Phänomene und Probleme in der Sprechakttheorie


Hausarbeit, 2009

17 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Fachsemester: 3

1. Einführung

2. Das Verhältnis von Lokution und Perlokution

3. Diskrepanzen bei Bach und Harnisch

4. Ironie und Lüge
4.1. Das Problem beim Sprechakt Ironie
4.2. Das Problem beim Sprechakt Lüge
4.3. Analyse der Sprechakte Ironie und Lüge

5. Die Pragmatische Tilgung

6. Soziale Ökonomie vs. Sprachökonomie
6.1. Das Produkt von Höflichkeit und sprachökonomischen Prozessen
6.2. Sprachökonomie und Geschlechtertheorie
6.3. Höflichkeit in Maßen: Strategien in der Marktforschung

7. Schlussfolgerung

1. Einführung

Die Sprechakttheorie ist aktuell wohl derwichtigste Teilbereich der Pragmatik. Seit derVorlesungsreihe „How do do things with words“ von John Langshaw Austin in den 50er Jahren befassen sich viele Linguisten mit der Systematik dieser Sprechakte. Noch mehr Bedeutung gewann dieserTeilbereich durch die Veröffentlichung des Werkes „Speech Acts“ von John Searle, einem Schüler Austins. Seitdem wurden immerwiederVersuche unternommen die verschiedensten Sprechakte zu klassifizieren und das Phänomen der Sprechakte zu verstehen. Doch in wie weit kann man diese Sprechakte klassifizieren? Welche Sonderfälle der Sprechakte bereiten Probleme? Und was sind mögliche Gründe für die Nutzung bestimmter Sprechakte? Diese Hausarbeit ist so konzipiert, dass sie sich nicht nur auf einen Aspekt der Sprechakttheorie beschränkt, sondern diesbezüglich verschiedene Thematiken aufgreift.

Wenn es um die Untersuchung des Vollzuges eines Sprechaktes geht, so liegt der Fokus in den meisten wissenschaftlichen Arbeiten häufig auf den illokutionären Akt. Im ersten Teil dieser Hausarbeit liegt der Fokusjedoch aufdas Verhältnis zwischen dem lokutionären Akt und dem perlokutionären Akt bzw.

Effekt. Hier wird argumentiert, dass es nach der Definition Austins nur den phonetischen Akt des lokutionären Aktes bedarf, um einen perlokutionären Akt oder Effekt zu bewirken.

In Kapitel drei werden die Klassifizierungen gewisser Sprechakte von Bach und Harnisch unter die Lupe genommen. Hier wird untersucht, wie die erste von ihnen klassifizierte Gruppe der Sprechakte, nämlich die der Konstativen, konstituiert ist und ob da eventuelle Diskrepanzen herrschen.

Der nächste Teil befasst sich mit zwei speziellen Fällen von Sprechakten, nämlich der Lüge und der Ironie. Mit der gleichen Vorgehensweise wie John Searle es am Beispiel des Versprechens demonstrierte soll hier versucht werden den Sprechakt der Lüge und der Ironie konkreter zu definieren und voneinander auseinander zu halten.

Der letzte Teil dieser Arbeit befasst sich schließlich mit zwei Aspekten, welche sehr starken Einfluss auf die Häufigkeit der Nutzung von Sprechakten hat, nämlich die Höflichkeit und die Sprachökonomie. Es soll hier gezeigt werden, wie gewisse Phänomene wie etwa die Tilgung eine wesentliche Rolle in der Sprechakttheorie spielen, und dass Sprachökonomie und Höflichkeit die wohl zwei stärksten Motive für den Vollzug von (,idiomatisierten’) Äußerungen sind, sofern sich das Gesagte vom Gemeinten unterscheidet. Es wird hierbei insbesondere auf die Wechselwirkung von Sprachökonomie und sozialer Ökonomie aufmerksam gemacht. Genauer veranschaulicht wird dies schließlich, indem geschlechtertheoretische Aspekte und kommunikative Faktoren in der Marktforschung unter die Lupe genommen werden.

