Der Name Leni Riefenstahl steht heute als Synonym für die „Nazi-Ästhetik“ des Dritten Reiches. Bereits als Schüler wird man im Geschichtsunterricht mit ihrem heroisch verklärten Dokumentarstil konfrontiert, während Hitler in gut choreographierter Umgebung laut krächzend in Nürnberg seine Reden schwingt. Heute erscheint uns vieles an diesen Propagandafilmen lächerlich, dennoch spielten sie im Kontext der Zeit eine bedeutende Rolle. Mittels Kinofilmen sollte ein überhöhtes Bild des Führers, des herrschenden Regimes auf emotionaler Basis über hochstilisierte Bilder an die Masse der Bevölkerung übermittelt werden. Ebenso wie ihre Parteitagsfilme nach „innen“ für das Regime werben sollten, war die Intention ihrer Olympia-Dokumentation, für entsprechend positive Stimmung im Ausland zu sorgen. Riefenstahls spezieller Kamera-Stil ist noch immer untrennbar mit dem deutschen Faschismus verflochten. Als die deutsche Gruppe Rammstein vor einigen Jahren eigentlich unpolitische Szenen aus Riefenstahls Olympiadokumentation in ihr Video einfügte, löste dies eine Welle der Empörung aus. Warum haben die Arbeiten Leni Riefenstahls noch immer nichts an ihrer zweifelhaften Symbolkraft verloren? Liegt es an der schillernden, aber um nichts weniger zwielichtigen Protagonistin und ihre eigen(artig)e Sicht der Geschichte oder strahlen ihre Werke doch eine gewisse Faszination aus?
Um der Wahrheit vielleicht ein Stückchen näher zu kommen, habe ich mich in der vorliegenden Arbeit zu allererst mit dem Phänomen Bergfilm auseinandergesetzt. Leni Riefenstahls Charakter und unbändiger Karrieredrang wird im anschließenden Kapitel unter die Lupe genommen. Im Kern möchte ich mich aber mit ihrem Regieerstling „Das blaue Licht“ beschäftigen, der die Grundlage für ihre Karriere im Dritten Reich bildete. Sehr interessant ist dabei auch die Frage nach der persönlichen Einstellung Riefenstahls zum System, das sie durch ihre Ästhetik propagiert.
Hinsichtlich der Quellenlage konzentrierte ich mich besonders auf Leni Riefenstahls Memoiren und die Filme „Das Blaue Licht“ (D 1932), „Die Nibelungen Teil 1: Siegfrieds Tod“ (D. 1924) sowie Fancks „Weißer Rausch (D. 1931), weiters zog ich einige Biografien über Leni Riefenstahl und filmtheoretische Schriften hinzu.
Inhaltsverzeichnis
1 Prolog
2 Phänomen Bergfilm
2.1 Die Anfänge des Bergfilms
2.1.1 Einfluss der Aufklärung auf das Bild der Berge
2.1.2 Die Fotographie als Medium des Bergtourismus
2.1.3 Die ersten Filme
2.2 Arnold Fanck und die Entwicklung eines neuen Genres
2.3 Die Freiburger Kameraschule
3 Leni Riefenstahl – ein Kind ihrer Zeit?
3.1 Von der Tänzerin zur Sportschauspielerin
3.1.1 Die Tänzerin Riefenstahl
3.1.2 Die Schauspielerin Riefenstahl
3.2 Leni Riefenstahl und das Nazi-Regime
3.2.1 Leni Riefenstahl und der Antisemitismus
4 Leni Riefenstahl und ihre Ästhetik im „Blauen Licht“: Kunstvolle Unterhaltung oder pure Propaganda?
4.1 Das Blaue Licht. Eine Berglegende aus den Dolomiten (D 1932)
4.2 Analytische Betrachtung des „Blauen Lichts“
4.2.1 Die Bedeutung der Farbe Blau
4.2.2 „Das blaue Licht“ – ein romantischer Traum?
4.2.3 Die Rolle der Naturmystik im „blauen Licht“
4.2.4 Der Berg/Tal-Gegensatz
4.2.5 Der Authentizitätsfaktor
4.2.6 Atmosphärische Verdichtung mit Hilfe neuer Techniken
4.2.7 „Das blaue Licht“ / Fritz Langs „Nibelungen, Teil 1“ (Siegfrieds Tod)
4.2.8 Junta – Leni Riefenstahls alter ego?
4.2.9 Die Rolle der musikalischen Untermalung
4.3 Das blaue Licht – ein Propagandafilm?
4.3.1 „Kino der Attraktion“
4.3.2 Kritik am Kapitalismus
4.3.3 Körperkult
4.3.4 Kulturpessimistischer Antimodernismus
4.3.5 „Ausflug in die Romantik“
4.3.6 Resüme
5 Die Bedeutung des „blauen Lichts“ für Riefenstahls Karriere im Dritten Reich
5.1 Die Parteitagsfilme
5.2 Olympia
6 Epilog
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Leni Riefenstahls Regieerstling „Das blaue Licht“ im Kontext des Bergfilms sowie dessen Bedeutung für ihre spätere Karriere im Nationalsozialismus. Dabei wird analysiert, inwieweit Riefenstahls ästhetische Stilmittel bereits in diesem frühen Werk angelegt waren und als Grundlage für ihre spätere Propagandatätigkeit dienten.
