Gleichheit, Ungleichheit und Herrschaftslegitimation bei Ockham


Hausarbeit, 2009

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gleichheit und Ungleichheit

3 Herrschaftslegitimation
3.1 Theoretische Aspekte
3.2 Die Herrschaft des Papstes
3.3 Die Herrschaft des Kaisers

4 Schlusswort

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Mit seinen Werken hat Wilhelm von Ockham schon im späten Mittelalter für Aufsehen gesorgt. Obwohl sein Name den Wenigsten heute noch ein Begriff sein wird, so sind die Auswirkungen seiner radikalen Einstellung zu zeitgenössischen politischen und theologischen Problemen heute noch spürbar. Vielfältige Schriften geben heute noch Zeugnis über die breite Palette an Themen, die der Franziskaner zu Lebzeiten studierte und lehrte. Zu seinen Werken gehören Texte zur Logik, der Naturphilosophie, der Theologie sowie der Politik.

Letztere finden sich im letzten Abschnitt seines Lebens und entstanden vornehmlich durch die Kontroverse mit Papst Johannes XXII, dem Ockham vorwarf, sich an weltlichen Dingen zu bereichern und dabei seine eigentlichen Kompetenzen als mosaisches Oberhaupt zu über- treten. Für diese Aussagen im Armutsstreit wurde der Ordensbruder vor das päpstliche Inqui- sitionsgericht gestellt, um sich für seine Äusserungen zu verantworten. Mit der Flucht aus Avignon im Jahr 1328 begann für Ockham die Phase des Auseinandersetzens mit der politi- schen Theorie, was ihm nicht zuletzt durch die Obhut Kaiser Ludwigs dem Bayern ermöglicht wurde. Die zu dieser Zeit entstandene und niemals vollendete Schrift, Dialogus, wird gemein- hin als eines der großen Standardwerke der spätmittelalterlichen Politiktheorie angesehen.

Mit Hilfe des Dialogus sollen auf den folgenden Seiten Fragen über die Amtskompetenzen der Herrscher beantworten und sinnvolle Schlüsse ziehen. Wie kann ein Einzelner über viele herrschen? Wo liegen die Grenzen des Herrschers? Wer kann am sinnvollsten herrschen und zu wessen Gunsten soll Herrschaft eigentlich ausgeübt werden? Wer soll überhaupt Herr- schen? Diese und weitere Fragen sollen kritisch hinterfragt und verarbeitet werden, um einen Einblick in das Denken Wilhelm von Ockhams zu erhalten. Ein Schwerpunkt soll hierbei auf den Themenfeldern Gleichheit und Ungleichheit liegen, die anhand von Texten aus dem Dia- logus theoretisch erörtert werden sollen. Der Bezug auf frühere politische Denkweisen, allem voran die des Aristoteles, ist hier ebenso wichtig wie der Hinweis auf den biblischen Kontext. Weiterhin wird die Herrschaftslegitimation nach den Vorstellungen Ockhams erarbeitet und später in den zeitgenössischen Kontext eingeordnet, um so den Konflikt zwischen ihm und dem Papst zu be- und ergründen sowie die Argumente Ockhams an der Herrschaftsberechti- gung des Kaisers und ihren wechselseitigen Einfluss zu prüfen.

2 Gleichheit und Ungleichheit

Der Einfluss Aristoteles´ auf Wilhelm von Ockham ist unübersehbar, mussten Lehrende im späten Mittelalter doch die sogenannten Sentenzenkommentare als Beweis ihrer Lehrfähigkeit erarbeiten. Die Kommentare des Franziskaners Ockham werden heute noch als seine Stan- dardwerke angesehen, in denen sich oftmals der Bezug zur aristotelischen Lehre findet.

