„Mama kann das Matheheft erst nächsten Monat kaufen, weil sie diesen Monat kein Geld mehr hat!“
(Schüler einer 2. Klasse)
Immer häufiger werden Aussagen dieser Art gemacht, und es wird immer mehr von Kinderarmut gesprochen. Mit der Literatur zu diesem Thema muss sehr behutsam umgegangen werden. Häufig steht in der Literatur, dass es Kinderarmut erst seit kurzer Zeit gibt, jedoch entspricht dies auf keinen Fall der Wahrheit. Kinderarmut war zwar in der deutschen Forschung lange Zeit kaum ein Thema, jedoch gibt es Kinderarmut in Deutschland bereits seit dem 17. Jahrhundert. Erst seit Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts begann sich jedoch die Wissenschaft in Deutschland für das Thema „Kinderarmut“ zu interessieren. Zuvor wurden Kin-der immer nur als Ursache für Armut gesehen, es war nie von Kindern als Betroffenengruppe die Rede. Doch schließlich konnte nicht mehr weggesehen werden: „Seit den 1970er-Jahren hat Armut ihr Gesicht verändert: Waren davon 1973 vornehmlich ältere Witwen betroffen, die mit geringen Hinterbliebenenrenten auskommen mussten, so 1998 vor allem Kinder und Jugendliche“ (Butterwegge / Holm / Imholz 2004, 21). Seit dieser Zeit gibt es immer wieder neue Studien und Erkenntnisse. Sie beschäftigen sich u. a. mit der Frage nach den Ursachen und Folgen von Kinderarmut. Hat die Kinderarmut Auswirkungen auf die Bildungschancen betroffener Kinder? Macht sich dies schon in der Grundschule bemerkbar? Welche Gründe gibt es für die ungleichen Bildungschancen armer Kinder? Und wie nehmen die betroffenen Kinder ihre Situation wahr? Welche Perspektiven haben sie?
All dies sind Fragen, mit denen sich die folgende Masterarbeit beschäftigt. Sie steht unter dem Thema: Arme Kinder in der Grundschule und ihre Bildungschancen.
In Kapitel 2 werden grundlegende Definitionen, die für diese Masterarbeit von wesentlicher Bedeutung sind, gegeben. Zunächst wird Armut allgemein und deren historische Entwicklung näher beschrieben (Kapitel 2.1). Danach werden drei wesentliche Konzepte von Armut näher erläutert: absolute Armut (Kapitel 2.2.1), relative Armut (Kapitel 2.2.2) und lebenslagenorien-tierte Armut (Kapitel 2.2.3). Zum Abschluss dieses zweiten Kapitels – Kapitel 2.3 - wird speziell auf die Kinderarmut eingegangen. Hier wird der Begriff Kinderarmut und die historische Sichtweise auf die Entwicklung von Kinderarmut näher erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1 Armut
2.2 Unterteilungen von Armut
2.2.1 Absolute Armut
2.2.2 Relative Armut
2.2.3 Lebenslagenorientierte Armut
2.3 Kinderarmut
3. Arme Kinder in der Grundschule
3.1 Ursachen von Kinderarmut
3.2 Folgen von Kinderarmut
4. Zusammenhang von Armut und Bildungschancen
4.1 Funktion von Bildung
4.2 Historische Entwicklung von Bildungschancen armer Kinder
4.3 Gründe für ungleiche Bildungschancen armer Kinder
4.4 Auswirkungen von benachteiligten Bildungschancen auf arme Kinder
4.5 Wahrnehmung und Perspektiven von Kinder auf die eigene Armut
5. Alternativen zur Aufhebung ungleicher Bildungschancen armer Kinder
6. Schlussbemerkung
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Kinderarmut und Bildungschancen in der Grundschule. Dabei wird analysiert, wie sich die sozioökonomische Situation von Familien auf den Bildungserfolg und die Lernbiografien von Kindern auswirkt, um Ansatzpunkte zur Minderung dieser Benachteiligungen zu identifizieren.
- Historische und soziologische Definitionen von Armutskonzepten
- Ursachen und Auswirkungen von Kinderarmut in Deutschland
- Wechselwirkungen zwischen Armut und schulischen Bildungschancen
- Psychosoziale Aspekte und Wahrnehmung von Armut durch Kinder
- Pädagogische Alternativen zur Überwindung bildungsbezogener Benachteiligungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Ursachen von Kinderarmut
Es gibt viele unterschiedliche Gründe, warum Kinder von Armut betroffen sind. In den meisten Fällen kann jedoch keine eindeutige Ursache bestimmt werden - es sind häufig viele verschiedene Umstände die in ihrer Summe zu Kinderarmut führen. Aufgrund dessen, dass die meisten Kinder im Grundschulalter von ihren Eltern abhängig sind, können bei den Kindern selber keine Ursachen für Armut gefunden werden. „Kinder und Jugendliche sind (…) überwiegend durch die Verarmung der Eltern von Armut betroffen“ (Dangschat 1996, 159). Erst wenn die Kinder älter werden, ist die Armut ihre „eigene“, obwohl auch hier zu berücksichtigen ist, dass sie die Armut häufig von ihren Eltern „übernehmen“ (vgl. Dangschat 1996, 159).
