Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Degradierung von Mangrove-Küsten und den daraus entstehenden teils gigantischen Problemen für die ansässige Bevölkerung. Der Fokus ist auf die den Menschen betreffenden Auswirkungen gelegt. Mit diesem Beitrag soll ein Zugang zu dieser Problematik für Interessierte ermöglicht werden. Er kann aber auch zur Materialienbeschaffung und als Informationsbasis für Personen, die im Lehrbereich tätig sind, herangezogen werden. Die Arbeit soll nicht nur als geographische Sachanalyse dienen, sondern es kann auch ein Schulbezug durch die Verknüpfung der Mangrove-Degradierung
mit Naturkatastrophen hergestellt werden. Das Wirbelsturmereignis in Myanmar im Mai des Jahres 2008 würde sich momentan als hervorragender und aktueller Einstieg in eine auf Naturkatastrophen bezogene Unterrichtseinheit eignen, in der die Mangrove-Degradierung eine wesentliche Rolle spielt. Zwar erfuhren der Wirbelsturm Nagris und seine zahllosen Opfer unmittelbar nach der Katastrophe eine starke Thematisierung in den Medien, jedoch blieb der Zusammenhang zwischen den hohen Opferzahlen und der starken Degradierung der Mangrove-Küsten nahezu in allen Berichten außen vor und befindet sich jenseits des
Interesses der medialen Berichterstattung.
Das Ziel der Arbeit ist es, eine Einschätzung des Grades der Degradierung, beziehungsweise der Zerstörung der Mangrove-Küsten darzustellen. Mit quantitativen Aussagen, die die weltweite Bestandsentwicklung betreffen, wird versucht, das Ausmaß der
Mangrove-Degradierung mit Attributen zu beschreiben, die von wenig bis hochgradig geschädigt reichen. Daraus erwächst gegebenenfalls eine Dringlichkeit, beziehungsweise eine
mehr oder weniger akute Forderung hin zu nachhaltigeren Wirtschaftsweisen. Diese äußern sich in alternativen Nutzungen der Mangrove-Küsten im Vergleich zum rezenten Wirtschaften im Bereich der tropischen Küstenvegetation Mangrove.
Es werden weltweit Beispiele herangezogen, welche die Degradierung der Mangrove-Küsten veranschaulichen. Beispiele dafür sind Mangrove-Küsten in Südamerika (Ecuador, Brasilien), Südost-Asien (Myanmar, Thailand, Indien/Bangladesh).
Inhaltsverzeichnis
1. Zielsetzung und Hinführung zum Thema
2. Stand der Mangrove-Forschung
3. Erklärung des Themas
4. Methodische Vorgehensweise
5. Charakteristika, Verbreitung und Funktionen der Mangrove-Küste
5.1 Allgemeine Charakteristika des Ökosystems Mangrove
5.2 Verbreitung und Bestandsentwicklung der Mangrove-Küsten
5.3 (Schutz-)Funktionen der Mangrove-Küste und die Mangrove als Indikator für Degradierung
5.3.1 Überblick über die Funktionen der Mangrove-Küsten
5.3.2 Die Mangrove in ihrer Funktion als Küstenschutz
5.3.3 Indikatoren der Degradierung von Mangrove-Küsten
6. Ursachen der Degradierung anhand verschiedener Nutzungsarten und deren Wirkungen
6.1 Ursachen und Wirkungen der großräumigen Flächenumwandlung
6.1.1 Die Aquakultur als große Bedrohung der Mangrove-Bestände
6.1.2 Die Degradierung der Mangrove-Küste durch Holznutzung
6.1.3 Weitere anthropogene Nutzungsarten der Mangrove-Küste mit großem Flächenbedarf
6.2 Die Traditionelle Subsistenz-Nutzung im Wandel unter den Auswirkungen der großräumigen Flächenumwandlung
6.3 Wirkungen der großräumigen Flächenumwandlung auf die Fischerei
7. Diskussion der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Ausmaß der Degradierung von Mangrove-Küsten und analysiert die künstlich herbeigeführten Schädigungen durch industrielle Nutzungen wie Aquakulturen und Holzeinschlag. Ein zentrales Ziel ist es, die sozio-ökonomischen Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung sowie den Verlust der natürlichen Schutzfunktionen gegen Naturkatastrophen aufzuzeigen und die Notwendigkeit nachhaltigerer Bewirtschaftungsformen zu begründen.
- Analyse des globalen Status und der Bestandsentwicklung von Mangroven.
- Untersuchung der kausalen Zusammenhänge zwischen großräumiger Flächenumwandlung und Degradierung.
- Bewertung der ökologischen und ökonomischen Folgen für die lokale Subsistenzwirtschaft.
- Darstellung der Bedeutung von Mangroven als biogener Küstenschutz bei Extremwetterereignissen.
- Kritische Diskussion der Rolle von internationalen Organisationen und globalen Marktinteressen.
Auszug aus dem Buch
6.1.1 Die Aquakultur als große Bedrohung der Mangrove-Bestände
Der Ausbreitung der Aquakulturflächen fällt eine entscheidende Rolle bei der Zerstörung der Mangrove-Küsten zu. Neben der Umwandlung zu Agrikulturflächen, die ebenfalls einen großen Teil der Flächenumwandlungen ausmacht, ist die Nutzungsart Aquakultur erheblich an einer Reduzierung der Mangrove-Bestände beteiligt. Nach wie vor stellt sie eine beträchtliche Gefährdung der noch vorhandenen Mangrove-Gebiete dar, und wird daher, auch aufgrund ihrer starken Wachstumsraten, in dieser Arbeit als eine der entscheidenden Ursachen für die Mangrove-Zerstörung betrachtet. Da die Teichanlagen einen großen Flächenbedarf mit sich bringen, kann die Umwandlung von Mangrove-Küste zu Aquakulturteichen nicht mehr nur mit dem Begriff der Degradierung beschrieben werden, sondern muss als eine totale Zerstörung der Grundstrukturen des Ökosystems angesehen werden. Degradierung findet dort statt, wo Mangrove-Wald unmittelbar an Aquakulturflächen grenzt und dann unter anderem durch Abwässer aus den Teichen geschädigt wird.
