Erste Formen von Entwicklungshilfe wurden kurz nach dem 2. Weltkrieg vergeben. Zu dieser Zeit litt ganz Europa unter den Folgen des Krieges. Nahrung sowie Kohle waren äußerst knapp, woraufhin die USA beschlossen Europa mittels Entwicklungshilfe zu unterstützen. Sie stellten durch den Marshallplan Mittel zur Verfügung, die in Europa für den Wiederaufbau der zerbombten Produktionsanlagen und die Beseitigung anderer Kriegsfolgen verwendet wurde. Es muss jedoch erwähnt werden, dass die Vereinigten Staaten dies nicht aus reiner Nächstenliebe taten. Sie vertraten hierbei auch eigene politische, wirtschaftliche und militärische Interessen. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurden andere Länder ebenfalls durch Entwicklungsprogramme gefördert. Allerdings lagen nun die Haupt-prioritäten nicht mehr im Aufbau zerstörter Industrienationen, vielmehr wurde nun versucht die Entwicklung rückständiger Länder zu fördern. Zuerst wurden ehemalige Kolonien durch ihre früheren Besatzer unterstützt, da diese hofften, dass die Kolonien eine ähnlich positive Entwicklung wie die europäischen Staaten nehmen würden. Schließlich erkannten die Industriestaaten, dass auch Länder ohne kolonialen Hintergrund Entwicklungshilfe nötig hatten. Internationale Organisationen wie die OECD nahmen sich dieser Aufgabe an, wodurch auch an unterdurchschnittlich entwickelte Länder Entwicklungshilfe vergeben wurde. Diese Arbeit stellt die Grundzüge der Entwicklungshilfe dar. Desweitern wird ein Überblick über die aktuelle Bedeutung von Entwicklungshilfe geboten. Darüber hinaus wird auf verschiedene volkswirtschaftliche Theorien der Entwicklungshilfe eingegangen und die Frage gestellt, unter welchen Bedingungen Entwicklungshilfe Auswirkungen auf die Entfaltung eines Landes hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Thematischer Hintergrund
1.2 Ziele der Arbeit
2 Bedeutung der Entwicklungshilfe
2.1 Definitionen
2.1.1 Industrieland
2.1.2 Entwicklungsland
2.1.3 Entwicklungshilfe
2.2 Ebenen der Entwicklungshilfe
2.2.1 Bilaterale Projekt- und Programmhilfe
2.2.2 Multilaterale Projekt- und Programmhilfe
2.2.3 Bi- und multilaterale Projekt- und Programmhilfe der BRD
2.3 Kapitalflüsse, -geber und –nehmer
3 Theorien der Entwicklungshilfe
3.1 Wachstumstheorie
3.2 Grundbedürfnisstrategie
3.3 Modernisierungstheorie
3.4 Dependenztheorien
4 Wirkungen der Entwicklungshilfe
5 Folgerung und Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Grundzüge und die aktuelle Bedeutung der Entwicklungshilfe. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, unter welchen Bedingungen Entwicklungshilfe tatsächlich Auswirkungen auf die wirtschaftliche und soziale Entfaltung eines Landes hat und wie verschiedene ökonomische Theorien diesen Prozess bewerten.
- Historische Entwicklung und Einordnung der Entwicklungshilfe
- Strukturen und Ebenen der globalen Hilfeleistung
- Analyse zentraler entwicklungspolitischer Theorien (Wachstum, Grundbedürfnisse, Modernisierung, Dependenz)
- Problematik der Effizienz und Fungibilität von Kapitalflüssen
- Rolle von Eigeninteressen der Geberländer bei der Vergabe
Auszug aus dem Buch
4 Wirkungen der Entwicklungshilfe
Aufgrund der vielen Formen und Ansätze der Entwicklungshilfe, bestehen die berechtigten Fragen, inwiefern sich Entwicklungshilfe auf ein Nehmerland auswirkt, unter welchen Faktoren die Auswirkungen besonderes effektiv sind und welche Kriterien bei der Verteilung von Entwicklungshilfe ausschlaggebend sind.
