Der Mörder in uns
Diese Arbeit befasst sich mit den Ansätzen verschiedener Forscher zum Thema „Mord“ und soll aufzeigen und feststellen, was soziobiologische Erklärungen auf diesem schwierigen Terrain zu leisten vermögen. Die Grundlage dabei bildet die Arbeit „Der Mörder in uns“ von David M. Buss, welcher nach Martin Daly und Margo Wilson einen umfassenden Überblick über das Thema bietet. Ziel ist hier, das Thema so objektiv wie möglich zu behandeln und zu jedem Zeitpunkt herauszustellen, dass es sich lediglich um eine Erklärung des Umstandes, nicht aber um eine Legitimation, handelt.
In seinem Buch setzt sich der texanische Psychologe ausführlich mit dem Thema Mord und der Antwort auf die Frage „warum wir zum Töten programmiert sind“ auseinander. Der Kern von Buss‘ Annahmen ist seine „Logik der evolutionären Theorie des Mordes“. Vornehmlich soll herausgestellt werden, wie überzeugend David Buss‘ Theorie und seine Antworten auf diese Frage sind.
Sind kriminelle Handlungen tatsächlich in der Lage, unseren Reproduktionserfolg, und damit unser genetisches Überleben, in der Welt zu erhöhen? Sind wir sogar genetisch dazu programmiert? Ist der Mensch ein Sklave seiner Gene?
Grundlagen
Um einen Überblick darüber zu bekommen, was es bedeutet, sich dem Thema „Mord“ von einer soziobiologischen oder evolutionspsychologischen Seite her zu nähern, ist es nötig, sich zuvor mit den Grundlagen der Evolution des Verhaltens vertraut zu machen. Die Soziobiologie beginnt bei der Erforschung des Tierreichs, und ebenfalls werde ich in dieser Arbeit zunächst damit beginnen, die Grundlagen des genetischen Überlebens zu skizzieren. Dies wird sich allerdings nur in einem kleinen Rahmen bewegen. Zur Vertiefung eignen sich die Werke „Was ist Soziobiologie“ von Franz M. Wuketits, „Sociobiology and Behaviour“ von David P. Barash, „Sociobiology – The New Synthesis“ von Edward O. Wilson und „Das egoistische Gen“ von Richard Dawkins.
Inhaltsverzeichnis
1 Genetisches Überleben
1.1 Zwischen den Disziplinen - Von der Soziobiologie zur Evolutionspsychologie
1.2 Artwohl oder Eigennutz?
1.3 Konflikt und Kooperation
1.3.1 Der Kampf der Geschlechter
1.3.2 Konflikte im Familienverband
1.3.3 Egoismus, Altruismus oder Egoistischer Altruismus?
1.4 Erbe und Umwelt: Ist der Mensch ein Sklave seiner Gene?
1.5 Exkurs: Moral in der Soziobiologie – Die Tendenz zur Doppelmoral
2 Mord
2.1 Kritische Betrachtung zu „Der Mörder in uns – Warum wir zum Töten programmiert sind“ von David Buss
2.2 Mordphantasie
2.3 Allgemeine statistische Muster: Wer tötet wen?
2.4 Mord in Partnerschaften
2.4.1 Mordmotive
2.4.2 Statistische Muster bei Partnermorden
2.4.3 Prädikatoren für Mord
2.4.4 Das Töten von Nebenbuhlern
2.5 Mord in der Familie
2.5.1 Filizid
2.5.1.1 Wenn Eltern ihre leiblichen Kinder töten
2.5.1.2 Das gefährliche Leben der Stiefkinder
2.5.2 Parentizid – Wenn Kinder ihre Elter töten
2.5.3 Siblizid – Geschwistermord
2.6 Mord als evolutionäre Anpassungsleistung – Status und Reputation
2.6.1 Männliche Reputation
2.6.2 Weibliche Reputation
3 Schlussbetrachtungen
3.1 Zusammenfassung
3.2 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht kriminelles Verhalten, speziell Mord, aus einer soziobiologischen und evolutionspsychologischen Perspektive. Sie verfolgt das Ziel, Mord nicht als rein psychopathologisches Phänomen, sondern als Ergebnis evolutionär entstandener Anpassungsmechanismen zu erklären, wobei der Fokus auf den Logiken des Reproduktionserfolgs und der Ressourcenkonkurrenz liegt.
