In der NS-Zeit wurden Kinder gezielt beeinflusst. Diese Bachelorarbeit analysiert, wie die nationalsozialistische Ideologie in Kinderbüchern vermittelt wurde. Im Fokus stehen zwei Werke: "Jungzug 2. Fünfzig Jungen im Dienst" von Alfred Weidenmann und "So sind wir" von Lydia Schürer-Stolle. Beide Autoren waren Teil der Reichsjugendführung und hatten Einblicke in die nationalsozialistische Erziehung.
Die Bücher erzählen vom Leben in der Hitler-Jugend und dem Bund Deutscher Mädchen. Zur Analyse werden Kinderbuchmarkt, Erziehung im Dritten Reich und die Organisationen der HJ und des BDM betrachtet. John B. Thompsons Methode zur Ideologieanalyse wird angewendet.
Die Forschung zur NS-Kinderliteratur hat bisher verschiedene Aspekte beleuchtet. Diese Arbeit vertieft das Verständnis, besonders im Kontext des BDM, einer wenig erforschten Untergruppe der Hitler-Jugend. Es bietet eine umfassende Untersuchung nationalsozialistischer Kinder- und Jugendbücher, die bisher fragmentiert behandelt wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ein Überblick: Der Kinderbuchmarkt im Dritten Reich
2.1. Kontrollinstanzen des Kinder- und Jugendbuchmarkts der NS-Zeit
2.2. Die Bereitstellung von Kinder- und Jugendbüchern in Bibliotheken
2.3. Rahmenbedingungen der Werke So sind wir und Jungzug 2
3. Das Dritte Reich und die Erziehung von Kindern
3.1. Die Hitler-Jugend
3.2. Die Inhalte der Schulung in der HJ und dem BDM
3.2.1. Die körperliche Erziehung
3.2.2. Die weltanschaulichen Schulungen
4. Analyse der Ideologien in Jungzug 2 und So sind wir
4.1. Angewandte Methodik nach John B. Thompson
4.2. Jungzug 2
4.2.1. Gemeinschaft und Einheit
4.2.2. Abgrenzung zu Andere
4.2.3. Grundsätze der Hitler-Jugend
4.2.4. Hitler-Jugend ist für alle gut
4.3. So sind wir
4.3.1. Kameradschaft
4.3.2. Abgrenzungen zu Anderen
4.3.3. Das Wesen der Jungmädel
4.3.4. Der Jungmädelbund ist für alle gut
4.3.5. Adolf Hitler und der BDM
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vermittlung nationalsozialistischer Ideologien in der Kinder- und Jugendliteratur des Dritten Reiches. Anhand einer tiefgehenden Analyse der Werke „Jungzug 2. Fünfzig Jungen im Dienst“ von Alfred Weidenmann und „So sind wir. Jungmädel erzählen“ von Lydia Schürer-Stolle wird mit der Methode von John B. Thompson erforscht, wie staatliche Vorstellungen von Erziehung, Gemeinschaft und Abgrenzung durch literarische Erzählung kindgerecht verpackt und intentional verbreitet wurden.
- Strukturelle Analyse der Rahmenbedingungen und Kontrollmechanismen des NS-Kinderbuchmarktes.
- Untersuchung der nationalsozialistischen Erziehungsziele in Hitler-Jugend (HJ) und Bund Deutscher Mädchen (BDM).
- Anwendung der thompsonschen Methodik (Legitimation, Täuschung, Vereinigung, Teilung, Reifikation) auf die beispielhaften Primärquellen.
- Herausarbeitung zentraler Motive wie Kameradschaft, Feindbildkonstruktion und Adolf Hitler als Identifikationsfigur.
Auszug aus dem Buch
3.2. Die weltanschaulichen Schulungen
Die weltanschaulichen Schulungen waren von großer, wenn nicht sogar wichtigster Bedeutung. Die zu besprechenden Themen der Heimabende wurden in Schulungsmappen festgelegt und erschienen alle zwei Wochen. Diese Mappen ähnelten dem Lehrplan in der Schule, und sie waren nach Jahrgängen aufgeteilt. Im Alter zwischen 10 bis 14 Jahren lernte man die germanischen Götter und Helden, wichtige deutsche Persönlichkeiten, die Geschichte Deutschlands und Adolf Hitlers Biografie kennen.
