Erwin Panofsky´s Methode „Ikonographie und Ikonologie“ am Kupferstich „Christus in der Vorhölle“ von Andrea Mantegna


Hausarbeit, 2007

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Über den Inhalt und Ausblicke auf die vorliegende Arbeit

2 Erwin Panofsky´s Methode „Ikonographie und Ikonologie“ am Kupferstich „Christus in der Vorhölle“ von Andrea Mantegna.
2.1 Darstellung des „primären/natürlichen Sujets“ oder „vorikonographische Beschreibung“
2.1.1 Tatsachenhaft
2.1.2 Ausdruckshaft
2.2 Betrachtung des „sekundären/ konventionalen Sujets“ oder
2.3 Darstellung der „eigentlichen Bedeutung/des Gehalts“.

3 Fazit der Hausarbeit und Ausblicke

Literaturverzeichnis

1 Über den Inhalt und Ausblicke auf die vorliegende Arbeit

In der vorliegenden Arbeit wird der Kupferstich „Christus in der Vorhölle“ (um 1460/70)[1] von Andrea Mantegna anhand der Methode „Ikonographie und Ikonologie“ von Erwin Panofsky betrachtet. Panofsky beschreibt die Ikonographie als „Zweig der Kunstgeschichte, der sich mit dem Sujet (Bildgegenstand) oder der Bedeutung von Kunstwerken im Gegensatz zu ihrer Form beschäftigt“[2].

Seine Methode unterteilt Panofsky in drei Stufen, die aufeinander aufbauen. Die erste Stufe ist die „vorikonographische Beschreibung“ oder „Primäres oder natürliches Sujet“[3], sie umfasst zum einen die natürlichen Gegenstände und deren gegenseitige Beziehungen[4], zum anderen Ausdruck, Pose oder Geste[5]. Dies unterteilt den ersten Schritt in „tatsachenhaftes“[6] und „ausdruckshaftes“[7]. In der zweiten Stufe folgt die „ikonographische Analyse“, in der das Thema gedeutet und benannt werden soll, indem es Aufgabe sein wird die Motive in Verbindung zueinander zu setzen. Dazu gehört es die Figuren zu identifizieren. In einer dritten Stufe erfolgt die Analyse der „Eigentlichen Bedeutung oder des Gehalts“[8]. Sie sei erfassbar, in dem man „zugrunde liegende Prinzipien“[9] ermittelt, darunter die Grundeinstellung einer Nation, Epoche, Klasse, Religion und die Persönlichkeit des Künstlers. Mantegna übte großen Einfluss auf andere Künstler[10], seine Zeichnungen und Kupferstiche dienten in vielen Werkstätten als Vorbild und Anregung[11]. Seine Exemplare wurden mit großem Eifer studiert. Seine Studienblätter und Vorlagen hatten große Beliebtheit gewonnen[12], ihre Vervielfältigung war durch den Kupferstich gewährleistet, von diesem konnte man eine Vielzahl von Abzügen machen. Die Erfindung des Kupferstichs hat wesentlich zu dieser Tendenz beigetragen.