Dangschat (1996) nennt folgende vier Ursachenkomplexe für die Zunahme von Kinderarmut:
- Unzureichender Familienlastenausgleich
- Wachsende Arbeitslosigkeit und Dauerarbeitslosigkeit unter den 25- bis 40-jährigen
- Lebenszyklen und Haushaltsformen differenzieren sich
- Wohnraummangel
(vgl. Dangschat 1996, 157-159).
„Arbeitslosigkeit und Niedrigeinkommen haben in den letzten Jahren stark zugenommen und sind dafür verantwortlich, dass Kinder und Jugendliche so stark von Armut betroffen sind“ (Klocke 1996, 391). Nach Klocke (2001) ist die Arbeitslosigkeit die Hauptursache für Armut in Deutschland. Die Arbeitslosigkeit „betrifft Personen im erwerbsfähigen Alter, also Menschen im Alter von etwa 20 bis 55 Jahren, die in der überwiegenden Zahl in Familien leben“ (Klocke 2001, 296). Dieses ist ein Grund dafür, warum immer mehr Kinder in Armut aufwachsen. In welcher Dimension die Erwerbstätigkeit der Eltern das Armutsrisiko der Kinder beeinflusst, ist bereits in Kapitel 2.1 beschrieben. Etwa ein Drittel der Sozialhilfebezieher sind arbeitslos. Häufig befinden sich die Personen nicht „nur“ in einer kurzfristigen Arbeitslosigkeit, sonder werden zu Langzeitarbeitslosen. Langzeitarbeitslose leben vermehrt in Familien und haben viele Kinder. Die Kinder sind auch hier die Leidtragenden und unterliegen der Kinderarmut (vgl. Palentien 2004, 80-81).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Kinderarmut in Deutschland ein und verdeutlicht, dass dieses Phänomen keineswegs neu ist, sondern in der aktuellen bildungswissenschaftlichen Diskussion zunehmend an Bedeutung gewinnt.
2. Definitionen: Dieses Kapitel erläutert verschiedene Armutsbegriffe, darunter die absolute, relative und lebenslagenorientierte Armut, und setzt diese in Bezug zur spezifischen Situation von Kindern.
3. Arme Kinder in der Grundschule: Der Hauptteil beleuchtet die Ursachen und Folgen von Kinderarmut, wobei der Fokus explizit auf der Altersgruppe der Grundschulkinder liegt.
4. Zusammenhang von Armut und Bildungschancen: Hier wird analysiert, wie Armut den Bildungserfolg beeinflusst, von der historischen Entwicklung bis hin zu den Gründen für die ungleiche Startchancen im heutigen Schulsystem.
5. Alternativen zur Aufhebung ungleicher Bildungschancen armer Kinder: Das Kapitel diskutiert pädagogische und bildungspolitische Ansätze, insbesondere die Rolle der Ganztagsschule, um soziale Benachteiligungen abzumildern.
6. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass Kinderarmut ein zentrales Bildungsproblem darstellt und fordert eine stärkere Berücksichtigung des Themas in der Lehrerausbildung.
7. Literaturverzeichnis: Umfasst die wissenschaftlichen Quellen und Studien, die zur Fundierung der Masterarbeit herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Bildungschancen, soziale Ungleichheit, Grundschule, Armutsrisiko, soziale Selektion, Bildungserfolg, Schulerfolg, Familienlastenausgleich, Arbeitslosigkeit, Soziale Brennpunkte, Bildungsarmut, Ganztagsschule, Resilienz, soziale Benachteiligung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen der ökonomischen Situation von Kindern in Deutschland und deren individuellen Bildungschancen während ihrer Grundschulzeit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die soziologische Definition von Armut, die Ursachen für Kinderarmut, die gesundheitlichen und psychosozialen Folgen sowie die Barrieren im Bildungssystem.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Armut und ungleichen Bildungschancen aufzuzeigen und Strategien zu benennen, wie die Schule durch gezielte Förderung zur Chancengleichheit beitragen kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgreifenden Literatur- und Theorieanalyse aktueller Studien und Berichte zur Armutsforschung und Bildungssituation.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Im Hauptteil werden neben den Ursachen (wie Arbeitslosigkeit der Eltern) vor allem die Folgen für die Kinder, wie psychosoziale Belastungen, Stigmatisierung und der Einfluss auf die schulische Leistung, detailliert erörtert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kinderarmut, Bildungschancen, soziale Selektion und Chancengleichheit in der Grundschule beschreiben.
Welche Rolle spielt die Ganztagsschule in den Ergebnissen der Arbeit?
Die Ganztagsschule wird als wesentliche Alternative und pädagogischer Lösungsansatz hervorgehoben, um soziale Disparitäten auszugleichen und benachteiligten Kindern ein förderliches Lernklima zu bieten.
Wie gehen betroffene Kinder mit ihrer Armutssituation um?
Die Kinder entwickeln oft Strategien wie die soziale Isolation oder die Anspruchssenkung, nehmen die Armut jedoch meist als belastend wahr, da sie ihre Ausgrenzung innerhalb der Kinderkultur und Peer-Group sehr deutlich spüren.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2009, Arme Kinder in der Grundschule und ihre Bildungschancen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139303