2. Das Verhältnis von Lokution und Perlokution

Was sich im Bereich der Sprechakttheorie bei den meisten Pragmatikern durchgesetzt hat ist Austins Terminologie bezüglich des Vollzuges einer Äußerung, die er unterteilt in den lokutionären Akt, den illokutionären Akt und den perlokutionären Akt. Der lokutionäre Akt bezeichnet das Äußern eines sinnvollen Satzes, während der illokutionäre Akt die eigentliche Intention bezeichnet, wie beispielsweise anbieten, warnen, versprechen etc. Der perlokutionäre Akt ist die erfolgreiche Durchführung des Beabsichtigten, allerdings ist dies vom perlokutionären Effekt zu unterscheiden (Sadock 54-55). Nach Jerold Sadock ist der perlokutionäre Akt die Wirkung, die das Gesprochene auf den Hörer hat, egal ob die Wirkung vom Sprecher intendiert ist oder nicht (Saddock 55), wobei das nicht Intendierte den perlokutionäre Effekt bezeichnet und die erfolgreiche „Manipulation“ des Hörers den perlokutionäre Akt.

Der perlokutionäre Effekt kann in gewissem Maße existieren ohne den lokutionären Akt vorher durchzuführen bzw. nicht korrekt oder vollständig durchzuführen. Eine bestimmte Wirkung hat wohl jede Aussage, nur ist sie mal stärker und mal schwächer. Somit bewirktjede Äußerung, die ein Rezipient empfängt, einen perlokutionären Effekt, wofür es nur ein Teil des lokutionären Aktes bedarf: Austin gliedert den lokutionären Akt in drei Teile, nämlich den phonetischen, phatischen, und rhetischen Akt. Der phatische Akt ist eindeutig notwendig: Sprachliche Laute müssen hervorgebrachtwerden. Wenn dies nicht der Fall ist, impliziert es, dass man gar nicht spricht, und in Austin’s Theorie geht es schließlich um das Sprechen, wodurch ein Akt vollzogen wird. Doch betrachtet man sich die anderen beiden Aspekte des lokutionären Aktes noch mal genauer, erkennt man, dass der perlokutionäre Effekt und theoretisch auch derAkt ohne ihnen entstehen kann: Der phatische Akt besagt, dass man eine Äußerung hervorbringt, die nach den Regeln der Grammatik einer bestimmten Sprache und unter Verwendung der Wörter dieser Sprache gebildet sind. Diese Regeln können sogar stark abweichen, so dass trotzdem ein perlokutionärer Effekt bewirkt wird. Denn der perlokutionäre Effekt ist nicht das, was der Sprecher beabsichtigt. Wenn also ein grammatikalisch falscher Satz ausgedrückt wird, so kann dies durchaus eine Wirkung auf den Hörer haben. Ein Beispiel ist eine Person, der die Grammatik einer Sprache kaum beherrscht und trotzdem einen Muttersprachler anspricht: So kann seine Äußerung viele verschiedene perlokutionäre Effekte haben, die ebenfalls kontextabhängig sind. Selbst wenn eine solche Person die Sprache kaum beherrscht, kann ein Muttersprachler ihn theoretisch (unter Umständen mit Mühe) verstehen: Man stelle sich nur eine Situation vor, in der Nicht­Muttersprachler sagt „Tuch ich brauche“, nachdem er genießt hat. Auch wenn der Sprecher sich ungrammatisch ausgedrückt hat, kann der perlokutionäre Akt entstehen (der Hörer reicht ihm ein Taschentuch).

