Die Alpen stehen bereits seit über zwei Jahrhunderten im Mittelpunkt der geowissenschaftlichen Forschung und gehören zu den am besten erforschten Gebirgen der Erde. Wissenschaftler, die sich vorrangig der Untersuchung der Alpen hingeben, erhalten in der Fachwelt sogar oft die Nomenklatur „Alpengeologe“ und werden nicht wie alle anderen als Geologen bezeichnet (ROTHE 2005:187). In der Literatur werden die Alpen meist als „Musterbeispiel eines Orogens“ (SCHÖNENBERG & NEUGEBAUER 1997:190), „Paradebeispiel der Plattentektonik“ (VEIT 2002:16) und als „methodische Schule der Geographie“ (DONGUS 1984:388) bezeichnet.
Dachte man früher noch, dass das Aufbrechen der Erdkruste sowie die Auswaschung der tiefen Gebirgstäler die Folge einer Sintflut waren oder die Gebirge das Ergebnis einer Kristallisation von Granit sowie Gneis am Meeresgrund sind und nach anschließendem Absinken des Meeresspiegels frei an der Oberfläche lagen (um nur zwei der vielen älteren Gebirgsbildungstheorien zu erwähnen), ist heute dank des Geophysikers Alfred Wegener und seiner Drifttheorie bekannt, dass die Alpen ein Kollisionsorogen darstellen und durch eine Kontinent-Ozean-Kontinent-Kollision entstanden sind (WIERER 1998:141-148). Jedoch gibt es trotz der langjährigen Erforschung der Alpen, über mehr als zwei Jahrhunderte hinweg, immer noch offene Fragen zur Entstehung sowie zur geologischen Gliederung, die in der Literatur nicht einheitlich verwendet wird und zum Teil große Varianzen aufweist, was schließlich unter den Geologen zu Kontroversen und unterschiedlichen Meinungen führt. Das Ziel dieser Arbeit ist, die Geschichte und die geologische Gliederung der Alpen zu erläutern – „eine bewegte Geschichte: vom Meer zum Gebirge“ (KREUTZER 1995:43).
In den nachfolgenden Ausführungen soll zunächst eine räumliche Abgrenzung der Alpen und eine Charakterisierung dieser Region vorgenommen werden. Danach wird auf die Entstehung der Alpen, speziell auf die präalpidische, die alpidische und die quartäre Entwicklung, eingegangen. Im Anschluss daran folgt eine genauere geologische Gliederung der Alpen in seine Faziesbereiche und tektonischen Großeinheiten, wobei jeder Bereich speziell abgehandelt wird und zum Schluss werden die gesammelten Informationen zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Charakterisierung und Abgrenzung der Alpenregion
3 Entstehung der Alpen
3.1 Präalpidische Entstehung
3.2 Alpidische Entstehung
3.2.1 Trias
3.2.2 Jura
3.2.3 Kreide
3.2.4 Tertiär
3.3 Die Alpen im Quartär - Heutiges Erscheinungsbild und Alpenrelief
4 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die komplexe geologische Geschichte der Alpen sowie deren strukturelle Gliederung verständlich darzulegen und den Wandel von der Entstehung im Mesozoikum bis zur heutigen Reliefbildung zu erläutern.
- Historische Entwicklung der Alpen seit dem Paläozoikum
- Räumliche Abgrenzung und Charakterisierung der Alpenregion
- Tektonische Prozesse und Gebirgsbildungsphasen
- Einfluss von Erosion und Hebung auf das heutige Erscheinungsbild
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Trias
Die eigentliche alpidische Entstehung beginnt in der Trias vor 250-205 Millionen Jahren (KREUTZER 1995:44), oder wahrscheinlich schon nach den letzen variscischen Gebirgsbildungsvorgängen im späten Perm. Tektonisch war dieser Zeitraum relativ ruhig (TRÜMPY 1998:169). Alle Kontinente waren, als Folge von Plattenkollisionen sowie den vorangegangenen Gebirgsbildungen, miteinander verbunden und bildeten den Superkontinent Pangäa. Die heißen und trockenen Klimabedingungen führten zu starken Erosionsvorgängen an den Gebirgen (WIERER 1998:149). Der dabei entstandene Verwitterungsschutt wurde in den während der variscischen Gebirgsbildung entstanden Grabenbrüchen abgelagert. Ein Beispiel für derartige Sedimentablagerungen ist der Verrucano, der Mächtigkeiten mit über 1600 m aufweist und „später in die helvetischen Decken einbezogen“ wurde (GEIGER 2002:35). Die tektonische Ruhe hielt jedoch nicht lange. Nach WIERER (1998:149) sorgten Konvektionsströmungen für „Aufschmelzungen, Krustendehnung und –ausdünnung“ der kontinentalen Kruste Pangäas, was schließlich Grabenbrüche mit sich brachte und das allmähliche Auseinanderbrechen des Superkontinents andeutete. Diese Grabenbrüche und eine Absenkung der immer dünner werdenden Kruste führte zu Transgressionsvorgängen und ein flacher Meeresarm, ein Vorläufer unseres heutigen Mittelmeeres, der Tethys, schob sich von Osten ins Landesinnere vor.
