Zunächst werden die Ausgangsbedingungen und erste Reformversuche unter Michael Gorbatschow beleuchtet. Anschließend wird der Ablauf sowie die Konsequenzen der Wirtschaftsreformation unter Boris Jelzin, insbesondere die der Privatisierung im Zeitraum zwischen 1991-1995 erläutert.
45 Jahre lang wird Osteuropa von der Herrschaft der Sowjetunion geprägt und schreibt Weltgeschichte. 1991 zerfällt das Konstrukt des Sozialismus unter Michael Gorbatschow allerdings - was übrigbleibt, ist die Unzufriedenheit der Bevölkerung und eine Herausforderung für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Ein Land, ohne namhafte Besitzkultur, soll nun radikal in eine Marktwirtschaft transformiert werden. Eine fundamentale Umstrukturierung soll beginnen, die weitreichende Konsequenzen mit sich zieht.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Ausgangslage unter Gorbatschow
III. Die Präsidentschaft Jelzins und die Reform der Wirtschaft
1. Die Liberalisierung
2. Die Privatisierung der Wirtschaft
2.1 Gesetzliche Grundlagen zur Ermöglichung von Eigentumsverhältnissen
2.2 erste Privatisierungsansätze
2.3 Die Privatisierung unter der Mitwirkung der Bevölkerung durch die Ausgabe von Gutscheinen („Voucher-Privatisierung“)
2.4 Die Privatisierung nach 1994
III. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den fundamentalen Transformationsprozess der russischen Wirtschaft von der zentralistischen Planwirtschaft hin zum Kapitalismus während der 90er Jahre, wobei der Schwerpunkt auf den verschiedenen Phasen der Privatisierung unter Boris Jelzin und deren sozioökonomischen Konsequenzen liegt.
- Die Ausgangslage und die gescheiterten Reformversuche unter Michael Gorbatschow.
- Die Implementierung der "Schocktherapie" und die wirtschaftliche Liberalisierung ab 1992.
- Die Analyse der verschiedenen Privatisierungsmethoden, insbesondere der Voucher-Privatisierung.
- Der Einfluss der Privatisierung auf die Entstehung der neuen oligarchischen Machtstrukturen in Russland.
Auszug aus dem Buch
2.3 Die Privatisierung unter der Mitwirkung der Bevölkerung durch die Ausgabe von Gutscheinen („Voucher-Privatisierung“)
Einen wesentlichen Bestandteil der Privatisierung bildete die Massenprivatisierung. Hierzu begann die Regierung im Oktober 1992 unter der Leitung von Anatoli Tschubais mit der Ausstellung von Gutscheinen (Vouchers) in Höhe von 10.000 Ruben zum Ankauf von Staatsunternehmen. Dabei setzte die Regierung voraus, dass mindestens 29% des gesamten Grundkapitals einer Aktiengesellschaft auf Voucheraktionen anzubieten war. Die Ausgaben wurde im Januar 1993 abgeschlossen, zwischenzeitlich erhielten 144 Millionen Personen, also nahezu 97% der Berechtigten, ihres Vouchers, welche gegen Aktien einzutauschen waren. Bis Ende 1993 befanden sich bereits 70 % der Kleinbetriebe in privater Hand, bis April 1994 wurden 80 % der Groß- und Mittelbetriebe in Aktiengesellschaften umgewandelt, 1994 wurden bereits 40 % der Arbeitnehmer durch Privatunternehmen beschäftigt. Hierdurch entstand eine für die Marktwirtschaft essentielle Struktur, allerdings schuf die Privatisierung ebenso eine neue Oberschicht, welche erhebliche Einflüsse auf die Entscheidungsprozesse der Regierung nehmen konnten. Die Unkenntnis der Bevölkerung, aber auch die steigende Inflation führten oftmals zum Tausch der Coupons gegen Lebensmittel oder Bargeld. Viele verkauften die Voucher unmittelbar nach Erhalt, da eine Investition lediglich in gewinnarme Unternehmen möglich war. Ehemalige Direktoren von Sowjetfirmen wurden schnell Eigentümer großer Unternehmen und Konzerne. Des Weiteren führte die Massenprivatisierung zu dem Entstehen zahlreicher postsowjetischer Oligarchen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Zerfall der Sowjetunion ein und skizziert die Herausforderung, das Land radikal in eine Marktwirtschaft umzuwandeln.