- Evolutionäre Grundlagen menschlichen Sozialverhaltens
- Die soziobiologische Logik des Mordes
- Einflussfaktoren von Reputation und Status auf Gewalt
- Statistische Analyse von Mordmustern (Partnerschaften, Familie)
Auszug aus dem Buch
Mord
Mord unterscheidet sich stark von allen anderen Formen der Gewalt, denn hierbei fügt der Täter dem Opfer nicht nur Schmerzen oder ein Oder ein anders geartetes Leid geartetes Leid zu, sondern er löscht sein Leben aus. Darüberhinaus unterscheiden sich auch die Motive für Mord grundlegend von Motiven für andere Gewaltdelikte, mit denen Mord als Extremfall in der Forschung oftmals gleichbehandelt wird. (Buss 2007: 26f.)
Es gibt unterschiedliche Theorien zur Erklärung von Gewalt. Allen voran steht hierbei die Erklärung von Gewalt über das soziale Umfeld, wie sie beispielsweise Albert Bandura mit seiner Theorie vom sozialen Lernen anführt. Dieser Theorie zufolge ist gerade die Zurschaustellung von Gewalt in den Medien äußerst gefährlich, da besonders Kinder dazu neigen, Gesehenes zu verinnerlichen und zu imitieren, in diesem Fall speziell gewalttätiges Verhalten. (Buss 2007: 27f.) Diese Theorie vermag allerdings kaum zu erklären, warum es selbst in Kulturen ohne Medieneinflüsse Morde gibt und die Statistiken dort ähnlich denen der Kulturen mit Medieneinfluss sind. (Buss 2007: 27) Allerdings wird dem Menschen darüber eine Vielzahl von möglichen Verhaltensmustern vorgelegt. Auch in den Medien gibt es viele Beispiele für den hilfsbereiten Helden oder den Bösewicht, der für seine Verbrechen bestraft wird. Es gibt also kein Indiz dafür, warum ein Mensch für das Negativ-Vorbild eine Präferenz entwickeln sollte, statt sich für das positive Vorbild zu entscheiden. (ebd.)
Zusammenfassung der Kapitel
Genetisches Überleben: Einführung in die soziobiologische Perspektive, die soziales Verhalten als Resultat der Evolution durch natürliche Auslese betrachtet, um den eigenen Reproduktionserfolg zu sichern.
Mord: Untersuchung von Mord als Resultat natürlicher Selektion, unter kritischer Beleuchtung der Thesen von David Buss, der den menschlichen Geist als mit Adaptionen für das Töten ausgestattet betrachtet.
Schlussbetrachtungen: Reflexion über die Tragweite evolutionspsychologischer Erklärungsansätze für Kriminalität und eine kritische Diskussion der Stärken und Schwächen dieses Forschungsansatzes.
Schlüsselwörter
Soziobiologie, Evolutionspsychologie, Mord, Reproduktionserfolg, Natürliche Selektion, Partnerwahl, Sexuelle Rivalität, Elterninvestment, Cinderella-Effekt, Mordphantasie, Inklusive Fitness, Status, Reputation, Gewalt, Aggression.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das menschliche Mordverhalten unter dem spezifischen Blickwinkel der Soziobiologie und Evolutionspsychologie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich mit der evolutionären Logik von Gewalt, dem Einfluss genetischer Programme auf soziales Verhalten und der Analyse spezifischer Mordkategorien wie Partnermord und Familienmord.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine objektive Untersuchung der Frage, inwieweit soziobiologische Theorien (insbesondere von David Buss) dazu beitragen können, kriminelle Handlungen zu erklären, ohne dabei eine moralische Legitimation für Mord auszusprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender soziobiologischer und evolutionspsychologischer Standardwerke und Studien (z.B. von David Buss, Daly & Wilson) sowie die Auswertung internationaler Kriminalstatistiken.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen des genetischen Überlebens erörtert und die Anwendung evolutionsbiologischer Logik auf verschiedene Mordarten, wie Mord an Partnern oder innerhalb der Familie, detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Inklusive Fitness, natürliche Selektion, sexuelle Rivalität, Reproduktionserfolg und den Cinderella-Effekt.
Inwiefern unterscheiden sich Motive bei Mord in Partnerschaften nach Geschlecht?
Während bei Männern häufig sexuelle Rivalität und die Kontrolle der Partnerin dominieren, werden Morde durch Frauen oft als Reaktion auf langfristige Misshandlungssituationen oder als Selbstverteidigung interpretiert.
Was besagt der "Cinderella-Effekt" im Kontext dieser Arbeit?
Der Cinderella-Effekt beschreibt die Beobachtung, dass Stiefkinder statistisch gesehen einem höheren Risiko ausgesetzt sind, von Stiefeltern misshandelt oder getötet zu werden, als von ihren leiblichen Eltern.
- Quote paper
- Jessica Rudi (Author), 2009, Kriminalität im Blickwinkel der Soziobiologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139520