Masken und Identitäten. Dies ist das Thema der vorliegenden Arbeit. Sie soll Einblicke in die spannende Frage nach der Identität geben, in ihre Vielfältigkeit, ihre verschiedenen Erscheinungsformen, und gleichermaßen auch kritisch hinterfragen: Was ist Identität oder was stellen wir uns darunter vor?
Nicht erst heute denken wir intensiver über diese Fragestellung nach. Bereits vor über 2500 Jahren konnte man die Inschrift »Erkenne Dich selbst« im Apollo-Tempel in Delphi lesen. Sie scheint uns Menschen bereits seit der Antike zu beschäftigen,
womöglich aber noch sehr viel länger. Auch die Begriffe »Individuum«, »Ich«, »Selbst«, und »Sein« sind von großer Bedeutung und werden daher im Rahmen dieser Arbeit ebenfalls behandelt und erklärt. Wie stehen diese Begriffe im Verhältnis zur Identität? Sind sie Synonyme oder doch eigenständige Begriffe für etwas Eigenes? Zwar ist das Wort »Identität« wohl jedem ein Begriff, doch dabei bleibt es meistens auch – bei einem Begriff, in den jeder seine eigene Meinung platziert. Gemein ist
aber allen Ansichten, dass es sich bei dem Gebilde Identität um etwas mit Kontinuität, Konstanz und Zuverlässigkeit handelt. Wenn wir einen ehemaligen Schulfreund nach zehn Jahren wieder treffen, so ist es vielleicht nicht mehr die gleiche Person, aber er ist immer noch identisch »mit sich selbst«. Sein Kern (andere würden vielleicht Seele sagen), die Substanz, das Bewusstsein, ist derselbe. So hilft uns die Identität uns im Leben besser zurecht zu finden, Dinge und Leute, die wir kennen, wiederzufinden. Und sie hilft uns auch gleichermaßen, uns selbst zu erkennen. Bin
ich wirklich ich? Wer sagt mir, dass ich nicht jemand anderes bin? Oder bin ich gar nicht mehr? Bin ich noch derjenige, der diese Fragen stellt, oder schon ein anderer? Viele dieser Fragen führen uns zu logischen und sprachlichen Paradoxa, die uns
Menschen immer noch ein Rätsel sind. So ist der Verlust der Identität gleichbedeutend mit dem Ich-Verlust. Aber was genau ist denn nun Identität? Letztlich ist es schwierig eine exakte Formulierung zu finden – ähnlich den Begriffen Zeit, Liebe
und Moral. Sie sind relativ und stehen im Kontext mit einem anderen Subjekt, aus dem sich dann vielleicht ein Sinn erkennen lässt. Die Identität ist keineswegs eine Metaphysik, sie ist die Suche eines jeden Menschen nach einem Halt, einem fixen
Punkt im Leben.
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1: Identitäten und Masken der Moderne
1.1 gnothi seauton – ein vorwort
1.2 der versuch einer definition
1.3 das ich in der philosophie
1.3.1 cogito e(r)go sum – bin ich?
1.3.2 der tod des ichs – es lebe die freiheit!
1.3.4 was tue ich?
1.3.5 ist das ich frei?
1.4 psychologische und soziologische betrachtung
1.4.1 individuum oder dividuum?
1.4.2 kollektive identität
1.4.3 die maslowsche bedürfnispyramide
1.4.4 egoismus – wenn nur das eigene ich zählt
1.4.5 wenn ein unternehmen spricht
1.5 was bleibt übrig? – eine frage des selbsts an das ich
Kapitel 2: Der Film Zelig
2.1 vorwort
2.2 woody allen – ein neurotisches genie?
2.2.1 sein leben
2.2.2 seine filme
2.3 der film
2.3.1 der plot
2.3.2 spezialeffekte, kameraführung und schnitt
2.4 die charaktere
2.4.1 dr. eudora fletscher (mia farrow)
2.4.2 leonard zelig (woody allen)
2.4.3 die menschen in zelig
2.4.4die intellektuellen
2.5 interpretation
2.5.1 der faschismus – warum zelig der perfekte nazi ist
2.5.2 zelig, das judentum und woody Allen
2.5.3 die verwandlung – wieso zelig auch nur ein käfer ist
2.5.4 der ewige jude – weshalb zelig ein verdammter ist
2.6 die quadratur des kreises – ein fazit
2.7 filmography
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe Phänomen der Identität in der Moderne, indem sie theoretische philosophische und soziologische Konzepte mit einer tiefgehenden Analyse des Woody-Allen-Films "Zelig" verknüpft, um zu hinterfragen, wie sich das Individuum in einer durch Konformitätsdruck und mediale Beeinflussung geprägten Welt verortet.