2 Erwin Panofsky´s Methode „Ikonographie und Ikonologie“ am Kupferstich „Christus in der Vorhölle“ von Andrea Mantegna.

2.1 Darstellung des „primären/natürlichen Sujets“ oder „vorikonographische Beschreibung“

2.1.1 Tatsachenhaft

Ein Torbogen, der in einem Felsen integriert ist, ragt mit wenig Distanz zum Betrachter, frontal ins Bild. Vor und über diesem Torbogen bewegen sich in verschiedenen Positionen acht Figuren, teils menschlicher, teils fabelwesenhafter Gestalt. Auf Fabelwesen ist deshalb zu schließen, da die Figuren Flügel sowie einen drachenähnlichen Unterkörper besitzen. Hinter dem Felsen, von dem größtenteils der Torbogen zu sehen ist, ist am rechten Bildrand eine fade Landschaft zu erschließen. Diese ist steinig und es ist keinerlei Vegetation (weder flora noch fauna) auszumachen. Man blickt auf einen weiteren Felsen, der etwas ferner liegt. Vor dem Torbogen halten sich fünf menschliche Figuren auf. Über ihnen schweben drei Fabelwesen in der Luft, die gut von einem Menschen zu unterscheiden sind, da sie neben ihrem durchaus menschenähnlichen Kopf und Oberkörper Flügel besitzen sowie einen Unterkörper, der Ähnlichkeit mit dem eines Drachens hat. Ihre Ohren sind spitz, ähnlich wie bei einer Elfe. Bei den beiden Fabelwesen, die über dem Torbogen schweben, sind die Flügel wie bei einem Drachen strukturiert, sie sind schuppig und haben Haut zwischen den einzelnen Flügelknochen. Bei dem Fabelwesen, das kopfüber am Rand des Tores schwebt, sind die Flügel nicht drachenähnlich, sondern mit Federn bedeckt. Auch dessen Unterkörper ist anders als bei den beiden anderen Fabelwesen. Er ist kürzer und endet mit Federn, wohingegen die Unterkörper der anderen in sich geringelt sind und sie deshalb eine größere Körpergröße besitzen. Überdies hinaus sind sie weder von Fell noch von Federn bedeckt. Am linken unteren Bildrand steht ein nackter, muskulöser, kurzhaariger Mann, der vor sich auf dem Steinboden ein übermannsgroßes Kreuz aufgestellt hat. Er umfasst es mit beiden Händen und schaut auf zu einem der Fabelwesen. Dieses Fabelwesen schwebt links im Felstor und bedient mit beiden Armen und seinem Mund ein Horn. Seine Wangen sind deshalb aufgeplustert. Neben diesem Fabelwesen schwebt ein zweites, welches sich rechts am Felstor aufhält und ebenfalls in ein Horn bläst. Am rechten oberen Bildrand und gleichsam am Rand des Felsens schwebt ein drittes Fabelwesen kopfüber. Seine Haare und seine Arme hängen herunter. Es unterscheidet sich, abgesehen vom Körperbau, auch in dem Merkmal zu den beiden anderen, dass es kein Horn bedient. Sein Gesicht ist schwer zu erkennen, da es vom Schatten seines eigenen Körpers verdunkelt ist. Unter diesem Fabelwesen steht ein nackter, kurzhaariger, muskulöser