Mikrokredite sind eine Form der Entwicklungshilfe die vor allem in Entwicklungsländern zum Einsatz kommt und als „Hilfe zur Selbsthilfe“ gilt. Mikrokredite werden direkt an die Menschen ausgezahlt, die ansonsten keinen Zugang zum Kapitalmarkt haben. Die Empfänger werden dabei nicht als Bittsteller sondern als
gleichberechtigte Geschäftspartner angesehen. Mit der Verbreitung des Internets in den Entwicklungsländern eröffnete sich ein neuer Vertriebsweg. Er bietet die Möglichkeit Menschen, auch über große Entfernungen hinweg, kostengünstig miteinander zu verbinden. Seit 2005 haben sich auch Plattformen gebildet, die es erlauben, Geld in Form von Mikrokrediten online zu verleihen. Nachteilig ist, dass die Empfänger in den meisten Fällen nicht über einen
Internetanschluss verfügen und deshalb Mittler eingesetzt werden müssen. Die Kommunikation und Abwicklung über diese Intermediäre führt zu Informationsasymmetrien, wie sie in der Principal Agent Theory beschrieben werden. Diese Arbeit setzt sich mit den spezifischen Problemen der Mikrokreditvergabe aus Sich der Principal Agent Theory und möglichen Lösungsansätzen bei vorhanden Plattformen auseinander.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen
2.1 Principal Agent Theory
2.2 Mikrokredite
2.3 Peer-to-Peer Banking
3 Asymmetrische Informationsverteilung
3.1 Systematisierung
3.2 Verborgene Eigenschaften
3.2.1 Verborgene Eigenschaften im Allgemeinen
3.2.2 Verborgene Eigenschaften bei der Mikrokreditvergabe
3.3 Verborgenes Handeln und verborgene Informationen
3.3.1 Verborgenes Handeln und verborgene Informationen im Allgemeinen
3.3.2 Verborgenes Handeln und verborgene Informationen bei der Mikrokreditvergabe
3.4 Verborgene Absichten
3.4.1 Verborgene Absichten im Allgemeinen
3.4.2 Verborgene Absichten bei der Mikrokreditvergabe
3.5 Schlussfolgerung
4 Lösungsansätze bei ausgewählten Onlineplattformen
4.1 Kiva.org
4.2 MyC4.com
4.3 Microplace.com
4.4 Betterplace.org
4.5 Vergleich der Lösungsansätze
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Anwendung der Principal Agent Theory auf sozial motivierte Peer-to-Peer Banking Plattformen für Mikrokredite, um auftretende Informationsasymmetrien zwischen Investoren und Kreditnehmern zu identifizieren und die Effektivität verschiedener Lösungsansätze der Plattformen zu bewerten.
- Grundlagen der Principal Agent Theory im Kontext von Mikrokrediten
- Analyse asymmetrischer Informationsverteilung (verborgene Eigenschaften, Handlungen und Absichten)
- Untersuchung von Risikominimierungsstrategien bei Onlineplattformen
- Vergleichende Evaluierung der Plattformen Kiva, MyC4, Microplace und Betterplace
- Bewertung des Potenzials von P2P-Modellen für Entwicklungsländer
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Verborgene Eigenschaften im Allgemeinen
Die verborgenen Eigenschaften können durch Signaling sowie Screening und Self-Selection reduziert werden. Signaling beschreibt die Fähigkeit eines Agenten, seine Eigenschaften und seine Leistungen offen zu legen, während Screening oder Self-Selection durch den Principal durchgeführt wird, um die Eigenschaften des Agenten zu ermitteln (vgl. Schütt 2006, S. 85).
Mit Self-Selection (Selbstauswahl) soll der Agent dazu bewegt werden, (freiwillig) Informationen über sich preiszugeben. Dazu werden ihm beispielsweise verschiedene Verträge mit unterschiedlichen Belohnungen angeboten. Ein Agent, der seine Leistungen als unterdurchschnittlich einschätzt, wählt eher einen fixen Geldbetrag, während ein Agent mit überdurchschnittlichen Erwartungen die leistungsbezogene Entlohung bevorzugt. Aus der Wahl des Agenten kann der Principal Rückschlüsse auf die zu erwartenden zukünftigen Handlungen ziehen (vgl. Jost 2001, S. 28).