Empirische Studien haben bewiesen, dass es große Differenzen bei der Effizienz von Entwicklungshilfe gibt. Wird einem Entwicklungsland, welches eine bereits funktionierende Wirtschafts- und Politikstruktur besitzt, Entwicklungshilfe gewährt, kann es zu einem deutlichen Ansteigen des Wirtschaftswachstums führen, wohingegen die eingesetzte Entwicklungshilfe in einem Land, welches sich politisch-ökonomisch weniger fortschrittlich zeigt, meist in unproduktive staatliche Ausgabenprogramme investiert wird. Jedoch ist zu beachten, dass Entwicklungspolitik, die sich auf im Voraus festgelegte Investitionen beschränkt das Anwachsen der Armut in Entwicklungsländern beschleunigt (vgl. Wachstumstheorie). Hier kommt der Begriff der „Fungibilität“ zum Einsatz. Die Fungibilität von Entwicklungshilfe lässt sich anhand eines Beispiels erklären. Zur Vereinfachung des Beispiels wird davon ausgegangen, dass die Regierung eines Entwicklungslands zwei Güter finanziert, Straßen (R) und Schulen (S).Ein Kapitalgeber will mit dem Wert A an Investitionen ein Projekt im Straßenbau des Entwicklungslandes vorantreiben. Wird dieses Vorhaben nach der Absicht des Kapitalgebers durchgeführt, müssen die Straßen mithilfe des Kapitals A zu (R+A) anwachsen, da das Geld investiert wurde um die Straßenstruktur des Nehmerlandes zu verbessern. Besteht jedoch einen Wahlmöglichkeit auf Seite des Nehmerlandes den Einsatz des Kapitals A nicht nur in Straßen, sondern auch in den Bau von Schulen zu investieren, so spricht man von fungibler Entwicklungshilfe (Fungibilität), da nun das Kapital z.B. nicht vollständig in Straßenbauprojekte investiert wird; es können zum anderen auch Projekte aufgegriffen und zum Teil finanziert werden, die sich das Entwicklungsland ohne Kapitalzuschüsse kaum hätte finanzieren können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel skizziert die historische Entstehung der Entwicklungshilfe nach dem Zweiten Weltkrieg und definiert die Zielsetzung sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Bedeutung der Entwicklungshilfe: Hier werden grundlegende Begriffe wie Industrieland und Entwicklungsland geklärt sowie die verschiedenen Ebenen (bilateral/multilateral) und Kapitalströme der Entwicklungshilfe detailliert dargestellt.
3 Theorien der Entwicklungshilfe: Dieses Kapitel erläutert die wichtigsten wirtschaftswissenschaftlichen Ansätze, darunter die Wachstumstheorie, die Grundbedürfnisstrategie, die Modernisierungstheorie und die Dependenztheorien.
4 Wirkungen der Entwicklungshilfe: Der Autor untersucht hier die Effizienz und das Problem der Fungibilität von Hilfsgeldern und analysiert die tatsächlichen Auswirkungen auf die Entwicklung der Nehmerländer.
5 Folgerung und Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Problematik der Eigeninteressen der Geberländer zusammen und verweist auf die Millenniumsentwicklungsziele als Schritt hin zu einer effizienteren Vergabe.
Schlüsselwörter
Entwicklungshilfe, Industrieland, Entwicklungsland, Wirtschaftswachstum, Wachstumstheorie, Grundbedürfnisstrategie, Modernisierungstheorie, Dependenztheorie, Fungibilität, ODA, Kapitalflüsse, Millenniumsentwicklungsziele, Armutsbekämpfung, Geberländer, Weltbank.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle der Entwicklungshilfe als Instrument zur Beschleunigung der wirtschaftlichen Entwicklung in Entwicklungsländern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die theoretischen Grundlagen der Entwicklungspolitik, die verschiedenen Organisationsformen der Hilfeleistung sowie die Wirksamkeit und Effizienz dieser Maßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Grundzüge der Entwicklungshilfe darzustellen, ihre aktuelle Bedeutung zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen, unter welchen Bedingungen sie tatsächlich zur positiven Entfaltung eines Landes beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine Literaturanalyse sowie die Untersuchung ökonomischer Theorien, ergänzt durch die Analyse statistischer Daten zu ODA-Quoten und Wachstumsmodellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinitionen, die Analyse der verschiedenen theoretischen Modelle zur Entwicklung sowie eine kritische Untersuchung der Wirkungsweisen von Hilfeleistungen, inklusive des Phänomens der Fungibilität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen unter anderem Entwicklungshilfe, Fungibilität, ODA-Quote, Wachstumstheorie und Modernisierungstheorie.
Warum wird im Dokument das Konzept der Fungibilität so betont?
Die Fungibilität ist entscheidend, weil sie erklärt, warum Kapital, das für einen spezifischen Zweck (z.B. Straßenbau) gedacht ist, in der Praxis für andere Staatsausgaben verwendet werden kann, was die Messbarkeit der Wirkung von Entwicklungshilfe erschwert.
Welche Rolle spielen Eigeninteressen der Geberländer?
Die Autoren legen dar, dass Entwicklungshilfe oft nicht rein altruistisch vergeben wird, sondern außenpolitische und wirtschaftliche Eigeninteressen der Geberländer die Vergabe beeinflussen und somit die Effizienz mindern können.
- Citation du texte
- Silvan Mahr (Auteur), Alexander Baum (Auteur), 2008, Entwicklungshilfe als Mittel zur Beschleunigung der wirtschaftlichen Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139497