- Philosophische und psychologische Grundlagen der Identitätsbildung
- Wechselwirkung zwischen Individuum, Gesellschaft und Identitätsverlust
- Filmanalyse von "Zelig" als Spiegel gesellschaftlicher Konformität
- Die Rolle von Humor und Satire zur Behandlung existentieller Fragen
Auszug aus dem Buch
1.3.2 DER TOD DES ICHS – ES LEBE DIE FREIHEIT!
In dieser Arbeit wurde bereits auf einige Merkmale des Ichs eingegangen und nun kommt ein weiterer Aspekt, der bewusst erstmal nicht angesprochen wurde: Gibt es das Ich überhaupt? Anders als nämlich Descartes’ Dualismus und Cogito, ging Ernst Mach so weit zu sagen, dass es gar kein Ich gibt und dass Geist und Körper ein und dasselbe sind. Jahrtausende lang sprach die Philosophie und der Mensch vom »Ich« und nun stellte Mach genau dies in Frage.
»Das Ich ist keine unveränderliche, bestimmte, scharf begrenzte Einheit. Das Ich ist unrettbar. Teils dieser Einsicht, teils die Furcht vor derselben führen zu den absonderlichsten pessimistischen und optimistischen, religiösen und philosophischen Verkehrtheiten.«
Eine ähnliche Ansicht vertrat schon der schottische Philosoph David Hume. Nach ihm war das Ich gar nichts Reales, sondern nur in der Vorstellung existent. Wenn man aber das Ich definieren müsste, so sei es eine »Zusammensetzung der Wahrnehmungen«.
Ist es tatsächlich so? Machen wir uns als Mensch selbst etwas vor? Eine absolute Wahrheit darüber wird man wohl noch lange Zeit suchen und vielleicht auch nie finden. Aber wäre es denn so schlimm, wenn das Ich nur eine Illusion ist? Reicht uns das nicht, da wir doch immer noch ein und dieselbe Person sind? Der Soziologe Niklas Luhmann meint: »Man ist Individuum, ganz einfach als der Anspruch, es zu sein. Und das reicht aus.«
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Identitäten und Masken der Moderne: Dieses Kapitel erläutert philosophische, psychologische und soziologische Ansätze zur Identitätsbildung und thematisiert das Spannungsfeld zwischen dem Streben nach Individualität und der Anpassung an gesellschaftliche Erwartungen.
Kapitel 2: Der Film Zelig: Hier wird der Film "Zelig" detailliert analysiert, wobei der Protagonist als Symbol für den Verlust der eigenen Identität durch extreme Konformität im Kontext der modernen Gesellschaft und historischer Ereignisse gedeutet wird.
Schlüsselwörter
Identität, Identitätskrise, Moderne, Individuum, Konformismus, Philosophie, Psychologie, Woody Allen, Zelig, Selbstbild, Fremdbild, Soziologie, Existentialismus, Rollenverhalten, Maske
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Begriff der Identität in der modernen Gesellschaft und analysiert, wie sich das Individuum in einem komplexen Geflecht aus gesellschaftlichen Anforderungen und persönlichen Werten definiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die philosophische Betrachtung des Ichs, soziologische Aspekte der Identitätsbildung, die Analyse des Films "Zelig" unter existenzialistischen Gesichtspunkten sowie die kritische Reflexion über Konformität und Individualismus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Begriff der Identität sowohl theoretisch als auch praktisch anhand des Films "Zelig" zu dekonstruieren und zu hinterfragen, ob in einer sich ständig wandelnden Moderne eine eigene Identität überhaupt noch stabil bewahrbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert Literaturrecherche zu philosophischen und soziologischen Theorien mit einer qualitativen Filmanalyse des Regiewerks von Woody Allen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung zum "Ich" und eine detaillierte Interpretation des Films "Zelig", inklusive der Charakteranalyse und der Bedeutung des dokumentarischen Stils.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Identität, Konformismus, Selbstverlust, Existentialismus und die Analyse von Rollenmasken charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Psychoanalyse im Film "Zelig"?
Sie fungiert als zentrales narratives Element, durch das der Protagonist Leonard Zelig mittels Hypnose therapiert wird, was gleichzeitig den Zugang zu seinem Unterbewusstsein und den Ursachen seiner extremen Anpassung ermöglicht.
Warum wird der Film "Zelig" als "Pseudo-Dokumentarfilm" bezeichnet?
Weil Woody Allen bewusst Stilmittel des Dokumentarfilms wie körniges Filmmaterial, Interviews und Archivaufnahmen nutzt, um eine authentische Geschichte vorzutäuschen, die in Wirklichkeit eine fiktionale, ironische Auseinandersetzung mit der Wahrheit und Realität ist.
Wie interpretiert der Autor den Faschismus im Film "Zelig"?
Der Autor sieht im Faschismus das extreme Ziel der grenzenlosen Anpassung; Leonard Zelig wird als Prototyp des Nazi-Mitläufers dargestellt, der seine eigene Identität vollständig aufgibt, um in der Masse unterzutauchen und keine Verantwortung tragen zu müssen.
Welche Bedeutung hat der Vergleich mit der Legende des "Ewigen Juden"?
Der Vergleich dient dazu, das ständige "Wandern" und die Heimatlosigkeit von Zelig sowie dessen Unfähigkeit, in der Gesellschaft akzeptiert zu werden, als archetypisches Schicksal eines Exilierten oder Ausgestoßenen zu verdeutlichen.
- Arbeit zitieren
- Mustafa Celikkaya (Autor:in), 2009, Masken und Identitäten der Moderne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139566