Ab 14 Jahren befasste man sich mit aktuelleren Themen, wie das deutsche Blutserbe. Man erlernte die Nürnberger Gesetze, wie man das Blut reinhielt und wie man es angemessen vermehren konnte. Im Jugendbuch Deutsche Jungens auf Fahrt (1934) heißt es: „Nun ist es an dir, die Ehre deines Blutes, des deutschen Namens zu verteidigen. Sei darauf bedacht, daß [sic!] künftige Geschlechter auf dein Werk und auf das deiner Kameraden mit Stolz zurückblicken.“ .
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf die Beeinflussbarkeit der jungen Generation im Dritten Reich und stellt die beiden zu untersuchenden Kinderbücher als ideale Quellen für die Analyse der NS-Ideologie-Verbreitung vor.
2. Ein Überblick: Der Kinderbuchmarkt im Dritten Reich: Dieses Kapitel erläutert die komplexen Kontrollinstanzen und Regelungen, denen die Kinderliteratur unterlag, um sicherzustellen, dass nur linientreue Werke die Leserschaft erreichten.
3. Das Dritte Reich und die Erziehung von Kindern: Hier wird das Erziehungskonzept der HJ und des BDM beschrieben, das darauf abzielte, Jugendliche als Objekte der staatlichen Erziehung zu formen und kritiklos auf die Ideologie einzuschwören.
4. Analyse der Ideologien in Jungzug 2 und So sind wir: Anhand der Methodik von John B. Thompson werden die konkretisierten Ideologien in den beiden Romanen analysiert und deren narrative Strategien offengelegt.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die untersuchten Kinderbücher als wirkungsvolle Instrumente der NS-Erziehung fungierten, indem sie komplexe Machtansprüche in kindgerechte, positiv konnotierte Erzählungen übersetzten.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Hitler-Jugend, Bund Deutscher Mädchen, Kinderliteratur, Ideologie, Erziehung, John B. Thompson, Kameradschaft, Propaganda, NS-Staat, Schulung, Drittes Reich, Buchmarkt, Literaturpolitik, Weltanschauung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie nationalsozialistische Ideologien mittels spezifischer Kinder- und Jugendbücher gezielt an Kinder in der NS-Zeit vermittelt wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Erziehungspraxis in der Hitler-Jugend (HJ) und dem Bund Deutscher Mädchen (BDM) sowie der inhaltlichen Ausgestaltung dieser Ideologien in ausgewählten Werken.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Art und Weise der kindgerechten Vermittlung der nationalsozialistischen Ideologie zu entschlüsseln und zu zeigen, wie die Literatur zur Lenkung der jungen Generation genutzt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt das Modell des Soziologen John B. Thompson, um Ideologien anhand von Strategien wie Legitimation, Täuschung und Vereinigung in den Texten zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Überblick über den NS-Kinderbuchmarkt sowie die detaillierte Analyse der beiden Werke „Jungzug 2“ und „So sind wir“ nach thompsonschen Kategorien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben den Kernbegriffen wie NS-Ideologie und Erziehung spielen Konzepte wie Kameradschaft, der Totalitätsanspruch der Organisationen und das Konstruieren von Feindbildern eine zentrale Rolle.
Warum wurden genau diese zwei Bücher für die Analyse gewählt?
Weidenmanns „Jungzug 2“ und Schürer-Stolles „So sind wir“ dienten der 10- bis 14-jährigen Zielgruppe und wurden nach dem Gesetz über die Hitlerjugend (1936) als schadlos und ideologisch konform eingestuft, was sie zu idealen Objekten der Untersuchung macht.
Welche Rolle spielt Adolf Hitler in der Analyse?
Während Hitler in Weidenmanns Buch nicht explizit vorkommt, dient er in Schürer-Stolles Werk als zentrales Sinnbild für Rettung, Freiheit und Patriotismus für die Mädchen im BDM.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Wirksamkeit der Werke?
Es wird festgestellt, dass die Bücher durch narrative Strategien erfolgreich die NS-Weltanschauung als alternativlos und erstrebenswert darstellten, wobei negative Aspekte des Systems konsequent ausgeblendet wurden.
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- Julia Steindl (Author), 2021, Die Vermittlung von Ideologien in Kinderbüchern der NS-Zeit. Eine Analyse anhand zwei Werken der Hitler-Jugend und des Bunds Deutscher Mädchen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1394637