Die Erfolgsgeschichte der neuen freiheitlichen Republik auf deutschem Boden ist auch der Erfolg der beiden Volksparteien.
CDU und SPD haben den Aufbau und die Entwicklung der Bundesrepublik entscheidend geprägt, das steht außer Frage.
Doch insbesondere nach dem Ergebnis der letzten Bundestagswahl flammt erneut die Frage über die Zukunft der Volksparteien auf.
Abgesehen von der 1.Bundestagswahl, erreichten CDU/CSU und SPD mit 69,4% der gültig abgegebenen Zweitstimme am 28. September 2005 das schlechteste Wahlergebnis bei Bundestagswahlen in der deutschen Politikgeschichte.
Mangelnde Mobilisierungs- und Integrationskraft und ein Rückgang der Stammwählerschaft ist zu verzeichnen.
Die Unterstützung durch die breite Wählerschaft und die Integration zahlreicher gesellschaftlicher Gruppen und deren Interessen, welche die Volksparteien in den 60ern und 70ern kennzeichneten, scheint zu verschwinden.
Die Volksparteien trugen in der Bundesrepublik einem stabilen Parteiensystem und der Sicherung der Demokratie bei.
Die parteipolitische Entwicklung in Deutschland, geprägt durch CDU und SPD, wird als beispielloser Aufstieg der Nachkriegszeit gesehen.
Doch in neuerer Zeit kommt es vermehrt dazu, dass vor allem Wissenschaft und Presse sich mit der fraglichen Zukunft der Volksparteien auseinandersetzen.
Ist dies der endgültige Wandel oder nur eine Krise, die es zu bewältigen gilt? Was wird mit der Parteienlandschaft in Deutschland passieren?
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Merkmale und Entwicklung der Volkspartei
3. Die Entwicklung
3.1. Die CDU – der Prototyp Volkspartei
3.2 Die SPD
4. Volksparteien und die moderne Gesellschaft
4.1. Parteienverdrossenheit
4.2. Wandel der gesellschaftlichen Milieus und soziale Forschungsansätze
5. Fazit: Das Ende der Volksparteien?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Bedeutung, den aktuellen Wandel und die Zukunftsperspektiven der beiden deutschen Volksparteien CDU und SPD im Kontext einer sich verändernden Gesellschaft und Parteienlandschaft.
- Definition und Entwicklung des Volkspartei-Konzepts
- Vergleichende Analyse der historischen Entwicklung von CDU und SPD
- Herausforderungen durch gesellschaftlichen Wandel und Parteienverdrossenheit
- Einfluss soziologischer und sozialpsychologischer Faktoren auf das Wahlverhalten
- Diskussion über das Fortbestehen der Volksparteienära
Auszug aus dem Buch
3. Die Entwicklung
Seit der Gründung der CDU 1945 in unmittelbarer Nachkriegszeit verstand sie sich selbst als Volkspartei. Auch Karl-Joachim Kierey, dessen Definition einer Volkspartei oben genannt wurde, kam zu dem Ergebnis, dass die CDU mehr als alle anderen Parteien in Deutschland und mit nur geringen Einschränkungen als Volkspartei zu definieren ist und ihr selbst gesetzter Anspruch daher zu Recht erhoben wird. Kurt Georg Kiesinger sagte am 4. Bundesparteitag der CDU 1953, dass 50% ihrer Wähler Arbeiter oder Angestellte seien, die anderen 50% sich aus Bauern, Selbständige des Mittelstand, Freiberufler und Beamte darstellten.
Das Konzept der Volkspartei, eine möglichst große Spannweite der Gesellschaft zu integrieren und damit den Versuch zu wagen Klassengegensätze zu überwinden, erwies sich für CDU/CSU als ungemein erfolgreich. Die Wahlergebnisse zwischen 1953 und 1969 betrugen über 45%. 1957 erreichte sie als einzige Partei in der Geschichte der Bundesrepublik mit 50,2% die absolute Mehrheit. In 60 Jahren Bundesrepublik regierte die CDU 40 Jahre, was auch bedeutete sich gegen die zweite große Partei durchzusetzen.