Die Umstände, unter denen eine Person gleich oder ungleich zu Anderen sein kann lassen sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Aristoteles bekanntes Beispiel des Flötenspielers bietet hier einen guten Anhaltspunkt: Hat man eine Reihe von gleich begabten Flötenspielern, so darf man bei der Verteilung der Flöten nicht dem Kind aus bestem Elternhaus auch das bes - te Instrument überlassen sondern muss demjenigen, der den größten Willen zeigt, seine Fähig- keit zur Zufriedenheit auszuüben, das beste Instrument zur Verfügung stellen.1 Hierbei wird deutlich, dass nicht die naturgegebenen Voraussetzungen einen Menschen in der Gleichheit positiv herausstechen lassen sollen sondern Leistungen. Für den Philosophen besteht eine Leistung darin, tüchtig zu sein, also dem nachzugehen, was dem sinnvollsten Gebrauch der ei - genen Vernunft am meisten entspricht. Hierzu findet sich ein Zitat Hesiods zu Beginn der Ni- komachischen Ethik:

„Der ist von allen der Beste, der selber jegliches findet. Aber auch jener ist tüchtig, der guter Lehre Gehör gibt. Wer aber selbst nichts erkennt, noch fremden Zuspruch bedächtig bei sich erwägt, der ist wohl unnütz unter den Menschen“2

Nicht nur derjenige der die Fähigkeit des Tüchtigseins mitbringt, sondern auch der Gewillte kann demnach tüchtig sein. Dennoch geht Aristotele]s so weit zu sagen, dass selbst Attribute wie die bessere Geburt oder Schönheit von schlechteren Flötisten,keinen Einfluss auf die Tüchtigkeit des besten Flötenspielers haben dürfen. Menschen, die in ihrer Tüchtigkeit ähn- lich oder gleich sind, muss also auch gleiche Würde und Rang zukommen. Hier sehen, laut Aristoteles einige ein Paradoxon: Wenn ein Staat aus Gleichen bestehe könne es nicht natür- lich sein, dass Gleiche über ungleiche Mittel verfügen, denn es sei schon für den Körper schädlich, wenn „ungleiche die gleiche Nahrung oder Kleidung erhalten“.3 Ockham greift die- se These auf und differenziert weiter: Wenn die, die eine höhere Verdauungskraft vorzeigen auch mehr Essen bekommen und diejenigen die körperlich unterschiedlich gebaut sind auch unterschiedliche Kleidung bekommen, so sei dies angemessen. Allerdings würde dies zu ei- nem Problem in Auseinandersetzung mit den weniger stark Gebauten führen, die sich hier be- nachteiligt fühlten.4 Die grundsätzliche Haltung stimmt hier also mit der des Aristoteles überein, wobei Ockham aber einen Schritt weiter geht. Achtet man bei der Verteilung von Nahrung und Kleidung nur auf den Nutzen des Einzelnen, so muss bei der Vergabe von Rang und Würde auch der Nutzen der Allgemeinheit berücksichtigt werden. Dies revidiert die vorher eingenommene Meinung und besagt, dass Gleichen und Ähnlichen eben nicht gleicher Rang oder gleiche Würde zuerkannt wird. Eine Begründung findet sich hier ebenfalls: Das gemeine Wohl ist dem Wohl des Einzelnen vorzuziehen. Finden wir nun viele Ähnliche oder Gleiche hinsichtlich ihrer Tüchtigkeit, so könne niemand einen Herrschaftsanspruch für sich beanspruchen, da diese ja über gleiche Würde verfü- gen würden. Nun ist es aber, nach Ockham, besser einen Herrscher zu haben, um das allgemeine Wohl zu gewährleisten als ein Volk mit vielen Herrschern.5

[...]


1 Aristoteles, Politik III 1282b30 f.

2 Hesiod, Werke und Tage, Vers 291 ff.

3 Aristoteles, Politik III 1287a13.

4 Aristoteles, Politik V 10 1313a4

5 Ockham, Texte zur politischen Theorie S.171

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Gleichheit, Ungleichheit und Herrschaftslegitimation bei Ockham
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Wilhelm von Ockham - Texte zur politischen Theorie
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V139282
ISBN (eBook)
9783640491216
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ockham, Aristoteles, Gleichheit, Ungleichheit, Herrschaftlegitimation, Johannes XXII, Herrschaft, Kirche, Pabst, Papst, Kaiser
Arbeit zitieren
Kevin Potschien (Autor), 2009, Gleichheit, Ungleichheit und Herrschaftslegitimation bei Ockham, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139282

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