II. Die Ausgangslage unter Gorbatschow: Das Kapitel erläutert die wirtschaftlichen Probleme, die durch das Reformprogramm der Perestroika offengelegt wurden und letztlich zum wirtschaftlichen Niedergang führten.
III. Die Präsidentschaft Jelzins und die Reform der Wirtschaft: Hier wird der Beginn der "Schocktherapie" und das Ziel einer grundlegenden Transformation zum Kapitalismus beschrieben.
1. Die Liberalisierung: Dieses Kapitel behandelt die Preisfreigabe und die daraus resultierende Hyperinflation sowie die Verschlechterung der sozialen Sicherungssysteme.
2. Die Privatisierung der Wirtschaft: Der Abschnitt konzentriert sich auf die Umwandlung von öffentlichem Vermögen in Privatbesitz als zentrales Element der Transformation.
2.1 Gesetzliche Grundlagen zur Ermöglichung von Eigentumsverhältnissen: Dieses Unterkapitel listet die rechtlichen Rahmenbedingungen auf, die bereits vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion für die Privatisierung geschaffen wurden.
2.2 erste Privatisierungsansätze: Hier wird der Übergang von der "spontanen Privatisierung" zur gesetzlich fundierten kleinen und großen Privatisierung beschrieben.
2.3 Die Privatisierung unter der Mitwirkung der Bevölkerung durch die Ausgabe von Gutscheinen („Voucher-Privatisierung“): Das Kapitel thematisiert die Massenprivatisierung mittels Vouchern und deren Auswirkungen auf die Bevölkerung sowie die Entstehung der Oligarchen.
2.4 Die Privatisierung nach 1994: Es wird die zweite Phase der Privatisierung durch den Verkauf von Aktienpaketen und das "Kredit-gegen-Aktien"-Programm analysiert.
III. Fazit: Das Fazit bewertet den Transformationsprozess als gescheitert hinsichtlich demokratischer Prinzipien und konstatiert die Konzentration wirtschaftlicher und politischer Macht in den Händen weniger.
Schlüsselwörter
Privatisierung, Russische Föderation, Boris Jelzin, Schocktherapie, Marktwirtschaft, Planwirtschaft, Perestroika, Voucher, Massenprivatisierung, Oligarchen, Kapitalismus, Transformation, Reform, Inflation, Eigentumsrechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Übergang Russlands von einer zentralistischen Planwirtschaft hin zur marktwirtschaftlichen Ordnung in den 1990er Jahren, mit einem Fokus auf die Auswirkungen der Privatisierungspolitik.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die ökonomischen Reformschritte, der rechtliche Rahmen der Privatisierung, die soziale Lage der Bevölkerung während der Transformation sowie das Entstehen neuer Machteliten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Ablauf und die Konsequenzen der durch Boris Jelzin initiierten Wirtschaftsreformen zu beleuchten und kritisch auf ihren Erfolg hin zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit folgt einem deskriptiven und analytischen Ansatz, der auf der Auswertung historischer Literaturquellen und zeitgenössischer Analysen zum ökonomischen Wandel basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen der Liberalisierung und der verschiedenen Privatisierungswellen, von der Voucher-Privatisierung bis hin zum Verkauf großer Staatsbetriebe an Kapitalgrößen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Privatisierung, Transformation, Jelzin-Ära, Schocktherapie und der Aufstieg der Oligarchen.
Wie wirkte sich die Voucher-Privatisierung auf die russische Bevölkerung aus?
Die Bevölkerung blieb oft als Leidtragende zurück, da viele Menschen ihre Vouchers aufgrund von Unkenntnis oder wirtschaftlicher Not unter Wert verkauften, wodurch sie keinen Anteil am neu entstandenen Privatvermögen erhielten.
Inwiefern hat das "Kredit-gegen-Aktien"-Programm die Politik beeinflusst?
Dieses Programm ermöglichte es Bankern, Staatsbesitz günstig zu erwerben, und schuf eine enge Verflechtung zwischen diesen Oligarchen und der Regierung, was maßgeblichen Einfluss auf die Wiederwahl Jelzins nahm.
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- Anonym (Author), 2021, Einführung in das russische Recht. Privatisierung der staatlichen Wirtschaft in den 90-er Jahren. Abwicklung und Konsequenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1392457