Mann, der sich die Ohren zuhält. Rechts von ihm stehen zwei weitere nackte Menschen mit langen Haaren. Eine männliche und eine weibliche Person. Die männliche Person steht mit seinem Profil zum Betrachter und neigt sich zu der nackten Frau, die sich mit ihrer rechten Hand die Scham bedeckt und nach unten schaut. Die männliche Person neigt sich zu der Frau und berührt ihren rechten Arm. Es hat den Anschein, dass er ihr etwas sagt oder zuflüstert. Die Frau und der Mann, der sich die Ohren zuhält, stehen in ihrer Nacktheit frontal zum Betrachter, währenddessen die anderen menschlichen Personen, dem Betrachter den Rücken oder ihr Profil zuwenden. Im Bildzentrum befindet sich die einzig bekleidete Figur. Sie wendet dem Betrachter den Rücken zu. Sie steht auf einem Torflügel unter welchem überkreuz der zweite Teil des Torflügels liegt. In der näheren Umgebung liegen Holzstücke und Nägel in verschiedenen Größen verteilt. Die Nägel liegen paarweise und überkreuz auf dem Steinboden. Insgesamt sind es vier Nägel, davon sind zwei deutlich größer als die anderen beiden. Die beiden kleineren Nägel liegen überkreuz neben den geborstenen Toren, die beiden größeren liegen ebenfalls überkreuz, nahe dem übermannsgroßen Kreuz, das von dem muskulösen Mann am linken Bildrand gehalten wird. Auch kleine Absplitterungen von Steinen sind in diesem Bereich verstreut. Die Tore haben Bruchstellen im Holz, zu denen die umher liegenden Holzstücke gehören könnten. Die einzig bekleidete, im Bildzentrum stehende Person umfasst mit seiner linken Hand einen dünnen Stab, an deren oberen Ende eine helle, lange Fahne befestigt ist. Den Stoff der Fahne umfasst die Person ebenfalls mit seiner linken Hand. Die Person trägt ein Gewand, was bis zu den Waden, beinahe den Knöcheln reicht und an der Hüfte mit einem Tuch oder einem Band gehalten wird. Der Stoff ist faltig. Über dem Kopf ist eine eigentümliche Linie zu erkennen, die aussieht wie ein Hutrand. Die Füße der Person stehen in einer Contrapost-Position, die eine Schrittbewegung darstellen könnte, da der rechte Fuß weiter nach vorn gerichtet ist als im Stand und der Oberkörper nach vorn geneigt ist, sie scheint sich also zum Felsinneren hinzubewegen. Der rechte Arm ist nicht sichtbar und ebenfalls nicht, welche Handlung ausgeführt wird. Die Person blickt in das dunkle Felsinnere, wo für den Betrachter ein Umriss erkennbar ist. Dieser Umriss könnte zu einem menschlichen Körper gehören oder zu einem anderen lebendigen Wesen. Es könnte ein Arm und ein Teil einer Schulter sein, was im Felsinneren zu sehen ist. Des weiteren ist hinter dem Arm dieses Wesens eine weitere, helle Schattierung zu sehen, diese hat Ähnlichkeit mit dem Schwanz eines Teufels.