Die Züchtung von Meeresorganismen in Teichen hat eine lange Tradition und stammt höchstwahrscheinlich aus China und dem süd-ost-asiatischen Raum, wo bereits seit 4,000 Jahren Teichaufzuchten, wie beispielsweise von Milchfischen, betrieben wird (vgl. HENN 2003:81, Internet). Mit dem ab den achtziger Jahren einsetzenden Boom hat sich der Anteil der Aquakultur an der marinen Gesamtproduktion stetig erhöht (siehe Abbildung 17) und wird Prognosen zur Folge auf 50% im Jahre 2030 anwachsen (vgl. HENN 2003:80, Internet). Asien wird höchstwahrscheinlich mit seinem momentanen Anteil an der Aquakultur von etwa 90% auf lange Sicht die dominierende Kraft im Aquakultursektor bleiben (siehe Abbildung 18, nächste Seite). In Süd-Ost-Asien sind die Länder Thailand und Indonesien, was Garnelenproduktion und –export angeht, nicht nur regional dominierend, sondern auch Weltmarktführer. Abbildung 19 (nächste Seite) zeigt den Anteil der Aquakultur an der Mangrove-Zerstörung einiger Länder Süd-Ost-Asiens. Die Hauptgarnelenproduzenten Thailand und Indonesien zeigen dabei die größten Anteile von aquakulturbedingter Zerstörung an den Mangrove-Beständen. Jedoch besitzt auch Südamerika ein stetig wachsendes Volumen an Produktion in Aquakulturen, wobei Ecuador als produktionsstärkstes Land zu nennen ist (vgl. UTHOFF 2000:71).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zielsetzung und Hinführung zum Thema: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Mangrove-Degradierung im Kontext von Naturkatastrophen und formuliert das Ziel einer wissenschaftlichen Einschätzung des Zerstörungsgrades.
2. Stand der Mangrove-Forschung: Es wird die historische Entwicklung der Forschung skizziert, wobei die Schwächen der aktuellen Datenlage und die Notwendigkeit eines interdisziplinären Ansatzes betont werden.
3. Erklärung des Themas: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die zu untersuchenden Auswirkungen menschlicher Eingriffe.
4. Methodische Vorgehensweise: Die Arbeit stützt sich auf eine Kombination aus Literaturrecherche, Analyse von Satellitenbildern und statistischen Tabellen zur Bestandsentwicklung.
5. Charakteristika, Verbreitung und Funktionen der Mangrove-Küste: Das Kapitel behandelt die biologischen Grundlagen, die globale Verbreitung sowie die vielfältigen Schutzfunktionen der Mangroven als Ökosystem.
6. Ursachen der Degradierung anhand verschiedener Nutzungsarten und deren Wirkungen: Hier werden die industriellen Treiber der Zerstörung, insbesondere die Aquakultur und Holznutzung, sowie deren Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung detailliert analysiert.
7. Diskussion der Ergebnisse: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse synthetisiert und Strategien für eine nachhaltigere Bewirtschaftung und verstärkte Schutzmaßnahmen diskutiert.
Schlüsselwörter
Mangrove, Degradierung, Aquakultur, Küstenschutz, Flächenumwandlung, Holznutzung, Subsistenzwirtschaft, Biodiversität, Klimawandel, Meeresspiegelanstieg, Irawady-Delta, Nachhaltigkeit, Ökosystemmanagement, Fernerkundung, Ressourcenmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der zunehmenden Degradierung und Zerstörung von Mangrove-Küsten durch menschliche Wirtschaftsaktivitäten und den daraus resultierenden negativen Folgen für Mensch und Umwelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die ökologischen Funktionen von Mangroven, die industrielle Nutzung (vor allem Aquakultur), die Auswirkungen auf die subsistenzorientierte Bevölkerung sowie der Verlust an natürlichem Küstenschutz.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Grad der Degradierung durch quantitative Daten und Fallbeispiele einzuschätzen und die Dringlichkeit für nachhaltigere Wirtschaftsweisen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine Literaturrecherche durchgeführt, ergänzt durch eine eigene Auswertung von Satellitenbildern und statistischen Daten aus verschiedenen Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der ökologischen Eigenschaften von Mangroven, die Untersuchung verschiedener degradierender Nutzungsarten und deren Auswirkungen auf die Küstenstabilität sowie die lokale Fischerei.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den Kernbegriffen zählen Mangrove, Degradierung, Aquakultur, Küstenschutz, Flächenumwandlung und Subsistenzwirtschaft.
Wie korreliert der Verlust von Mangroven mit Naturkatastrophen?
Intakte Mangroven dienen als Barriere gegen Sturmfluten und Wellenenergie. Ihr Verlust erhöht die Vulnerabilität dicht besiedelter Küstenregionen gegenüber Extremwetterereignissen wie Wirbelstürmen erheblich.
Warum wird Aquakultur im Dokument kritisch betrachtet?
Die Umwandlung von Mangroven in Aquakulturteiche führt zur totalen Zerstörung der lokalen Ökosysteme, führt zu Verschmutzung durch Chemikalien und verdrängt die lokale Subsistenzwirtschaft zugunsten globaler Exportinteressen.
- Citation du texte
- Julian Schatz (Auteur), 2008, Zur Degradierung von Mangrove-Küsten – Ursachen und Wirkungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139437