Jeder Entwurf führte einen Gegenentwurf herbei, doch genau dieser Wettstreit eröffnete den Bürgern Wahlmöglichkeiten. Die Reibereien zwischen SPD und CDU taten Deutschland gut. Die CDU stützte sich in den Parteianfängen vorrangig auf das katholische Milieu, was sich erst allmählich auflockerte, bis heute jedoch fortbesteht. Dennoch kann nicht von einer katholischen Weltanschauung gesprochen werden, da sich so wenn überhaupt nur ein Teil der führenden Politiker und Anhänger verstand. Insofern sah sich die Partei von Anfang an als eine moderne Partei, die seit den 50er Jahren als Regierungs- und Kanzlerpartei agierte.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Erfolgsgeschichte der Volksparteien in der Bundesrepublik ein und beleuchtet die aktuelle Krise, die sich in sinkenden Wahlergebnissen und Mitgliederzahlen äußert.
2. Merkmale und Entwicklung der Volkspartei: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Volkspartei-Begriffs sowie verschiedene Stadien der Parteientwicklung im europäischen Kontext erläutert.
3. Die Entwicklung: Dieses Kapitel analysiert die spezifische historische Entwicklung der CDU und der SPD als die beiden prägenden deutschen Volksparteien.
4. Volksparteien und die moderne Gesellschaft: Es wird untersucht, wie gesellschaftlicher Wandel, Parteienverdrossenheit und veränderte soziale Milieus die Bindungskraft der Parteien schwächen.
5. Fazit: Das Ende der Volksparteien?: Das Fazit bewertet die aktuelle Krise und kommt zu dem Schluss, dass trotz eines spürbaren Umbruchs und Fragmentierung des Parteiensystems nicht vorschnell vom Ende der Volksparteien gesprochen werden kann.
Schlüsselwörter
Volkspartei, CDU, SPD, Parteienlandschaft, Parteienverdrossenheit, Bundesrepublik Deutschland, Wahlverhalten, Mitgliederzahlen, gesellschaftlicher Wandel, Parteienidentifikation, Demokratie, Sozialforschung, Fragmentierung, Integration, politische Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Rolle und die aktuelle Entwicklung der deutschen Volksparteien CDU und SPD vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Definitionsmerkmale von Volksparteien, der Vergleich zwischen CDU und SPD, Ursachen für Parteienverdrossenheit und Auswirkungen des Wertewandels.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, ob die beobachteten Krisenerscheinungen wie sinkende Mitgliederzahlen und abnehmende Parteibindung das endgültige Ende der Ära der Volksparteien einleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin oder der Autor stützt sich auf eine Analyse politikwissenschaftlicher Literatur, Wahlergebnisse und parteisoziologische Forschungsansätze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung der CDU und SPD, die Ursachen für Parteienverdrossenheit und eine Betrachtung moderner sozialer Forschungsansätze zur Parteienbindung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Volkspartei, Parteienverdrossenheit, Parteienidentifikation, gesellschaftlicher Wandel und Parteienlandschaft.
Inwieweit unterscheidet sich die historische Entwicklung von CDU und SPD?
Während die CDU sich von Anfang an als Volkspartei verstand, wandelte sich die SPD erst in späteren Jahrzehnten in diesen Typus, um Wählerschichten jenseits des traditionellen Arbeitermilieus zu gewinnen.
Welche Rolle spielen Massenmedien für die modernen Parteien?
Medien fungieren laut der Arbeit als schwierige Gegner, da sie komplexe politische Prozesse vereinfachen und Parteien unter einen permanenten Rechtfertigungsdruck setzen.
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- Jana Sepehr (Author), 2009, Deutsche Volksparteien im Wandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139290