Flüsse lagerten entlang der Küstenlinie Sande und Schotter ab, was im späteren Helvetikum mit einbezogen wird. Etwas weiter entfernt vom Küstenbereich bildeten sich, auf Grund der tropisch warmen Klimate in diesem Flachwasser, riesige Korallenriffe, die eine Lagune, in der ebenfalls Sedimentation (Kalke, Dolomite) stattfand, vom offenen Meer abtrennte und das Ausgangsmaterial der später entstehenden Nördlichen Kalkalpen darstellen (Abb. 3-2) (KREUTZER 1995:44, VEIT 2002:18).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Bedeutung der Alpen als Kollisionsorogen ein und definiert das Ziel der Arbeit, die geologische Geschichte und Gliederung aufzuarbeiten.
2 Charakterisierung und Abgrenzung der Alpenregion: Dieses Kapitel erörtert die Kriterien zur Definition der Alpenregion und beschreibt die physischen Eigenschaften des Gebirgsbogens.
3 Entstehung der Alpen: Hier wird der Prozess der Gebirgsbildung in seine präalpidischen, alpidischen und quartären Phasen unterteilt und detailliert analysiert.
3.1 Präalpidische Entstehung: Dieses Kapitel betrachtet die frühen Gebirgsbildungsphasen des Grundgebirges, insbesondere die variscische Tektogenese.
3.2 Alpidische Entstehung: Dieser Abschnitt beschreibt die wesentlichen geologischen Prozesse des Mesozoikums und des Tertiärs.
3.2.1 Trias: Fokus liegt auf dem Zerfall von Pangäa und der damit verbundenen Sedimentation unter tropischen Bedingungen.
3.2.2 Jura: Hier wird die Öffnung des Südpennischen Ozeans und die Entstehung des adriatischen Sporns behandelt.
3.2.3 Kreide: Das Kapitel erläutert die Umkehr der Plattenbewegungen und den Beginn der Subduktionsprozesse.
3.2.4 Tertiär: Detaillierte Betrachtung der Hauptkollision und der damit einhergehenden krustalen Verdickung.
3.3 Die Alpen im Quartär - Heutiges Erscheinungsbild und Alpenrelief: Dieser Teil widmet sich den exogenen Prozessen, die das gegenwärtige, stark erodierte Relief der Alpen formen.
4 Schlusswort: Das Schlusswort resümiert den Forschungsstand und betont die anhaltende wissenschaftliche Diskussion um die Details der alpinen Tektogenese.
Schlüsselwörter
Alpen, Plattentektonik, Orogenese, Mesozoikum, Tethys, Subduktion, Kollisionsorogen, Deckentheorie, Sedimentation, Paläozoikum, Variscische Gebirgsbildung, Tertiär, Quartär, Isostasie, Geologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen umfassenden geologisch-tektonischen Überblick über die Entstehung und Entwicklung der Alpen, von den präalpidischen Anfängen bis zur heutigen Reliefgestalt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die plattentektonischen Prozesse, die Sedimentationsgeschichte, die alpidische Metamorphose sowie die Rolle von Erosion und Hebung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die komplexe Geschichte der Alpen – beschrieben als "vom Meer zum Gebirge" – sowie die verschiedenen geologischen Gliederungssysteme zu erläutern und einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und die Synthese bekannter geowissenschaftlicher Modelle und Theorien zur Alpenbildung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch: Er beginnt mit dem Grundgebirge, führt über die einzelnen Phasen des Mesozoikums und Tertiärs (Trias bis Tertiär) bis hin zur aktuellen quartären Reliefprägung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Plattentektonik, Orogenese, Tethys, Subduktion, Kollisionsorogen, Sedimentation und Isostasie.
Welche Rolle spielt die Tethys bei der Entstehung der Alpen?
Die Tethys fungierte als flacher Meeresarm, in dessen Becken während der Trias und des Jura mächtige Sedimente abgelagert wurden, die später in die Deckenstruktur der Alpen einbezogen wurden.
Warum wird das "Tauernfenster" im Text hervorgehoben?
Das Tauernfenster dient als Anschauungsbeispiel dafür, wie durch Erosion oberflächliche Deckschichten abgetragen wurden, wodurch der Blick auf darunterliegende, ältere Deckenschichten freigegeben wird.
- Citar trabajo
- Andy Schober (Autor), 2008, Die Entstehung der Alpen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139624