- Entwicklung und Ästhetik des Genres Bergfilm
- Leni Riefenstahls Entwicklung von der Tänzerin zur Filmemacherin
- Analyse von Symbolik und Technik in „Das blaue Licht“
- Untersuchung der politischen Verflechtung und Antisemitismus
- Einfluss des Films auf ihre nachfolgenden Auftragsarbeiten im Dritten Reich
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Die Bedeutung der Farbe Blau
Bereits im Titel wird dem Rezipienten einiges an Naturmystik versprochen, denn die Farbe Blau bürgt seit Jahrtausenden für zeitlos religiöse Inhalte. Seit jeher faszinierte Blau die Menschen als Farbe des unergründlichen Himmels und des lebenswichtigen Wassers. Es symbolisiert das Göttliche und das Geistige wie die seelische Tiefe (das Unbewusste). Es ist die Farbe der inneren Einkehr – des Innenlebens – und wirkt sich besänftigend und beruhigend auf das Gemüt aus.
Blau ist die Farbe der Götter: Marduk, der babylonische „Herr der Götter“ trug eine blaue Robe, übersät mit silbernen Sternen. Blaue Kleidung oder zumindest blaue Accessoires findet man auch beim persischen Gott Mithras oder beim ägyptischen Gott Chnum, der als „Hüter der Quellen des Nils“ auf einem blauen Thron abgebildet wird, und beim blauen Mantel der Göttin Isis wieder. Zudem wurde im alten Ägypten dem blauen Lapislazuli Leben spendende Eigenschaften nachgesagt. Die Ägypter sahen im tiefen Blau des Wassers das Leben – der Nil wird in altägyptischen Grabbildern immer blau dargestellt – und im unermesslichen Blau des Himmels das Göttliche. Neben Gold galt nur Blau als Farbe des Göttlichen, die Totenmasken und Götterstatuen zieren durfte.
Zusammenfassung der Kapitel
Prolog: Einführung in Leni Riefenstahls Ruf als Regisseurin faschistischer Ästhetik und Darlegung des methodischen Vorgehens dieser Arbeit.
Phänomen Bergfilm: Untersuchung der historischen Ursprünge des Bergfilms sowie der prägenden Rolle von Pionieren wie Arnold Fanck.
Leni Riefenstahl – ein Kind ihrer Zeit?: Biografie von Riefenstahl, ihre Anfänge als Tänzerin und Schauspielerin sowie ihr Verhältnis zum NS-Regime und dem Antisemitismus.
Leni Riefenstahl und ihre Ästhetik im „Blauen Licht“: Kunstvolle Unterhaltung oder pure Propaganda?: Detaillierte Analyse des Films „Das blaue Licht“ hinsichtlich Symbolik, Technik, Authentizität und politischer Implikationen.
Die Bedeutung des „blauen Lichts“ für Riefenstahls Karriere im Dritten Reich: Einordnung des Films als Sprungbrett für Riefenstahls spätere Propagandafilme und ihre ästhetische Verknüpfung mit dem Nationalsozialismus.
Epilog: Abschließende kritische Reflexion über Riefenstahls Rolle und die nachträgliche Instrumentalisierung ihrer Ästhetik.
Schlüsselwörter
Leni Riefenstahl, Bergfilm, Das blaue Licht, Arnold Fanck, NS-Ästhetik, Propaganda, Filmanalyse, Nationalsozialismus, Kameraführung, Filmgeschichte, Naturmystik, Antisemitismus, Parteitagsfilme, Olympia-Dokumentation, Filmästhetik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert Leni Riefenstahls Regiedebüt „Das blaue Licht“ und untersucht, wie dieses Werk den Grundstein für ihre spätere Karriere im Nationalsozialismus legte.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Die zentralen Felder sind die Geschichte des Bergfilms, Riefenstahls biografische Entwicklung sowie die filmtheoretische und politische Analyse ihres Regieerstlings.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Es wird untersucht, ob und wie ästhetische Stilelemente aus „Das blaue Licht“ in Riefenstahls späteren Propagandafilmen fortgesetzt wurden und wie ihre persönliche Einstellung zum NS-Regime einzuordnen ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse der Ästhetik, einen biografischen Vergleich sowie die Auswertung von zeitgenössischen Quellen und Memoiren.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine genrespezifische Einleitung, eine Biografie der Regisseurin, eine tiefe Filmanalyse von „Das blaue Licht“ und deren Transfer auf ihre spätere NS-Auftragsarbeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Wichtige Begriffe sind Bergfilm-Genese, NS-Propaganda, Körperkult, Ästhetisierung der Politik, sowie die spezifische filmtechnische Innovation der Freiburger Schule.
Inwiefern beeinflusste die Kameraarbeit die Wirkung von „Das blaue Licht“?
Die innovative Kameraarbeit, insbesondere durch das Spiel mit Licht und die „entfesselte Kamera“, verlieh dem Film eine mystische Verklärung, die Junta zur Männerfantasie und Leitfigur stilisierte.
Wie bewertet die Arbeit Riefenstahls Verhältnis zum Antisemitismus?
Die Arbeit stellt heraus, dass Riefenstahl trotz jüdischer Kontakte antisemitische Vorurteile gezielt für ihren beruflichen Vorteil instrumentalisierte und sich nach 1933 skrupellos in den Dienst des Regimes stellte.
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- MMag. Silvia Kornberger (Autor), 2005, "Des Führers Auge – Leni Riefenstahl", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139140