Beim Screening werden Aktionen durch den Principal initiiert, um schlechte Agenten zu erkennen und auszusortieren. Dazu zählen etwa Bewerbungsgespräche oder Assessment-Center bei Personalentscheidungen sowie die Bonitätsprüfungen bei Kreditverträgen. Diese Überprüfungen vor Vertragsabschluss können auch an Dritte, beispielsweise Ratingagenturen, weitergegeben werde, wodurch jedoch eine neue Principal Agent Beziehung einschließlich der damit verbunden Probleme entsteht (vgl. Thoms 2008, S. 65).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Defizite staatlicher Entwicklungshilfe und führt Mikrokredite als alternative "Hilfe zur Selbsthilfe" ein, die durch moderne Onlineplattformen vermittelt werden können.
2 Definitionen: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Principal Agent Theory, die Funktionsweise von Mikrokrediten und das Konzept des Peer-to-Peer Bankings dargelegt.
3 Asymmetrische Informationsverteilung: Das Kapitel systematisierte die verschiedenen Ausprägungen von Informationsasymmetrien, wie verborgene Eigenschaften, verborgenes Handeln und verborgene Absichten, und analysiert deren Auswirkungen auf das Principal-Agent-Verhältnis.
4 Lösungsansätze bei ausgewählten Onlineplattformen: Eine detaillierte Untersuchung der Risikomanagement-Methoden bei Kiva, MyC4, Microplace und Betterplace, die aufzeigt, wie diese Plattformen mit Informationsasymmetrien umgehen.
5 Fazit: Die abschließende Zusammenfassung bewertet P2P-Mikrokreditplattformen als ernstzunehmende Alternative zur klassischen Entwicklungshilfe, betont jedoch die Notwendigkeit ständiger Differenzierung und Transparenz.
Schlüsselwörter
Principal Agent Theory, Mikrokredite, Peer-to-Peer Banking, Informationsasymmetrie, Adverse Selection, Moral Hazard, Hold Up, Screening, Signaling, Onlineplattformen, Kiva, MyC4, Mikrofinanzinstitute, Entwicklungshilfe, Risikominimierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Principal-Agent-Probleme – insbesondere Informationsasymmetrien – bei der Vermittlung von Mikrokrediten über Onlineplattformen zwischen Investoren und Kreditnehmern entstehen und wie diese durch die Plattformen adressiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Principal-Agent-Theorie, Mikrokreditmärkte, Peer-to-Peer Banking-Mechanismen sowie Strategien zur Überwindung von Informationsasymmetrien wie Signaling und Screening.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifizierung der Herausforderungen bei der Kreditvergabe in Entwicklungsländer über digitale Plattformen und die Bewertung der Lösungsansätze, die diese Plattformen zur Risikominimierung einsetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Fundierung durch die Neue Institutionenökonomik und wendet diese auf eine Fallstudienanalyse ausgewählter Onlineplattformen (Kiva, MyC4, Microplace, Betterplace) an.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretisch die Formen asymmetrischer Informationsverteilung (verborgene Eigenschaften, Handlungen, Absichten) und untersucht anschließend, wie die vier gewählten Plattformen diese Probleme in der Praxis durch ihre Geschäftsmodelle und Kontrollmechanismen managen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Principal Agent Theory, Mikrokredite, Peer-to-Peer Banking, Adverse Selection, Moral Hazard und verschiedene Plattformnamen wie Kiva oder MyC4 beschreiben.
Wie unterscheidet sich Kiva von MyC4 in Bezug auf die Transparenz?
Kiva fokussiert auf soziale Motivation ohne direkte Verzinsung für Investoren und nutzt "Field Partner" sowie ein "Fellows Programm" für Transparenz, während MyC4 profitorientiert ist und Investoren erlaubt, Zinssätze in einer holländischen Auktion selbst zu bestimmen.
Warum ist das "Web of Trust" bei Betterplace relevant?
Das "Web of Trust" dient dazu, Vertrauen innerhalb eines anonymen digitalen Netzwerks aufzubauen, indem Nutzer ihre Verbindungen und ihr Engagement für Projekte als Signal für die Seriosität der Spendenprojekte nutzen.
- Quote paper
- Matthias Siebert (Author), 2009, Principal Agent Theory in Verbindung mit sozial motivierten Peer-to-Peer Banking Plattformen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139205