmanagement und analysiert, wie Flughäfen durch strategische Anpassungen von diesem Trend profitieren können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Rahmenbedingungen des Luftverkehrsmarktes, die Geschäftsmodelle von LCC, das Flughafenmarketing sowie die praktische Umsetzung einer Strategie zur LCC-Akquise.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Flughäfen ihre Wettbewerbsposition durch die gezielte Akquise von Low-Cost-Carriern verbessern können, unter Berücksichtigung von Kosten und infrastrukturellen Anforderungen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Fundierung zu den Rahmenbedingungen des Luftverkehrs und eine angewandte Fallstudie (Dortmund Airport), um die strategische Ausrichtung zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Betrachtung von Flughafenfunktionen, LCC-Geschäftsmodellen und die detaillierte Analyse der LCC-Akquise, gefolgt von der praktischen Fallstudie des Dortmund Airport.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen Low-Cost-Carrier, Flughafenmanagement, Dortmund Airport, NERES-Förderprogramm und Luftverkehrsmarkt.
Welche Funktion hat das Programm NERES am Flughafen Dortmund?
NERES dient als offizielles Förderprogramm, das durch attraktive Paketpreise anstelle einer komplexen Entgeltordnung den Markteintritt und die Streckenerweiterung für Low-Cost-Carrier erleichtern soll.
Wie reagiert die EU-Kommission auf solche Förderprogramme?
Die EU-Kommission prüft solche Programme kritisch auf ihre Vereinbarkeit mit dem Wettbewerbsrecht, insbesondere hinsichtlich Transparenz, Nichtdiskriminierung und Verhältnismäßigkeit staatlicher Beihilfen.
Warum gilt der Dortmund Airport als Vorbild in diesem Kontext?
Der Dortmund Airport wird als Pionier betrachtet, da er mit dem Programm NERES frühzeitig einen offiziellen, transparenten Rahmen für die Kooperation mit Low-Cost-Carriern geschaffen hat.
Welchen Stellenwert nimmt das Einzugsgebiet ein?
Das Einzugsgebiet ist ein kritischer Erfolgsfaktor für die Flughafenwahl von Airlines, da eine hohe potenzielle Nachfrage die Basis für eine profitable Streckennutzung bildet.
- Quote paper
- Antje Weiruß (Author), 2008, Flughäfen als Low-Cost-Ziel - Besonderheiten, Anforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten für das Flughafenmanagement bei Low-Cost-Carriern als Kunden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139113