Auffallend ist der gesprenkelte, wie von Menschen Hand gefertigte Torbogen, der nicht einfach nur ein Bruch im Felsen ist, sondern fein und akribisch genau aus bearbeiteten Steinen ein halbrundes Tor ergibt. In einer der Steinplatten in der Rundung des Tores ist eine auffällige Maserung zu erkennen. Es handelt sich um den dritten Stein von links im Torbogen. Die Maserung ähnelt einem vereinfachten Profil einer menschlichen Person. Das Gesicht, folglich die Stirn, das Auge, die Nase und der Mund sind gut zu erkennen. Die Haare sind mittels einer Linie von Gesicht getrennt. Der Oberkörper ist nur angedeutet, es sind keine Arme erkennbar.

2.1.2 Ausdruckshaft

Die Atmosphäre des Bildgeschehens erscheint hektisch, laut, bewegungsvoll und kühl. Die Horn spielenden Fabelwesen erwecken den Eindruck von lauten und schrillen Tönen, weswegen sich die männliche Person am rechten Bildrand die Ohren zuhalten könnte. In der oberen Hälfte des Bildes, wo sich die Fabelwesen aufhalten, herrscht wildes Treiben. Die umher fliegenden Fabelwesen deuten auf Gefahr hin, nicht zuletzt wegen dem Krach, der von ihren Hörnern ausgeht. Die Töne erscheinen eindringlich. Die Fabelwesen betreiben ihre Instrumentalkunst mit großem Enthusiasmus, was den aufgeplusterten Wangen und dem angestrengten Gesichtsausdruck zu entnehmen ist. Das Fabelwesen, welches kopfüber hängt, schaut weg vom Bildgeschehen und erscheint unbeteiligt. In der unteren Bildhälfte, wo sich die menschlichen Personen aufhalten, herrschen zweierlei verschiedene Stimmungen. Die Figuren der linken unteren Bildhälfte verkörpern Furchtlosigkeit und Entschlossenheit, die der rechten Bildhälfte Furcht und Erschöpfung. Von der männlichen Person am linken Bildrand und der Person in der Bildmitte geht Furchtlosigkeit, Entschlossenheit und Unerschrockenheit aus. Sie scheinen wenig beeindruckt von dem Geräuschpegel und den Fabelwesen. Der nackte, muskulöse Mann, der das übermannsgroße Kreuz umfasst, umfasst dieses mit Leichtigkeit, er scheint es nicht einmal ausbalancieren zu müssen. Er schaut unbeeindruckt auf zu einem der Horn blasenden Wesen. Die Person mit der Flagge scheint sich von dem lauten und gefahrvollen Treiben über sich nicht gestört zu fühlen, ihr Interesse scheint nicht den Fabelwesen zu gelten. Sie bewegt sich zum Felsinneren, wo es dem Anschein nach etwas oder jemanden zu besänftigen oder zu bewältigen gilt. Ängstlichkeit ist weder in der Mimik, noch in der Gestik dieser beiden Figuren zu erkennen. Anders bei den Personen in der rechten unteren Bildhälfte. Sie stehen gekrümmt, gealtert und schwächlich nahe der Felswand. Die Frau schaut gedemütigt, mit leicht geöffnetem Mund nach unten und bedeckt mit ihrer Hand beschämt ihre Scham. Der Mann zu ihrer Linken, der sich zu ihr neigt und ihr etwas zu sagen oder zuzuflüstern scheint, ist ebenfalls abgemagert, was sich an den knöchernen Waden gut erkennen lässt. Sein Gesicht ist dem Betrachter abgeneigt, seine Mimik gilt einzig und allein der Frau. Er sieht im Vergleich zu den anderen beiden Personen in der rechten Bildhälfte nicht dermaßen gepeinigt aus, er macht eher einen zuversichtlichen Eindruck. Der Mann am rechten Bildrand hält sich dem entgegen die Ohren zu, wahrscheinlich um den quälenden Geräuschen zu entfliehen und zieht ein Schmerz verzogenes Gesicht. Er und die Frau sind die einzigen Figuren im Bild, die in ihrer Nacktheit frontal zum Betrachter stehen. Der Mann mit dem übermannsgroßen Kreuz und der Mann, der sich zu der Frau neigt, stehen zwar ebenfalls nackt, aber mit ihrem Profil zum Betrachter und stehen sich gegenüber, wenn sie auch keinen Blickkontakt haben.

[...]


[1] vgl. DÜCKER, Alexander: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, Berlin 1994, S. 252

[2] vgl. PANOFSKY, Erwin: Sinn und Deutung in der bildenden Kunst, Köln 1996, S. 36

[3] vgl. ebd.

[4] vgl. PANOFSKY, Erwin: Sinn und Deutung in der bildenden Kunst, Köln 1996, S. 38

[5] vgl. POESCHEL, Sabine: Handbuch der Ikonographie. Sakrale und profane Themen der bildenden Kunst, Darmstadt 2005, S. 14

[6] vgl. PANOFSKY, Erwin: Sinn und Deutung in der bildenden Kunst, Köln 1996, S. 38

[7] vgl. ebd.

[8] vgl. PANOFSKY, Erwin: Sinn und Deutung in der bildenden Kunst, Köln 1996, S. 40

[9] vgl. ebd.

[10] vgl. KRISTELLER, Paul: Andrea Mantegna, Berlin/ Leipzig 1902, S. 396

[11] vgl. ebd.

[12] vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Erwin Panofsky´s Methode „Ikonographie und Ikonologie“ am Kupferstich „Christus in der Vorhölle“ von Andrea Mantegna
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Kunsthistorisches Seminar und Kostodie)
Veranstaltung
Kunst um 1500 in Florenz und Rom. Methoden der Kunstgeschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V139227
ISBN (eBook)
9783640490790
ISBN (Buch)
9783640490721
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Panofsky, Ikonographie, Mantegna
Arbeit zitieren
Tina Pfab (Autor), 2007, Erwin Panofsky´s Methode „Ikonographie und Ikonologie“ am Kupferstich „Christus in der Vorhölle“ von Andrea Mantegna, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139227

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