Nach Searle ist der rhetische Akt bereits im illokutionären Akt enthalten und er unterscheidet zwischen Äußerungsakt, welches phonetisch und phatisch ist und dem propositionalen Akt, der wiederum aus dem Referenzakt und Prädikationsakt besteht. Auch hier kann man sagen, dass der propositionale Akt nicht notwendig ist für einen perlokutionären Akt oder sogar Effekt.

Was den rhetischen Akt anbelangt, so geht es hierbei um das Hervorbringen von Äußerungen, die einen sinnvollen Bezug zur Welt als auch Bedeutung haben. Ein abstrakteres Gegenbeispiel wäre Noam Chomskys berühmter Satz „Farblose grüne Ideen schlafen wütend.“ Wenn man dies oderÄhnliches äußert, so gibt es auch einen perlokutionären Effekt, wenn der Rezipient dies hört. Drückt ein Sprecher solchen Widersinn aus, kann dies vom Hörer als seltsam empfunden werden. Es kann auch einen gewissen Humoreffekt haben, was unter Umständen die Absicht des Sprechers ist, so dass auch hier theoretisch der perlokutionäre Akt möglich ist.

3. Diskrepanzen bei Bach und Harnisch

Die Taxonomie von Bach und Harnisch ist unterteilt in vier Klassen, wobei die größte Klasse die der Konstativen ist. Im Folgenden wird versucht die Diskrepanzen in der Klassifizierung der Sprechakte von Harnisch im Bereich der Konstativen genauer zu untersuchen, zu ergänzen und um genauer zu bestimmen, inwiefern sich die Konstativen von den anderen Klassen unterscheiden. Die Konstativen werden bei Bach und Harnisch in folgende Kategorien unterteilt:

“Assertives; Predictives; Retrodiktives; Descriptives; Ascriptives; Informatives; Confirmatives; Concessives, Retractives, Assentives, Dissentives, Disputatives, Responsives, Suggestives; Suppositives” (Bach, Harnish Linguistic Communication and Speech Acts 41). Im Folgenden werden die Englischen Begriffe weiterhin übernommen.

Die ersten drei Unterkategorien der Constatives unterscheiden sich im propositionalen Gehalt nur durch die Zeitform, was man bereits von den Silben ,Pre’ und ,Retro’ ableiten kann. Entsprechend ist die Zeitform bei den Assertives im Präsens, bei den Predictives im Futur und bei den Retrodictives in der Vergangenheit. Die Gruppe der Constatives ist somit die einzige, in welcher die Zeitform variieren kann, während der propositionale Gehalt der Directives und Commisives auf eine zukünftige Handlung eingeschränkt ist und die Acknowledgements sich überwiegend aufdie Vergangenheit beziehen.

Zu den Retrodictives wäre noch hinzuzufügen, dass das Glauben des Sprechers S von der Proposition P nicht so relevant ist wie bei den anderen Unterkategorien der Assertives. Nach Bach und Harnisch ist es bei den Retrodictives die Intention des Sprechers S, dass H glaubt dass P (Bach und Harnisch 42), wobei dies nicht notwendigerweise der Fall ist. Ein Nachrichtensprecher, oder ein Schüler, der ein Referat hält, glaubt nicht notwendigerweise das, was er ausdrückt, sondern tut das was der Arbeitgeber bzw. der Lehrer von ihm/ihr erwartet.

Es gibt weitere Unklarheiten bei der Unterteilung der Constatives:

So ist der Unterschied zwischen Assertives und Informatives noch nicht ganz klar, da auch bei den Assertives ein Glauben geformt wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Phänomene und Probleme in der Sprechakttheorie
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Sprechakttheorie
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V139259
ISBN (eBook)
9783640491186
ISBN (Buch)
9783640491414
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ironie, Lüge, Sprechakt, Sprechakttheorie, Pragmatik, Höflichkeit, Sprachökonomie, Searle, Austin, Germanistik, Sprachwissenschaft
Arbeit zitieren
Shahab Uddin (Autor), 2009, Phänomene und Probleme in der Sprechakttheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139259

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